
Manche Widersprüche entstehen erst erst durch lange Erklärungen, und manche werden schon durch die bloße Gegenüberstellung ersichtlich. Auf dem Münchner Oktoberfest lässt sich in diesem Jahr ein solcher Widerspruch beobachten: Im Bräurosl-Zelt soll am Montag unter dem Motto „Bier, Boobs, Brezn“ eine Veranstaltung vor allem für queere Frauen stattfinden, ausdrücklich gedacht als Ergänzung zum traditionsreichen “Gay Sunday”, der überwiegend von schwulen Männern besucht wird. „Boobs“ – Brüste – dienen dabei als augenzwinkerndes Signal weiblicher und lesbischer “Sichtbarkeit”. Fast gleichzeitig sind am traditionsreichen Teufelsrad weibliche Werbefiguren sittsamer gemacht worden: Dekolletés hier auf Einforderung der städtischen Gleichstellungsstelle hin geschlossen, Beine wurden züchtig bedeckt, einer hawaiianisch gestalteten Figur wurden Oberteil und Schuhe aufgemalt. Man könnte das für eine jener hübschen Absurditäten halten, die entstehen, wenn unterschiedliche Menschen unterschiedliche Vorstellungen davon besitzen, wie die Welt aussehen sollte. Doch dafür liegen beide Vorgänge kulturell zu dicht beieinander. Sie gehören zu derselben Stadt, demselben Fest, derselben Gegenwart und, wichtiger noch, zu demselben gesellschaftlichen Diskurs über weibliche Körper, Sichtbarkeit und Sexualisierung.
Die Pointe besteht deshalb nicht darin, dass München plötzlich prüde geworden wäre. Es ist komplizierter. Unsere Gegenwart ist gleichzeitig erstaunlich sexualisiert und erstaunlich empfindlich gegenüber Sexualisierung. Sie kann Brüste offensiv zum Veranstaltungsmotto machen und gemalte Dekolletés problematisieren, ohne darin einen Widerspruch zu erkennen. Denn die moralische Bedeutung liegt nicht mehr im Bild selbst. Sie liegt in seinem Code. „Boobs“, obschon deutlich indezenter und obszöner zelebriert, werden als selbstbestimmte Sichtbarkeit vermarktet, während gemalte Dekolletés als problematische Sexualisierung behandelt werden. Zwischen beidem liegt keine Handbreit Stoff. Aber eine ganze Welt aus Zeichen.
Die Moral steckt nicht mehr im Gegenstand
Das ist vielleicht eine der interessantesten kulturellen Verschiebungen unserer Zeit: Die ältere bürgerliche Moral fragte noch vergleichsweise schlicht, was gezeigt werden dürfe. Der Ausschnitt konnte zu tief, der Rock zu kurz, die Darstellung zu anzüglich sein. Man kann diese Ordnung spießig, patriarchalisch oder repressiv nennen; immerhin besaß sie den Vorzug einer gewissen semantischen Verständlichkeit. Ein Zentimeter blieb ein Zentimeter, gleichgültig, wer ihn zeigte. Die neue Moral funktioniert anders. Sie beurteilt nicht primär den Grad der Nacktheit, sondern deren Bedeutung. Derselbe weibliche Körper kann emanzipatorisch oder sexistisch, selbstbestimmt oder objektifiziert, sichtbar oder ausgestellt sein. Nicht das Sichtbare entscheidet darüber, sondern das Verhältnis zwischen Betrachter, Dargestelltem, Urheber und kulturellem Zusammenhang.
Das erklärt, warum „Boobs“ und übermalte Brüste einander keineswegs widersprechen müssen, solange man innerhalb dieses Zeichensystems bleibt. „Bier, Boobs, Brezn“ trägt die richtigen Codes: weiblich, queer, selbstbestimmt, ironisch, identitär lesbar. Das Wort „Boobs“, das in einer klassischen Bierwerbung vermutlich sofort die Frage provozieren würde, ob Frauen hier auf sekundäre Geschlechtsmerkmale reduziert würden, verändert durch seinen Kontext die Bedeutung. Die mögliche Objektifizierung wird zur Selbstermächtigung, weil das Subjekt der Sexualisierung zugleich ihr Urheber sein soll. Die Frauenfiguren am Teufelsrad tragen dagegen den falschen Code. Sie stammen aus einer anderen Bilderwelt: Jahrmarkt, Pin-up, männlicher Blick, volkstümliche Erotik, eine Ästhetik, in der der weibliche Körper ohne theoretische Gebrauchsanweisung einfach attraktiv sein durfte. Genau diese Unbefangenheit ist inzwischen verdächtig geworden. Nicht weil dort mehr Brust zu sehen wäre. Sondern weil die Brust das falsche kulturelle Passwort besitzt.
Körper und Besitz
Ein geradezu lehrbuchhaftes Beispiel dafür ist Sydney Sweeney. Schon ihre American-Eagle-Kampagne von 2025 wurde nicht einfach als das genommen, was Werbung seit Jahrzehnten tut – eine attraktive Schauspielerin verkauft Jeans mit Sexappeal –, sondern einer aufwendigen Codeanalyse unterzogen. Weil Sweeney blond und blauäugig ist und die Kampagne mit dem Wortspiel „jeans“ und „genes“ arbeitete, entdeckten Kritiker darin Anspielungen auf Eugenik und weiße Schönheitsnormen; andere konzentrierten sich auf den „male gaze“, weil die Kamera ihren Körper demonstrativ in Szene setzte. Aktuell wiederholt sich das Muster noch deutlicher: Für eine Kampagne des Sportwettenanbieters Novig, an dem sie selbst beteiligt ist, inszenierte sich Sweeney ausgesprochen freizügig mit Sportgeräten – und weibliche Spitzensportlerinnen kritisierten die Werbung prompt als Sexualisierung von Frauen im Sport. Gerade Sweeney macht damit sichtbar, wie wenig selbst die Formel von der „Selbstbestimmung“ inzwischen zur Erklärung ausreicht. Eine erwachsene Frau kann ihren eigenen Körper freiwillig, kalkuliert und kommerziell einsetzen und dennoch unter Objektifizierungsverdacht geraten, sobald ihre Inszenierung dem falschen Blick zu gefallen scheint.
Sweeney besitzt zwar ihren Körper, aber offenbar nicht vollständig dessen kulturelle Bedeutung. Das ist derselbe Codekonflikt wie auf der Wiesn: Nicht wie viel weiblicher Körper sichtbar wird, entscheidet über seine moralische Zulässigkeit, sondern wer ihn zeigt, für wen er gezeigt wird und welche politische Lesart ihm zugeschrieben werden kann. Die richtige Brust ist deshalb nicht die bedeckte oder unbedeckte, sondern die richtig codierte. Damit wird die entscheidende Frage unserer Sexualmoral sichtbar. Sie lautet längst nicht mehr: Darf Sexualität öffentlich erscheinen? Diese Schlacht ist geschlagen. Sexualität erscheint überall. Die Frage lautet vielmehr: Wer darf wen unter welchen Voraussetzungen sexualisieren?
Das Dekolleté als Befreiung oder Herabwürdigung
Darin steckt ein fundamentaler Wechsel. Die sexuelle Revolution des 20. Jahrhunderts wollte Verbote abbauen. Die identitätspolitisch geprägte Sexualmoral des 21. Jahrhunderts errichtet weniger Verbote als ein kompliziertes System von Zugangsberechtigungen. Wer spricht, über wen, aus welcher Position, mit welcher Absicht – und wer blickt? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich entscheiden, ob ein Dekolleté Befreiung oder Herabwürdigung bedeutet. Man stelle sich nur einen Augenblick vor, „Bier, Boobs, Brezn“ wäre nicht das Motto einer Veranstaltung für queere Frauen, sondern der Werbespruch eines traditionellen Wiesn-Wirts, der damit männliches Publikum in sein Zelt locken wollte.
Die drei Wörter wären identisch. Die Brüste wären identisch. Selbst das Bierzelt wäre identisch. Und doch dürfte die öffentliche Bewertung vollkommen anders ausfallen. Plötzlich läge die Frage nahe, ob Frauen zu dekorativen Sexualobjekten degradiert würden. Man würde über den „male gaze“ sprechen, über ein antiquiertes Frauenbild und womöglich darüber, ob ein öffentliches Volksfest im Jahr 2026 noch mit weiblichen Körpern werben sollte. Das Gedankenexperiment zeigt, worum es tatsächlich geht: nicht um die Wörter, nicht einmal um die Brüste, sondern um den Sprecher.
Sexploitism oder Sex Positism?
Der Code entscheidet über die Moral. Das ist kulturgeschichtlich bemerkenswert. Denn die alte Sittenordnung behauptete immerhin, bestimmte Dinge seien an sich unsittlich. Die neue Ordnung ist relational. Was hier als sexistisch gilt, kann dort sexpositiv sein. Was hier Objektifizierung heißt, heißt dort Empowerment. Was dort als Reduktion auf den Körper kritisiert würde, wird hier als Sichtbarkeit desselben Körpers gefeiert. Man könnte von einer kontextuellen Sittlichkeit sprechen. Ihre Gebote stehen nicht mehr im Katechismus. Man muss sie lesen können.
Das gilt vor allem für den Blick. Der „male gaze“ ist zu einem Schlüsselbegriff kulturwissenschaftlicher Betrachtung geworden. Nicht allein entscheidend ist, was dargestellt wird, sondern für wessen Auge eine Darstellung mutmaßlich geschaffen wurde. Die leicht bekleidete Frau auf einem alten Jahrmarktsbild wird problematisch, weil hinter ihrer Darstellung ein imaginierter männlicher Betrachter steht. Ihre Sexualität gilt nicht als ihre eigene; sie sei für ihn arrangiert worden.
Bei „Bier, Boobs, Brezn“ soll dagegen ein anderer Blick vorausgesetzt werden. Hier erscheint weibliche Körperlichkeit innerhalb eines queeren weiblichen Zusammenhangs. Derselbe Gegenstand erhält dadurch eine andere moralische Ladung. Dass Kontexte Bedeutungen verändern, ist banal. Problematisch wird es dort, wo aus dieser hermeneutischen Einsicht eine moralische Hierarchie der Blicke entsteht. Dann gibt es nicht mehr nur unterschiedliche Perspektiven, sondern legitimierte und delegitimierte. Der eine Blick befreit, der andere objektifiziert; der eine erzeugt Sichtbarkeit, der andere reduziert. Eine Gesellschaft, die unablässig von Diversität der Perspektiven spricht, entwickelt zugleich erstaunlich genaue Vorstellungen davon, welche Perspektive welche Bilder auf welche Weise betrachten darf.
Das Teufelsrad als Kulturmaschine
Dass ausgerechnet das Teufelsrad zum Schauplatz dieser Auseinandersetzung wird, besitzt beinahe literarische Qualität. Das Fahrgeschäft beruht auf einem denkbar einfachen Prinzip: Menschen setzen sich auf eine rotierende Scheibe, und während die Geschwindigkeit zunimmt, verlieren sie ihren Halt. Ungefähr so funktioniert inzwischen auch die Semantik unserer Sexualmoral: Die Bedeutungen drehen sich immer schneller. Was einmal prüde war, kann progressiv werden. Was einmal als Befreiung von Prüderie galt, kann heute als Objektifizierung erscheinen. Weibliche Selbstinszenierung kann Empowerment sein, weibliche Darstellung durch andere Sexismus. Das Spiel mit sexuellen Reizen kann Ausdruck von Souveränität sein oder Beweis struktureller Unterdrückung. Ein englisches Wort für Brüste kann fortschrittlicher sein als ein gemaltes Dekolleté. Wer auf dieser Scheibe den Halt nicht verlieren möchte, braucht vor allem Kenntnisse der jeweils gültigen Codes. Dabei wäre gegen „Bier, Boobs, Brezn“ aus freiheitlicher Perspektive überhaupt nichts einzuwenden. Erwachsene Frauen treffen sich freiwillig, trinken Bier, feiern und geben ihrer Veranstaltung einen bewusst frivolen Namen. Warum sollten sie das nicht dürfen? Genau diese Großzügigkeit wäre allerdings auch gegenüber der anderen Seite angebracht. Man kann die Figuren am Teufelsrad für kitschig, antiquiert oder geschmacklos halten. Aber warum muss eine Gleichstellungsstelle darüber nachdenken, wie viel Stoff eine gemalte Frau tragen sollte?
Dass es am Teufelsrad ein reales Problem mit heimlichen Aufnahmen unter die Röcke von Besucherinnen gegeben hat, ist davon zu trennen. Solche Aufnahmen verletzen die Rechte realer Frauen und sind strafbar. Wer dagegen vorgeht, schützt Menschen. Wer einer gemalten Figur eine längere Hose verpasst, verändert ein Symbol. Gerade diese Differenz sollte eine aufgeklärte Gesellschaft beherrschen. Denn sobald ein Gegenstand moralisch codiert worden ist, wird seine Veränderung zur guten Tat. So bekommt eine gemalte Frau eine Hose. Nicht weil diese Figur Scham empfinden könnte, nicht weil ihre Menschenwürde verletzt wäre, sondern weil das alte Bild etwas repräsentiert, das die neue Ordnung nicht mehr repräsentiert sehen möchte. Das ist der eigentliche Vorgang. Es geht um symbolische Herrschaft. Jede Epoche verändert den öffentlichen Raum nach ihrem eigenen Bild. Sie benennt Straßen um, errichtet Denkmäler, entfernt andere, verändert Sprache und korrigiert Bilder. Daran ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Interessant wird es, wenn dieselbe Epoche zugleich behauptet, besonders pluralistisch zu sein. Pluralismus müsste nämlich bedeuten, unterschiedliche Codes nebeneinander ertragen zu können – auch solche, die man selbst nicht teilt.
Selbstermächtigung mit Einschränkungen
Das Wort „Empowerment“ hat in diesem Zusammenhang eine erstaunliche Karriere gemacht. Es löst einen alten moralischen Widerspruch scheinbar elegant: Wie kann eine Kultur gegen die Sexualisierung von Frauen kämpfen und zugleich die offensive Inszenierung weiblicher Sexualität feiern? Indem sie zwischen Fremd- und Selbstsexualisierung unterscheidet. Eine Frau, die sich selbst erotisch inszeniert, übt demnach Verfügung über ihren Körper aus. Wird derselbe Körper von anderen erotisch dargestellt, droht Objektifizierung. Als individuelle Maxime hat dieser Gedanke manches für sich: Niemand sollte gegen seinen Willen fotografiert oder ausgestellt werden. Doch auf der Ebene kultureller Bilder wird es kompliziert, denn dort gibt es kein empfindendes Subjekt mehr, das zustimmen oder widersprechen könnte. Die gemalte Frau über dem Teufelsrad kann nicht erklären, ob ihr das Dekolleté gefällt. Also muss jemand stellvertretend für sie sprechen. Und damit kehrt ausgerechnet im Namen weiblicher Selbstbestimmung eine merkwürdige Form der Bevormundung zurück: Eine Behörde entscheidet, wie eine Frau dargestellt werden sollte, obwohl diese Frau gar nicht existiert. Die reale Frau darf „Boobs“ feiern. Die gemalte bekommt eine Bluse. Vielleicht lässt sich der Unterschied theoretisch auflösen. Aber ästhetisch bleibt er von einer Komik, die keine Theorie ganz beseitigen kann.
Deshalb greift auch der Vorwurf der Prüderie nur halb. Die neue Moral ist nicht prüde im klassischen Sinn. Sie fürchtet den Körper nicht. Sie kann ausgesprochen explizit über Sexualität sprechen, sexuelle Identitäten öffentlich feiern und erotische Selbstinszenierung geradezu politisch adeln. Was sie fürchtet, ist der falsch codierte Körper. Der alte Sittenwächter fragte, ob zu viel Haut zu sehen sei. Der neue fragt, unter welchem Machtverhältnis die Haut sichtbar wird. Der alte maß Rocklängen, der neue analysiert Blicke. Der alte verbot das Anstößige, der neue problematisiert das Problematische. Und manchmal gelangen beide auf erstaunlich verschiedenen gedanklichen Wegen zum selben praktischen Ergebnis: Zieh dir etwas an. Darin liegt die eigentliche Ironie des Teufelsrads.
Freiheit ohne Seminar
Vielleicht könnte man den ganzen Konflikt durch eine Vorstellung entschärfen, die heute beinahe altmodisch wirkt: kulturelle Liberalität. Sie würde weder verlangen, „Bier, Boobs, Brezn“ wegen einer möglichen Reduktion von Frauen auf ihre Körperteile umzubenennen, noch müsste sie einer Jahrmarktsfigur eine Hose aufmalen. Das eine ist eine frivole Selbstbeschreibung, das andere triviale Jahrmarktsästhetik. Beides mag geschmackvoll oder geschmacklos sein. Aber nicht jeder Geschmacksstreit benötigt eine moralpolitische Intervention. Eine solche Gesellschaft könnte manches einfach stehenlassen. Das wäre keine Gleichgültigkeit gegenüber wirklichen Übergriffen. Im Gegenteil. Gerade die klare Trennung zwischen der Verletzung realer Menschen und der Kränkung kultureller Sensibilitäten würde ermöglichen, beim ersten entschiedener und beim zweiten gelassener zu sein. Vor allem aber würde diese Gesellschaft ihren Bürgern wieder etwas zutrauen: dass sie ein kitschiges Jahrmarktsbild sehen können, ohne dessen Frauenbild zu übernehmen; dass sie „Boobs“ lesen können, ohne Frauen auf Brüste zu reduzieren; dass sie verschiedene ästhetische Welten nebeneinander ertragen, ohne für jede eine staatlich beglaubigte Interpretation zu benötigen.
Das Oktoberfest ist für solche Liberalität eigentlich wie geschaffen. Es ist selbst ein einziges Spiel mit Codes. Menschen tragen Tracht, die für viele keine Alltagstracht mehr ist. Sie singen Lieder, die sie außerhalb eines Bierzeltes niemals hören würden. Sie trinken aus überdimensionierten Gefäßen, steigen auf Bänke, flirten, verkleiden sich gewissermaßen als eine traditionellere Version ihrer selbst und kehren am nächsten Morgen in die digitale Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts zurück. Die Wiesn ist Ritual und Maskerade, Tradition und Kommerz, Heimat und Tourismus, Erotik und Folklore zugleich. Gerade deshalb wirkt der Versuch, ihre Zeichenwelt moralisch zu säubern, so fremd. Volksfeste leben nicht von semantischer Reinheit, sondern von Übertreibung, Kitsch, Anspielung, schlechtem Geschmack und Körperlichkeit. Nun aber erreicht die große gesellschaftliche Zeichendeutung sogar das Teufelsrad. Und plötzlich erfahren wir, dass ein gemaltes Dekolleté mehr politische Bedeutung besitzen kann als die Brust selbst.
Immer feinere Grammatik
Vielleicht wird man später einmal über unsere Epoche sagen, sie sei zugleich außerordentlich freizügig und außerordentlich moralistisch gewesen. Sie habe fast jede sexuelle Lebensweise öffentlich sichtbar gemacht und zugleich eine immer feinere Grammatik darüber entwickelt, welche Darstellung dieser Sexualität unter welchen Umständen legitim sei. Die Münchner Wiesn liefert dafür eine fast perfekte Miniatur. Dort „Bier, Boobs, Brezn“: frivol, queer, selbstbestimmt, sichtbar. Hier die übermalte Frau: traditionell, fremddargestellt, sexualisiert, problematisch. Der Unterschied liegt weniger in Zentimetern Stoff als in Kilometern kultureller Theorie. Man muss deshalb weder die queere Veranstaltung verspotten noch die alten Teufelsradfiguren zu Kunstwerken von nationaler Bedeutung erklären. Man muss nur beide nebeneinanderstellen. Dann erzählt die Gegenwart beinahe von selbst von sich.
Sie hat die alte Sexualmoral nicht abgeschafft. Sie hat deren festen Sittenkodex durch ein bewegliches System kultureller Codes ersetzt. Die Grenze verläuft nicht mehr zwischen bedeckt und unbedeckt, anständig und unanständig. Sie verläuft zwischen Selbstermächtigung und Objektifizierung, Sichtbarkeit und Sexualisierung, richtigem und falschem Blick. Dadurch ist die Welt keineswegs regelloser geworden. Ihre Regeln sind nur komplizierter. Früher musste man wissen, wie lang ein Rock sein durfte. Heute muss man wissen, wer ihn trägt, wer ihn anschaut, wer darüber spricht und welchem Diskurs der Blick zugeordnet wird. Das nennt sich Fortschritt. Auf dem Teufelsrad könnte man auch sagen: Die Scheibe dreht sich weiter.
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6 Kommentare
Bier, Boobs und Brezn finde ich wunderbar.
Man sollte eine Partei mit diesem Namen gründen! Ich würde sie wählen.
😜
Seit Äonen rücken die Weibchen der Menschen ihre Brüste ins rechte Licht, um möglichst viele Männchen anzulocken und daraus ihre Auswahl zu treffen.
Es geht dabei um die Chancen zur Fortpflanzung.
Das war so, das ist so und bleibt so.
Nichts worüber man sich aufregen müßte.
Etwas ganz anderes wäre es, wenn Männer ad hoc ihre Bälle zur Schau stellten.
(Kopfkino an!)
😜
mich ekelt das alles nur noch an!
in der hiesigen schizo Freiluftklapse werden auf der einen Seite Kinder ab KiTa von „drag queens“ gegroomt & somit Frischfleisch rekrutiert, da die homopädos sich ja nicht fortpflanzen können, auf der anderen Seite erfolgt Unterwerfung unter mohammedanische Prüderievorschriften!!!
ENDSTUFE der DEBILITÄT.
@Einforderung der städtischen Gleichstellungsstelle hin geschlossen
in der Hochzeit des britischen Empires war man so moralisch und züchtig, das selbst die Stuhlbeine bedeckt werden mußten, um keine Moralausbrüche zu bekommen !
Es gibt für die Moralapostel und Ethik-Spezialisten noch viel zu tun !
„Sie kann Brüste offensiv zum Veranstaltungsmotto machen und gemalte Dekolletés problematisieren, ohne darin einen Widerspruch zu erkennen.“
Nö, Frauen nehmen sich das Recht heraus, sich selbst innerhalb eines Satzes mehrfach wiedersprechen zu dürfen und das als völlig normal betrachten und betrachtet wissen wollen.
Denen fehlt halt einfach was im Hirn! Manchen scheint auch das ganze Hirn zu fehlen. Bei Männern gibt es das übrigens auch. Die nennen sich dan „Linke“.