Allianz-Studie: Wenn die Normalität wird zum extremistischen Risiko (v)erklärt wird

Allianz-Studie: Wenn die Normalität wird zum extremistischen Risiko (v)erklärt wird

Die heteronormative glückliche Familie wird für viele Jugendliche wieder attraktiv als Leitbild – zum Entsetzen von linkswoken Journalisten und Kulturmarxisten (Symbolbild:pexels)

Ein und dieselbe Studie, zwei völlig unterschiedliche Lesarten: Die Allianz Foundation hat junge Menschen zwischen 16 und 39 Jahren in mehreren EU-Ländern befragt. Resultat: knapp ein Drittel der Befragten sehnt sich nach „früher“, wünscht sich weniger Zuwanderung, ein Zurück zu traditionelleren Geschlechterrollen und mehr Nationalstolz.
Die “Welt” referiert – wie auch andere Medien – dieses Ergebnis nüchtern als empirische Beobachtung, die etwas über die Stimmungslage einer Alterskohorte sagt; einer Generation, die Finanz-, Migrations- und Coronakrise hinter sich hat und sich nach Stabilität sehnt. Soweit die nüchterne, journalistische Betrachtung. Der “Spiegel” hingegen baut aus denselben Zahlen ein „Backlash-Barometer“, warnt vor „rückwärtsgewandten Einstellungen“, spricht von „Nostalgie als politischer Waffe“ und rückt das Bekenntnis zu traditionellen Familienmodellen in die Nähe von „Fremdenfeindlichkeit, Anti-Feminismus und Autoritarismus“.

Schon in der Überschrift liegt die ideologische Setzung: „Warum bei vielen jungen Menschen die Sehnsucht nach gestern groß ist“ – und im Untertitel dann die Leitfrage: „Wie gefährlich ist das?“ Wohlgemerkt: “gefährlich”; nicht etwa interessant, erklärungsbedürftig oder gar politisch diskutabel oder auch nur ernst zu nehmen. Das Ergebnis der Allianz-Studie ist in der Logik der Autorin Swantje Unterberg nicht Ausdruck einer demokratisch legitimierten – und legitimen – Gegenposition, sondern ein Frühwarnsignal für eine drohende Pathologie.

Wenn Familie zum Verdachtsfall wird

Was ist der Kern dieser angeblichen Gefährdung? Die Allianz Foundation gruppiert all jene als „Backlasher“, die sich „zurück zu traditionellen Familienmodellen“ wünschen, die Zuwanderung begrenzen oder Minderheitenpolitik relativieren wollen. Diese Kategorien werden nicht beschrieben, sondern moralisch codiert: „regressiv“, „rückwärtsgewandt“, „nicht alle Menschen als gleichwertig anerkennend“. Damit vollzieht sich eine bemerkenswerte Verschiebung. Die klassische bürgerliche Familienform – stabile Partnerschaft, klare Rollenverteilung, verbindliche Verantwortung für Kinder – wird nicht mehr als legitime Option neben anderen verstanden, sondern als Vorstufe autoritärer Versuchungen. Wer ein traditionelles Modell gut findet, rückt in der Logik der Studie einen Schritt näher an „Minderheitenrechte beschneiden“ und „Gewalt billigen“. Dass die Erhebungsmethode diese Dinge schlicht additiv abfragt und dann zu einem „Backlash-Index“ verklumpt, wird im “Spiegel” nur am Rande angedeutet.

Hier liegt der eigentliche Skandal: Eine Lebensweise, die jahrhundertelang tragende Säule der Gesellschaft war und bis heute von der Mehrheit faktisch gelebt wird, wird in ein Risikoraster eingezeichnet. Die Sehnsucht junger Menschen nach Verbindlichkeit, nach stabilen Rollen, nach einem verlässlichen Gegenüber wird nicht als verständliche Reaktion auf eine hyperflexible, prekäre Welt gelesen, sondern als politische Gefahr.

Die Angst der Ideologen vor der Normalität

Warum eigentlich diese Nervosität? Weil die Studie etwas offenlegt, was im Mainstream lange verdrängt wurde: Die Generation, die mit Genderseminaren, Diversitätskampagnen und „offener Gesellschaft“ sozialisiert wurde, beginnt, an der Verheißung des grenzenlosen Lebens zu zweifeln. Bereits die letzte Shell-Studie hatte gezeigt, dass fast die Hälfte der Jugendlichen findet, der Staat kümmere sich mehr um Flüchtlinge als um hilfsbedürftige Deutsche, und dass sich viele eine eher traditionelle Rollenteilung wünschen. Die Allianz-Erhebung bestätigt nun: Vor allem Millennials wünschen sich mehr Nationalstolz und weniger kritische Dauerbeschäftigung mit der eigenen Geschichte.

Das ist keine „Radikalisierung“, sondern ein sozialpsychologischer Reflex: Wer sein Leben als Kette ungelöster Krisen erlebt, wer mit steigenden Mieten, Arbeitsplatzunsicherheit und kultureller Entwurzelung konfrontiert ist, sucht nach Halt. Familie, Nation. Klare Zugehörigkeiten bieten genau das. Der Verdacht, der “Spiegel” und die Studienmacher hier hegen, richtet sich folglich nicht gegen Gewalt oder Hass – sondern gegen die Möglichkeit, dass junge Menschen sich mehrheitlich dem pädagogisch gewünschten Weltbild entziehen und als “Ewiggestrige” entpuppen könnten.

Von der Empirie zur Pädagogik – und zurück

Bemerkenswert ist, wie rasch der Artikel von der Beschreibung zur Intervention übergeht. Die Beratungsstelle „Kurswechsel“ wird hier als Instanz vorgestellt, die „so früh wie möglich intervenieren“ müsse, wenn Jugendliche sich „rückwärtsgewandt“ äußern. Intervention – gegen was? Gegen Hakenkreuze und NS-Parolen gewiss;  aber jetzt auch auch gegen „Backlash-Narrative“ wie dem Plädoyer für eine Rückkehr zu “traditionellen Familienmodellen“? Wer solche Gleichsetzungen und Engführungen betreibt, verwischt bewusst die Grenze zwischen Extremismusprävention und politischer Umerziehung. Wer Familie mit klarer Rollenteilung bevorzugt, wird nicht mehr als Teil des legitimen Meinungsspektrums behandelt, sondern als Frühindikator einer Entwicklung, die angeblich später in Gewalt umschlagen könnte. Das ist der alte Totalitarismus in neuer Rhetorik: Die gefährliche Abweichung beginnt zuerst im Kopf, lange bevor eine Tat vorliegt – und muss schon dort ausgemerzt werden. Präventive Pädagogik soll deshalb das Denken auf Linie bringen.

Die “Welt” kommt ohne dieses moralische Arsenal und diese Hinzudichtungen aus. Sie schreibt schlicht, 28 Prozent der Befragten sehnten sich nach „früher“ mit weniger Zuwanderung und traditionellen Geschlechterrollen, viele wünschten sich mehr Nationalstolz. Man kann das gutheißen oder kritisieren – aber zunächst ist es ein Faktum.
Wer dieses ernst nimmt, muss fragen: Was sagt es über Politik, Medien und Bildung aus, wenn gerade die Jüngeren zunehmend das Gefühl haben, die vergangenen Jahrzehnte seien in wesentlichen gesellschaftspolitischen Fragen auf Abwege geraten? Vielleicht ist diese Nostalgie gar nicht so sehr die „Sehnsucht nach gestern“, sondern Wunsch nach einem Morgen, das weniger brüchig ist. Nach einem Leben, in dem Kinder, Ehe, Verwurzelung nicht als Problem, sondern wieder als Lebensziel und -inhalt gelten.

Die wirkliche Gefahr liegt im Verdacht

Die Allianz-Studie könnte ein wertvolles Diagnoseinstrument sein – wenn sie denn unterschiedliche Zukunftsbilder ernsthaft abbilden würde. Stattdessen jedoch wird sie zum Frühwarnsystem gegen die Rückkehr des Normalen. Gefährlich sind in dieser Logik nicht die Verhältnisse, die junge Menschen unzufrieden machen – sondern die Antworten, die sie darauf finden. Ein intellektueller Konservatismus muss hier widersprechen: Eine Demokratie, die traditionelle Familienmodelle, Nationalstolz und Grenzen nur noch als Risikofaktoren wahrnimmt, verliert den Kontakt zu ihrer eigenen sozialen Basis. Sie verwechselt extreme Ideologie mit elementaren Bedürfnissen nach Zugehörigkeit und Sicherheit – und treibt damit genau jene Entfremdung voran, vor der sie zu warnen vorgibt.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, wie gefährlich die „Sehnsucht nach gestern“ ist. Sondern wie gefährlich ein Diskurs wird, der ganze Lebensentwürfe unter Extremismusverdacht stellt, nur weil sie nicht in das spätmoderne Leitbild der grenzenlosen Selbstverfügbarkeit passen.

6 Antworten

  1. „knapp ein Drittel der Befragten sehnt sich nach „früher“, wünscht sich weniger Zuwanderung, ein Zurück zu traditionelleren Geschlechterrollen und mehr Nationalstolz“.

    ja, das finde ich auch bedenklich, bedenklich und „gefährlich“. Warum? Weil das nach Adam Riese bedeutet daß eine deutliche Mehrheit von 2/3 das Gegenteil, sprich lieber Zersetzung, Zerfall und Untergang will.

    Besonders blöde ist die Behauptung daß dahinter der Wunsch nach „Autoritarismus“ steckt – dabei war sowohl hierzulande als auch weltweit die Freiheit in der 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts deutlich besser vertreten als in der Neuen Weltordnung des heutigen frühen 21. Jahrhunderts: Da bin ich gern und überzeugt „gestrig“.

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  2. Die Familie wird missbraucht.
    Auf der einen Seite benötigt man sie
    um durch ihr Steueraufkommen die
    INVASOREN zu unterhalten.
    Auf der anderen Seite wird durch
    die Familie die Zugriffsmöglichkeit
    des Überwachungsstaates eingeegnt.

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  3. Bundesregierung finanziert Antirassismus-Seminare, bei denen weiße Menschen nicht erwünscht sind
    Die Bundesregierung finanziert monatlich stattfindende Seminare, bei denen „weiß-privilegierte“ Menschen nicht erwünscht sind. Verantwortlich für die Inhalte ist der steuerfinanzierte Verein „IDA“, der in Broschüren gegen Weiße polemisiert und „Rechts“ mit „Rechtsextremismus“ gleichsetzt. Die Leiterin der Seminare postet in den sozialen Medien brennende Polizeiautos, versehen mit dem Hinweis: „There is no justice.“

    https://nius.de/politik/news/bundesregierung-finanziert-antirassismus-seminare-bei-denen-weisse-menschen-nicht-erwuenscht-sind

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