
Es gibt Momente im Leben, da weiß man sofort: Jetzt ist es vorbei. Die Zivilisation, wie wir sie kennen, sie ist gerade an einem Partizip Präsens zugrunde gegangen. Man sitzt gemütlich auf dem Sofa, die Fernbedienung ist in unerreichbarer Ferne, und plötzlich dringt ein Wort aus den Lautsprechern, das so scharfkantig und unnatürlich ist, dass man meint, ein Schwarm wild gewordener Orthografie-Terroristen hätte soeben das Wohnzimmer gestürmt: „F-O-R-S-C-H-E-N-D-E“.
Früher – also in dieser herrlich unkomplizierten Zeit, als die Welt noch in Kategorien eingeteilt war, die man auch ohne linguistisches Masterstudium verstand – gab es „Forscher“. Ein Forscher war ein Mann mit Kittel, der im Labor stand und Dinge entdeckte. Oder eine Frau mit Kittel, der im Labor stand und Dinge entdeckte. Man nannte sie: Forscher. Fertig. Doch dann kam die sprachliche Transformation. Ein stiller, aber gnadenloser Feldzug gegen das Genus, der uns nun dazu zwingt, unsere Ohren mit Substantivierungen zu traktieren, die so klingen, als hätte man ein Verb und ein „E-N-D-E“ in einen Mixer geworfen und den Regler auf „Volle Pulle“ gedreht.
Mein Tinnitus verweigert den Zeitgeist
Sobald das Wort „Forschende“ in das Ohr dringt, passiert etwas Interessantes. Es ist nicht nur die linguistische Irritation. Das ist dieser spezifische, hochfrequente Ton der moralischen Überlegenheit, der bei mir augenblicklich einen Tinnitus auslöst. Eben das akustische Äquivalent dazu, mit einer Gabel über eine Schultafel zu kratzen, während man dabei laut vorliest, warum man selbst ein besserer Mensch ist als der Zuschauer. Man will nur die Nachrichten hören. Man will nur wissen, ob es morgen regnet oder ob die Aktienkurse im Keller sind. Doch statt Wetterbericht bekommt man eine sprachliche Umerziehungsmaßnahme verpasst. Der Tinnitus pfeift, der Blutdruck steigt, und das einzige, was noch hilft, ist der beherzte Griff zur Aus-Taste auf der Fernbedienung. Alles schreit: Zieh den Stecker!
Das Schöne am „Forschenden“ ist ja: Es ist ein Zustand. Es beschreibt niemanden mehr direkt, es beschreibt einen Vorgang. „Da laufen Forschende herum.“ – Ja, was tun sie denn gerade? Forschen sie? Oder sind sie gerade in der Mittagspause? Und wenn sie in der Mittagspause sind, sind sie dann noch „Forschende“ oder bereits „Essende“?
Aus, Aus, Aus … – Das Spiel ist aus!
Man wünscht sich die Zeit zurück, in der man einfach sagen konnte: „Schau mal, da drüben steht ein Forscher.“ Ohne die Angst, dass im Hintergrund ein Korrektur-Algorithmus anspringt, der einem erklärt, dass man gerade das gesamte Geschlechtergefüge destabilisiert hat.
Wenn im Radio also wieder die „Lehrenden“, die „Studierenden“, die „Zuschauenden“ und die „Forschenden“ im Chor an mir vorbeiziehen, dann ist das der Moment der totalen akustischen Kapitulation. Mein Tinnitus hat dann bereits die Lautstärke eines startenden Düsenjets erreicht. Vielleicht ist das ja auch der Plan? Ist das Gendern womöglich gar kein sprachlicher Fortschritt, sondern ein subtiler psychologischer Trick: Wenn wir irgendwann alle wegen der akustischen Reizüberflutung taub sind, müssen wir uns das alles nicht mehr anhören. Frau Müller ist jetzt die Müllernde. Ich drücke die Aus-Taste. Es sind zu viele „E‐N-D-E“ in meinem Ohr. Also Schluss jetzt und Ende.
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16 Kommentare
Da wir seit Jahren kein Fernsehprogramm schauen noch eine Tageszeitung lesen haben wir das Problem wenn wir Schwiegermutter besuchen und sie unbedingt die Nachrichten schauen will (und sie meinte es würde uns auch gut tun wieder mal die richtigen Nachrichten zu sehen) das wir nur noch Bahnhof verstehen. Aber man muß das auch nicht verstehen. Die Visagen erklären auch so alles.
Das geht mir ganz ähnlich.
Es liegt an den vielen Idiotenden.
😜
…und alles, damit gerächt, äh, zugeht…, denn Spalten ist ihr Geschäft.
Hallo Herr Volkmer,
punktgenau beschrieben, es geht mir genau so ! Leider ist diese Sprachverunstaltungsmetastase auch in einigen anderen alternativen Medien zu lesen. Einmal Blase, immer Blase…..fällt mir dazu nur noch ein.
FORSCH-ENDE.
Ist ein Langzeitstudent ein „Studierender“? Eher nicht. Viele dieser Konstruktionen machen die Sprache ungenau, einer von verschiedenen Zwecken dieses Angriffs auf die Sprache. Zum Thema „psychologischer Trick“ – da springt tatsächlich ein Korrektur-Algorithmus an, die Stimme ist im eigenen Kopf. Psychologisch bekannt als Introjektion. Eine Folge bei Missbrauch, insbesondere bei narzisstischem Missbrauch. Einen Vorteil hat die Sache immerhin, man sieht immer gleich woran man ist, wird gewarnt.
Ich hatte auch so ein Erlebnis das mir noch jahrelang im Kopf bleiben wird. Wir haben hier so eine kleine kostenlose Lokalzeitung ( Mainstream-Presse lese ich seit 2015 nicht mehr ), und da waren zwei Artikel drin, da musste ich den Kopf schütteln bis es schmerzte.
Zum einen hatte es in einem Keller eines Mehrfamilienhauses gebrannt, und wer musste vorübergehend evakuiert werden ? Na ist doch klar, die ‚Bewohnenden‘ :-p
Aber das war noch nicht der Hammer, denn da gab es ein kleines Konzert, das haben drei befreundete – und jetzt kommts – ‚Liedermachende‘ gegeben :-)))
Das ist doch Schwachsinn im Endstadium, oder nicht ?
Was will man denn von einem „Lokal-Redakteur“ bei einem Provinzblättchen auch erwarten? Exklusiven Schreibstil oder galante Formulierungen ganz bestimmt nicht.
Zu meiner Uni-Zeit gab es eine andere Unterscheidung zwischen Studenten und Studierenden: Studenten waren an der Universität eingeschrieben, die Studierenden an der Fachhochschule. Das geschah mit dem Zwinkernden Unterton, dass die an der Fachhochschule -nicht zuletzt infolge des höheren „Verschulungsgrades“, also der Ähnlichkeit des Betriebes zu allgemeinbildenden Schulen- wirklich studieren würden, während man an der Universität vor allem erst einmal Student sei und nur gelegentlich wirklich studieren würde. Ich hab’s mit Humor genommen, aber es war auch nie irgendein Geschlechterk(r)ampf dabei.
Diebende, Verbrechernde und Steuerhinterziehende (sowie erst recht nicht deren …..innen) gibt es merkwürdigerweise aber immer nicht so wirklich.
Nunja, als Trost bleibt, daß sich dieser ganze geistesgestörte links-grünwoke Schwachsinn an seinen eigenen Widersprüchen auch selbst zerlegen wird.
Sind schließlich alle mehrfachst geboosterte Vollhonk…………..innen.
Evtl. sollte man das einfach wie meine Wenigkeit seit bereits über 2 Jahrzehnten machen:
An der Seitenlinie genüßlich zusehen und Beifall im Untergang klatschen.
„An Unheilbarem soll man nicht Arzt sein wollen……..“
wußte schon F. Nietzsche vor weit mehr wie 100 Jahren zu berichten. 👌
Für mich als Ungar könnte das gleichgültig sein, ist jedoch nicht. Genderwahn ist auch für mich schrecklich.
Sind Forscher, welche während einer Fete in der Nase bohren, Nasenbohrende Forschende oder Forschende Nasenbohrende? Und ist die Substandivierung korrekt? Fragen über Fragen.
KOTZ
Nee, KOTZENDE !
Es gibt doch dann sicher auch FURZENDE, oder heisst es allgemein FURZER?
Heisst es denn nun FURZENDE oder einfach nur FURZER?