
Vor 25 Jahren starben knapp 3.000 Menschen bei den Terroranschlägen von New York und Washington. Die Welt ist seitdem leider nicht zur Ruhe gekommen. Auch die Ausschaltung Osama bin Ladens vor 15 Jahren konnte keinen Frieden bringen. Der “Spiegel” war jedoch allzu optimistisch und hatte damals, ein Jahrzehnt nach 9/11, verfrüht das Ende des Terrorismus ausgerufen: „Zehn Jahre nach dem 11. September 2001 zeigen die Revolutionen in Arabien, dass sich die Mehrheit der Muslime nach Demokratie sehnt und dass Bin Ladens Ideologie eines mörderischen Fundamentalismus wohl schon vor seinem Tod an Anziehungskraft verloren hatte.“ Im Beitrag „Ende eines Massenmörders“ hieß es über den Terrorführer, dass seine „Bedeutung inzwischen erloschen“ sei. Die „moderne muslimische Welt“ habe „den Alten vom Berge fast vergessen“.
Und im Artikel „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ wurde konstatiert, die „Verirrten in der islamischen Welt verlieren ihren Fixstern“; die arabischen „Freiheitskämpfer“ würden sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Yassin Musharbash hatte geschrieben, dass „plötzlich ein Dialog mit den Taliban möglich scheint“, sogar auf einen „schnellen Frieden“ gehofft und zusammen mit Hasnain Kazim geurteilt, dass die arabischen Demonstranten „der dschihadistischen Ideologie weitere Glaubwürdigkeit entziehen, weil sie zeigen, dass ein Wandel auch auf anderem Wege möglich ist.“ Durch das „Charisma-Defizit“ des „drögen“ Sawahiri drohe Al-Qaida seinen „Markenkern“ zu verlieren. Soweit der “Spiegel“ damals, 2011. Bekanntlich kam es anders.
Steigende Todeszahlen
Im Jahr 2011 starben laut der Global Terrorism Database (GTD) der University of Maryland weltweit 8.246 Menschen bei Terroranschlägen (Hinweis: Der GTD wird seit 2020 nicht mehr aktualisiert, doch ähnliche Datenbanken zeigen einen starken Rückgang der Terrorzahlen ab 2021 – aber vor allem deswegen, weil die Taliban seit ihrer Machtergreifung 2021 in Afghanistan als staatlicher Akteur und nicht mehr als Terrorgruppe gelten). Diese Zahl stieg bis 2014 auf 44.490 und sank auf 22.847 im (Corona-)Jahr 2020. Dies entspricht mehr als einer Verfünffachung der Opferzahlen, und selbst nach der militärischen Zerschlagung des Islamischen Staats lagen diese Werte noch bei fast dem Dreifachen des vorherigen Stands. Selten dürfte der “Spiegel” also falscher gelegen haben als hier. Aber wie kam er zu der Prophezeiung, der Dschihadismus sei„als politische Ideologie… im Nahen Osten kaum noch relevant“? Schon auf ein Ende der Gewalt nur im arabischen Raum zu hoffen, wäre mehr als optimistisch gewesen – aber warum sollte eine Gruppe wie Boko Haram in Nigeria mit dem Morden aufhören, wenn die Qaida ihren Anführer verliert?
Der eben zitierte Artikel „Sinkende Feldherren“ enthält kaum sachliche Argumente, die ein Ende des Terrorismus plausibel erscheinen lassen. Ein beständiger Rückgang der Terrortoten, eine Verurteilung der Gewalt durch die obersten islamischen Autoritäten oder die Etablierung von Demokratien im Nahen Osten wären gute Indizien gewesen – doch ein solcher Trend existierte schlicht nicht.
Keine Argumente außer Umfragen
Lediglich auf Umfragen aus der islamischen Welt wird verwiesen. In den 2000er Jahren nahm der Rückhalt bin Ladens von Marokko bis Indonesien stetig ab. Die Erklärung für dieses Phänomen liefert der Artikel jedoch gleich selbst. Al-Qaida verübte viele Terroranschläge im arabischen Raum. Vor allem im Irak brachten sich ab 2003 die Glaubensbrüder gegenseitig um. Terrorismus abzulehnen, weil man ihm selbst zum Opfer fallen könnte, ist jedoch keine Abkehr vom Terrorismus als solchem.
Dass der Nahe Osten eben nicht über Nacht tolerant geworden war, zeigt sich, wenn man die Zahlen des Umfrageinstituts genauer betrachtet: Die Bevölkerung der arabischen Staaten gab zu 95-98 Prozent feindselige Einstellungen gegenüber Juden an. Hamas und Hisbollah, die ihre Anschläge gezielt gegen Israel richten, kamen dann auch folgerichtig auf doppelt so hohe Zustimmungsraten wie al-Qaida. Die Ägypter – als bevölkerungsstärkstes arabisches Land – unterstützten al-Qaida „nur“ zu 20 Prozent, die Hamas jedoch zu 49 Prozent. Die Zustimmungswerte für das Handabhacken bei Dieben lagen bei 77 Prozent, für die Steinigung von Ehebrechern bei 82 Prozent und für die Todesstrafe für Apostasie, also Glaubensabfall, bei 84 Prozent!
Willkommene Ausrede
Spöttisch wird der kurz zuvor gestürzte ägyptische Präsident Husni Mubarak zitiert, der vor „Hunderten neuen bin Ladens“ gewarnt hatte. Tatsächlich hatte der Diktator Mubarak immer behauptet, nur er könne eine Machtergreifung der Muslimbruderschaft verhindern. Dies war eine willkommene Ausrede, um jede demokratische Opposition im Keim zu ersticken – doch sie entsprach der Wahrheit. Bei den Wahlen 2012 wurde Mohammed Mursi, ein Vertreter der Muslimbruderschaft, zum neuen Präsidenten gewählt. Nach dem Sturz Mubaraks erlebte Ägypten eine Zunahme an Terroranschlägen. Vor allem die Kopten, eine christliche Minderheit, müssen um ihr Leben fürchten.
Auch sollte dem “Spiegel” eigentlich bekannt gewesen sein, dass bin Laden nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die Verbindungen zu seiner Terrororganisation kappte, um nicht aufgespürt werden zu können. Denn genau diesen Zusammenhang hatte der Chef des Bundesnachrichtendienstes, Ernst Uhrlau, der daher weiterhin mit Anschlägen rechnete, in der gleichen Ausgabe zu Protokoll gegeben. Nur noch gelegentlich meldete sich bin Laden in Videobotschaften zu Wort. In seinen letzten Jahren war er weniger Organisator als vielmehr Symbolfigur. Die operative Leitung des Terrornetzwerks lag bei seinem Stellvertreter und Nachfolger Aiman al-Sawahiri.
Bin Laden als „dunkler Doppelgänger George W. Bushs“
Der “Spiegel” zog daraus jedoch die Schlussfolgerung, dass bin Laden als Zivilist, gewissermaßen als „Terrorist im Ruhestand“ einzustufen und seine Tötung damit rechtswidrig sei. Al-Qaida sei „ein eher locker verknüpftes Netzwerk des Bösen“ und „als Kriegspartei untauglich“. Auch “Spiegel”-Erbe Jakob Augstein schloss sich dieser Deutung an („Bin Laden, der Sieger“): Amerika dürfe „nicht wieder in jene außenpolitische Hybris verfallen“, da Washington sonst „Monstern“ wie bin Laden neue Vorwände liefern würde. Auch müsse endlich ein Frieden zwischen Israelis und Palästinensern geschlossen werden. Es sind also mal wieder die Juden schuld.
Augstein meinte, der Westen „mit seinem Übermaß an Arroganz und seinem Mangel an Respekt, ist ein passendes Feindbild“. Bin Laden sei, so Arundhati Roy, „der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten“ George W. Bush.
Freude über den Tod bin Ladens
Auch ähnele der Jubel vieler US-Amerikaner nach der Tötung Bin Ladens der Freude vieler Palästinenser anlässlich der Zerstörung des World Trade Centers – ganz als würden der Tod von 3.000 Menschen und der Tod eines Mörders von 3.000 Menschen auf einer Stufe stehen. Stefan Kuzmany meinte, dass der Schein der „zivilisatorischen Überlegenheit des Westens den islamischen Ländern gegenüber“ trüge. Während man in Deutschland auf Resozialisierung setze, glaube man in den USA an den „rachsüchtigen Gott aus dem Alten Testament“ und an die Todesstrafe. Die Amerikaner, die die Ausschaltung des Terrorfürsten feierten, seien „Anhänger einer archaischen Blutrache-Moral“.
Kuzmany bezweifelte, dass die Welt nach dem Tod bin Ladens friedlicher würde – hatte aber wohl eher die US-Armee und nicht Islamisten als Schuldige ausgemacht. Die Worte des Theologen Hubertus Lutterbach, aus „Nächstenliebe“ verbiete sich „Schadenfreude“ über die Ausschaltung bin Ladens, wurden gar zum „Zitat des Tages“ erhoben. Mal abgesehen davon, dass er “Spiegel” noch erklären müsste, warum man sich nicht über den Tod eines Terroristen freuen dürfte, wenn er doch selbst in Jubelstimmung über das angebliche Ende des Terrorismus aufgrund dessen Todes verfiel.
Fragwürdiger Gewährsmann
Schriftsteller Lawrence Wright – Autor des “Spiegel”-Beitrags „Ein neues Drehbuch“, der für sein Buch über al-Qaida „Der Tod wird euch finden“ den Pulitzerpreis erhielt, sah einen „Wendepunkt“. Er bezeichnete die alten Terrorfürsten als „Gerontokratie“. Die junge Generation sei „der Demokratie und der Moderne gegenüber viel aufgeschlossener“. Syrien schätzte er als „stabil genug“ für „demokratische Strukturen“ ein. Tatsächlich sollte der jahrelange Bürgerkrieg in der Levante etwa 500.000 Todesopfer fordern.
Wright hatte übrigens das Drehbuch zum Hollywood-Blockbuster „Ausnahmezustand“ verfasst. In dem Film mit Denzel Washington und Bruce Willis in den Hauptrollen gleiten die USA nach Terroranschlägen in eine Militärdiktatur ab, die Araber in Lagern internieren lässt. Wie sich im Laufe der Handlung herausstellt, wurden die Terroristen zuvor von der CIA ausgebildet.
“Aufgeklärte Despoten”
Der französische Sozialwissenschaftler Emmanuel Todd äußerte sich im Interview zum sogenannten “Arabischen Frühling”: „In Tunesien spielten die Islamisten keine Rolle, in Ägypten schienen die Muslimbrüder vom Gang der Ereignisse überrumpelt. […] Die arabische Revolution hat aufgeräumt mit dem Klischee einer kulturellen und religiösen Besonderheit, die den Islam angeblich unvereinbar mit der Demokratie macht und die Muslime angeblich dazu bestimmt, im besten Fall von aufgeklärten Despoten regiert zu werden.“
Und zur Tötung bin Ladens Bin-Laden schrieb er: „Sein Gespenst mag noch faszinierend wirken. Seine Bewunderer können versuchen, die Flamme am Leben zu halten. Aber im Grunde kam die erschreckend brutale Aktion der USA zur Unzeit: Al-Qaida war schon vor dem Ende von Bin Laden politisch tot.“
Verfehlte Prognosen
Mit verfehlten Prognosen hätte der “Spiegel” sich eigentlich auskennen müssen: 2001, nur wenige Tage nach den verheerenden Anschlägen vom 11. September, hatte er geschrieben, die Hamas sei „offenbar zum Umdenken“ bereit und wolle keine Selbstmordanschläge mehr verüben. Dabei gibt der Artikel zu, dass dies wohl nur auf die Angst vor einem Imageschaden aufgrund der Verheerungen in New York zurückzuführen sei, also eben nicht auf ein eigentliches Umdenken; noch am 9. September hatte es einen Anschlag mit drei Toten gegeben. Und das Zitat des Hamas-Vertreters hätte ebenfalls skeptisch anmuten müssen, denn dieser sprach nur von einem „vorläufigen“ Ende der „Märtyrertode“ und auch nur, wenn Israel seine „Provokationen“ und „Mordpolitik“ beende.
Das Versprechen war – logischerweise – wertlos; schon im Dezember tötete die Hamas 26 weitere Menschen. Die Zahl der Toten bei palästinensischen Selbstmordanschlägen verdreifachte sich dann 2002 gegenüber dem Vorjahresstand. Im Februar 2006 gab es einen Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra, ein Heiligtum der Schiiten. In den darauffolgenden Monaten eskalierte der islamische Bruderzwist im Irak komplett. Musharbash schloss seine Einordnung aber eher optimistisch: „In diesem Chaos tröstend ist, was sich heute ebenfalls zeigte: Dass immer mehr hartgesottene Islamisten und Dschihad-Anhänger mit Anschlägen wie dem heutigen nichts mehr anfangen können.“
Von wegen nur ein “radikaler Kern”…
2008 hatte al-Sawahiri den künftigen US-Präsidenten Barack Obama als „Hausneger“ beschimpft, der den Interessen der weißen Bevölkerungsmehrheit sowie Israels diene und seine islamische Prägung verraten habe. Musharbash interpretierte die scharfe Propagandaattacke jedoch als Ausdruck der Schwäche, gar Panik. Trotzig erklärte er, dass al-Qaida mit dem scheidenden Präsidenten George W. Bush ein wichtiges Feindbild verliere. Dass die Planungen für 9/11 schon 1996 begannen, als noch Bill Clinton im Weißen Haus saß, scheint Musharbash entgangen zu sein. Ein radikaler Kern werde weiterhin am Terror festhalten, die Rekrutierung neuer Anhänger werde jedoch deutlich schwieriger, „wenn der kommende US-Präsident auf einmal versöhnliche Töne gegenüber den Muslimen der Welt findet und Guantanamo schließt.“ Insbesondere die kenianischen Wurzeln Obamas würden dem Aufbau von Qaida-Gruppen auf dem afrikanischen Kontinent entgegenstehen.
Laut Musharbash saß der eigentliche Terrorfürst also im Weißen Haus. Werden Anschläge in dieser Logik gar zur Notwehr? Und war Obama selbst dann noch das schlechtere Feindbild, als er dreimal so viele Truppen in Afghanistan stationierte wie Vorgänger Bush und die Drohnenangriffe in Pakistan intensivierte? Nicht vergessen sollte man an dieser Stelle, dass bereits 1993 ein Bombenanschlag auf das World Trade Center verübt worden war; auch das zweite Argument verfängt nicht – ganz als ob noch nie ein Afrikaner von Islamisten getötet wurde. Und schließlich wurde al-Qaida 1998 schlagartig weltbekannt durch den Angriff auf die US-Botschaft in – Kenia!
„Der IS scheitert schon an einer Kleinstadt“
Was Reuter im Jahr 2013 über das „Disneyland für Dschihadisten“ schrieb, liest sich tatsächlich amüsant: „Im ruhigen Norden sammeln sich die ausländischen Islamisten, die lieber Counter-Strike (ein Computerspiel, die Red.) spielen, als in den Krieg zu ziehen. Sie streiten sich, ob Rauchen erlaubt ist – und kämpfen eher gegeneinander als gegen das Regime.“ Der Dschihad gleiche einem „Kostümspektakel“ und drehe sich um die Frage, welche der Milizen die „coolere“ sei, weil sie eben Tabak erlaubt: „Alle Radikalen in Atmih wollen einen Gottesstaat – was die einzelnen Gruppen aber nicht davon abhält, fortwährend übereinander herzuziehen, sich zu spalten und gelegentlich zu befehden.“ Unter den Gruppierungen wird auch der Islamische Staat genannt, doch einer der Anwohner wiegelt ab: „Die wollen die halbe Welt erobern. Aber sie würden schon an einer Kleinstadt scheitern.“ Von wegen: Im Jahr darauf rief der Islamische Staat in Mossul das Kalifat aus und ermordete zehntausende Menschen.
Agenturmeldungen, laut denen die amerikanische, britische sowie deutsche Regierung, Politologen, Interpol, die Münchener Sicherheitskonferenz und die ägyptische Polizei Vergeltungsschläge befürchteten, wurden zwar übernommen, lösten in der Redaktion jedoch kein Umdenken aus. Ebenso wenig wie das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der ARD: Damals fürchteten 51 Prozent – völlig zutreffend! – eine Zunahme der Terroranschläge, 45 Prozent sahen eine unveränderte Sicherheitslage und gerade einmal 2 Prozent wollten an einen Rückgang der Gewalt glauben. Auch gaben 79 Prozent der Befragten an, mit Terrorattacken in Deutschland zu rechnen. Doch die Stimme des Volkes findet in den Ohren intellektueller Hamburger Journalisten natürlich kein Gehör; besonders peinlich: Als weiteren Gewährsmann für ein baldiges Ende des Terrorismus zitierte der Spiegel ausgerechnet Jamal Khashoggi. Dieser durfte den ersehnten friedlichen Nahen Osten nicht mehr miterleben, im Gegenteil: Im Jahr 2018 wurde er – mutmaßlich auf Geheiß des saudischen Herrschers, Kronprinz Mohammed bin Salman – in der Türkei ermordet und zerstückelt.
„Al-Qaida wurde auf dem Tahrir-Platz von Kairo begraben“
Ein neutraler Beobachter war Khashoggi jedoch nicht. Er hatte ein ganz eigenes Interesse daran, seine Religion als friedlich darzustellen. Khashoggi galt als einer der wichtigsten Vertreter des legalistischen Islamismus, der einen Gottesstaat eben nicht per Gewalt, sondern auf dem parlamentarischen Wege errichten wollte. Terroranschläge stören da nur. Seine Worte, „Al-Qaida wurde auf dem Tahrir-Platz von Kairo begraben“, klingen salbungsvoll, halten einer genauen Betrachtung jedoch nicht stand. Denn auf eben jenem Tahrir-Platz, wo die Demonstranten das Ende der Herrschaft Mubaraks forderten, ereigneten sich massive sexuelle Belästigungen. Auch kann dem “Spiegel“ kaum entgangen sein, dass die amerikanische Reporterin Lara Logan dort unter antisemitischen Beschimpfungen von einem Mob vergewaltigt wurde.
Fast konnte man hier schon erahnen, dass der “Spiegel” – wie die anderen (einstmals) großen deutschen Medien auch, knapp fünf Jahre später die massenhaften sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht 2015 totschweigen sollte, bis er durch massiven Druck in den sozialen Netzwerken und alternativen Medien zu einer Berichterstattung gezwungen wurde. Und selbst dann war von Augstein nur zu vernehmen: „Ein paar grapschende Ausländer und schon reißt bei uns der Firnis der Zivilisation.“ Als ähnlich fehlerhaft hatten sich auch die Beschwichtigungen des “Spiegel” erwiesen, durch die Flüchtlingskrise drohe keine erhöhte Terrorgefahr. Über 450 Tote bei Anschlägen in Europa seit 2015, davon 23 in Deutschland, sprechen eine andere Sprache. Jörg Diehl warnte jedoch, „Scharfmacher“ und „rechte Hetzer“ würden eine „Legende“ stricken: Es gäbe kaum Terrorverdächtige und höchstens einige „Wirrköpfe“, die zu Gewalt neigten. Wichtig sei jetzt, dass die Integration der Neuankömmlinge gelinge, um vorzubeugen.
Feldenkirchen schon damals unverbesserlich
Und Markus Feldenkirchen sprach vom „Aufstand der Angsthasen“: „Der politischen Rechten Deutschlands scheinen im Angesicht der Anschläge von Paris sämtliche Sicherungen durchzuschmoren. Möchte man keinen Zynismus unterstellen, bleibt als Motiv nur Angst. Ängste aber sind am besten beim Therapeuten aufgehoben.“ Wer warne, spiele nur den Terroristen in die Hände.
Feldenkirchen weiter: „Es ist schon paradox, dass ausgerechnet die ängstlichen Islamfeinde in Deutschland den islamistischen Terroristen derart in die Falle tappen – und exakt so reagieren, wie die ruchlosen Menschenfeinde es beabsichtigen. Es gehört zu den Zielen des IS, dass sich Muslime in Europa ausgegrenzt und stigmatisiert fühlen, weil es so wahrscheinlicher wird, sie eines Tages zu rekrutieren. Wollen wir den Dschihadisten ein Schnippchen schlagen, müssen wir die Willkommenskultur gerade jetzt beibehalten und so viel in die Integration dieser Flüchtlinge investieren, damit diese für die Radikalen unerreichbar bleiben.“ Damals starben, wohlgemerkt, 130 Menschen.
Ideologische Stromlinienförmigkeit
Natürlich muss man jedem Medium einzelne Fehler verzeihen, nicht jedoch, wenn sich ein systematischer Trend erkennen lässt. Bekanntermaßen setzt der “Spiegel” schon seit geraumer Zeit nicht mehr auf fachliche Kompetenz, sondern auf ideologische Stromlinienförmigkeit. Wer wirklich glaubt, dass der Islam friedlich ist, für den ist ein Osama bin Laden nur die Ausnahme von der Regel, ohne die schon bald die Normalität zurückkehrt. Nur gehört zu dieser Normalität allerdings auch, dass schon Mohammed ein Feldherr war und der Koran zahlreiche Gewaltaufrufe enthält. Der Islam ist eben keine friedliche Religion, sondern eine kriegerische Weltanschauung. Ein toter Terrorfürst mehr oder weniger fällt da kaum ins Gewicht.
Ein wenig Angst vor dem eigenen Mut überkam den “Spiegel” dann aber doch noch, wie der Beitrag „Sinkende Feldherren“ zeigt: Islamisten und Despoten könnten „noch viel Unheil anrichten, aber ihre Philosophien sind erledigt.“ Eine solch doppeldeutige Leerformel, die künftige Terroranschläge eben nicht kategorisch ausschließen will, ermöglicht es, hinterher auch mit einer falschen Prognose doch noch scheinbar recht gehabt zu haben. Die zehntausenden Opfer des Islamischen Staats lassen sich dann umso einfacher unter den Teppich kehren: womöglich starben sie ja auch nur auf der philosophischen Ebene.
Es geht auch anders
Im Herbst 2001 hätte man den Tod des Terrorfürsten noch nicht so unkritisch bejubelt und zeigte sich deutlich skeptischer: „Der Krieg wird auch kein richtiges Ende haben. Denn wer könnte schon sicher sein, dass die Terroristen endgültig besiegt sind? Und auch nur ein Zwischenziel wäre erreicht, wenn Osama Bin Laden entweder gefangen genommen oder getötet würde. Denn der saudi-arabische Millionärssohn ist nur eine Spinne in jenem Netz, das etliche Terrorgruppen unter etlichen Anführern aufgespannt haben. Die Erfahrung aus dem Golfkrieg fällt ohnehin desillusionierend aus: Welche Rückwirkungen solche Kriegszüge gegen den Feind Nummer eins – gestern Saddam Hussein, heute Osama bin Laden – haben, ist zumindest in einer Hinsicht deutlich: Selbst wenn der Gegner besiegt ist, wachsen neue Helden mit neuen Gefolgsleuten nach.“
Und über die „Krieger aus Pearl Harburg“ hieß es: „Befehle des Meisters braucht es nicht. Viele der Terroristen waren bei Bin Laden im Trainingslager; sie wissen, was das Ziel ist. Was werden sie tun, wenn Bin Laden stirbt? Tausende sind nach der Ausbildung nach Europa gekommen. In jedem neuen Land, das sie aufsuchen, können sie eine neue Identität annehmen. Unterstützer? Haben sie. Überall. – Angst? Haben sie nicht.“
Arroganz statt Selbstkritik
2006 gelang den US-Truppen die Ausschaltung des irakischen al-Qaida-Anführers Abu Mussab al-Sarkawi. Der Hoffnung Bushs, damit einen bedeutenden Schlag gegen den Terrorismus ausgeführt zu haben, widersprach der “Spiegel” spöttisch und ätzte, die geglückte Operation sei nur der „Wendepunkt Nr. 697“. Kritische Stimmen merkten an, dass zahlreiche irakische Aufständische nicht unter dem Kommando Sarkawis standen und daher mit weiteren Anschlägen zu rechnen sei. Im Jahr darauf mahnte der “Spiegel”, „dass der Krake al-Qaida sich trotz zahlreicher abgeschlagener Tentakel neu formiert hat.“ All die Fehler, die der “Spiegel” noch im Jahr 2011 begangen hatte, wurden 2019 auf wundersame Weise umschifft: Ohne Selbstkritik, dafür aber mit viel Arroganz widersprach man US-Präsident Donald Trump, der nach dem Tod des Terrorführers Abu Bakr al-Baghdadi im Oktober 2019 das Ende des Islamischen Staats gekommen sah: „Doch die viel wichtigere Frage, ob mit Baghdadis Tod nun auch der IS untergehen wird, bleibt offen. Trump findet: ja. Alle Kritiker dagegen warnen, schließlich verschwand auch al-Qaida nicht auf dem Boden des Indischen Ozeans wie die Überreste Osama Bin Ladens nach seiner Tötung 2011 im pakistanischen Abbottabad.“
Christoph Reuter stellte fest, was man ganz ähnlich auch schon über bin Laden hätte schreiben können: Baghdadi sei nur ein „Posterboy“, ein „Gesicht für die Welt, aber nicht das Hirn der Organisation“, sondern nur spiritueller Führer des IS gewesen. Die tatsächlichen militärischen Entscheider, die enger in die Befehlsketten eingebunden waren, wurden schon früher vom US-Militär getötet: „Wer als Symbol in einer Lehmhütte in Anbar sitzt, wird nicht so leicht gefunden.“ Zwar bestätigte sich diese Vorhersage. Doch wenn nicht Trump, sondern Amtsvorgänger Obama die Ausschaltung geglückt wäre, hätte der “Spiegel” ihm jedes Versprechen nur allzu gerne geglaubt.
„Wir werden unsere Art zu leben nicht ändern“
Übrigens wählte der “Spiegel” beim Thema Brexit die exakt gegenteilige Strategie. Frank Patalong schrieb direkt nach der Entscheidung im Jahr 2016, das Votum drohe, in Nordirland „den alten Konflikt der Bürgerkriegsgegner wieder anzuheizen“ und „aufbrechen zu lassen“. Es sei fraglich, ob die „Radikalen beider Seiten stillhalten werden“. Der “Spiegel” wiederholte diese Warnungen in den darauffolgenden Jahren so häufig, dass man fast das Gefühl habe, er sehne sich die Gewalt herbei, nur um endlich ein Argument gegen die „bösen Rechten“ in der Hand zu haben. Zehn Jahre später lässt sich jedenfalls feststellen: Es gab kein Comeback der IRA.
Wie aus einer vergangenen Zeit mutet es an, dass der “Spiegel” nach dem Anschlag auf das World Trade Center Terrorismus trotzig eine Absage erteilte: „Wir werden unsere Art zu leben nicht ändern. Und erst recht nicht, wenn uns ein paar mittelalterliche Fundamentalisten, die ihre Frauen verschleiern und zu Hause einsperren, dazu zwingen wollen.“ Mittlerweile entsteht durch die vielen beschwichtigenden und relativierenden Meinungsbeiträge der Eindruck, dass der “Spiegel” Terrorismus als eine zwar bedauerliche, aber eben auch unvermeidbare Begleiterscheinung der schönen, neuen, “diversen” Welt ansieht, mit der man sich eben arrangieren muss.
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6 Kommentare
Der Moslem war es nicht, der die Anschläge verübte. Man frage doch mal Bush jr, der weiß, wer es war.
Das alles ist längst bekannt. Wie die Türme zerstört wurden, das hat der Herrn Robert Stein von nuoviso vor vielen Jahren schon präsentiert. Flugzeuge waren es jedenfalls nicht. Und WTC7 wurde auch so zerstört.
Wenn Interesse, dann schiebe ich die Links dazu nach.
Der Terrorismus darf gar nicht beendet werden, sonst hätten die Regierungen keinen Grund, die Freiheit zu beschneiden.
Also wird er von denen über Bande irgendwie finanziert, damit all die Kämpfer gegen den Terror nicht brotlos auf der Straße stehen.
😜
Bei diesem Anschlag waren keine sogenannten „Islamisten“ am Werk, sondern schlicht Muslime. Zwischen „Islamismus“ und Islam ist es unmöglich zu unterscheiden noch ist „Islam“ steigerungsfähig. Wie jeder Muslim bestätigen wird, gibt es nur und ausschliesslich „den Islam“, und dieser ist weder „moderat“ noch „orthodox“; höchstens die individuelle Worttreue und Ergebenheit des jeweiligen Kultisten ist unterscheidbar.
Die Mörder im Bataclan, bei Charlie Hebdo, die ins World Trade Center flogen, in Madrid einen Zug oder in London einen Bus sprengten, um sich schossen, Leuten die Köpfe abhackten, sie erstachen, überfuhren, erschlugen, bei lebendigem Leibe verbrannten oder sonsttwie kultisch begründet ums Leben brachten, all sie waren Muslime. Sie folgten den Lehren des Islam und verübten islamische Anschläge. Nicht mehr, nicht weniger.
Der ,,Terrorismus“ dieser bestimmten ,,Gruppe“ zeigt sich weltweit schon seit fast 1400 Jahren…
,,Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen.“
-Surah Al-Baqarah
https://surahquran.com/language-Deutsch-aya-191-sora-2.html
,,Steinigung im Bundeswehr Gebiet Die mörderische Fratze des authentischen Islam“
https://www.dailymotion.com/video/x2r0fs8
https://redice.tv/news/norwegian-army-chief-europe-needs-to-destroy-islam-if-they-are-going-to-survive
https://t.me/bioclandestine/6995
World Trade Center Building 7: Never forget, that no plane hit this building. No pancaking.
https://x.com/i/status/2098513432723034174
Ein Jahr später wussten 40 % der New Yorker nicht, was WTC Building 7 ist.
Heute?
Ich habe noch etwas hübsches gefunden.
Es gibt eine logische Erklärung, sozusagen einen metallurgischen Fingerabdruck, der alle gefundenen Spuren erklären kann: Der Gebrauch von Thermate in Gelpaketen – Aluminium als feinstes Pulver mit Eisenoxid versetzt und mit Sulfur versehen wird dabei in Plastikschläuchen an Stahlträgern angebracht.
Mit Kaliumpermanganat (KMnO4) und Polytetrafluorethylen als „Brandbeschleuniger“, als Oxidationsbeschleuniger versehen, ergibt diese Mischung bei Zündung eine hochexplosive, superheiße Reaktion, die mehrere tausend Grad Hitze entwickelt und Stahl wie Butter mit einem heißen Messer durchschnitten schmelzen lässt. Das beigefügte Sulfur bewirkt dabei eine Herabsetzung des Schmelzpunktes von Stahl.
Wir finden alle Reststoffe einer solchen Reaktion in der Probe: geschmolzenes Eisen (Fe).
Das in die Reaktion gebrachte Aluminiumpulver verbindet sich mit Sauerstoff zu
Aluminiumoxid und entweicht als weißer Rauch und feiner Asche, hinterlässt also keine dauerhaften Spuren. Aber Kalium, Mangan und Fluor sind typische Reste der Oxidationsbeschleuniger.
Und dann das Sulfur, was in den Proben überhaupt nichts zu suchen hat.
Und ein weiterer Stoff, ein Rückstand aus der Verbrennung einer bestimmten Plastiksorte, nämlich Polysteren. 1,3-diphenylpropane.
Dieser Stoff ist aber ebenfalls ein Rückstandsstoff aus Sprengungen mit Thermate-
Gelpaketen.
Von: Dirk Gerhardt
http://www.habiru.de