Alle Jahre wieder: Die Geisterdebatte um den Gender Pay Gap

Alle Jahre wieder: Die Geisterdebatte um den Gender Pay Gap

Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen: Plakative Darstellung, die wesentliche Erklärungen ausblendet (Symbolbild:Shutterstock)

Auch wenn es gerade sehr weihnachtet – nein, nicht das Christuskind kommt um diese Zeit, sondern garantiert wieder die Neuauflage der Debatte über den Gender Pay Gap, den Mythos von der Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen, die auf Geschlechtediskriminierung zurückzuführen sei. So auch dieses Jahr. Worum geht es? In Deutschland verdienen Frauen nach wie vor weniger als Männer – also muss es sich, was sonst, um Sexismus handeln! Das jedenfalls meint fast unisono die deutsche Medienlandschaft, die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes sogleich aufgriff. Und da es ja um die gute Sache geht, muss man es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen. Direkt gelogen wurde in den jüngsten Artikeln zum Thema zwar nicht, aber es wurden Zusammenhänge suggeriert, die keinen Bestand haben. Wie verschiedene Untersuchungen gezeigt haben, nehmen Menschen meist nur Schlagzeile und Einleitung eines Artikels wahr, selbst dann, wenn sie ihn vollständig lesen. Ein kleiner Spin, der ganz zu Beginn gesetzt wird, kann daher darüber entscheiden, wie genau eine Nachricht im Gedächtnis bleibt.

In der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” war zu lesen, dass es „keine Bewegung bei Lohnunterschieden zwischen Frauen und Männern“ gebe (dazu gleich mehr.) Im “Manager Magazin” hieß es, dass sich der Unterschied „hartnäckig“ halte und davon sei nur „ein kleiner Teil erklärbar“. Der “Spiegel” schrieb: „Trotz gleicher Arbeit und gleicher Qualifikation bekamen Frauen 2025 weniger Lohn.“ Das ließ sich aber aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes gar nicht ableiten, weswegen die Zeile im Header auch bald abgeändert wurde: „Frauen bekamen 2025 weniger Lohn, oft trotz gleicher Arbeit und gleicher Qualifikation.“ Der “Spiegel” nannte die erste Formulierung „missverständlich“, man habe sie daher „präzisiert“. War das nun Schlamperei oder böse Absicht? Werden beim “Spiegel” etwa Fehler gemacht? Na klar. Aber nicht alle „Fehler“ können Fehler sein. Denn eine falsche Formulierung, die ausnahmsweise mal nicht das linke Weltbild bestätigt, findet sich eben nie. Und: Die Formulierung wurde nur abgeschwächt statt wirklich „präzisiert“. Denn wie oft ist oft? Und auch die abgeschwächte Fassung lässt sich aus der ursprünglichen Pressemitteilung nicht ableiten.

Nicht zu einem kleinen, sondern großen Teil erklärbar

Aber der Reihe nach. Gibt es wirklich keine Bewegung beim Thema Pay Gap mehr? 2006, also vor fast 20 Jahren, betrug die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen noch 23 Prozent. Dieser Wert sank bis 2024 auf 16 Prozent. 2025 betrug die Differenz dann erneut 16 Prozent. Wenn sich die Lücke im gesamten Zeitraum nur um etwa 0,4 Prozent pro Jahr verringert, ist nicht undenkbar, dass auch mal von Jahr zu Jahr kein Unterschied mehr feststellbar ist. Bestimmte Schwankungen finden sich in jedem Datenset. Erst dann, wenn sich über mehrere Jahre hinweg eine Plateau-Phase abzeichnet, lässt sich wirklich konstatieren, dass der Gender Pay Gap sich „hartnäckig“ halte. Und ist tatsächlich nur „ein kleiner Teil erklärbar“? Ebenfalls nein: Ungefähr 60 Prozent der Gehaltslücke lassen sich damit erklären, dass Männer häufiger in Vollzeit arbeiten als Frauen und meist auch die höhere Berufsqualifikation haben. Es ist also vielmehr ein großer Teil erklärbar.

Durch Bereinigung dieser Faktoren schrumpft die Lücke von 16 Prozent auf noch 6 Prozent. Und auch das ist nur eine Obergrenze, wie das Statistische Bundesamt erklärt. Denn die Bereinigung gelingt umso besser, je mehr Kontrollfaktoren ausgewertet werden können. Stünden davon noch mehr zur Verfügung, dürfte die Lücke nochmals schrumpfen und nur ein kleiner Rest “Sexismus” übrig bleiben. So jedenfalls die Pressemitteilung.
Im Übrigen stimmt auch die Lücke von 16 Prozent, die der “Spiegel” in seiner Überschrift nennt, nicht. Denn zur besseren europaweiten Vergleichbarkeit klammert das Statistische Bundesamt bestimmte Branchen aus. Bezieht man diese dann doch wieder mit ein, verringert sich die Lücke auf 15 Prozent.

Schrumpfende Lücke

Die Lücke schrumpft also von 23 Prozent im Jahr 2006 auf 16 Prozent im Jahr 2025, auf 15 Prozent unter Berücksichtigung aller Berufsfelder und auf unter 6 Prozent, wenn man die unterschiedlichen Qualifikationen und Arbeitsverhältnisse von Männern und Frauen berücksichtigt. Ein weiterer Effekt: Vergleicht man unverheiratete Frauen und Männer, ist der Abstand ebenfalls kleiner. Sofern eine Frau also bereit ist, auf Kinder zu verzichten, kann sie im Beruf durchstarten und gutes Geld verdienen.

Könnte der Gender Pay Gap sogar noch weiter schrumpfen? Gut möglich – wenn man den Median betrachte. Was heißt das? In unserem Alltagsverständnis ist das Durchschnittsgehalt ein ziemlich durchschnittliches, also ein ziemlich normales Gehalt. Allerdings ist man üblicherweise erstaunt, dass das Durchschnittsgehalt ungewöhnlich hoch ausfällt und man nur wenige Menschen kennt, die darüber liegen. Tatsächlich liegen nur etwa ein Drittel aller Deutschen über dem Schnitt. Aber sollte es nicht genau die Hälfte sein? Nein, tatsächlich ist es komplizierter. Nehmen wir an, in einem Dorf mit 100 Einwohnern leben nur Männer, wobei Männer im Durchschnitt 1,80 m groß sind. Nun lebt in diesem Dorf aber zufällig Robert Wadlow, der mit 2,72 m der größte Mensch aller Zeiten war. Kann er den Durchschnitt verzerren? Nein, denn wenn er in das Dorf zieht, steigt die Durchschnittsgröße nur von 1,80 m auf 1,81 m an. In einem Dorf wäre nur eine minimale Veränderung spürbar, und schon in einer Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern wäre kein Unterschied mehr feststellbar.

Durchschnitt statt Median

Was aber, wenn der reichste Deutsche, nämlich Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland), in das Dorf zieht? Es ist ziemlich egal, ob wir für den normalen Dorfbewohner nun ein Vermögen von 100.000 Euro oder 1 Million Euro  annehmen. Sobald Schwarz dort wohnt, liegt das durchschnittliche Vermögen im Dorf bei etwa 400 Millionen. Jemand wie Robert Wadlow ist zwar größer als der normale Mensch, aber eben nicht millionenfach größer. Die durchschnittliche Körpergröße ist daher „immun“ gegen einzelne Ausreißer. Das durchschnittliche Vermögen hingegen kann durch einen Extremfall extrem verzerrt werden.
Ein besseres Maß als der Durchschnitt ist daher der Median: Dieser teilt eine Gruppe in eine untere und eine obere Hälfte. Im Falle der Körpergröße sind Durchschnitt und Median nahezu gleich. Die Abweichung beträgt weniger als 1 Zentimeter. Im Falle des Durchschnittseinkommens hingegen können beide Werte sehr weit auseinanderliegen.
Und vermutlich würde ein Median-Wert des Gender Pay Gaps auf noch niedrigere Werte kommen. Eine kleine Elite der Männer von etwa 10 Prozent könnte den Durchschnitt extrem verzerren, sodass für die breite Masse aller Männer und Frauen nahezu kein Unterschied mehr besteht.

Solange das Statistische Bundesamt keine Median-Werte veröffentlicht, lässt sich diese These zwar nicht beweisen, doch ist sie sehr plausibel. Denn es zeigt sich: In Deutschland ist der Gender Pay Gap umso stärker ausgeprägt, je höher das Einkommen ist. In Ostdeutschland ist er niedriger als im wohlhabenden Baden-Württemberg. Der Gender Pay Gap könnte also dadurch begründet sein, dass einfach weniger Jobs für Gutverdiener zur Verfügung stehen, oder dadurch, dass die besonders qualifizierten Männer wegziehen, um woanders mehr zu verdienen. Das führt zu dem interessanten Effekt, dass in einigen ostdeutschen Landkreisen der Gender Pay Gap negativ wird. Sprich: Frauen verdienen dort mehr als Männer.

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7 Antworten

  1. Ein Opa (70) geht mit seinem Enkel (10) im Wald spazieren.
    Zusammen sind sie 80 Jahre alt, im Durchschnitt 40 Jahre.

    Fazit: Der Opa ist viel zu alt, der Enkel viel zu jung.

    Was das Beispiel soll? – Die weit verbreitete Fixierung auf den Durchschnittswert ist blanker Unsinn.
    😜

  2. Ich denke, daß in naher Zukunft ganz andere Probleme auf uns zukommen werden.

    Deutschlands Schulen zwischen Scharia und Indoktrination | NIUS Original

    Das deutsche Bildungssystem ist außer Kontrolle – und Schulen sind zu Kampfzonen geworden. Dabei werden Schüler gleich mit zwei Phänomenen konfrontiert: von unten mit einem Migrationsdruck, der dafür sorgt, dass Lehrer vor Klassen ohne Deutschkenntnisse unterrichten müssen, dass Islamismus an der Tagesordnung steht und sich teils archaische Gewalt Bahn bricht. Von oben hingegen begegnen ihnen Lehrer, die einem „Kampf gegen Rechts“ frönen, gegen die Neutralitätspflicht verstoßen und linksgrüne Indoktrination vorantreiben.

  3. Bei diesem Thema braucht man gar keine große Zahlenrabulistik, denn das Märchen mit der angeblichen grundsätzlichen „Benachteiligung“ von Frauen beim Einkommen ist natürlich alles auch schon deswegen verschleiernder ideologischer feministischer Unsinn, weil die mittlerweile nicht ganz unerheblichen Unterhalts“einkommen“ der Frauen (also leistungsloses Geld durch den Mann oder Staat) gleichweg ganz unter den Tisch fallen.

    Damit will ich den Frauen an sich gar keine grundsätzliche Abzockementalität unterstellen, ganz im Gegenteil, denn viele Männer machen das schlichtweg freiwillig, sprich die Kohlen ranschleppen und die Frau dann Kinder und Haushalt schmeißen lassen und so freuen sich beide Seiten & profitieren voneinander und nur die spalterische links-grünwoke Hetz-Kamarilla guckt in die Röhre.

    Nennt man naturgemäßes funktionierendes Familienleben aber das will man zum eigenen Machterhalt natürlich gerne weghaben.
    Übrigens sollten all die Angestellten im öffentlichen Dienst oder Bundestagsweiber mal aufstehen und sich melden, die aufgrund ihres Frauseins weniger verdienen.
    Bleiben alle sitzen ? Nun dann einfach den Sabbel halten und mal was Sinnvolles auf/in der Welt beitragen 😑😑

  4. Hätte man die Einkommen in dem Betrieb, in dem ich bis zum realen Eintritt in die Rente getrennt nach Geschlechtern erfasst und nach Qualifikation und Arbeitszeit verglichen, hätte man keinen Unterschied feststellen können. Für Frauen wäre sogar noch ein kleines Plus durch die Schwangerschafts- und Babyjahrpausierung herausgekommen, das von allen Weiterarbeitenden gern und selbstverständlich getragen wurde. Summarisch ergäbe sich jedoch ein Plus für die männliche Seite, weil deren Vertreter zusätzlich zur durchschnittlichen täglichen Arbeitszeit ein Plus bei den Arbeitsjahren aufweisen. Allein in meiner Abteilung arbeiteten vier Kollegen weit über das Renteneintrittsdatum hinaus, aber keine einzige Kollegin.

  5. Es gibt keinen „Gender Pay Gap“. Der ist nur eine Propagandalüge, die, einem sehr üblen Beispiel aus der deutschen Geschichte folgend, durch ständiges Wiederholen glaubhaft gemacht werden soll.

    Ich habe seit vielen Jahren den Gender-Pay-Gap-Heulsusen in diversen sozialen Medien immer wieder eine Wette angeboten – und wiederhole hier mein Angebot zum gefühlt tausendsten Mal: 10.000 € bin ich bereit zu wetten, dass es niemandem gelingt, mir in ganz Deutschland innerhalb der nächsten drei Monate auch nur eine einzige Frau namentlich zu nennen, die nachweislich zu einem maximal drei Monate zurückliegenden Stichtag, im selben Betrieb am selben Standort und für denselben Arbeitgeber tätig ist und dort

    für die gleiche Arbeit
    bei gleichem Arbeitnehmerstatus
    gleicher Qualifikation
    gleicher Berufserfahrung
    gleich langer aktiver Betriebszugehörigkeit
    gleicher Verantwortung
    gleicher Anzahl weisungsgebundener Untergebener
    gleicher Länge und Verteilung der Arbeitszeit
    gleichem Umfang von Mehrarbeit und Überstunden
    gleicher Anzahl von Urlaubs- und Freistellungstagen
    gleichem Familienstand
    gleicher Unterhaltsbelastung
    und, soweit die Bezahlung erfolgsabhängig ist,
    gleichem Arbeitserfolg

    auch nur einen einzigen Euro weniger Bruttomonatsgehalt bekommt, als ein Mann.

    Wohlgemerkt: nachweislich, soll heißen, ich will zu jedem Punkt nachprüfbare Beweise sehen. Eine gefühlte Schlechterbezahlung reicht nicht.

    Vor dieser Wette haben bislang alle gekniffen – und das wird wohl auch so bleiben.

  6. Mir wurde nie, niemals, ein Angebot auf Teilzeitarbeit unterbreitet. Immer 40 Stunden + X. Bei Frauen scheint Teilzeit generell möglich zu sein…