Brigitte B.: Ein kleiner privater Nachruf vor Ort

Brigitte B.: Ein kleiner privater Nachruf vor Ort

An der Grablege einer Ikone… (Foto:Schneidereit)

Für eine halbe Stunde bin ich heute allein an Deinem noch frischen Grab, an diesem sonnigen Sonntagnachmittag im Juni. Nun liegst Du hier, auf dem kleinen Seemannsfriedhof im quirligen Saint-Tropez – jenem einstmals verschlafenen Küstendörfchen, das seinen heutigen Glanz vor allem Dir verdankt: der sinnlichen, der verführerischen, der Legende Brigitte Bardot. Dein kleines Refugium „La Madrague“, in Sichtweite über die türkisfarbene Bucht, kaum anderthalb Kilometer entfernt, war Dein Zuhause für mehr als sechseinhalb Jahrzehnte. Nach den Dreharbeiten zu „Und ewig lockt das Weib“, jenem Film, der das weltweite Kinopublikum 1956 kaum glauben ließ, was es da auf der fortan nicht mehr so unschuldigen Leinwand sah, fandest Du per Zufall das damals noch unscheinbare Fischerhäuschen im Schilf am Buchtufer – und verliebtest Dich spontan. Du, die jede Villa, jedes Schloß und jedes Luxusanwesen hättest haben können, bliebst Deinem versteckten Haus, zu dem nur ein kleiner, staubiger Fußweg führt, Dein Leben lang treu. Dort trug man Dich im vergangenen Dezember, als Du Dich mit 91 Jahren entschlossen hattest, von Deinem Saint-Tropez und auch von dieser Welt für immer Abschied zu nehmen, dann auch hinaus.

Nun bist Du nicht mehr hier. Doch vor dem gänzlich unpompösen Eingangstor Deines Grundstücks, an dem kein goldenes Haustürschild prangt, wie bei all den nachgezogenen Neu-Nachbarn, steht noch immer eine frisch gefüllte Wasserschüssel – damit die von Dir über alles geliebten Vierbeiner, wenn sie hier auf dem schmalen Sentier du Littoral des Weges kommen, nicht Durst leiden müssen. So warst Du eben.
Als ich gerade teenagernd in Deutschlands tristem Osten heranwuchs und im Schwarzweißfernsehen den ersten Film von Dir sah, hattest Du Dich mit vierzig Jahren bereits ins Private zurückgezogen. Die große „BB“ auf der Höhe ihres Ruhmes hatte Glamour, Parties, Paparazzi und Rampenlicht satt. Ab jetzt wendetest Du Dich den Tieren zu – vor allem, weil Du die Menschen und deren Falschheit nicht mehr ertragen konntest.

Wach, kritisch und auf der Hut

Als andere Stars und Sternchen sich längst anpassten und zum woken Zeitgeist, zu Links- und Migrationspolitik ihre bunten Fähnchen schwenkten und artig ihre stromlinienförmigen Allgemeinposten in die Mikrofone plapperten, bliebst Du wach, kritisch und auf der Hut. Als Du den Verfall Deines geliebten Frankreichs durch Migrantenflut, durch Islamisierung und explodierende Gewalt korrekt und prophetisch beschriebst und 2003 in Deinem Buch „Un cri dans le silence“ („Ein Schrei in der Stille“) minutiös anprangertest, galtest Du fortan in den Gutmenschengazetten als „rechtsextrem“, „rassistisch“ und „Extremistin“. Gern würde ich Dir jetzt sagen, wie vertraut das alles für mich klingt, in dieser dämlichen Zeit, die immer schlimmer zu werden scheint! Staatspräsident Macron, den Du öffentlich als „Zerstörer und „Präsident des Niedergangs“ bezeichnetest (und schon wieder Recht damit hattest), war auf Deiner Beerdigung am 7. Januar dieses Jahres jedenfalls persona non grata – und blieb damit Saint-Tropez glücklicherweise fern. Auch die posthume nationale Ehrung, die der Élysée-Palast angeboten hatte, lehnten Deine Angehörigen dankend ab. Ja, auch das war eine gute Entscheidung – denn Millionen ehrten Dich auch ohne offizielle Erlaubnis.

Alain Delon, mit dem Dich bis zu seinem Tod 2024 eine tiefe Freundschaft verband, sprach Dir vermutlich in vielen seiner Ansichten über unsere Zeit aus der Seele, als er sagte: „Es gibt keinen Respekt mehr und kein gegebenes Wort zählt. Nur das Geld regiert noch. Alles ist falsch, verzerrt und unehrlich. Ich hasse diese Zeit, ich erbreche sie! Ich habe alles gesehen und erlebt – und ich werde diese Welt absolut ohne Bedauern verlassen.“ Ja, ich schätze, das könnte auch gut von Dir stammen.

Unbändiges Staunen

Im kleinen Saint-Tropez geht der Glitzer und Glamour, das Zeigen, Prahlen und Neiden derweil weiter, wie seit einem, inzwischen halben Jahrhundert – in dem sich nicht nur hier, sondern mittlerweile überall in unserer „schönen, neuen Welt“ schlichtweg alles veränderte: Katzengold und glänzende Oberfläche; junges Gemüse und Goldkettchenträger; operierte, aufgespritzte Endsechzigerinnen; Kleckerköter, staubgesaugte Bürgersteige, Milliardärsjachten, die den kleinen Hafen zuparken. Das selbe Spiel – jahrein, jahraus. Du kennst das alles, ich weiß. Vor genau 20 Jahren, als ich zum ersten Mal hier eintraf, war es noch riesig, das unbändige Staunen. Heute schlendere ich lieber den ganzen Sommertag am kleinen Sentier du Littoral ums Cap, springe ab und zu nackt ins Wasser und mache mir gegen Abend ein Fläschchen guten Wein auf, auf einem Felsen an Deiner Bucht, wenn das sanfte Goldlicht diese kleine Perle eines Ortes in jene unvergleichliche Stimmung taucht, die nicht nur Du so sehr hier liebtest.

Nein, wir kannten uns nicht persönlich. Letzten September hätte ich fast noch an Deine Tür geklopft, liebe Brigitte, als ich, so wie heute, vor Deinem blauen Tor mit den Schmetterlingen stand. Aber ich wollte halt nicht nerven. Nun ist’s zu spät – aber zumindest betrachte ich es als Privileg, heute hier, auf einem Uferfelsen vor Deinem leeren Haus, ein paar Gedanken über Dich zu schreiben, während ich an Dich denke.
Danke, dass es Dich gab, Du Schöne, Du Unvergleichliche! Du bleibst unvergessen.

3 Kommentare

  1. Ich bewundere diese fabelhafte
    und sehr sympathische Frau.

    Sie hatte einen kritischen Artikel
    zur Zuwanderung (INVASION)
    verfasst und wurde von einem
    Pariser Gericht zu einer Geldstrafe
    verurteilt.

    Sie hat nur geschrieben, dass die
    INVASOREN Kulturvernichter sind.

    Und damit hatte Sie ja Recht!!!