Cancel-Culture im Getränkeregal: Edeka, ein Smoothie und die AfD

(Screenshot:Twitter/Truefruits)

Die Politisierung der Wirtschaft ist inzwischen zum branchenübergreifenden Phänomen geworden. Den wenigsten Firmen geht es dabei jedoch um Aufklärung, politische Bildung oder Informationsgewinn für ihre Kunden – sondern nur um Virtue Signalling, um das wohlfeile und möglichst zielgruppenkonforme Zurschaustellung der richtigen Gesinnung. Beim Greenwashing ist dies schon länger ein Thema, Natur- und zuletzt immer mehr der Klimaschutz sind schon lange Marketing-Renner.

Hinzu kam in jüngster Zeit der Diversitätswahn: Black Lives Matter und Migrationshype sorgen für immer mehr farbige, „bunte“ und möglichst nichtweiße und nicht-europäischstämmige Werbedarsteller, wobei hier die Besetzung erkennbar nach lupenrein (positiv-)rassistischen Kriterien erfolgt. Das Ziel ist die Abbildung einer Gesellschaft, die nichts mehr mit der Realität gemein hat, aber linke Zukunftsvisionen eines planetaren multiethnischen/-kulturellen Einerlei bestmöglich illustriert.

Ein ganz großer Renner jedoch auch der „Kampf gegen Rechts“, durch den sich Gratismus und Haltung am leichtesten transportieren lassen, weil oberflächlichste Etiketten hierzu ausreichen. Ausgerechnet der Handelskonzern Edeka (bezeichnenderweise die Abkürzung für: Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler) brüstet sich mit der Ausmusterung von Flaschen des Smoothie-Herstellers „True Fruits“ mit der Aufschrift AFD – ohne zu berücksichtigen geschweige denn seiner Kundschaft mitzuteilen, was es damit eigentlich auf sich hat:

(Screenshot:Facebook)

Dabei hätte es vergleichsweise wenig Aufwand gekostet, sich mit dem Hintergrund des Flaschenaufdrucks zu beschäftigen: True Fruits ist nämlich aktuell ebenfalls bestrebt, politische Inhalte mit Produktmarketing zu verbinden; allerdings nicht über plumpe Gesinnungsbekundungen, sondern mit subtileren, kreativeren Mitteln: Der Trend-Smoothie-Hersteller, der seit jeher mit teilweise politisch unkorrekten Produktbotschaften für Aufsehen sorgte (teils „sexistische“ Flaschenaufdrucke, pinke oder schwarze Getränkesorten), druckt seit einigen Wochen unter dem Slogan „Sei keine Flasche“ Auszüge der Wahlprogramme einzelner Parteien auf seine Flaschen – wobei er auch frei erfundene Passagen unterstreut.

Diese durchaus subversive und geistreiche Form der Auseinandersetzung mit politischen Themen im Bundestagswahlkampf ist tausendmal origineller als die Anwandlungen betreuten Denkens, für das die meisten sonstigen Werbetreibender der Gegenwart stehen. Sie laufen allerdings Gefahr, von Gesinnungswächtern in ihrer grotesken Oberflächlichkeit nicht verstanden und auch nicht gewürdigt zu werden – und genau das ist bei Edeka offenkundig geschehen. Dass hier weder für die AfD Wahlkampf gemacht noch irgendwie Partei ergriffen wurde, haben die Verantwortlichen wohl schlicht nicht kapiert. Kein Problem hatten sie aufschlussreicherweise jedoch mit all den anderen Altparteien-Bezeichnungen auf den sonstigen Sorten, für die dann offenbar genügend Platz im Regal ist.

Auf Facebook ging das billige antirechte Mainstream-Anbiederungsmanöver jedenfalls gehörig nach hinten los: Dort brandete ein regelrechter Shitstorm gegen Edeka auf – mittlerweile (Stand 20. August mittags, keine 24 Stunden nach Veröffentlichung des Edeka-Posts) fanden sich dort 6.000 Kommentare und die meisten davon gingen mit dem Unternehmen für seine unerträgliche Heuchelei hart ins Gericht (nachfolgend nur ein kleiner Exzerp der Kommentarspalte):

(Screenshot:Facebook)

Dass sich erfrischend viele gegen diese Produktzensur und Cancel-Culture im Getränkeregal stark machen, ist gut für True Fruits, das damit das Ziel der polarisierenden Debattenbelebung erreicht hat, und auch für die unter Beschuss stehende Meinungsfreiheit. Und schlecht für Edeka, das nicht zum ersten Mal in seiner Geschichte sein Fähnchen in den vorherrschenden Wind des Zeitgeistes hängt. (DM)