Achtung, Sprachpolizei! Sie sind verhaftet!

Rede- und Meinungsfreiheit (Symbolbild:Shutterstock)

Früher hieß es: „Es kommt nicht nur darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt.“ Damit ist es heute vorbei, manche ganz harmlos gemeinte Frage wird als Diskriminierung aufgefasst, da ist die „Haltung“ dahinter plötzlich egal. Ironie ist ganz problematisch geworden, wenn die Sonne lacht, sage man nur nicht „Kaiserwetter“, sonst ist man fortan Monarchist. Körpersprache-Forscher dürften bald arbeitslos werden – denn jemand, der die falschen Sprachcodes benutzt, wird auch durch freundliche Gesten nicht gerettet.

Südfrankreich 1993: Im Rahmen eines Blockseminars des Fachbereichs „Mittelalterliche Geschichte“ findet mein Erstkontakt mit einer fremden Zivilisation statt, in welcher die Universalsprache Englisch einem keinen Deut weiterhilft. Als angehende Historikerin kann ich im Gegenzug Französisch zwar gut lesen, aber mit dem Sprechen hapert es noch heute bei mir. Ich glaube, Klingonisch fiele mir leichter, die Laute sind entfernt mit dem Hebräischen verwandt. Um Französisch zu sprechen, bin ich zu doof. Also stotterte ich vor mich hin, gestikulierte und deutete. Der Versuch, Bananen auf dem Markt zu kaufen, endete chaotisch, und das leckere Blätterteig-Täschchen entpuppte sich als mit Blauschimmel-Käse gefüllt. Trotzdem gelang es mir, auch dank der Hilfe frankophoner Kommilitonen zehn Tage in der fremden Umgebung zu überleben. Zwar erwischte mich ab und an ein ironisches „Fräulein“ – das Wort ist selbst in der Camargue bekannt -. aber im allgemeinen hatten die Franzosen Geduld mit mir. Ich verließ Frankreich, ohne skalpiert worden zu sein.

Signalisieren von Harmlosigkeit

In den USA hat man sich das Lächeln angewöhnt, als Englisch ebenfalls noch nicht von jedem gesprochen wurde. Damit wurden Konflikte im Idealfall durch das Signalisieren von Harmlosigkeit vermieden. Doch heute macht uns die politisch korrekte Sprache, die nur auf „falsche“ Wörter oder Formulierungen lauert, auch diese nonverbale Kommunikation zunichte. Im Normalfall achtet man im Dialog nicht nur auf das Gesagte, sondern auch auf die Körperhaltung des Gegenübers – geübte Zuhörer erkennen sogar kleinste Veränderungen in der Mimik des Gesichts. Hinzu kommt natürlich auch der Tonfall des Gesagten: Ist er zugewandt? Aggressiv oder herablassend zynisch? Eine angenehme Stimme schafft ebenfalls Freude am Gespräch.

Elke Heidenreich hat sich am Dienstag in die Nesseln gesetzt, als sie in einer Diskussion rund um die verbalen Ausfälle von Sarah-Lee Heinrich zugab, Menschen mit offensichtlichem Migrationshintergrund auch mal nach ihrer Herkunft zu fragen. Eine ganz böse Untat heutzutage – wenn man wieder einmal den Spagat hinbekommen muss, sich zwar einerseits „normal“ und unbefangen zu benehmen, aber auch krampfhaft auf eventuell vorhandene Sensibilitäten achten muss. In linken Kreisen ist es zwar vollkommen in Ordnung, Geschlechteridentität in allen intimen Facetten zu beleuchten oder weibliche Geschlechtsteile zu töpfern – aber die Frage nach der ursprünglichen Heimat stellt man besser nicht. Was einst als idealer Smalltalk-Eröffner galt, wird heute in Rassismus-Selbsterkenntnis-Ratgebern lang und breit analysiert, verdammt und zum Tabu erklärt.

„Guter“ Rassismus frisch vom Fass

Wir reden hier wohlgemerkt nicht von der tatsächlich unhöflichen Aufforderung, gefälligst dahin zurückzugehen, wo man her kommt. Zu mir sagte einmal jemand: „Sie können hier ruhig Schweinefleisch essen, hier ist es nicht so heiß wie bei Ihnen da unten.“ Da gab ich etwas ironisch zurück, das Wetter am Niederrhein unterscheide sich nicht wesentlich von jenem in Westfalen. Aber damit war die Sache für mich auch erledigt und ich verbuchte es unter „Kuriositäten, die Juden in Deutschland erleben„. Man muss nicht gleich für jeden kleinen Fauxpas ein großes Fass aufmachen.

Zensur beim geschriebenen Wort und Verarmung in der Kommunikation: Die politische Korrektheit legt sich wie ein Spinnennetz über das Zwischenmenschliche – je mehr man versucht, sich freizukämpfen, desto fester wird man eingesponnen. Es sei denn, man gehört der richtigen Schublade an. Dann ist es erlaubt, Rassismus, Homophobie und Verschwörungstheorien frisch vom Fass in die Welt zu posaunen. Das gilt dann als spritzig und mutig. Diese Welt gibt sich ihre Regeln selbst und wirft sie auch wieder um, wenn es ihr gerade sinnvoll erscheint. Unsere Mimosen spielen zwar gern Sprachpolizei, nehmen sich selbst aber jede Freiheit heraus.

Merkt das außerhalb unserer Blase eigentlich niemand? Oder sind alle schon zu eingeschüchtert? Da kann man froh sein, dass wenigstens Elke Heidenreich zu Hochform aufgelaufen ist.

3 KOMMENTARE

  1. die Worte zu regeln, ist in einer Diktatur wichtig, um die Macht zu erhalten!
    Man kann nur die Dinge denken, für die man auch Worte hat – deshalb dürfen nur bestimmte Worte überhaupt bekannt sein – deshalb muß schon die Schere im Kopf installiert werden!

  2. 1993 hatte ich einen Freund in South Carolina besucht. Abends gingen wir in eine Bar. Außen hing ein Schils “ Members only“. Wir zahlten unseren Dollar und gingen hinein. Drinnen fragte ich ihn, was der Joke mit dem “ Members only“ soll, denn ich war nachweislich zum Ersten Mal dort. Die Antwort kam kurz und knapp: Do you see anny N…..er here ? Die Schwarzen hatten ( oder haben ) ihre Kneipen auf der anderen Straßenseite ! Mir soll nochmal einer kommen, wir wären Rassisten !

    • Umgekehrt ist es genauso.
      Waren Sie schon mal in einer schwarzen Bar, als einziger Weisser gewesen? Oder in einem farbigen Ghetto Stadteil, No-Go-Area? Da koennen Sie sich freuen, wen Sie ohne weiteren Verletzungen oder ohne von einer Streetgang beraubt zu werden wieder rauskommen. Die ueblichen Beleidigungen gerufen aus einem vorbeifahrendem Auto oder von Frontporches gerufen, wie z.B. Cracker, white B**ch und aehnliche ueberhoeren Sie besser. Natuerlich gibt es auch Ausnahmen.
      Btw. Auch Farbige koennen sich einen Dollar eintrittleisten. Waren Sie auf der anderen Strassenseite in einer der Farbigen Bar’s? Da stand wahrscheinlich auch fuer Members only und nur mit Eintrittgeld. Denn auch Farbige bleiben gerne unter sich. Die Integrationsbewegung oder Civilrights Movement, gestarted unter Martin Luther King wird gerade wieder an Amerik. Uni’s und Schulen rueckgaengig gemacht. Es wird wieder Segregation gefordert von den Farbigen, die eh schon auf Grund ihrer Hautfarbe und ihres Aufwachsens seit ca. 1975 Affarmative Action haben. Dies meint Bevorzugung in Jobs, GovernmenyCollege , Uni -auch Bellgrants- kostenfreies Studium , trotz schlechterer Tests und Noten.
      Diese Verhaeltnisse kenne ich sehr gut und mit reichlich Erfahrung und die ist, dass Farbige oft weit aus rassistischer sind als Weisse. Weisse werden uebrigens „Crackers“ genannt.
      Rassisten gibt es ueberall in jeder Rasse und jedem Land, auch in Deutschland.
      Wenn alle im positiven Sinn rassistisch waeren, wuerde dies dem Schutz des eigenen Landes und der eigenen Rasse dienen. Dazu kaemme mehr Respekt vor der eignen Kultur und Wertschaetzung des eignen Landes. Andere Voelker koennen und duerfen dass und niemand erzaehlt denen, dass sie rassistisch seien. Da haben Sie voellig recht.,
      Gerate viele Deutschen und ihre Politiker vermissen lassen Stolz auf ihre Kultur und ihr Land vermissen. Im Gegenteil, es gibt offenbaren Selbsthass, wie bei Fischer Roth und dergleichen.. Die, die ihr Land bewahren wolllen wie die AFD sin dann reechts, Naazi usw.

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