Gefährliche Zuspitzung am Golf

Gefährliche Zuspitzung am Golf

US-Zerstörergruppe im Golf: Zunehmende Eskalation (Foto:ScreenshotFacebook)

Was sich in diesen Stunden zwischen dem Persischen Golf und dem Südkaukasus entfaltet, ist mehr als eine weitere Episode im langen Schattenkrieg zwischen Teheran und Washington. Es ist die gefährlichste Eskalation seit Jahren – und sie folgt einer Logik, die ebenso kühl wie riskant ist. Das United States Central Command meldet Angriffe von B-52-Bombern auf iranische Raketenstellungen und Kommandozentralen. Solche Einsätze sind keine symbolischen Nadelstiche, sondern strategische Botschaften: Reichweite, Durchhaltefähigkeit, Eskalationsbereitschaft. Washington signalisiert, dass es bereit ist, die militärische Infrastruktur Irans direkt zu treffen – nicht nur Stellvertreter. Teheran wiederum weitet den Konfliktraum aus. Nach iranischen Angaben wurde ein US-Militärhauptquartier am Zayed International Airport mehrfach getroffen. Gleichzeitig melden Golfstaaten Angriffe auf Katar, Dubai und Bahrain. Besonders brisant: In Bahrain sollen der Marinestützpunkt Al-Jafir sowie Anlagen des staatlichen Ölkonzerns BAPCO Ziel von Raketen- und Drohnenattacken geworden sein. Damit verschiebt sich die Zielauswahl – von militärischen Einrichtungen hin zu ökonomischer Infrastruktur. Wer Energieanlagen angreift, zielt auf die Lebensadern ganzer Volkswirtschaften.

Hinzu kommt eine neue Drohkulisse aus Teheran: Staaten, die Satellitenstationen beherbergen oder „feindlichen“ Sendern Übertragungsdienste bereitstellen, würden als legitime Ziele betrachtet. Das ist ein qualitativer Sprung. Die Informations- und Medieninfrastruktur wird explizit militarisiert. Die Grenze zwischen kinetischer und hybrider Kriegsführung verwischt weiter. Besonders irritierend wirkt der aserbaidschanische Aspekt. Der Präsident von Aserbaidschan erklärt, der Iran habe aufgrund schwacher Verteidigungskapazitäten um Hilfe bei der Evakuierung seiner diplomatischen Vertretung in Beirut gebeten – und Baku habe dem umgehend zugestimmt. Kurz darauf erfolgten jedoch iranische Bombenangriffe auf aserbaidschanisches Territorium. Sollte sich diese Darstellung bestätigen, wäre dies ein diplomatischer Affront von erheblichem Gewicht. Es würde zeigen, dass Teheran selbst in akuter Verwundbarkeit bereit ist, regionale Beziehungen zu opfern.

Immer offenere Konfrontation zwischen Regionalmacht und Weltmacht

Auch Europa wird hineingezogen. Der britische Premierminister Keir Starmer spricht von einer Evakuierungssituation „weitaus größer als die in Afghanistan“ und kündigt die Entsendung von vier Typhoon-Kampfflugzeugen nach Katar an. Das Vereinigte Königreich signalisiert damit zweierlei: Schutz eigener Staatsbürger – und Bündnissolidarität. Eine internationale Koalitionsbildung gegen iranische Angriffe wird wahrscheinlicher. Die vielleicht alarmierendste Entwicklung jedoch sind Berichte über den Einsatz von Hyperschallraketen. Sollten sie tatsächlich eingesetzt worden sein, verändert das die strategische Gleichung grundlegend. Hyperschallwaffen verkürzen Reaktionszeiten dramatisch und unterlaufen bestehende Raketenabwehrsysteme. Abschreckung wird instabiler, Fehlkalkulation wahrscheinlicher.

Der Persische Golf steht damit nicht nur militärisch, sondern systemisch unter Druck. Die Region ist das energetische Herz der Weltwirtschaft. Massive Schäden an Förder- oder Verladeinfrastruktur würden nicht regional bleiben – sie wären global spürbar, von den Energiemärkten bis zu den Lieferketten. Die Eskalationsspirale folgt einer bekannten, aber brandgefährlichen Dynamik: Militärschläge – Gegenschläge – Ausweitung der Zielpalette – Internationalisierung. Jede Seite rechtfertigt ihr Vorgehen als Reaktion. Doch je breiter der Konfliktraum, desto geringer die Kontrolle. Der Iran hat im Golf bereits immensen Schaden angerichtet – militärisch wie wirtschaftlich. Doch auch Washington und seine Partner stehen vor einer Entscheidung: Begrenzte Strafaktionen oder umfassende Eindämmung? Abschreckung oder Deeskalation? Die kommenden Tage werden zeigen, ob noch diplomatische Kanäle offen sind – oder ob der Golf in eine offene Konfrontation zwischen Regionalmacht und Weltmacht hineingleitet. In einer Region, in der Energie, Religion, Machtpolitik und Großmachtinteressen aufeinandertreffen, genügt ein weiterer Fehltritt, um aus Eskalation Krieg zu machen.

18 Kommentare

  1. Einer der einflussreichsten Stimmen im Golf meldet sich – und das sieht für Washington gar nicht gut aus
    „Golf-Milliardär greift Washington frontal an: „Wer hat Ihnen das Recht gegeben, unsere Region in einen Krieg zu ziehen?“

    Die Kritik kommt nicht von Aktivisten oder oppositionellen Stimmen – sondern aus dem Herzen des Establishments der Golfstaaten. Der einflussreiche VAE-Milliardär und Unternehmer Khalaf Ahmad Al Habtoor hat einen offenen Brief an den US-Präsidenten Donald Trump veröffentlicht, der in ungewöhnlich scharfen Worten die amerikanische Militärpolitik im Nahen Osten verurteilt.

    Schon die ersten Zeilen lassen keinen Zweifel daran, wie tief der Unmut in Teilen der Golfelite inzwischen sitzt:

    „Wer hat Ihnen die Autorität gegeben, unsere Region in einen Krieg mit dem Iran zu ziehen? Wer hat Ihnen die Erlaubnis gegeben, unsere Region in ein Schlachtfeld zu verwandeln?“

    Al Habtoor ist kein Außenseiter. Der Unternehmer gehört zu den prominentesten Geschäftsleuten der Vereinigten Arabischen Emirate, ist politisch gut vernetzt und gilt als einflussreiche Stimme im Golf. Dass ausgerechnet er Washington öffentlich zur Rede stellt, zeigt, wie stark die Spannungen zwischen den regionalen Verbündeten der USA und der amerikanischen Kriegsstrategie inzwischen geworden sind.“
    https://uncutnews.ch/einer-der-einflussreichsten-stimmen-im-golf-meldet-sich-und-das-sieht-fuer-washington-gar-nicht-gut-aus/

    Ich hoffe, dass der NeoCon-Faschist namens Donald Trump so schnell wie möglich des Amtes enthoben wird …

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    1. Sie erinnern mich an eine Dame auf dem Blog von Michael Mannheimer, die den ganzen Tag damit zubrachte, allen Unrat, den sie im Netz fand, zu sammeln und ihn dann dort auszukippen.
      Nach dem Tod von Mannheimer hat sie einen Platz bei pi-news.net gefunden und treibt dort ihr Spiel weiter. Sie hat dort sogar eine „Kollegin“ gefunden. Von 40 Kommentaren stammen oft 30 und mehr nur von diesen beiden Damen.
      Erbarmen!

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      1. So isset…
        Die beiden von ihnen erwähnten Damen tragen eine erhebliche Mitschuld am Niedergang von pi,
        wobei eine der Damen zu fortgeschrittener Stunde wohl auch die ein oder andere Buddel auf dem Tisch stehen hat…

  2. Tja, der zweite Weltkrieg ist wohl mal wieder zu lange her, die Erinnerung reichte für lediglich 2 Generationen.
    Jede Generation, die die Geschichte nicht kennt, ist verdammt sie zu wiederholen.
    Nur sind die Waffen heute noch viel zerstörerischer. Zeit zum lernen bleibt da nicht mehr viel.
    Und Die, die die Kriege anfangen, werden am längsten leben und sich verkriechen. Wie immer.

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  3. „… genügt ein weiterer Fehltritt, um aus Eskalation Krieg zu machen.“

    Ach, das ist noch gar kein Krieg?
    Was denn? Freundschaftskegeln?
    😜

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  4. @Staaten, die Satellitenstationen beherbergen oder „feindlichen“ Sendern Übertragungsdienste bereitstellen, würden als legitime Ziele betrachtet.
    Das sehe ich auch so – Staaten, die den Krieg finanzieren, die für diesen Krieg Waffen bauen, die Aufklärungsdaten und Logistik bereitstellen, die ihre Waffen liefern, die Offiziere für Planung und Strategie und Taktik einstellen oder mit Kommandotruppen in das Land eindringen und sabotieren – sie alle sind Feind und legitimes Ziel.
    Das gilt für den Iran genauso wie für die Ukraine, das galt für Vietnam – oder in den beiden WK gegen Deutschland und Japan genauso !
    Selbst die Kaperbriefe des UK oder der Hansestädte sind nichts anderes als eine Kriegsführung, nur mit Söldnertruppen anstatt eigener Armee.
    Und da diese Kriegsführung auch über die Medien ausgetragen wird – also Psycho- und Propagandakrieg – sind auch die Medien Ziel.
    Allerdings wird dieser krieg angesichts der Möglichkeiten asymmetrisch ausgetragen – der eine wirft Bombenteppiche aus 10.000 m Höhe, der andere muß das lokal zum Empfänger bringen.
    Es gab mal vor einigen Jahren und in anderem Zusammenhang mal die Frage :
    wer beweist die größere Tapferkeit ?
    – Der Bomber, der unangreifbar aus 8000m seine Bomben abwirft
    – der gerne Attentäter genannt Kämpfer, der seien Sprengladung persönlich zum Ziel bringt, ggf. mit der Folge des eigenen Todes

    Wieso werden die Bomber eigentlich nicht auch Attentäter genannt – oder die „Attentäter“ nicht Kämpfer ?
    Mir gefällt beides nicht – aber gegen geostrategische Realität kann ich nicht an !
    Ich meine allerdings : Regeln sollten auf alle Personen in der gleichen Art und Weise angewandt werden – keine Rosinenpickerei !

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  5. Eine Komponente, die Sie vergessen haben: China & Co. Die können es sich nicht leisten, dass die USA, ohnehin schon einer der größten Erdölexporteure der Welt, praktisch den gesamten Kohlenwasserstoffladen der Welt übernehmen und damit alle anderen erpressen können. Die chinesische Außenamtssprecherin Ma hat das bereits deutlich gesagt. Die Situation kann sich also leicht zu einer Ukraine 2.0 oder Schlimmerem entwickeln.

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    1. Sobald das Mullah-Regime beseitigt ist, fallen die Sanktionen gegen den Iran.

      Der kann dann sein Öl auf dem Weltmarkt legal verkaufen.
      China kann das Öl dann legal kaufen und braucht es nicht mehr herausschmuggeln lassen.
      Und billiger wird es dann auch noch!
      Eine echte Win-Win-Situation.

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    2. @dass die USA, ohnehin schon einer der größten Erdölexporteure der Welt, praktisch den gesamten Kohlenwasserstoffladen der Welt übernehmen und damit alle anderen erpressen können
      das Ziel ist die full-spektrum-dominance der US-Oligarchen, die angewandte Strategie nennt sich : Brinkmanship !

    3. @vergessen haben: China & Co.
      kommt natürlich auf zwei Dinge an :
      1. wie unabhängig sind sie von DeepStateUSA
      2. wenn unabhängig – welche eigenen Pläne haben sie

      Was mit gerade bei China wirklich unangenehm aufstößt – China hat die Corona-Propaganda-Raketen gezündet. Die ersten propaganda-Filmchen zu Corona – wo Menschen auf der Straße plötzlich zusammenbrachen und an Corona auf der Straße erstickten – kamen aus China. Und das bedeutet, das deren Regierung an den Terror- und Gen-Experimenten beteiligt war, sonst hätte das nicht kommen können.
      Magt sein, das China da Rechnungen beglichen hat und eigene Interessen verfolgt hat – aber wenn sie den Gen-Experimenten der Oligarchen so zugeneigt sind, dann sind sie entweder unterworfen oder aus anderen Gründen folgebereit – und spielt es keine Rolle, ob ihre Energielieferanten da weggebombt werden, dann stehen sie da wie die Europäer, denen die Pipelines weggebombt wurden.
      Was ja gerne vergessen wird : die Pipelines waren von und für ganze Europa, nicht nur Deutschland – so wie bei dem Potsdamer Treffen und „Remigration“ – wo so gerne vergessen wird, das dort genauso viele CDU-Leute waren. Wer das wie auch immer ehrlich kritisieren will, muß AFD und CDU kritisieren, nicht nur AFD.
      Aber so lügen sich die Linken die Welt eben zurecht !

  6. Was diverse – angebliche – Angriffe des Iran auf Drittstaaten betrifft so wird berichtet, dass es sich dabei zumindest teilweise um False Flags durch Israel gehandelt haben soll. Ich weiß nicht ob das tatsächlich stimmt, aber möglich wäre das durchaus.
    Im Krieg stirbt die Wahrheit bekanntlich immer zuerst-

  7. Nach dem Gesetz von Ursache und Wirkung kehrt ein Angriff wie der vom Iran finanzierte und koordinierte Überfall der Hamas auf Israel früher oder später stets zum Aggressor zurück.
    Nach der Eindämmung und Schwächung sämtlicher Handlanger der iranischen Mullahs, ob in Gaza, im Libanon, im Irak, in Syrien oder im Jemen durch die IDF, rücken nun die Verursacher in Iran ins Fadenkreuz.

  8. Viele wollen es nicht wahrhaben:
    Solange die USA nicht rückstandslos von der Welt getilgt sind, wird es keine Ruhe geben…

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  9. Trump hat die MAGA tief gespalten. Meiner Ansicht nach wird er genau deshalb die Midterms krachend verlieren. Viele prominente MAGA-Podcaster und MAGA-Anhänger kritisieren Trump’s Angriffskrieg gegen den Iran aufs schärfste: Darunter der Nationalist Nick Fuentes, Tucker Carlson, Candace Owens ,Marjorie Taylor Greene und die anderen prominenten MAGA-Unterstützer und Anhänger wie Megyn Kelly, Matt Walsh und the Hodge Twins sind ebenfalls sehr wütend auf Trump.

    Der Ultra-Nationalist Nick Fuentes ist sogar so dermaßen wütend auf Trump, dass er sogar ernsthaft darüber nachdenkt das nächste Mal die Demokraten zu wählen.

    Einige Podcaster haben sogar einige Originalaussagen von Trump aus den Jahren 2012,2013 und 2016 zitiert, wo sich Trump für die Beendigung von ständigen US-Kriege aussprach und sogar Obama für seine aggressive Kriegspolitik dauernd kritisierte, als Obama noch US-Präsident war. Trump warf ihm sogar 2013 einmal vor, dass Obama bald den Iran angreifen würde, nur um von innenpolitischen Problemen abzulenken.