Berichterstattung zu US-Biolaboren: Wie vielfältig ist die “Weltwoche”?

Der damalige US-Verteidigungsminister Mark Esper (2.v.r.) besucht Fort Detrick, Anfang 2020 (Foto:Imago)

Der liberal-konservative Schweizer Politiker, Verleger und Chefredakteur Roger Köppel nimmt für seine “Weltwoche” in Anspruch, anders zu sein als die weitgehend gleichgeschalteten Medien der deutschsprachigen Länder, und lobt sein Magazin für seine Vielfalt und dafür, dass es auch Nachrichten und Meinungen von anderen, die seine Ansichten nicht teilen, veröffentlicht. Dass er das zumindest versucht, kann man ihm sicher nicht absprechen.

Aber warum kopiert die „Weltwoche” zum Beispiel Verdächtigungen und Gerüchte über das chinesische Labor in Wuhan aus der englischen Boulevardzeitung „Daily Mail”, ohne jemals einen Blick auf das vom amerikanischen Militär betriebene Labor Fort Detrick zu werfen? Dabei könnten seine Journalisten sogar von einer seriöseren englischen Zeitung abschreiben. Das würde Wuhan natürlich nicht von jeglichem Verdacht befreien. Während die USA von China „Transparenz“ fordern, bleiben die Geheimnisse des verdächtigen Fort Detrick und der – Berichten zufolge – mehr als 200 US-Biolabore in aller Welt verborgen. Möglicherweise ist dort beispielsweise auch die von Zecken übertragene Lyme-Borreliose-Krankheit entstanden. Vielleicht wäre das eine Chance für guten, investigativen Journalismus – wenn die „Weltwoche” ernsthaft daran interessiert wäre.

Menschliches Versagen oder vorsätzlicher Missbrauch?

Vor fast hundert Jahren wählte „…das US-Militär Detrick als Standort für die Entwicklung seiner supergeheimen bakteriellen Kriegsführungspläne”, und es wurde auch „das Nervenzentrum des verdeckten Chemie- und Gedankenkontrollimperiums der CIA”, erklärte das einflussreiche, ziemlich regierungstreue und deshalb unverdächtige amerikanische Magazin „Politico” in einem Artikel vom 15. September 2019. „Obwohl sich das USAMRIID (United States Army Medical Research Institute of Infectious Diseases) um die Einhaltung hoher Biosicherheitsstandards bemüht hat, lassen jüngste Beispiele von im Labor erworbenen Infektionen (Rotz und Tularämie) und Sicherheitsverstößen (Bacillus anthracis-Sporen) auf menschliches Versagen oder vorsätzlichen Missbrauch schließen”, heißt es in einer Veröffentlichung der US National Academies of Sciences, Engineering and Medicinevon 2010.

Unzählige Menschen sind bei ihren Experimenten als Versuchskaninchen gestorben, meist ohne es zu wissen. Auch Waffen zur Ermordung von Staatsoberhäuptern wurden dort entwickelt, ebenso wie Techniken und Medikamente zur Gehirnwäsche und Gedankenkontrolle. Nur wenige Tage vor der vorübergehenden Schließung von Fort Detrick wurde am 30. Juni 2019 eine „seltsame Atemwegserkrankung“ in einer Gemeinde gemeldet, die nur eine Autostunde von Fort Detrick entfernt ist. Drei Patienten starben 15 Tage später. Kurz darauf trat eine weitere tödliche Atemwegserkrankung mit mehr als 2.800 Fällen und 68 Todesfällen auf…

Es ist wohl kein Zufall, dass wir viel über Wuhan hören, aber wenig bis nichts über das geheimnisvolle Fort Detrick und die vermuteten mehr als 200 biologischen Labore der USA in der ganzen Welt! Und was genau hinter den Vorfällen in der Nähe von Fort Detrick steckt, die sich nur wenige Monate vor dem Auftreten von Covid in Wuhan ereigneten, wird wohl für immer ein gut gehütetes Geheimnis bleiben.

6 Kommentare

  1. Zum Glück gibt es „Ansage“!
    Der Schweizer R.Köppel hat interessanterweise auch für Julian Assange keinen Finger gerührt…..

    • interessanterweise rührt in der regelbasierten freiheitlich demokratischen Welt so gut wie keiner einen Finger für Herrn Assange. Unliebsame Wahrheiten aufzudecken und zu veröffentlichen stehen hier scheinbar nicht unter dem Schutz sog. Menschenrechte.

  2. Das Pentagon hat vor einiger Zeit offiziell die Teilhabe an 46 – in Worten sechsundvierzig(!) – „Biolaboren“ in der Ukraine zugegeben. Wir brauchen wohl nicht fragen, welche Art von Forschung vom Pentagon in die Ukraine ausgelagert wurde.

  3. Der Vorwurf an Roger Köppel ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Die Weltwoche hebt sich um Lichtjahre ab von der sog. Qualitätspresse in Deutschland, die sich in Wirklichkeit als Regierungspresse gibt. Ein kleiner Lichtblick unter den Printmedien ist die Junge Freiheit von Dieter Stein.

  4. Sehr geehrter Herr Abt, da könnten Sie doch mal einen entsprechenden Leserbrief an die Weltwoche schreiben. Vielleicht rühren die sich ja.

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