
Der bayerische Lehrerverband will das Sitzenbleiben am Gymnasium abschaffen. Künftig soll für die Versetzung nicht die Leistung zählen, sondern es soll eine neue Architektur der Bildungsvermittlung greifen: Das Gymnasium soll ab Klasse 7 “modular” organisiert werden, mit “Förder-”, “Brücken-” und “Plusmodulen”; der feste Klassenverband würde weitgehend entfallen, jeder Schüler bekäme zudem eine Lehrkraft als dauerhaften „Coach“. Der Gedanke klingt modern: Scheitern soll sich nicht mehr in der Wiederholung eines ganzen Schuljahres manifestieren, sondern als Nachholen einzelner Bausteine. Doch hinter dieser vermeintlichen Modernität verbirgt sich eine kulturelle Grundentscheidung: Man will die Konsequenz aus dem System herausprogrammieren. Defizite oder Faulheit sollen keine spürbaren Folgen mehr haben.
Ja, Sitzenbleiben ist seit geraumer Zeit umstritten. Meta-Analysen zeigen, dass Klassenwiederholung im Durchschnitt keinen klaren Leistungsvorteil bringt und Effekte je nach Kontext stark variieren. Es ist außerdem teuer: Für Bayern kursieren Rechnungen, wonach Pflicht-Wiederholungen – je nach zugrundegelegt Annahmen – Hunderte Millionen Euro pro Jahr kosten können. Aber diese Debatte wird selten so geführt, wie man sie führen müsste: nüchtern, mit Blick auf Wirksamkeit und Alternativen. Stattdessen wird Sitzenbleiben zunehmend zum Symbol einer „harten“, preußisch-vorgestrigen Schule erklärt, die es vor allem moralisch zu überwinden gelte. Hier muss der linke Kern der Sache benannt werden: Es geht bei der Abschaffung ist nicht nur um eine bildungspolitische Maßnahme, sondern um ein weiteres gleichmacherisches Projekt. Nicht weil man klug fördern will, sondern weil man die “Zumutung” von Leistungsdifferenzen und realen Grenzen politisch und kulturell nicht mehr erträgt.
Das Gymnasium verkommt zur „Hauptschule der Erwartungen“
Andreas Herteux benannte jetzt im “Focus” diese Tiefenlogik offen: Hinter dem Vorstoß stehe auch die Vorstellung, junge Menschen müssten „immer stärker vor den Zumutungen von Leistung, Scheitern und Begrenzung geschützt werden“. Genau das ist der Punkt. Der Staat verspricht: Wir bauen euch ein System, das sich immer weiter an subjektive Überforderung anpasst. Doch der Preis dafür ist wieder mal eine schleichende Entwertung von Standards. Der Reformvorschlag trifft dabei nicht irgendeine Schulform, sondern ausgerechnet das Gymnasium – die Schulart, deren Anteil ohnehin wächst. In Bayern wechseln inzwischen fast 40 Prozent der Viertklässler aufs Gymnasium. Das ist bildungspolitisch der große Elefant im Raum: Man diskutiert über das Sitzenbleiben, während man gleichzeitig die gymnasiale Norm immer weiter ausdehnt – und damit Leistungsheterogenität in eine Schule holt, die ursprünglich und historisch als anspruchsvolle und selektive Schulform gedacht war.
Wenn man hier dann „modularisiert“, “flexibilisiert”, “coacht” und “fördert”, ist das auch eine Kapitulation vor der falschen Grundentscheidung: Nicht jeder muss aufs Gymnasium – aber das System tut so, als müsste es jeden dort halten, als sei alles unterhalb der allgemeinen Hochschulreife Bildungsdiskriminierung. Der Vorschlag wirkt deshalb wie eine Reparatur am Symptom, nicht am Grundproblem.
Bürokratie als Pädagogik: Der Coach-Staat im Klassenzimmer
Das Konzept ist ein Verwaltungsstaat en miniature: fünf Modularten, Individualpfade, Coaches, Handreichungen, Fortbildungen, komplexere Stundenplanung – und das inmitten einer Realität von Lehrkräftemangel. Kritiker, wie etwa auch der Philologenverband, nennen sprechen zu Recht von „Träumerei“. Die Kultusministerin verweist auf das gerade erst stabilisierte G9 und warnt vor einer neuen Strukturdebatte. Hier zeigt sich eine typische deutsche Reformkrankheit: Man reagiert auf Leistungsprobleme nicht mit Klarheit, sondern mit noch mehr verwirrender Komplexität; man ersetzt das klare Urteil („ausreichend/nicht ausreichend“) durch Prozesssteuerung – “Fördergespräche”, “Brückenmodule”, “Coachingschleife”).
Herteux verweist zudem auf Belastungswerte aus dem Schulbarometer: Heterogenität verursacht für viele Lehrkräfte zusätzliche Arbeit und Überforderung; gleichzeitig fühlen sich viele nicht gut vorbereitet für digitale Förderinstrumente. Und genau diesen Lehrkräften will man nun die Rolle eines dauerhaften Coaches aufbürden. Das ist keine Entlastung, das ist Rollenüberdehnung.
Resilienz ist nicht nett – sie ist notwendig
Es ist ja richtig: Schule soll nicht demütigen. Aber Schule darf auch nicht so tun, als könne man Menschen stark machen, indem man ihnen konsequent jedes harte Feedback, jede Konsequenz erspart. Wer jedes Hindernis in ein Nachjustieren des Systems übersetzt, erzieht eben nicht zu Stärke, sondern zur Erwartung, dass die Welt nachgibt. Die Kollision mit der Realität wird dadurch nicht vermieden, sondern bloß vertagt auf später – in die Ausbildung, ins Studium, in den Beruf und damit oft in eine Realität, in der kein individueller “Coach” und kein “Brückenmodul” mehr da ist. Hier ist der Ansatzpunkt konservativer Kritik: Ein Bildungssystem darf nicht nur Förderapparat sein, sondern muss auch Wirklichkeitsunterricht im Sinne von künftiger Lebenstüchtigkeit geben. Es muss klarmachen, dass Anstrengung, Frustrationstoleranz und Wiederholung nach erfolgtem Scheitern – im Sinne von Üben – zum Leben gehören.
Wer diese grundlegenden Lerninhalte moralisch aus dem System herausreinigt, produziert nicht mehr Chancengerechtigkeit, sondern nur mehr Anspruchshaltung und künftige Abhängigkeit. Eine konservative Gegenposition muss das Sitzenbleiben nicht “romantisieren” – aber sie kann anerkennen, dass Wiederholung oft wenig bringt und sozial ungerecht wirken kann. Daraus folgt jedoch noch lange nicht der Sprung in die totaleModularisierung.
Symbolische Operation am Begriff des Scheiterns
Die Alternative zum bayrischen Vorstoß enthält vier Punkte – und ist zwar unmodischer, aber ungleich wirksamer. Erstens: Lieber früher fördern statt spät „reparieren“! Dies muss geschehen durch fundierte Sprach-, Mathe-, Lernstandsdiagnostik und verbindliche Unterstützung, und zwar bevor Defizite sich verfestigen. Zweitens: Ehrlichkeit hinsichtlicher der Schulart! Das Gymnasium kann nicht die Standardlösung für 40 oder mehr Prozent sein, wenn gleichzeitig die berufliche Bildung austrocknet (Herteux selbst benennt die Schieflage durch hohe Studienanfängerquote und gleichzeitig zehntausende unbesetzte Ausbildungsstellen).
Drittens: Konsequenz mit Auswegen! Wer scheitert, braucht nicht ein weichgespültes System ohne Folgen, sondern klare Entscheidungen plus echte zweite Wege – mit Wechseloptionen, Brückenangeboten, Sommerschulen, Nachqualifizierung. Und viertens: Entbürokratisierung der Schule! Nicht neue Rollen, sondern bessere Rahmenbedingungen sind notwendig.
Am Ende betreute Biographien
Der Vorschlag, das Sitzenbleiben am Gymnasium abzuschaffen, mag als Impuls verständlich sein. Aber in der vorgelegten Form ist er vor allem eins: eine symbolische Operation am Begriff des Scheiterns. Es geht dabei weniger um pädagogische Förderung, als vielmehr um kulturelle Beschwichtigung. Man strebt nach einer Schule der harmonischen Konfliktvermeidung, die am besten gar keine harten Rückmeldungen mehr gibt – weder durch schlechte Noten noch durch Nichtversetzungen – und dafür organisatorisch hochkomplex wird.
Die anderen Bundesländer sollten sich hüten, diesem Beispiel zu folgen; denn eine Gesellschaft, die ihre Jugend systematisch vor der Erfahrung schützt, dass die individuelle Leistung Folgen hat – positive oder eben auch negative – und dass man Konsequenzen des eigenen Versagens tragen muss, produziert am Ende keine mündigen Bürger, sondern betreute Biographien. Und genau deshalb ist die Frage nicht, ob Sitzenbleiben „nett“ ist – sondern die, ob die Schule heute noch den Mut hat, Schüler aufs Leben vorzubereiten und die Wirklichkeit zu unterrichten – oder ob sie sich in Modulen und Coachings vor ihr versteckt.
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10 Kommentare
@Bayerns Lehrer wollen das Sitzenbleiben abschaffen
na klar doch – die grün-linke Politeska und ihre Lehrerschaft will die Folgen ihrer Armseligkeit noch etwas vertuschen, je länge das gelingt, desto irreversibler werden die Folgen.
Ist wie mit der Inklusion – damit haben sie sich die Sonderschulen erspart und vertuscht, das die Zahl der behindertet – nicht zuletzt dank dem Impf-Fahrplan – stetig steigt – denn damit müssen nicht neue Sonderschulen gebaut oder erweitert werden, sondern die Hilflosen gehen in der Menge unter – und man gewöhnt sich daran, immer und überall die Hilflosen als die neue Normalität zu sehen.
Deshalb werden ja auch Noten abgeschafft und Prüfungen – und die MINT-Fächer !
Nun ja – in Fächern wie „wissen wie Bordell geht“, „Das eigene Geschlecht erkennen und die eigene Sexualität erfahren“ oder „Namen tanzen“ oder der „Geschlechterlehre mit 756 wahlfreien Geschlechtern“ oder „Pronomen aussuchen“ kann man vermutlich auch nicht sitzenbleiben, weil es aus bei Bordell ja auch nichts zu prüfen gibt.
Fa geht mit der Abschaffung des „Sitzenbleibens“ nichts verloren !
schon Merde,in der rächten Aussen Welt,die sich einfach weiter ,MIT ABSCHLÜSSEN IM TECHNISCHEN UND Industrie, weiter dreht!? Selbst die „Orientalen _welcome Kinder “ werden von ihren Muslimischen Eltern an gehalten zu Ende zu studieren!! Das verderbende rotgrüne Woke Gutmenschen_tum, soll nicht ihre Kinder verderben. Das Paradies ist nicht mit Parasitären rotgrünen Atheisten & Diäten Schluckern bevölkert. So die Auslegung der Euro_Gut_Islamisten…..😝🤣🤗
Mein Quesen war Professor an einem großen Gymnasium, der hat alle Schüler durchgebracht, er wollte seinen Sommerurlaub genießen. Zwei Jahre vor der Pensionierung hat er Frührente beantragt, wurde von der Schuldirektion abgelehnt. Er hatte aber einen Freund „Arzt“ der ihn die Arbeitsunfähigkeit aus gesundheitlichen Gründen bestätigte.
sonst würden ja die Kinder unserer ausländischen „Fachkräfte“ ewig im Gymnasium sofort in die unverdiente Rente oder besser noc h Pension für Nichtsleistende wandern.
Und wahrscheinlich verstehen die „Lehrer“ ihren Stoff auch nicht mehr ,oans zwoa gsuffa
inshalla die idioten sind da… weg mit den politidioten und gestörten denkverweigerern… alle sollen gleich b löd werden…
Als nächstes kommt dann „kein Druchfallen mehr im Studium“
Es gibt kaum einen Politiker, der nicht in Talkshows oder Diskussionsrunden, bei Wahlveranstaltungen und Debatten die Notwendigkeit einer guten Bildung hervorhebt. So ist es nicht überraschend, dass genau jene gut versorgten Politschwätzer ihre eigenen Kinder in teure Privatschulen schicken. Immerhin, sie setzen diesbezüglich ihr Resthirn ein. Hinzu kommt unsere heimische Presse. Sie ist die Schule für die „Endverdummung“, weil sie nachhaltig vom Denken abhält oder abhalten soll. Vorsätzlich oder versehentlich? Ich vermag das zu bezweifeln.
Bei den aufgeführten Zahlen jedoch muss der Bürger den Eindruck gewinnen, selbst als wählender Idiot behandelt zu werden. Hundert Milliarden Euro würde man alleine für die Sanierung von Schulen benötigen, die offenkundig von Sozialämtern für die Aufwendungen unserer Besucher verschlungen werden. Der Begriff „Bildung“ ist zu einer hohlen Floskel verkümmert, die immer dann bemüht wird, wenn der deutsche Idiot wieder einmal hören soll, für welche soziale Gruppe sich eine Partei besonders ins Zeug legen will.
Wie man sieht, ist Dummheit eine natürliche Begabung, und ich fürchte, wir haben in den Reihen unserer Polit-Nullen überwiegend Hochbegabte, die sich einen Teufel darum scheren, was mit unserem Land geschieht. Man wird das Gefühl nicht los, dass unsere verantwortlichen Regierungsmitglieder ihre geballte Inkompetenz nur für die Selbstversorgung und nicht für das Potential unserer Kinder einsetzen. Und da der Deutsche per se sehr gründlich und gewissenhaft ist, ist er auch bei der Aufzucht von Idioten, also der Volksverblödung ganz vorne…
Und am lautesten krakeelen das die rotzGrünen Bildungsvenrichter, deren Wolkenkuckucks“wissen“schaft nur EINbildungsanstalten schafft.
Früher ist man übrigens am Gymnasium auch nicht durchgefallen, sondern mangels ausreichender Eignung schlicht auf die Realschule gewechselt.
Versagerregierungen, Doofeltern die glauben ausgerechnet ihre Brut sei ein Einstein 2 dabei wollen sie nur vermeiden als Underdog zu gelten wenn ihr Kind einen Beruf erlernt von dem es später leben kann als ein Haufen durchgeschleppter Blödel die dann mit 35 noch zu Hause hocken, danach als Bürgergeldempfänger bis zum Tod vor sich hindämmern und diesem Staat zusammen mit den Kanaken den Rest geben.
Nun, da das Bildungsniveau der §Regierenden§ entsetzliche Ausmaße (der Baerbock z.B.)angenommem hat können die es nicht ertragen wenn aus den Gymnasium Intelligenz konmmt die ihnen gefährlich werden könnte.
Daher immer mehr Fummeltrinen und LSBTQ Dummschwuchteln in den Schuldienst um dem Land den Rest zu geben und die jungen Menschen desorientiert zurückzulassen.
Vorschlag von mir!
Die Schüler können in Zukunft
in die Schule kommen, wie sie
wollen.
Und die Noten dürfen sie sich
selber geben.