Auch Belgien zieht die Notbremse: Wann wacht Deutschland in der Energiepolitik endlich auf?

Auch Belgien zieht die Notbremse: Wann wacht Deutschland in der Energiepolitik endlich auf?

Atomkraft – ja bitte!(Symbolbild:Imago)

Belgien holt die Atomkraft zurück und Deutschland reißt seine Kraftwerke ab. Wenn Ideologie auf Wirklichkeit trifft, ist am Ende nicht nur der Strom weg, sondern auch die industrielle Zukunft. Belgien hatte den Atomausstieg bereits beschlossen. Dann änderte sich die Welt – und Belgien änderte seine Politik. Deutschland hingegen hält stur am Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg fest, hat seine letzten Kernkraftwerke abgeschaltet und bereits mit deren Rückbau (durch Sprengung) begonnen. Doch angesichts von Elektromobilität, KI-Boom, Rechenzentren, Elektrifizierung und einer energiehungrigen Industrie stellt sich heute eine sehr unbequeme Frage – nämlich die, ob es klug war, eine Brücke abzureißen, über die man vielleicht noch einmal hätte gehen müssen. Belgien galt lange als ein weiteres Musterland mit grünem Gewissen Land auf dem Weg aus der Kernenergie. Bereits 2003 war der schrittweise Atomausstieg gesetzlich beschlossen worden. Die Reaktoren sollten verschwinden und erneuerbare Energien ihren Platz einnehmen. Doch dann kam die Realität von 20 Jahren dazwischen.

Energiekrise, Ukrainekrieg, gestiegene Gaspreise, Sorgen um Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit, sowie ein absehbar steigender Strombedarf haben die politischen Koordinaten verschoben. Belgien hat seinen Atomausstieg inzwischen aufgehoben. Zwei Reaktoren, Doel 4 und Tihange 3, sollen mindestens bis 2035 weiterlaufen. Darüber hinaus wird über weitere Kernkraftkapazitäten, neue Reaktoren und kleine modulare Reaktoren, sogenannte SMR, nachgedacht. Nach einem aktuellen Bericht des Handelsblatts geht die belgische Regierung inzwischen sogar noch weiter. Sie verhandelt mit dem französischen Energiekonzern Engie über die Zukunft des Atomparks. Rückbauarbeiten wurden teilweise gestoppt und selbst die Wiederinbetriebnahme bereits abgeschalteter Reaktoren wird geprüft. Belgien vollzieht damit etwas, was in der Politik erstaunlich selten geworden ist, nämlich, es korrigiert eine einmal getroffene Entscheidung, weil sich die Voraussetzungen verändert haben.

Nicht Ideologie, sondern Versorgungssicherheit

Die belgische Kehrtwende bedeutet keineswegs, dass plötzlich alle Probleme der Kernenergie verschwunden wären. Kernkraftwerke sind in der Errichtung teuer. Laufzeitverlängerungen kosten Milliarden. Neubauten dauern viele Jahre. Die Frage nach der Endlagerung radioaktiver Abfälle ist zwar nicht mehr so relevant wie einst, aber immer noch nicht restlos gelöst. Aber Belgien stellt inzwischen eine andere Frage in den Mittelpunkt: Wie kann langfristig genügend verlässlicher und bezahlbarer Strom gesichert werden? Dieselbe Frage müsste sich auch Deutschland dingend stellen. Müsste. Das tut es aber nicht. Denn während wir darüber diskutieren, wie schnell Windräder, Solaranlagen und Stromnetze ausgebaut werden können, erhöht sich der Strombedarf weiter. Autos sollen elektrisch fahren. Heizungen sollen elektrifiziert werden. Industrieprozesse sollen von Kohle und Gas auf Strom oder daraus erzeugten Wasserstoff umgestellt werden.

Gleichzeitig entstehen mit immer neuen Rechenzentren neue Verbraucher. KI und Cloudspeicher verändern die Rechnung. Ein Rechenzentrum interessiert sich nicht dafür, ob gerade die Sonne scheint oder der Wind ausreichend weht. Server benötigen Strom rund um die Uhr, Unmengen von Strom, und das 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Deutschland möchte gleichzeitig führender Standort für Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und moderne Industrie sein, doch woher soll der dafür benötigte Strom zuverlässig kommen?

Deutschland braucht Strom – und schafft gleichzeitig gesicherte Leistung ab

Deutschland hat sich entschieden, aus Kernenergie und Kohleverstromung zugleich auszusteigen. Erdgas sollte ursprünglich als Brückentechnologie dienen. Spätestens seit dem Ukrainekrieg wissen wir jedoch, welche geopolitischen Risiken damit verbunden sein können. Wind- und Solarenergie werden weiter massiv ausgebaut, aber Wind und Sonne liefern Strom abhängig vom Wetter. Wenn viel Wind weht und gleichzeitig die Sonne scheint, können enorme Strommengen erzeugt werden. Bei Dunkelflauten sieht die Situation jedoch völlig anders aus. Ein modernes Industrieland braucht deshalb nicht nur möglichst viel installierte Leistung, es benötigt primär gesicherte Leistung, also Strom, der genau dann verfügbar ist, wenn er benötigt wird. Belgien scheint diese Erkenntnis inzwischen stärker in seine Strategie einzubeziehen. Deutschland hingegen hat am 15. April 2023 seine letzten drei Kernkraftwerke abgeschaltet. Damit war aber jedoch nicht einfach nur ein politischer Schalter umgelegt. Denn mit jedem abgebauten Reaktor verschwindet auch Knowhow.

Dieser interessante Aspekt der Debatte auch in Belgien wird häufig übersehen: Wenn ein Kernkraftwerk abgeschaltet wird, verschwindet nicht nur dessen Stromproduktion. Nach und nach verschwindet ein ganzes industrielles Ökosystem. Ingenieure gehen in den Ruhestand oder wechseln die Branche. Spezialisten werden nicht mehr ausgebildet. Studiengänge verlieren Studenten. Zulieferer orientieren sich neu. Wartungsunternehmen verschwinden. Genehmigungs- und Betriebserfahrung geht verloren. Belgien versucht nun, genau diesen Prozess aufzuhalten. Deutschland ist bereits erheblich “weiter”: Die ehemaligen Kernkraftwerke befinden sich im Rückbau oder sind futsch. Komponenten wurden entfernt, Anlagen dekontaminiert und Betriebsmannschaften aufgelöst.

Europa geht keineswegs geschlossen den deutschen Weg

Deutschland vermittelt in seiner innenpolitischen Diskussion gelegentlich den Eindruck, Kernenergie sei eine Technologie der Vergangenheit. Ein Blick über die Grenzen ergibt ein ganz anderes Bild. Frankreich setzt weiterhin stark auf Kernenergie und plant neue Reaktoren. Polen baut eine eigene Kernenergieversorgung auf. Die Niederlande beschäftigen sich mit neuen Kernkraftwerken. Tschechien setzt auf zusätzliche Reaktoren. Großbritannien baut neue Kernkraftkapazitäten. Und nun hat auch Belgien seinen Atomausstieg ausdrücklich revidiert. Das bedeutet nicht automatisch, dass diese Länder Recht und Deutschland Unrecht hat. Aber es bedeutet etwas anderes, nämlich, dass der deutsche Weg keineswegs alternativlos ist. Im Gegenteil, er ist abschreckend. Gerade deshalb wäre es mehr als überfällig, ihn auf den Prüfstand zu stellen.

Energiepolitik ist nun mal nicht nicht nur Klimapolitik. Sie ist vielmehr Industriepolitik, Standortpolitik und letztlich Sozialpolitik. Wenn energieintensive Unternehmen in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig produzieren können, verschwinden nicht nur Fabriken. Es verschwinden Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Zulieferer und technisches Know-how. Eine Aluminiumhütte, ein Chemiewerk oder ein Stahlbetrieb, der Deutschland verlässt, reduziert den weltweiten Energieverbrauch nicht automatisch. Die Produktion findet anschließend dort statt, wo Strom billiger und womöglich wesentlich klimaschädlicher erzeugt wird. Dann hätte Deutschland zwar seine nationale CO2-Bilanz zwar verbessert, dem Weltklima aber wenig geholfen.


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Dieser Beitrag erscheint auch auf dem Blog “Zwischen den Zeiten“

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9 Kommentare

  1. Ob es jemals bei den Autoren und anderen ankommt, daß Energie nicht erneuerbar, sondern nur umformbar ist?

    Vermutlich erst im nächsten Jahrhundert oder noch später.
    Bis dahin können wir „Aale und Rolltreppen“ (wie bei SpongeBob) spielen. Das ist intelligenter.
    😜

  2. Der Ausstieg aus der Kernkraft ist eine der ganz wenigen richtigen Richtungsentscheidungen der Regierung Merkel. Und zwar bereits aus einem einzigen Grund: das nach Jahrzehnten (!) immer noch ungelöste Abfallproblem. Das existiert weltweit und sollte demnach weltweit zu einem Verzicht auf Kernkraft führen -solange es nicht gelöst ist. Und da bin ich eher skeptisch.

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  3. Weltklima?
    Es gibt tropisches Klima, gemäßigtes Klima, Wüstenklima, arktisches Klima, Waldklima, Mikroklima und noch einige weitere, aber ein Weltklima gibt es nicht.

    Wer sich von solch idiotischen Begriffen wie Weltklima oder Welt-Durchschnittstemperatur das Gehirn verseuchen läßt, gehört zur idealen Zielgruppe der Klima-Tyrannei.
    Die mobilisiert zuerst die Dummen und bringt danach mit deren Hilfe („Wir sind mehr!“) die intelligenten zum Schweigen.
    So entsteht der Faschismus.
    😜

  4. @Wann wacht Deutschland in der Energiepolitik endlich auf?
    was gibt es da aufzuwachen ?
    Diese Politiker wollen das Land ruinieren, nach Morgenthau in einen Agrarstaat umwandeln mit einer Mischbevölkerung mit einem IQ von 90 – die werden freiwillig ihre Politik nicht ändern.
    Hier mur das Restvolk reagieren und die Politiker wählen, die eine andere Politik wollen – derzeit und in dieser Generation nur die AFD !
    Tun sie es nicht – nun – die Demokratie bietet auch die Möglichkeit, den eigenen Selbstmord zu wählen – Armut und Elend !
    Und ja – in der Geschichte gilt für Völker, die so einen Absturz hingelegt haben, ein „they never come back“!

    In meinen Augen ist Deutschland längst tot – politisch, wirtschaftlich und sozial – und biologisch vor dem Ende ! Hier gibt es nichts mehr aufzuwachen oder zu retten !
    Lehnen sie sich zurück und genießen sie !

  5. man hat die menschlichen opfer der energiewende jahrelang verschwiegen und vertuscht, ihre existenz und ihr leiden abgestritten oder marginalisiert.

    auch bei ansage. und man tun dies weiterhin, obwohl dringlichster aufklärungsbedarf für das land und die menschen geboten ist. die gesundheitlichen schäden vieler menschen sind bereits irreparable, die bandbreite der initiierten folgekrankheiten ( bluthochdruck, schlafstörungen, konzentrationsstörungen, dauererschöpfung, schwerhöriggkeit, atemwegserkankungen, innere organe schädigung, inkonntinenz, sinnes-organe, herz-kreislauf, diabetes, imunsystem, krebs in multiplen variationen, bindegewebe schädigungen, durchblutungsschäden, schädigung von gelenkenm sehnen und bewegungsapparat, etc etc etc..) ist einfach unglaublich.

    das alles jahrelamg vertuschen zu helfen und die aktuelle fraktionsübergreifende energielobby , die vom sterben der bürger profitiert, weiterhin durch angepasste bericherstattung zur thematik im sattel zu halten, ist sicher nicht das, was man im interesse des volkes nennt.

    ja, wann wachen deutschland und die leser der freien medien endlich auf?

    (beitrag wartet auf kombucha..)

  6. ….wir haben fast alles erfunden Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol, Autos ohne Fahrer aber eine Regierung ohne Vollidioten das klappt wohl nicht!®

  7. wir sind doch die erfinder des selbstmordes für ein ganzes land… was sollen wir jetzt kurz davon wieder ändern… hahahahah wir gehen pleite… trallallal einen dreck werden die korrupten kriminellen politidioten tun…vertuschen verschieben weglügen und verharmlosen..und provisonen verheimlichen….. ab in den knast… jeder ladendiebstahl endet im gefängnis … die liederlichsten schwimmen oben… gehen aber alle mal unter weil sie nicht ganz dicht sind… alice feg sie weg…

  8. So lange die Menschen bereit sind auf dem jetzt anstehenden grossen Fest in München zwischen 16 und 18 Euro für eine Mass Bier zu bezahlen, sollte man sich über den hohen Spritpreis nicht gross aufregen.

  9. Am besten fand ich heute die Aussage eines Politikers , man könnte die Treibstoffpreise ja nicht ohne weiteres begrenzen bzw bezuschussen , weil man dann auf Steuergelder zurückgreifen und anderswo wieder Abstriche machen müsste!
    Mal abgesehen davon das über 60% des Treibstoffpreises aus Steuern und Abgaben besteht , ist man in unseren Nachbarländern sehr wohl im Stande das zu tun. Siehe Belgien und Luxemburg. Außerdem ist man unfähig die immensen Gewinne der Mineralölkonzerne entsprechend zu besteuern, wahrscheinlich sitzen dort wieder Politiker in den Aufsichtsräten.
    Normalerweise müssten alle Bürger mal für ein paar Tage die Arbeit niederlegen bis die Preise massiv gesenkt werden.

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