Alemannischer Schifffahrtsstreit am Bodensee: Kein Wunder, dass Deutschlands Image immer mieser wird…

Alemannischer Schifffahrtsstreit am Bodensee: Kein Wunder, dass Deutschlands Image immer mieser wird…

Sinnbildliche Konterstellung: Die deutsche “MS München” der BSB und die schweizerische “MS St. Gallen” der SBS Bug an Bug auf dem Bodensee (Foto:Imago)

Es ist kein allzu großes Geheimnis, dass es im südbadischen Raum immer wieder zu gewissen – teilweise historisch gewachsenen – Spannungen zwischen den zwei angrenzenden Ländern Deutschland und Schweiz kommt. In den Regionen von Basel bis Konstanz regt sich Widerstand gegen einen prosperierenden Schweizer Einkaufstourismus, der einerseits zweifelsohne zu deutlichen Mehreinnahmen in den hiesigen Kassen führt, andererseits gleichwohl bei vielen Einwohnern diesseits der Grenze zu einem Gefühl beträgt, Bürger zweiter Klasse zu werden, wenn die komplette Infrastruktur, Innenstädte und Ladenzeilen zunehmend von den Eidgenossen in Beschlag genommen werden. Diese sublime Ablehnung bei gleichzeitiger Anerkennung der Nützlichkeit korrespondiert mit der umgekehrt in der Schweiz latent spürbaren Abneigung gegen Deutsche, die dennoch als hochqualifizierte Gastarbeiter und (echte!) Fachkräfte geschätzt werden.

Man scheint also  in gewisser Weise voneinander abhängig zu sein, gleichzeitig entpuppt sich diese Nachbarschaft im Alltag oft als eine Art Hassliebe. Dennoch ist man stets um eine konstruktive Zweisamkeit bemüht. Denn schließlich wissen nicht nur Einheimische und Grenzgänger, Unternehmer und Beschäftigter oder Geschäftsmann und Kunde, was man an- und voneinander hat. Doch die gute Miene zum bösen Spiel ist nicht bis ins Unendliche strapazierbar. Immer wieder tut man sich schwer bei der Kohabitation und Zusammenarbeit – gerade auch, wenn es um Verkehrsstrecken in der Grenzregion geht: Da wird mit Zugverbindungen gehadert, die teilweise schonmal (geradezu konfrontativ) kurz vor dem Schlagbaum enden.

Schweizer Gratis-Mitbeförderung deutscher Passagiere – bisher…

Nicht so bei der Kooperation auf dem Wasser: Hier ist es seit jeher Tradition, dass Schiffe zwischen deutschen und eidgenössischen Gestaden pendeln. Auf dem Bodensee soll es, gefühlt jedenfalls, keine Barrieren geben, stattdessen setzt man unter anderem mit Sternfahrten auf Verständigung. Das hat seit Jahrzehnten reibungslos funktioniert. Doch jetzt ist die Hutschnur geplatzt: Die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt AG (SBS) mit Sitz in Romanshorn will in der aktuellen Saison den Hafen von Konstanz nicht mehr anlaufen – eines der wichtigsten bisherigen Ziele der SBS-Routenpläne. Nunmehr sollen die Touren in Kreuzlingen, also auf der Schweizer Seite, enden.

Hintergrund sind offenbar Konkurrenz und Reibereien um Anlegegebühren, Reiseinformationen und Tarifsysteme. Jahrelang wurden deutsche Gäste auf schweizerischen Bootsdecks mitgenommen, wenn sie ein Ticket der deutschen Bodensee-Schifffahrtbetriebe (BSB) mit Sitz in Konstanz gekauft hatten. Allein im vergangenen Jahr beförderte man auf diesem Weg 5.400 Personen quasi gratis mit – wie es bisher hieß, “aus Kulanz”. Doch damit soll nun Schluss sein: Die deutsche Seite sei nämlich Gegenleistungen säumig geblieben – und hat sich zudem nun mit den österreichischen Schiffahrtbetreibern in Bregenz auf einen neuen „Seepass“ ohne Einbeziehung der SBS verständigt – eine Jahreskarte ohne Beteiligung der Schweizer also.

Deutsche Arroganz

Dass die Bundesrepublik ihre Gelder für globale abenteuerliche Projekte verschleudert, während sie ihren originären eigenen infrastrukturellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommt, ist wahrlich keine neue Nachricht; auch unser Image als zuverlässiger Partner leidet international und vor allem bei unseren Nachbarn – aufgrund der miserablen Haushaltspolitik des Staates. Doch offenbar halten die Misswirtschaft und der arrogante Schlendrian der Politik auch in immer mehr Unternehmen Einzug, ebenso wie der ärgerliche Ungeist aus Dreistigkeit und Frechheit.

Der Interims-CEO und Verwaltungsratspräsident der SBS, Benno Gmür, betonte, man sei ursprünglich davon ausgegangen, die finanzielle Angelegenheit mit den BSB regeln zu können. Doch offenbar wurde man enttäuscht. Nun sind die Fronten verhärtet, der Ruf als zuverlässiges Pendant auf deutscher Seite ist in den Keller gerutscht. So ist es leider im Kleinen wie im Großen: Wir sind auf dem besten Weg, uns überall auf der Welt reichlich unbeliebt zu machen. Wenn es um NGOs, Entwicklungshilfe, Ukraine-Unterstützung und Migrationskosten geht, sitzen die Moneten locker – doch zugesagte Steuerentlastungen für die Allgemeinheit lassen auf sich warten, und der Investitionsrückstau türmt sich bedrohlich auf. Und das gilt eben auch für regionale Verkehrsprojekte und Kooperationen, wo eine unnachvollziehbare Kleinlichkeit der Akteure nun zu massiven Nachteilen für Bodensee-Pendler, Touristen und Anwohner führt.

Massive Schäden für Tourismus und die Region drohen

Von den Verantwortlichen auf deutscher Seite wird beschönigend eingewandt, es handele sich nicht um einen Konflikt zwischen SBS und BSB, sondern um den “üblichen Wettbewerb”. Die ökonomischen Rahmenbedingungen auf deutscher Seite müssten berücksichtigt werden. Von Verbindlichkeit und Entgegenkommen also keine Spur – stattdessen sieht sich der moralisch ständig mit seinem Zeigefinger winkende Deutsche auch dieses Mal im Recht. Kein Wunder, dass den Konstanzer “Seefahrern” aus dem gegenüberliegenden Thurgau mangelnder Respekt und eine renitente Mentalität vorgeworfen wird. Statt die Position der Schweizer und deren Unmut wegen der allzu häufigen kostenlosen Mitbeförderung deutscher Passagiere auch nur ernstzunehmen, eine Kooperation mit den Österreichern unter Ausschluss der SBS zu beginnen – so geht man unter Kooperationspartnern auf Augenhöhe nicht miteinander um.

Der angekündigte Boykott des Konstanzer Hafens durch die SBS erscheint insofern nachvollziehbar; man will sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Leidtragender jedoch sind neben der lokalen Bevölkerung vor allem auch Arbeitspendler – und natürlich der Tourismus. Die angespannten Beziehungen zwischen Deutschen und Schweizern geraten zudem in Mitleidenschaft. Und das alles nur wegen eines regionalen diplomatischen Affronts, der dank der Impertinenz jener vom Zaun gebrochen wurde, die meinen, sich als größtes und wirtschaftlich (noch) mächtigstes Land Europas alles erlauben zu können. Es gibt viele kleine Hinweise und Indizien dafür, wie unpopulär die Deutschen bei ihren Nachbarn geworden sind – und an solchen Fällen wie beim Zoff der Schifffahrtbetriebe dies- und jenseits des Bodensees zeigt sich dies anekdotisch.

7 Kommentare

  1. Wenn man von Wyhlen über die Grenze auf die Chrischona geht, wo der basler Fernsehturm steht, bekommt man gar nicht mit, dass man über eine Grenze geht. Alle Schilder wurden entfernt. Wenn man aber zurück geht, ist der Grenzübergang deutlich gekennzeichnet. Zu recht, denn die Schweiz gehört nicht zu Deutschland, und will auch nicht zu unserem Shithole Country gehören, über das sich die Schweizer immer wieder wundern. Ich halte es für eine Respektlosigkeit, so zu tun, als gäbe es die Schweiz gar nicht, indem man den Grenzübergang gar nicht anzeigt.

    1. Bei den ehemaligen Eidgenossen dauert halt alles etwas länger. Auch die EUnterwanderung. Aber sie kommt nicht nur dennoch, sie ist schon längst in vollem Gange.

  2. Die Schweizer und die Schwaben (damit sind in der Region alle Deutschen gemeint) reden zwar noch eine Sprache, mit der der Andere versteht was der Andere will, aber das ist es dann auch. Dorffest in der Schweiz: der Deutsche sagt: „Ich bekomm dann noch ein Bier!“ Dann ist er bei den Schweizern schon durchgefallen. er wird zwar sein Bier bekommen, aber die Schweizer finden das unmöglich.

  3. Auch so wird das Reisen, noch vor 20 Jahren verkehrsmittel- und grenzübergreifend unkompliziert gereift, wieder zu einer mühsamen Herausforderung.
    Die Zeche zahlen am Ende alle, denn wenn die Bodenseeregion nicht mehr unkompliziert als Ganzes bereisbar ist macht der Urlaub an der schwäbischen Riviera nur noch halb so viel Spaß.

    Aber he – die vielgepriesene dortige Solarfähre fährt weiterhin, so sie denn fährt, denn jedes Tretboot wirkt seetauglicher als diese kuriose Elektrorikscha auf Bojen.

  4. OT: daß Deutschlands „Image“ immer …

    Und wie heißt das auf Deutsch?
    Warum muß für jeden Scheiß Englisch verwendet werden?
    Wir haben eine eigene Sprache!

  5. Wenn ein schweizer Bauer in Südbaden bei einem deutschen Bauer was einkauft, werden beim Überqueren der Grenze in die Schweiz die gerade günstig eingekauften Produkte, hokus-bokus ca. 4-mal so viel wert. Da kann man auch schnell mal einen ganzen deutschen Bauernhof kaufen. Man kann nämlich auf diese Tour viel Geld „sammeln“. Dass da die Bauern mal aufmucken ist doch vollkommen berechtigt. Die Verursacher, dieser Vernichtung deutscher Bauern sitzen, wie immer, in Berlin. Wenn`s gegen Deutsche geht, ist denen alles genehm. Dollles Schland. Gelle.