11. November in Polen: Warum auch Deutschland einen Befreiungstag braucht

11. November in Polen: Warum auch Deutschland einen Befreiungstag braucht

1875 erbaut, 1938 in der Reichspogromnacht verbannt: Die Stettiner Synagoge (Foto:Wikicommons)

Eine Gedenktafel erzählt in Stettin, dass dort keine Synagoge mehr steht. Die Geschichte dieser Synagoge ist ein Abbild der jüdischen Blüte in der Stadt und ihrer brutalen Auslöschung. Die Neue Synagoge in Stettin war ein Bauwerk von beeindruckender Würde. Sie wurde zwischen 1873 und 1875 errichtet, entworfen von den Architekten Hermann Ende und Wilhelm Böckmann, die für die jüdische Gemeinde ein Gotteshaus schufen, das selbstbewusst in die Stadtsilhouette hineinragte. Die Kuppel, der maurische Stil, die feinen Rundbogenfenster – all das symbolisierte die Zugehörigkeit des Judentums zum bürgerlichen Leben Preußens, ja, zum modernen Deutschland. 1.600 Gläubige fanden darin Platz. Doch die Geschichte wendete sich. Nach Jahrzehnten der bürgerlichen Integration, nach Zeiten, in denen Stettiner Juden Ärzte, Juristen, Kaufleute, Lehrer, Intellektuelle stellten, kam mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten das schrittweise Ende. Als in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Scheiben klirrten, als Männer in Uniform die Türen einschlugen und das Feuer legten, brannte nicht nur ein Gebäude. Es verbrannte die Illusion, man könne jüdisches Leben in Deutschland dauerhaft verankern.

Die Flammen der Reichspogromnacht verschlangen das Herz der Stettiner Gemeinde. Am nächsten Morgen standen nur noch die geschwärzten Mauern. Wenige Wochen später wurden die Trümmer gesprengt, später abgetragen. Von über zweitausend Gemeindemitgliedern im Jahr 1933 blieben kaum Überlebende. Wer fliehen konnte, floh; wer blieb, wurde deportiert. Auf dem Platz, wo einst die Synagoge stand, erzählt heute eine Gedenktafel von dem, was war – und was nicht mehr ist. Sie erinnert an die Gemeinde von 1812 bis 1940, an das Feuer, an die Nacht, in der die Zivilisation zerbrach. Heute, Jahrzehnte später, tun deutsche Politiker so, als wäre der Judenhass plötzlich und unerwartet wieder neu aufgeflammt. Weg war er nie, doch verästelt hat er sich durch die unkontrollierte Massenmigration unter Angela Merkel. Millionen von Menschen mit einer finsteren Ideologie, die den Judenhass mit der Muttermilch bekommen, wurden ins Land gelassen, obwohl die Regenten wissen mussten, dass der hiesige Antisemitismus selbst ohne importierte Kräfte nicht im Griff ist. Doch man tat es, vorgeblich aus humanistischen Gründen. Es ist jedoch ein selektiver Humanismus, denn gegenüber Juden in Deutschland war dieser Akt zutiefst inhuman.

Kaum vorstellbar, dass sich die Polen eine unkontrollierte Masseneinwanderung gefallen ließen

Dennoch entblöden sich Politiker wie Katrin Göring-Eckardt in einer Videobotschaft insofern, als sie in bedeutungsschwangeren Worten den moralischen Zeigefinger erhebt: „Zu erinnern ist wichtig. Noch viel wichtiger ist, dass wir uns beim heutigen Antisemitismus nicht zurückhalten“, so die Grünen-Politikerin. Da mag sogar etwas dran sein. Doch ist es so, dass Frau Göring-Eckardt sich selbst in Zurückhaltung übt, da sie es in der Stellungnahme mit keinem Wort erwähnt, dass die größte Gefahr für jüdisches Leben – neben der Ignoranz der Mehrheitsgesellschaft – Muslime in diesem Land sind. Die Worte klingen, als seien sie moralisch, als wollten sie Gutes. Doch was nützt es, Mahnungen auszusprechen, wenn man die Ursachen verschweigt? Wenn man zwar über Antisemitismus redet, aber die Realität meidet, dass dieser Hass längst wieder auf den Straßen, auf Schulhöfen, in Moscheen, in sozialen Medien gedeiht – nicht nur von deutschen Rechtsextremen, sondern vor allem von jenen Muslimen, die man mit offenen Armen empfing, ohne nach ihrer Gesinnung zu fragen? Man ließ Millionen ins Land, viele voller Ressentiment gegen Juden, Israel, den Westen. Und man tat so, als sei das moralisch überlegen. Es war politisch feige. Es war eine Entscheidung gegen die Sicherheit jüdischen Lebens in Deutschland.

In Stettin ist jüdisches Leben zwar ab 1938 stark dezimiert worden, dennoch wirkt die Stadt mit sich im Reinen. Das Stadtbild ist geklärt; man spricht Polnisch. Migranten sind zwar vorhanden, wenn, dann aber hauptsächlich und in Maßen als Geschäftsleute. Gegen diese Ausländerpolitik kann man schwerlich sein; gegen die suizidale Migrationswelle, die spätestens seit Merkel eingesetzt hat, dagegen schon – die neben jüdischem Leben auch den Alltag für Nichtjuden immer schwieriger macht. In Stettin scheint davon wenig zu spüren zu sein. Und dabei wirkt die Stadt fast zufällig vielfältiger als die meisten deutschen Großstädte. Der Hafen ist spektakulär, ebenso wie die Fachwerkhäuser am Heumarkt. Stettin ist irgendwo zwischen Berlin, aber normal, Venedig und Lübeck. Es ist kaum vorstellbar, dass sich die Polen eine solche muslimische Landnahme, wie sie sich die selbstzufriedenen Deutschen in der Mehrzahl gefallen lassen, bieten würden.

Judenhass bleibt lebendig

Tatsächlich strahlt Szczecin, wie es heute heißt, etwas Unaufgeregtes aus. Die Stadt hat ihre Narben – Krieg, Vertreibung, Zerstörung –, doch sie wirkt versöhnt mit ihrer Geschichte. Man spürt, dass die Polen ein anderes Verhältnis zu ihrer nationalen Identität haben. Es ist ein tiefes Bewusstsein: Sie wissen, was ihnen genommen wurde, und sie wissen, dass man sich selbst bewahren muss, um zu bestehen. Das zeigt sich auch am 11. November, wenn Polen seinen Nationalfeiertag begeht. Dieser markiert die Wiedergeburt des polnischen Staates nach 123 Jahren Fremdherrschaft. 1918, als die Welt aus dem Ersten Weltkrieg taumelte, erlangte Polen seine Unabhängigkeit zurück. Józef Piłsudski übernahm an diesem Tag den Oberbefehl über die polnischen Truppen, und Polen wurde wieder zu dem, was es sein wollte: eine souveräne Nation. Heute wird der Tag im ganzen Land gefeiert – mit Paraden, Hymnen, Flaggen, einem tiefen Gefühl des Stolzes. Er ist Erinnerung an das, was man verlor, und ein Bekenntnis zu dem, was man bewahrt. In Szczecin, das erst nach 1945 polnisch wurde, ist dieser Feiertag ebenso Ausdruck des Selbstverständnisses: Freiheit muss verteidigt werden, Identität ist keine Schande, sondern Voraussetzung für Zusammenhalt.

Auch Deutschland braucht einen Befreiungstag. Einen Tag, an dem man sich nicht länger in Ritualen der Betroffenheit erschöpft, sondern erkennt, dass die Freiheit nicht nur, aber auch von jüdischem Leben die Messlatte für den Zustand der Republik ist. Befreiung von der Illusion, man könne Integration ohne Grenzen, Humanismus ohne Verantwortung und Erinnerung ohne Ehrlichkeit haben. Befreiung von der Selbsttäuschung, der Judenhass sei ein Relikt. Er ist lebendig – und er wird genährt durch politische Feigheit, durch Relativierung, durch das Wegsehen der degoutanten Mehrheit.

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6 Antworten

  1. @Deutschland einen Befreiungstag
    welche Befreiung ?
    Von den Marxisten – so lange wird Deutschland nicht mehr existieren – genaugenommen existiert der Staat längst nicht mehr !
    Das klassische Völkerrecht kennt drei Merkmale des Staates:
    eine Bevölkerung (Staatsvolk),
    einen geographisch abgrenzbaren Teil der Erdoberfläche (Staatsgebiet),
    eine stabile Regierung, die effektive Gewalt ausübt (Staatsgewalt).
    Ein Staat gilt als untergegangen, wenn eines dieser Elemente, die ihn konstituieren, weggefallen ist.

    Und ja – Staatsvolk gibt es laut unserer Regierung nicht mehr – nur noch Menschen, die zufällig schon länger hier leben (Merkel)
    Staatsgebiet – hat Merkel aufgelöst, bestenfalls noch eine Art willkürlicher Verwaltungsbezirk
    Staatsgewalt – muahahahaha – für die Heldentruppen gibt es längst No-Go-Areas, das das Regime und seine Maulhelden dazu schweigen, ändert auch das nicht !

    1. In der Aufzählung fehlt noch die vom Volk gewählte „Verfassung“! Das GG wurde uns von Fremden übergestülpt und deshalb hält sich heute kein etablierter Politiker und selbst das sogenannte Verfassungsgericht nicht daran!

    1. Der deutsche Michel hat es einfach vergeigt, den Laden 1945 und 1989 gründlichst von den Verursachern der Probleme zu reinigen . Damit wäre uns eben diese Merkel erspart geblieben und es würde hier heute wesentlich besser laufen!

  2. „Zu erinnern ist wichtig. Noch viel wichtiger ist, dass wir uns beim heutigen Antisemitismus nicht zurückhalten“, so die Grünen-Politikerin…“
    Wie meint Die das genau? Noch mehr Antisemitismus? Heutzutage ist ja alles irgendwie neu besetzt.
    Also, auch mal wieder mitmachen bei der Zerstörung jüdischen Lebens in Deutschland?
    Will man nicht länger hinten anstehen, wenn die Araber hier Tacheles reden und auch handeln?
    Ich bin verwirrt.
    Grauenvoll nur, wundern würde mich nichts mehr!

  3. Feiern wir nicht ständig die Befreiungstage z.B. bei Auswitz und anderen Konzentrationslagern?
    Da ist „Befreiung“ das vollkommen angebrachte und historisch legitimierte Datum. Ein Gedenken schuldet Deutschland auch heute noch diesen Verbrechen.

    Man sollte sich allerdings schärfstens davor hüten, einen Befreigungstag für Deutschland feiern zu wollen.
    Noch jahrelang nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam kein einziger alliierter Kommandeur oder Politiker auf die Idee, dass es in diesem Krieg um eine Befreiung Deutschlands gegangen wäre. Diesen Einfall hatte nach Jahren erst ein deutscher Bundespräsident, dessen Sichtweise seither als Staatsräson gepflegt wird. Wer aber die Geschichte kennt (lese oder sehe in YT Michael Grandt zu diesen Themen), weiß, dass es nicht zuletzt durch den Bombenterror in den letzten Kriegstagen um alles Mögliche, aber gewiss nicht um eine Befreiung Deutschlands oder gar um eine Schonung der Bevölkerung oder gar der deutschen (sonstigen!) Kultur (Bauten/Infrastruktur) ging. Die Wahrheit ist eine drastisch andere. Auch wenn sie nicht jedem gefällt.

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