20 Jahre nach 9/11: Damals brach auch ein Weltbild zusammen

Meine Erinnerung an jenen Tag, der die Welt erschütterte

11. September 2001, New York (Foto:Imago/Photo12)

Der 11. September 2001 war für mich (fast) ein Tag wie andere in meinem Leben – ich befand mich wieder einmal auf einer Reise. Böse Zungen meinen, ich müsse ein Nachfahre der Heiligen Drei Könige sein: „Sie taten nichts mehr, hüllten sich in schöne Gewänder und gingen auf Reisen.“ Ja, ich reiste gerne, wie mein Vater. Und doch war jener Tag ein anderer, einer, der in mir einen Sinneswandel auslöste. Bis dato war für mich der Islam eine Religion mit einigen Varianten, wie es sie auch bei anderen Religionen gibt. Das arabische Sprichwort „An den Früchten, nicht an der Wurzel erkennt man den Baum“ war für mich die Erklärung für die vielen Strömungen des Islam, dessen Früchte sein äußeres Erscheinungsbild. Doch die vielen ungenießbaren Früchte des Islam haben eine gemeinsame Wurzel – den Koran Muhammads und die Hadithen seiner Nachfolger.

An besagtem Tag lagen wir mit unserem kleinen Kreuzfahrtschiff im Hafen Larnaca auf Zypern. Tags zuvor war es Haifa, und am nächsten Tag stand der Hafen Beirut auf dem Programm. Der Libanon und Syrien waren das Hauptziel unserer Reise. Von Beirut aus sollte es ins nur 110 Kilometer entfernte Damaskus gehen und zur Ruinenstadt Palmyra, die der „Islamische Staat“ später zerstören sollte. Doch lange vorher wurde mein Traum zerstört, den beiden Ländern einen Besuch abzustatten. Denn…

Am Abend des 11. September 2001 kamen wir von einem Landausflug zurück, von den „Königsgräbern“ von Nea Paphos. Meine Gedanken weilten noch in der einstigen Gräberstadt der Ptolemäer, die später von frühen Christen als Unterschlupf vor Verfolgung genutzt wurde – so wie im alten Rom die Katakomben. Und auf dem Rückweg dachte ich an die „Kurven“ der Aphrodite und deren Felsen. Doch meine Gedanken endeten jäh. Denn direkt neben uns lag ein großes Kreuzfahrtschiff vor Anker, mit einer riesigen Leinwand am Oberdeck, auf der scheinbar gerade ein Horrorfilm gezeigt wurde: Wir sahen, wie ein Passagierflugzeug in einen Wolkenkratzer flog. Aber es war kein Film, sondern die Nachrichten.

Kein Horrorfilm, sondern die Realität

Kaum zu mir gekommen über das Gesehene rief mich Naphtali P. aus Israel an, ein Funktionär der Gewerkschaft der Rüstungsarbeiter und Streitkräfte im Dachverband Histadrut, und warnte uns. Mit ihm hatte ich mich noch am Vortag in Haifa getroffen. Wir hatten schon einmal mit dem zweithöchsten Militär in Jaffa zusammengesessen. Von solchen Leuten erfuhr man Dinge, die normale Zivilisten kaum erfahren. Mit seinem Anruf warnte er uns, Beirut nicht anzulaufen.

Sofort sollten wir aufbrechen und das östliche Mittelmeer verlassen. Noch war nicht bekannt, dass Al-Qaida hinter dem Anschlag steckte. Der Verdacht israelischer Insider fiel stattdessen auf zwei islamische Terrorgruppen ausgerechnet in den Städten, die wir besuchen wollten. Die Hisbollah hatte ein Jahr zuvor begonnen, vom Libanon aus Ziele in Nordisrael anzugreifen. Die USA leistete Israel Schützenhilfe, um die Terrornester auszuschalten, und war damit ebenfalls potenzielles Angriffsziel des islamischen Terrors. Ich teilte der Reiseleitung die Warnung des Anrufers mit, wenig später wurde dieselbe Einschätzung auch von der Reederei geteilt und der Kapitän stach in See gen Westen. Wir waren nicht alleine: Die Häfen der Ägäis waren voll, viele Schiffe lagen auf Reede.

Warum der Terrorakt in New York auch auf das Konto der Palästinenser hätte gehen können: Ein Jude namens Ariel Scharon hatte ein Jahr zuvor den Berg besucht, auf dem einst der jüdische Tempel stand. Warum sollte ihm das verboten sein? Auf diesem heiligen Ort der Juden war bekanntlich – viel später in der Geschichte –  die Al-Aqsa-Moschee errichtet, der Tempelberg quasi okkupiert worden. Jener Besuch Scharons hatte die zweite Intifada ausgelöst, auch bekannt als „Al-Aksa-Intifada“. Der gewaltsame Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis, welcher sich von Jerusalem und Israel auf den Gazastreifen und das Westjordanland ausweitete, nahm damals schnell eine internationale Dimension an, der Oslo-Friedensprozess war im Januar 2001 mit ergebnislosen Verhandlungen in Camp David gescheitert. Im Unterschied zur ersten Intifada setzten radikale Palästinenser diesmal auf Terroranschläge zuerst in Israel. An der zweiten Intifada beteiligten sich vor allem die religiös-politischen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad.

Hass gegen die „Kreuzfahrer“

Seit 2001 verübten auch Arafats al-Aqsa-Brigaden und andere zur Fatah gehörenden Gruppen Selbstmordanschläge. Die Hälfte aller Anschläge ging auf das Konto der Hamas, etwa ein Fünftel auf den Islamischen Dschihad, rund ein Drittel auf die al-Aqsa-Brigaden Arafats. Seit seinem Auftritt vor der UNO mit einer automatischen Waffe in der Hand war jenem alles zuzutrauen – auch die Initiative für einen solchen Anschlag wie auf die Zwillingstürme in New York. Als der israelische Tourismusminister Rehavam Zeevi einen Monat später im Oktober 2001 ermordet wurde – unter der Regie der Palästinensischen Autonomiebehörde PA – bestätigte sich dieser generelle Terrorverdacht dann auch.

Ob es um den Terror in Nahost ging oder nun in den USA: Es war ein Feldzug gegen die „Kreuzfahrer“, ganz wörtlich: So schallte es uns auch in den Tagen nach dem 11. September aus dem Fernseher entgegen, als wir uns mit dem Schiff in Sicherheit brachten. Der Anschlag wurde vom sich zur Tat bekennenden Bin Laden und seinen Gesinnungskumpanen als Akt gegen die „Ungläubigen“, gegen die „Kreuzfahrer“ verkauft. Propagandistisch machten sich die Massenmörder zu Opfern, als ob aktuell Kreuzzüge des Westens gegen den Islam geführt worden wären.

Kreuzfahrtschiffe sind vermutlich also die nächsten Angriffsziele: Das war unsere Angst, da wir den Begriff „Kreuzfahrer“ nicht richtig einordnen konnten. Der Hintern an Deck ging uns auf Meeresgrund. Auch mir, der ich immer heil von Reisen zurückgekehrt war – zehn Jahre zuvor sogar von einer Reise quer durch Sibirien im Angesicht ungewisser politischen Verhältnisse nach dem Ende der Sowjetunion.

Selbstverständlich behaupteten dann fast alle strenggläubigen Islamgruppen der Welt, nichts mit der Liquidierung der 3.000 Menschen zu tun gehabt zu haben. Sie wuschen ihre Hände in Unschuld – bis auf Al-Qaida, die von den Taliban gedeckt und Bin Laden versteckt hatten. Andere hielten sich nicht an die Taqiyya, Muhammads Lügen-Gebot zur Verbreitung des Islam. Der Tod von tausenden „Ungläubigen“ auf einen Streich wurde teilweise mit Feuerwerk und Freudenschüssen gefeiert. Seit da an begann ich mich näher mit dem Islam zu beschäftigen. Er war mir stets ein Rätsel geblieben, bis ich den Koran durchforstete (und vor zwei Jahren eine Synopse von vier Übersetzungen erstellte (auf Wunsch erhältlich ist über das Kontaktformular von ansage.org).

Strenggläubige hängen einer gefährlichen Ideologie nach

Was wurde aus der angestrebten und bald formierten „Anti-Terror-Koalition“ nach dem 11. September 2001? Auch die arabischen Länder schlossen sich dieser deklaratorisch an – außer dem Irak. Wobei viele von ihnen betonten, dass gewaltsamer „Widerstand“ kein Terror sei. Arafat nutzte den Anschlag für seine Sache, ließ einige Palästinenseraktivisten öffentlichkeitswirksam verhaften – um sie später klammheimlich wieder freizulassen. Die Konfliktlösung in Israel blieb auch nach dem Anschlag auf der Strecke. Alle Palästinenserorganisationen tragen immer noch Gesamtisrael in ihren Flaggen, nicht nur die Westbank: Sie wollen ganz Nahost zu einem Islamischen Staat machen, so wie es aktuell die Taliban in Afghanistan tun. Sie wurden und werden unterstützt von Katar und anderen „Leuchttürmen“ der islamischen Welt, denen der Westen den roten Teppich ausrollt. Darunter die Türkei mit ihrem Erdogan, der die Taliban und Co. als „Brüder im Glauben“ hofiert. Recht hat er insoweit, als es tatsächlich nur einen Islam gibt. Es ist der gleiche Islam, der auch den Terror in Frankreich auf dem Gewissen hat. Über die dortige Bataclan-Anschlagserie von November 2015 wird jetzt endlich Gericht gehalten.

Die Taliban machen die USA selbst für 9/11 verantwortlich – und ihnen wird trotzdem unsere Hilfe in Aussicht gestellt; denselben Taliban, die mit dem Drogenanbau so viel Geld machen, dass sie die afghanischen Soldaten bestechen konnten, indem sie ihnen mehr Sold zahlten als es der Staat tat. Und sie lassen sich weiter helfen von unseren karitativen Organisationen, die ihre bisher mithelfenden örtlichen Hände nach Deutschland holten. Wer soll jetzt dort all die Arbeit leisten, wenn alle „Ortskräfte“ hier bei uns Däumchen drehen? Sollen wir Soldaten als zivile Kräfte von Hilfsorganisationen zurückschicken – und die Afghanen selbst schauen ihnen bei der Arbeit zu? Allzu gerne hätte ich mir früher mit eigenen Augen die Verhältnisse vor Ort angesehen. Doch ich nahm mir vor, meinen Fuß in kein islamisches Land mehr zu setzen, um dieses nicht auch nur indirekt mit Devisen zu unterstützen.

Meine Lehre aus dem Erlebten: Islamische Länder darf man nicht nur „an ihren Früchten erkennen„, wie es das arabische Sprichwort sagt, sondern an deren Wurzel – dem Koran, den Hadithen und auch der Scharia als weltliches Gesetz. Hoffnung auf eine Änderung der Verhältnisse besteht nur in der Abkehr von der religiös verbrämten Ideologie namens Islam.

5 KOMMENTARE

  1. einige Zeit vorher hatte ich einen Bericht über Häusersprengungen gesehen und wie schwierig es ist, so ein haus zusammenzufalten, ohne rundum alles platt zu machen.
    Ich hab den 2. Turm in einer Live-Übertragung zusammenrutschen sehen, und mein erster Gedanke war : an dieser Sprengung waren echte Profis am Werk. Und dann in der Übertragung von der Straße kamen Leute aus dem Staub gerannt und erzählten von Explosionen aus Richtung Turm.
    Ich habe nie einen Grund gefunden, meine Meinung zu diesem Vorfall als Inside Job einschließlich interner Sprengung zu ändern.

  2. Bin Laden hat sich nicht zu 9/11 bekannt. Er war auch auf der FBI most wanted Liste nicht wegen 9/11, sondern wegen Botschaftsbomben in Afrika und Angriff auf den US-Zerstörer „Cole“. Sie sind offenbar sehr schlecht informiert jedoch gelcihzeitig willig, Tiefstaatpropaganda nachzuerzählen. Sehr enttäuschend.

Comments are closed.