
Es gibt Wörter, die jahrzehntelang niemanden störten. Sie standen und stehen in Atlanten, Schulbüchern und Lexika. Man verwendete sie ohne Hintergedanken, weil sie schlicht bezeichneten, was sie bezeichnen sollten. Die Elfenbeinküste war eine solche Selbstverständlichkeit. Doch in einer Zeit, in der immer weniger politische Energie auf die Lösung realer Probleme und immer mehr auf die Kontrolle von Sprache verwendet wird, gerät selbst ein geografischer Name unter Verdacht. Nun soll also auch – zeitlich passend zum Spiel der deutschen Nationalelf gegen das afrikanische Land am vergangenen Wochenende – die Bezeichnung “Elfenbeinküste” ein „kolonialer Begriff“ sein. So jedenfalls suggeriert es Fridolin Haagen in der “taz” als typischer Vertreter eines inzwischen völlig abgedrifteten progressiven Milieus. Die historische Herkunft des Namens wird dabei nicht nur erläutert, sondern moralisch aufgeladen – und aus einer historischen Tatsache wird ein sprachliches Fehlverhalten konstruiert.
Der Name “Elfenbeinküste“ wird nicht mehr als traditioneller Landesname betrachtet, sondern als vermeintliches Relikt einer Schuldgeschichte. Die Debatte ist aufschlussreich, weil sie weit über Westafrika hinausweist. Sie zeigt, wie eine ganze politische Strömung versucht, die Vergangenheit nach den moralischen Maßstäben der Gegenwart umzuschreiben und dabei zugleich die Sprache selbst zu einem Instrument ideologischer Disziplinierung macht.
Die Geschichte als Anklagebank
Natürlich ist es richtig, dass der Name „Elfenbeinküste“ auf europäische Handelsbeziehungen zurückgeht. Wie die Goldküste, die Pfefferküste oder die Sklavenküste beschreibt er eine Region anhand jener Güter, die europäische Händler dort nachfragten. Das ist historische Realität. Doch aus dieser Realität folgt zunächst nichts weiter als eine historische Erkenntnis. Die Vergangenheit ist keine Anklagebank. Sie ist auch kein moralischer Gerichtssaal, in dem jeder Begriff zuerst seine Unschuld beweisen muss – auch wenn das manche Kreise gern hätten.
Die Küsten Westafrikas wurden von europäischen Seefahrern benannt. Städte tragen Namen von Königen, Fürsten, Feldherren oder Eroberern. Grenzen wurden durch Kriege gezogen. Handelswege entstanden durch Machtverhältnisse. Geschichte ist voller Herrschaft, Konflikt und Interessen. Wer daraus ableitet, jeder historisch entstandene Begriff sei heute problematisch, erklärt letztlich die gesamte historische Welt für moralisch kontaminiert. Genau darin liegt die Absurdität solcher Debatten. Sie tun so, als könne man die Vergangenheit nachträglich reinigen, wenn man nur genügend Wörter austauscht.
Die neue Priesterkaste der Sprache
Der französische Philosoph Pascal Bruckner sprach einst von der „Tyrannei der Reue“. Gemeint war jene westliche Neigung, die eigene Geschichte nicht mehr als komplexe Entwicklung zu betrachten, sondern ausschließlich als Kette von Verfehlungen. In dieser Logik wird Sprache zum bevorzugten Schlachtfeld.
Denn reale Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Kolonialreiche verschwinden nicht aus den Geschichtsbüchern. Handelsrouten können nicht rückwirkend ungeschehen gemacht werden. Also konzentriert man sich auf das Einzige, was formbar erscheint: die Wörter. Aus dem Deutschen wird ein „Nicht-Migrant“. Aus dem Migranten ein „Mensch mit Fluchtgeschichte“. Oder eben aus dem Zigeunerschnitzel ein Paprikaschnitzel.
Und aus der Elfenbeinküste wird nun vorzugsweise „Côte d’Ivoire“. Das bedeutet zwar wörtlich exakt dasselbe, doch weil die deutsche Übersetzung plötzlich als politisch verdächtig gilt, wird der französische, scheinbar unverfänglichere Name genutzt. Der eigentliche Zweck solcher Umbenennungen besteht nicht darin, historische Erkenntnis zu fördern. Er besteht darin, moralische Zugehörigkeit zu markieren. Wer die richtigen Wörter benutzt, signalisiert seine Zugehörigkeit zum aufgeklärten Lager. Wer an traditionellen Begriffen festhält, gerät unter Rechtfertigungsdruck. Sprache wird zum sozialen Ausweis.
Die Entwertung des Alltagsverstandes
Besonders auffällig ist dabei die Geringschätzung des normalen Sprachgebrauchs. Der durchschnittliche Deutsche verbindet mit der Elfenbeinküste weder Kolonialismus noch Ausbeutung. Er denkt an einen afrikanischen Staat, an Fußballspieler wie Didier Drogba oder Yaya Touré, vielleicht an Kakaoexporte oder Bürgerkriege. Der Begriff erfüllt exakt seine Funktion: Er bezeichnet. Doch für die Aktivisten der Sprachkritik genügt das nicht. Entscheidend ist nicht mehr, wie ein Wort tatsächlich verstanden wird, sondern welche historischen Assoziationen sich theoretisch rekonstruieren lassen. Damit wird die Bedeutung von Sprache von ihren Sprechern getrennt. Nicht mehr der tatsächliche Gebrauch entscheidet über die Bedeutung eines Wortes, sondern die Interpretation akademischer Spezialisten.
Die Sprache gehört nicht mehr den Menschen, die sie sprechen, sondern den Experten, die sie verwalten. Es ist dieselbe Denkweise, die hinter vielen kulturpolitischen Konflikten der Gegen-wart steht. Der normale Bürger soll lernen, dass er seine eigene Sprache eigentlich gar nicht versteht und seine eigenen Begriffe falsch benutzt.
Die Ironie des Antikolonialismus
Gerade im Fall der Elfenbeinküste enthält die Debatte eine bemerkenswerte Ironie. Denn wer den deutschen Begriff ablehnt, bevorzugt meist die französische Bezeichnung „Côte d’Ivoire“. Doch Französisch ist die Sprache der ehemaligen Kolonialmacht. Das heutige Staatsgebiet der Elfenbeinküste entstand innerhalb des französischen Kolonialreiches. Die Amtssprache des Landes ist bis heute Französisch. Die vermeintlich antikoloniale Sprachpolitik endet also ausgerechnet bei der Sprache der Kolonialmacht. Offenkundig geht es daher nicht wirklich um die Überwindung kolonialer Strukturen; es geht um symbolische Gesten. Der deutsche Begriff wird problematisiert, weil er als Übersetzung sichtbar macht, woher der Name stammt. Das französische Original wirkt hingegen fremd und neutralisiert dadurch die historische Erinnerung. Man ersetzt Geschichte durch Ästhetik.
Eine reife Kultur zeichnet sich dadurch aus, dass sie ihre Geschichte kennt, ohne ständig vor ihr niederzuknien. Sie weiß, dass die Vergangenheit weder ein Paradies noch ein Verbrecherarchiv war. Sie akzeptiert historische Wirklichkeit, ohne sie permanent moralisch zu bewerten. Sie kann zwischen Erklärung und Verurteilung unterscheiden.
Die gegenwärtige Sprachpolitik dagegen lebt von einer permanenten Übererregung. Jeder Begriff wird auf versteckte Schuldpotentiale untersucht. Jede Bezeichnung wird zum Gegenstand moralischer Verdächtigungen. Die Sprache verliert ihre Selbstverständlichkeit und wird zu ei-nem Minenfeld. Am Ende entsteht eine Gesellschaft, die über Wörter streitet, während die wirk-ichen Probleme unangetastet bleiben.
Die wahre Kolonisierung
Vielleicht liegt die eigentliche Ironie der Debatte darin, dass heute nicht Afrika kolonisiert wird, sondern die Sprache. Nicht fremde Kontinente werden vermessen, sondern die Gedankenräume der eigenen Bevölkerung. Nicht Handelsrouten werden kontrolliert, sondern Begriffe. Nicht Küsten werden besetzt, sondern Wörterbücher.
Die moderne Sprachpolitik versteht sich als Befreiungsprojekt. Tatsächlich erzeugt sie neue Formen geistiger Bevormundung. Sie ersetzt den offenen Gebrauch der Sprache durch einen Katalog moralisch erlaubter Formulierungen. Die Elfenbeinküste ist deshalb kein interessantes Thema, weil ihr Name problematisch wäre. Interessant ist vielmehr, dass überhaupt jemand auf die Idee kommt, ihn problematisch zu finden.
Denn darin offenbart sich der eigentliche Geist unserer Zeit: die Überzeugung, dass sich Geschichte nicht mehr verstehen lässt, sondern nur noch korrigieren. Und dass man eine bessere Welt schaffen könne, indem man ihre Wörter austauscht. Eine Kultur jedoch, die ständig ihre Begriffe säubert, läuft Gefahr, am Ende ihre Erinnerung zu verlieren. Und eine Gesellschaft, die ihre Erinnerung verliert, wird, wie Orwell einst klug erschrieb, nicht freier; sie wird lediglich leichter lenkbar.
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15 Kommentare
ihr könnt mich alle mal kreuzweiße und spiralenförmig. Ich rede so wie ich es will.
Da kann der Neger von der Elfenbeinküste über Lemberg und Kiev nach Weißrussland reisen und sich dort mit einem Eskimo vor der Mohrenapotheke treffen. Basta
obwohl dummland ist doch das land der –politidioten–… stört auch keinen denn es ist ja korrekt bezeichnet…
Hier zeigt sich wieder einmal die ganze Dummheit und ideologische Verblendung der Linken. Wehe uns Deutschen, wenn der linke Einfluss weiter zunimmt. Deutschland wird im Eiltempo abgeschafft.
hängt die grünen solange es noch bäume gibt……. socken in die sonne zum trocknen….
vor hunderten jahren sind alle nackt umher gerannt… schlage vor umzutaufen in: schwengelküste….. oder pimmelstrand-ufer….
Wen wundert es?!
Bereits 2024 waren 40,9 % der deutschen laut RKI psychisch gestört.
(Bericht auf tkp.at)
😜
Konsequent wäre dann aber, die von den Europäern gezogenen Grenzen afrikanischer Staaten nicht anzuerkennen. Die Nachfolger der Kolonisatoren müssten die Afrikaner auffordern und massiv mit Waffenverkauf unterstützen, ihre Nachbarn zu überfallen, um „alte“ Grenzen wieder herzustellen. Dabei gibt es keinen afrikanischen Staat mit einheitlicher Bevölkerungsstruktur, es sind immer Vielvölkerstaaten.
Aber Biogrüne Euro könnte an neuen Massenmorden verdienen…
Äh, wie sollen „wir“ Zypern, die „Kupferinsel“ auf politkorrektisch nennen? Oder Argentinien, das „Silberland“? Oder auch nur die knapp mittelgroße Stadt Weinheim an der Bergstraße, die nach dem dort betriebenen Weinbau heißt? War es ein Akt kolonialistischer, kultureller Aneignung, als die mitteleuropäischen Kelten und Germanen den Weinbau und viele weitere, römische -Errungenschaften übernahmen?
@Absurde Kolonialisierung der Sprache
wenn man schon nichts kann, beleibt immer noch, anderen auf die Nerven zu gehen und dafür Geld zu verlangen.
Schlimm sind nicht diese Schwachmaten, sondern die Oligarchen, die diese zum kognitiven Krieg gegen die Völker nutzen und bezahlen !
Auch hier gilt_ Follow the money !
Wer bezahlt „Fridolin Haagen in der “taz” “ dafür, anstatt ihn rauszuwerfen ?
das kommt davon wenn man als solcher Oberdepp weder lesen noch schreiben kann weil die Minimaldenkerbse bereits verdampft ist, aber wer hat die Deppen denn gewählt?
Früher haben wir solchen Schwachmaten und Minus-Granden folgende Frage gestellt:
„Wie kriegt man Dein Gehirn auf Erbsengrösse???“
Wenn keine Antwort kam, sondern nur rot-angelaufenes Gesicht:
„Die richtige Antwort lautet:
Aufpumpen!!!“
Dann dürfen ab jetzt auch zu
Berlin BERLANKARA sagen.
Oder???
Wie verblödet muss man sein, wenn man das deutsche Wort „Elfenbein“ durch genau das gleiche in französisch (Elfenbeinfarben) ersetzen möchte?
Aus Wikipedia:
„Während der Kolonialzeit war Elfenbein eines der wichtigsten Exportgüter, Frankreich beutete das Land systematisch wirtschaftlich aus. Der Name Côte d’Ivoire ist dabei die wortwörtliche französische Bezeichnung für „Küste des Elfenbeins“. Seit dem 7. August 1960 ist das Land unabhängig von Frankreich.“
Dass die Franzosen ihr Französisch in ihren Kolonien pflegten und durchsetzten, erfährt nun also eine nachträgliche Bestätigung dieser Kolonialherrschaft? – Oh , heilige Einfalt!
Vielleicht taufen wir auch das Erzgebirge, den Humboldtstrom oder den Ruhrpott auch noch um? Gründe lassen sich auch für den größten Schwachsinn immer finden.
Ich wohne ja auch nicht in Deutschland, sondern wahlweise in Germany oder Allemagne – da hat man natürlich leicht reden.
Was ist wohl „rassistischer“, oder koloniallistischer?: Elfenbeinküste, oder „Kot Divoa“?
…..ihr habt vergessen zu erwähnen das daß nur in Deutschland so ist, der Rest der Welt 💩st auf Deutschland und deren Clowns ……