Bilanz eines Pfingstwochenendes: Das Neun-Euro-Ticket als „Assi-Bahncard“

Wo’s gefühlt was umsonst gibt, drängt sich der Deutsche hin (Symbolbild:ScreenshotYoutube)

Das lange Pfingstwochenende ist vorüber, das von der Bundesregierung vorsätzlich angerichtete Neun-Euro-Chaos nicht, es läuft noch bis Ende August – wenn auch die erste Feuerprobe, die erste Spitze eines infernalischen Feiertagsverkehrs mit der schwitzenden Umwälzung prekarisierter Massen auf engstem Raum (aber Hauptsache mit Maske!) überstanden ist. Doch wir sind in Deutschland nicht mehr weit entfernt von Zuständen, wie wir sie bislang nur mit folkloristischem Interesse in Fernsehdokumentationen über „die schönsten Eisenbahnstrecken“ et cetera in der Dritten Welt bewundern durften, wo sich kilometerlange überfüllte Abteile auf Schmalspurstrecken durch traumhafte Landschaften schieben, mit auf Waggondächern klebenden und aus Zugfenstern quellenden Menschentrauben. Denn in der Tat ähnelt der ohnehin unzumutbare deutsche Bahnverkehr seit der Einführung des Neun-Euro-Tickets am vergangenen Mittwoch endgültig dem in Indien oder Afrika.

„Stresstests“ hat die deutsche Bahn in ihrer Geschichte gezwungenermaßen schon viele erlebt – doch was an diesem langen Pfingstwochenende geboten wurde, sprengte alles Dagewesene: Ein beispielloses Chaos an deutschen Bahnhöfen, die von Menschenmassen überrannt wurden, welche all denen das Bahnreisen zur Hölle oder ganz unmöglich machten, die beruflich oder privat zwingend darauf angewiesen sind. In mehreren Bundesländern mussten heillos überfüllte Züge lange Zwischenaufenthalte einlegen, während die Passagiere durch Bahnpersonal mit Hilfe von Bundespolizei zum Aus-oder Umsteigen überredet werden mussten.

„Innere Verrottung“

Die durch Kontrollverlust beschleunigte „innere Verrottung” des Bahnverkehrs, wie ein wacher Geist diese vermeintlich „nachhaltige“ und regierungsseitig propagierte ÖPNV-Entartung bezeichnete, generierte abstoßende Bilder in Serie: Die Nordseeinsel Sylt wurde von sturzbetrunkenen Punks heimgesucht, in Karlsruhe strömten Passagiere am Samstag aus einem überfüllten Zug über ungesicherte Gleise zu einem anderen, der für das Abstellgleis vorgesehen war. In Berlin, Frankfurt und vor allem den Kopfbahnhöfen des Landes wälzte und schob sich eine Meute auf den Bahnsteigen und im Zutrittsbereich der Züge hin und her – halb Ballermann-Deutsche vom Schlage „White Trash”, halb bunte Kulqurbereicherer, dass man sich unweigerlich strikten Mindestabstand – auch ohne Gründe des Infektionsschutzgesetzes – herbeisehnte.

Die Bahn, deren Pünktlichkeit bei Fernzügen bereits im Mai bei unter 63 Prozent gelegen hatte, war diesen Menschenmassen nicht ansatzweise gewachsen – was zu erwarten war: Der Konzern hat ohnehin mit extremem Personalmangel, einem überalterten Schienennetz und einem gigantischen Schuldenberg von 30 Milliarden Euro zu kämpfen. Das von der Politik mit 2,5 Milliarden Euro veranschlagte Neun-Euro-Ticket wird indes weitaus höhere Kosten in bislang noch nicht absehbarer Höhe verursachen – schon allein um die Mindereinnahmen der Verkehrsverbände auszugleichen. Der Philosoph Wolfram Eilenberger brachte die groteske Situation im „Deutschlandfunk” auf den Punkt: „Der Kontrollverlust in allen Funktionsbereichen der Bahn ist für die Nutzer so spürbar, dass der Gedanke nahe liegen muss, da wird irgendetwas eskalieren, weil diese Inkompetenzschleifen irgendwann nicht mehr zu kompensieren sein werden.“ Man vertraue sich einem Unternehmen an, „das die Kontrolle über seinen Auftrag vollkommen verloren hat“, mit einem Personal „zwischen Apathie und Scham“ und „Kunden, die nicht einmal mehr die Energie finden, sich über die Absurditäten, denen sie jeden Tag ausgesetzt sind, zu beschweren.“ Eilenbergers Fazit zur Bahn: „Es ist ein Monopolist, der völlig rückmeldungsresistent ist und dem man beim Verfallen derzeit einfach nur zuschauen kann.

Sichtbarmachung des riesigen Shitholes Deutschland

Wer sich demgegenüber nochmals die hanebüchenen Einlassungen vergegenwärtigt, mit denen die Architekten und Promotoren des Neun-Euro-Tickets bei Grünen und SPD im Bundestag das Neun-Euro-Ticket in Sphären hoben, die kaum noch menschlichen Maßstäben genügen, der fragt sich einmal mehr, welche wahlweise vorsätzlichen Saboteure oder Totaldilettanten die politische Verantwortung in diesem Land innehaben. Die Grünen-Abgeordnete Paula Picheotta schoss dabei den Vogel ab mit derart grotesken Einlassungen im Plenum, dass man dies in früheren normaltickenden Zeiten als Parodie eingestuft hätte: „Niemand kommt in diesen Tagen an diesem Neun-Euro-Ticket vorbei. Weil es Realitäten schafft.” Das Ticket zeige, „was möglich ist in diesem Land, wenn die große Gestaltungsmacht des Bundeshaushalts, der Bundesgesetzgeber, die Länder, die Verkehrsverbünde, die Menschen in diesem Land tatsächlich zusammenkommen und an einem Strang ziehen.“ Und fürwahr: Es war in der Tat möglich, das Shithole, zu dem Deutschland kaputtregiert worden ist, eindrucksvoller denn je sichtbar zu machen. Ein Blick in Bahnhofshallen und Zugabteile am letzten Wochenende genügte.

Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing schwadronierte von einer angeblichen Erfolgsstory und jubelte zu Beginn der Umsetzung dieser Schnapsidee am 1. Juni, „über sieben Millionen Menschen” hätten bereits ein Neun-Euro-Ticket erworben. Dies sei die „Abstimmung der Bürgerinnen und Bürger über dieses Erfolgsprojekt.“ In Wahrheit ist das Ganze nichts als ein gigantischer Schlag ins Wasser: Die Bahn kämpft seit Jahren mit der Nichteinhaltung von Fahrplänen, mit unzähligen nicht einsatzfähigen Zügen, mit extremer Personalnot – und einem völlig veralteten Schienennetz. Im April dieses Jahres kamen nur noch 69 Prozent der Züge fahrplangemäß an. Bis 2030 soll eigentlich eine Quote von 85 Prozent erreicht werden; der zunehmende Investitionsrückstau, Personalprobleme und die vielen Dauerbaustellen lassen dies schier unerreichbar erscheinen. Gerade Minister Wissing hätte daher wissen müssen, dass der nunmehrige Massenansturm durch das Neun-Euro-Ticket droht, das marode System endgültig zum Einsturz zu bringen.

Zurück in die Steinzeit

Die Ampel-Regierung sieht in diesem Chaos jedoch unbeirrt weiter eine Chance, ihre technikfeindliche Steinzeitagenda voranzutreiben: Der SPD-Abgeordnete Metin Hakverdi prophezeite, „in Zukunft werden mehr Menschen auf das Rad umsteigen, weil es elektrisch verstärkt komfortabler und weil es vor allen Dingen größere Reichweiten haben wird. Dazu brauche es auch ein richtiges Radwegenetz.“ Auch Picheotta kündigte 30 Millionen Euro für das Fahrradparkhausprogramm an, verbunden mit der Feststellung, dies würde „die gesamte Gesellschaft gesünder machen, nicht nur die, die selber fahren sondern auch die Mitmenschen, die geschützt werden durch weniger Abgase und weniger Lärm.“ Die SPD-Abgeordnete Dorothee Martin wollte in dieser Farce nicht fehlen, und gab zum Besten: „Der Fußverkehr, als die grundlegendste aller Verkehrsarten jetzt erstmals mit einem eigenen Haushaltstitle gefördert wird und damit eben auch die Beachtung bekommt, die er verdient. Wir wollen mit einer nationalen Fußverkehrsstrategie einer Grundlage zur weiteren systematischen Förderung des Fußverkehrs schaffen.“ Man muss sich immer wieder vergegenwärtigen, dass all diese Aussagen völlig ernstgemeint sind.

Der Versuch jedenfalls, den Bürgern neben dem (bereits erwartungsgemäß durch die Mineralölindustrie abgeschöpften) „Tankrabatt mit dem Neun-Euro-Ticket eine weitere staatliche „Entlastung“ zu bescheren für die – vom deutschen Staat wesentlich verschuldeten – hohen Sprit- und Energiepreise, ist zum Scheitern verurteilt. Die Regierung konnte der Versuchung nicht widerstehen, ihn mit einer scheinbar „sinnvollen“, ideologischen Umerziehungsmaßnahme zu verbinden, die da lautet: Fahrt mehr Bahn, alles auf die Schiene. Wenn das – und nicht die Sichtbarmachung einer zerfallenden Gesellschaft – tatsächlich die Absicht hinter dem Neun-Euro-Ticket gewesen sein sollte, die Menschen zu Gemeinschaftsreisen à la „Kraft durch Freude“ unter apokalyptischen Bedingungen in überhitzten, menschenüberfüllten Waggons zu bewegen: Dann dürfte der langfristige Abschreckungseffekt größer als der Nutzen sein.

22 Kommentare

  1. Klar ist, daß all dieses orchestrioerte Chaos gewollt und geplant ist. Die Killerbiene hat bereits 2016 einige Jahre vor seiner politischen Totschlag-Zensur verlauten lassen, Der deutsche Staat und Regierung mit seinen Polit-Schmarotzern hasst alle Deutschen und ist der Feind allen freiheitlichen und demokratischen Handelns und Denkens.

    • …aber auch gegen Killerbienen und ähnlichem Geschmeiss gibt es Mittel…der Befallene muß sie nur einzusetzen wissen…

      • Sie haben vergessen die neubraunen Rotfront-Totschlagparolen „Rechtsextremer Verschwörungstheoretiker, Coronaleugner, Reichbürger, Querdenker, Antisemit und Holocaustleugner“ in ihrem linken Geschwurbel emotional zu framen. Ist ihr Putin-Troll-Almanach aus dem Amadeu-Ministerium für Wahrheitsliebe und Meinungshygiene veraltet?
        Gute Besserung und angenehmes Erwachen

    • Dieses 9€-Ticket einzuführen und das während der anrollenden Ferienzeit war kein Staatsversagen, sondern Vorsatz. Genau wie die Umverteilung des „Tankrabattes“ von arm nach reich. Leider bekommt das die Mehrheit der Menschen nicht mit.

      Ja, Killerbiene hat so manches vorhergesagt.
      Ich vermisse ihn sehr.

  2. Wie groß ist der Abstand zu Deutschland, wenn man mit dem Shinkansen in Japan, dem KTX in Südkorea und sogar der Bagdadbahn in der Türkei gefahren ist. Deutschland hat fertig.

  3. „…da wird irgendetwas eskalieren, weil diese Inkompetenzschleifen irgendwann nicht mehr zu kompensieren sein werden.“

    Und das trifft auf das ganze Land zu….

    „…halb Ballermann-Deutsche vom Schlage „White Trash”, halb bunte Kulturbereicherer, dass man sich unweigerlich strikten Mindestabstand – auch ohne Gründe des Infektionsschutzgesetzes – herbeisehnte.“

    Diesen Mob wird die Regierung demnächst auf alle Normale hetzen, weil für alles Schlechte verantwortlich. Wetten?

  4. Das 9-Euro Ticket ist der Probelauf für ein Beförderungssystem, in welchem die Proleten in Züge und Busse gesteckt werden, und die herrschende Klasse mit ihren 80 tausend Euro teuren E-Mobilen durch die Landschaft und Städte reisen wird.

  5. Bei „Sonderangeboten“ werden die Deutschen, die es nicht ohnehin sind, zu Assis. Man erinnere sich nur an die verkaufsoffenen Samstage, die es früher gab. Da standen vor den Geschäften Schlangen, viele waren mit Schlafsack vor Ort, oder wenn es neue iphones gibt.

  6. Ich hoffe nur, dass das 9-Euro-Ticket im Laufe der drei Monate zu vielen verschiedenen chaotischen Situationen führen wird, und auch dem letzten Wähler der Grünen klar wird, dass diese Mao-Partei von A bis Z nur kreuzgefährliche Schnapsideen verfolgt.

  7. Naja, wenn ich in Täuschland an die Bahn und ÖPNV denke,
    dann fallen mir Chaos, verdreckte Bahnhöfe und Haltestellen ein, kriminelles Gesocks, „Einmanns“, Assis, verspätete Züge oder ausgefallene Züge, Coronoia-Schikane, wie der drei Geh-Krampf, Maskenzwang und Büttel des Systems, die da genau aufpassen, dass man die Maske auch ja richtig trägt, Tarifdschungel, Fahrpreise, dass einem schwindlig wird und natürlich überfüllte Züge. … und wenn man einen Sitzplatz reservieren möchte, dann kostet das auch noch mal Geld.

    Fazit: Die können mich mal.

    Nun kam doch dieses 9 Euro Angebot (für SchlafSchaf-Michel, -Michelinin und -Michelnden und natürlich auch für die mit Migrationsvordergrund oder -Hintergrund)
    und
    ich hatte doch tatsächlich einen Gedanken verschwendet, mal mit dem Zug zu fahren, mein Fahrrad mitzunehmen, um anschließend eine entferntere Gegend mit dem Fahrrad gemütlich zu erfahren. Doch dann dachte ich an das oben Genannte (Chaos, überfüllte Züge etc.) und aus war der Traum. Wie gesagt, die können mich mal, das tu ich mir nicht an.

    Wobei, ich muss schon zugeben, dass das, was man so in den Medien sah, die amerikanische Filmindustrie hätte nicht besser darstellen können. So viele Maskenschafe auf einem Haufen, dazu das Chaos und so weiter, gibt’s nur hier im „pesten Täuschland aller Zaiten“.
    Schade, da habe ich wohl in meiner Freizeit was verpasst.

    Die Leute, die auf die Bahn und ÖPNV angewiesen sind, die tun mir wirklich leid.
    Da ich diese Zustände bei einigen, die davon betroffen sind, halt auch direkt mitbekomme.

  8. Bei friedlichen Motorradgangs auf Rügen ist die Polizei präsent. Auf Sylt haben sie vor den verkeimten Punks, die Hosen voll.

  9. Es sind halt schon die klassischen Spreading Events die jetzt durch die Politik insziniert werden. Es geht mir einfach nicht aus dem Kopf, dass damit ein hehres Ziel verfolgt wird, Vielleicht werden dann demnächst doch auch noch die Fern- und Nachtzüge nach Lissabon für 9€ zu buchen sein.

  10. Da findet endlich zusammen was zusammengehört: Pöbel ohne Geld(Bottrop) trifft auf Pöbel mit Geld (Sylt).

  11. Da schwindet sie dahin, die Deutsche Kultur. Und mit ihr der Deutsche Geist …
    Lieb Vaterland, magst ruhig sein …

    Gruß Rolf

  12. Die Politiker, die diese kriminelle Aktion beschlossen haben, wird man in den betroffenen Zügen natürlich nicht sehen. Bundestagsabgeordnete fahren mit ihrer steuerfreien Bahncard 1. Klasse ICE. sofern andere Verkehrsmittel(Hubschrauber z.B.) nicht verfügbar sind. Mich wird das Ausweichen auf ICE Hunderte € kosten, die ich erstmal verdienen muß.
    Hat diese Politikerin wirklich „Haushaltstitle“ gesagt?

  13. Ohne das „9-Euro-Ticket“ wäre es nahezu genauso voll gewesen. Pfingsten und endlich halbwegs Reisemöglichkeiten, was will man da erwarten?
    Dauerhaft werden nur sehr wenige 6-7h Bahn fahren, 5x umsteigen, mit Maske, schlecht klimatisiert, um mal kurz auf Sylt oder Rügen gewesen zu sein. Denn die Übernachtung müsste man sich schon auch leisten können. KdF für 20 RM die Woche inkl. Vollpension is ja nicht mehr.

    • Bin für ein paar Tage von Bonn nach Dresden und zurück gefahren. Wenn man sich das antut (Züge waren meist „leer“, Maske fast immer in der Tasche), so kann sich mancher Trip lohnen wenn man kaum Geld hat, aber unbedingt das Land noch einmal sehen, bevor es mal komplett untergegangen ist.

  14. Ich versteh die kritischen Stimmen nicht. Es klappt doch alles . Klar, Pfingsten ist Ausflug. Da war der IC rammelvoll. Aber sonst ist alles OK und Bahn ist auch gut

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