Chaos-Tage in Riesa: Wie zukunftsfähig ist die AfD noch?

Chrupalla, Weidel gestern auf dem Parteitag nach ihrer jeweiligen Wiederwahl (Foto:Imago)

Als Zeitenwende oder Moment der Überwindung einer innerparteilichen Frontstellung zweier im Prinzip unvereinbarer Lager hat der Riesaer Parteitag der AfD definitiv versagt: Eine Stärkung des nationalkonservativen identitären Lagers spiegelt sich im fünfköpfigen Vorstand insofern wieder, als dort eher Lager-affine Kräfte tonangebend sind, während der eher wirtschaftsreformerische pragmatischere West-Flügel keinen Blumentopf gewinnen konnte – wie sich bereits am Scheitern des Chrupalla-Gegenkandidaten Norbert Kleinwächter zeigte. Auch wenn Tino Chrupalla mit 53 Prozent der abgegebenen Stimmen ein denkbar knappes Ergebnis erzielte und Alice Weidel als zweite Vorsitzende ebenfalls keine Überraschung war (sie erhielt immerhin gut 67 Prozent der Stimmen), so sind die Stellvertreter Stephan Brandner, Peter Boehringer und Mariana Harder-Kühnel doch eher profilierte Vertreter des früheren „Flügels”. Das macht die Spitze zwar homogener, dürfte aber die inneren Spaltung der Partei noch vergrößern.

Wie stark diese fortbesteht, zeigte sich heute Nachmittag in der vorzeitigen Beendigung des Parteitages: Nach einem heftigem Positionsstreit über eine Europa-Resolution, die unter anderem vom Thüringer Landeschef Björn Höcke eingebracht worden war, sprach sich die Mehrheit der Delegierten für ein Ende der Versammlung aus. Die Parteiführung um Tino Chrupalla und Alice Weidel hatte sich gegen einen Beschluss der umstrittenen Resolution ausgesprochen, Chrupalla konnte sich mit einem entsprechenden Antrag aber nicht durchsetzen, wie „dts“ berichtet.

Kein Staat zu machen

Die Parteivorsitzenden forderten eine inhaltliche Überarbeitung des Papiers. Im Laufe der Debatte kam es zu zahlreichen Wortmeldungen sowie Geschäftsordnungsanträgen. Das folgende Chaos erbrachte dann nur einen Tag nach den Vorstandswahlen den Beweis, dass die Partei heillos zerstritten ist und eine straffe innere Führung vermissen lässt. Das ist freilich Wasser auf die Mühlen der hämischen etablierten Politkonkurrenz und der Medien. Auch ohne deren Stimmungsmache – „n-tv“ schrieb etwa davon, die AfD wolle „noch rechter aus der Krise“ – wird selbst wohlgesinnten Beobachtern klar: Mit dieser Partei ist leider kein Staat zu machen.

Was ebenfalls kritisch zu sehen ist und die Glaubwürdigkeit der AfD als Oppositionskraft und Gegenmodell gegen die Pfründe- und Selbstversorgungswirtschaft des „Altparteienkartells“ schmälert, ist der Umstand, dass der gesamte Parteivorstand nunmehr aus Mandatsträgern besteht. Alle sind Abgeordnete und/oder Träger öffentlicher Ämter. Ob dies für bessere Wahlresultate sorgt, weil die Agenda aus Angst vor Mandatsverlust und Sorge um die existenzsichernden Posten angepasst wird, oder ob sich die AfD dadurch noch  mehr von der Basis eines unzufriedenen und brodelnden Wählerreservoirs entfernt, bleibt abzuwarten.

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20 Kommentare

  1. Die AfD ist die einzige glaubwürdig Volks- und Oppositionspartei.
    Es ist gut für die Demokratie, das es sie gibt.
    Allerdings ist sie mir nicht progressiv und hart genug.
    Es braucht mehr von Höcke in dieser Partei, damit ihr Profil gegen den
    Faschismus geschärft wird.
    Warum wohl holt sie in unserem schönen Osten so viele Wählerstimmen?
    Nein, nicht weil wir Wähler hier progressiver und aufgeklärter als im
    Westen des Landes sind.
    Sie macht einfach eine härtere Aufklärungspolitik und das wissen die
    Wähler hier im Osten zu schätzen.
    Auf gehts AfD, es gibt noch viele andere effektive Mittel um besser und
    effektiver im Westen zu punkten.
    Also, je härter, je erfolgreicher, denn Altparteien und ihre Lakaien, die
    Mainstreampresse bedient sich schon seit Jahren schmutzigen Mitteln
    um die AfD klein zu halten.
    Was die können, kann die AfD doch eh noch anders !!!

  2. Sieht nicht so wirklich gut aus für die AfD, was für das Land und die halbwegs Normalen, die in einer katastrophalen MInderheit sind, die letzten Hoffnungsfunken erlöschen lässt. Der linksgrüne Irrsinn nimmt immer mehr Fahrt auf und der einzige Bremser auf diesem Zug zerlegt sich selbst.

  3. Die AfD ist, wie alle anderen Parteien, nicht für das deutsche Volk da. Sie ist US hörig. Sie kuscht und verkriecht sich, wenn es Ernst wird.
    Sie ist keine Alternative.
    Somit, wie alle anderen Parteien, nicht wählbar.

    Aber was will man auch anderes erwarten? Die sogenannte Demokratie der BRD lehne ich mittlerweile vollkommen ab. Weil sie keine Demokratie ist. Und das von Anfang an nicht war.
    Sie bekämpft Andersdenkende, statt sich mit deren Gedankengut auseinanderzusetzen.
    Ja, auch mit dem der NSDAP. Das muss einem nicht gefallen. Aber auch das gehört zu einer Demokratie.
    In einer Demokratie gibt es keine Bekämpfung anderer Gedanken. Sondern sie setzt sich damit auf geistige Ebene auseinander.
    Der Kampf gegen Rechts ist ein Kampf gegen die Demokratie.

    Und immer mehr Wähler erwachen und gehen nicht mehr wählen. Gut so. Bringen wir dieses Konstrukt zu Fall. Es hat ein paar Jahrzehnte gedauert, bis ich das erkannte. Nach jeder „Wahl“ ging und geht es mir schlechter. Also fickt euch.

  4. Dieser Parteitag war auch für einen Zuschauer am
    Monitor (PC) ein Kraftakt: Die Vorstandswahlen
    hatten es schon in sich, in dem jeder Beisitzer,
    sechs an der Zahl, einzeln gewählt wurde. Das ist
    nicht nur ein irrer Zeitaufwand, sondern öffnet die
    Tür für Taktierer. Ein Wahlgang hätte genügt!

    In der AfD befinden sich viele Juristen und Leute
    mit Dr.-Titel. Diese verstehen es, die Satzung und
    Geschäftsordnung für ihre Zwecke zu nutzen:
    Heute Nachmittag spielte sich daher wieder einmal
    ein Schmierentheater ab, in dem mit „Anträgen“ die
    ganze Veranstaltung sabotiert wurde.

    Das war allerdings auf früheren Parteitagen auch
    schon der Fall. Meine Bewunderung gilt dem
    „Elferrat“, also den Sitzungsleitern, die weder
    Fassung noch Durchblick verloren haben. Das
    war die eigentliche Leistung einer Veranstaltung,
    die sicher nicht nur mir sauer aufgestoßen ist.

  5. Was Christina Baum angeht, kann ich bestätigen, dass ihr Kontakt zur Basis sehr wichtig ist und diesen auch pflegt. Das kommt auch in ihren Reden immer wieder deutlich zum Ausdruck.

  6. Der Osten muß ihre eigene Partei gründen. Nach Sachsen nun die FreieThüringer und dann die Freien Anhaltender zusammen als die Freien. Ob mit Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ein Blumentop zu gewinnen ist, fraglich.

  7. leider eine sterbende Partei!
    Bekannt z.Zt. nur durch ihre internen Streitereien.
    Zu den 2 Oberen: wieviel Steuerräder hat ein Auto? Wäre es von Vorteil wenn ein Auto auf jeder seite ein voneinader unabhängiges Steuerrad hat?

  8. „Mit dieser Partei ist leider kein Staat zu machen.“ Wie wahr! Armes Deutschland, niemand in Sicht, der den Zerfall Deutschlands noch aufhalten kann. Neu ist das nicht, im Laufe der Geschichte verschwanden Staaten, neue tauchten auf. Die Erde drehte sich einfach weiter, um ihre eigene Achse und um die Sonne. So wenig es eine Rolle spielt, ob und in welchen Grenzen die Muster-Demokratie Ukraine weiter besteht, so wenig spielt es eine Rolle, ob und in welchen Grenzen die Muster-Demokratie Deutschland weiter besteht.

  9. Mir ist die Streiterei sympathischer als eine Merkelrede vor 1.000 CDU-Delegierten ohne Inhalt und mit anschließend 12-minütig stehenden Beifall voll veridioteter Delegierter.

  10. Demokratie ist die Herrschaft der Dummen. Das wusste schon Schiller. Es muss was Neues her, AFD ist ein Sammelbecken der Unzufriedenen um den Menschen vorzugaukeln Sie hätte hier eine Wahl! Der Great Reset kommt, chinesische Verhältnisse, weil jeder nur an sich denkt. 62 mio. Bundesdeppen haben schon den goldenen Schuss. Lest lieber Irlmeier, Alois!

  11. Landrats- und Bürgermeisterwahlen in Sachsen: Union flächendeckend vorne, AfD mit konstant starken Ergebnissen
    https://zuerst.de/2022/06/13/landrats-und-buergermeisterwahlen-in-sachsen-union-flaechendeckend-vorne-afd-mit-konstant-starken-ergebnissen/

    Freien Sachsen schaffte auf Anhieb fast überall auf Anhieb zweistellige Ergebnisse. Die Partei “Freien Sachsen” hatte ich bisher noch gar nicht auf dem Schirm.
    Und eine Frage hier an die Runde. Was ist eigentlich aus der Partei „DieBasis“ geworden, die im letzten jahr so hoch gehypt wurde? Die vor allem auch mit den Corona-Protesten und Impfkritik auf sich aufmerksam gemacht hat.
    Laut wikipedia hat die Basisdemokratische Partei Deutschland (alias dieBasis) mehr Mitglieder als die AFD!

  12. „die AfD wolle „noch rechter aus der Krise“
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    Was genau bedeutet „rechts“? Was genau bedeutet insbesondere der linke Kampfbegriff „rechtsextrem“? Das ist bislang noch nie schlüssig nachvollziehbar und rechtssicher definiert worden. Die eifrigen Verwender dieser Begriffen wissen offensichtlich nicht, worüber sie sprechen.

  13. Die erste AFD unter Bernd Lucke fing Bürgernah statt Regierungsnah an , dann begann Lucke sich an der FDP zu orientieren und wollte die AFD um 180 Grad drehen , da stieß Versagerin Frau Petry ihn aus Machtgeilheit vom Thron konnte sich aber halten und mußte Urban weichen der auch nicht von Dauer war . Während Lucke und Petry versuchten eigene neue Parteien zugründen , erlebte die AFD mit Höcke einen weiteren Rechtsdrall der von Gauland entschärft wurde . Aber durch die vielen Selbstdarsteller in der AFD , die ebenfalls am großen Fleischtopf mitessen wollen und die Medien machen es Weidel und Chrupalla unmöglich die AFd auf die Gewinnerseite zu ziehen .
    Also wird es höchste Zeit für eine neue Partei der echten Mitte , bevor sich die Grünen aus Machtgier ganz Braun färben

  14. Aktuell zur AfD: Zwar sind die Pöbeleien des Mainstreams (wie: ARD-Julie Kurz, PHOENIX-Mann, SPD-Prof. Schröder, SPIEGEL-Frau Müller usw.) mit „rechtsextrem“ infam, da sachlich falsch (noch?!), denn dies würde dikatur-nah bedeuten wie Nazis und Kommunisten. Aber z.B. Höcke wirkt unsympathisch mit stechendem Blick, spitzem Gesicht, röhrender Dunkel-Stimme +jetzt seinen dem Russofascho Dugin nahen Eurasien-Äußerungen.

    • Björn Höcke unsympathisch? – Das ist Geschmackssache. Mich fasziniert er. Im Kontrast zu den typischen voluminösen Vertretern der Politikerzunft (AfDler eingeschlossen) wirkt Höcke geradezu zart, filigran; das gefällt mir enorm. Seinen Blick empfinde ich nicht als stechend, den würde ich eher „eindringlich“ nennen. Stimmlich hat er ja in Interviews auch die verhaltenen Töne drauf – „Kavalierbariton“ würde der Opernexperte sagen. (Ein Olaf Scholz oder Philipp Amthor hört sich natürlich weit weniger bedrohlich an…)

  15. Immer wieder: Es erübigt sich alles Lamentieren über Schwächen bei der AfD, denn Primär-Fakt ist, daß das deutsche Volk gemäß Wahlverhalten über Jahrzehnte keinen Willen hat zu einer patriotischen Partei und Lösung!! Und waren frühere noch konservativ-altdeutsch geprägte Generatioen noch eher dumpf-unfähig zur Politik, so geht man heute satt-fett und dekadent-degeneriert skrupellos in den Untergang nach spätromischer Art! – Und bei aller FREUDE ZU den Wahlen in Frankreich: WAS sind 89 SITZE GEGEN 490 SITZE FÜR DIE bürgerlichen + roten Aktivisten, Agenten DES BÖSEN??!

  16. Nein, mit dieser AfD ist „kein Staat zu machen“. Und auch auf eine „Parteiwende“ im aktuellen Trend der „Verkehrs-“, „Energie-“, „Ernährungs-“, und sonstiger Weißwäscherwenden wird das beste Deutschland aller Zeiten verzichten müssen. Ja, prinzipiell unvereinbare Lager sind und bleiben prinzipiell unvereinbare Lager, das lässt sich nicht wegharmonisieren, es sei den um den Preis der Selbstverleugnung. Ja, das IST Wasser auf die Mühlen der Etablierten, und wenn n-tv das Ergebnis mit „noch rechter aus der Krise“ kommentiert, handelt es sich dabei ausnahmsweise nicht einmal um Stimmungsmache, sondern um eine durchaus zutreffende Einschätzung. Seit wann hat die AfD ein Problem damit, „rechts“ zu sein?

    Definitiv versagt hat nicht der Parteitag in Riesa. Definitiv versagt haben alle jene Kräfte außerhalb und innerhalb der Partei, die versucht hatten, die notorischen „Dissidenten“ (um mit Björn Höcke zu sprechen) gefügig zu machen. Kein Kniefall vor dem Verfassungsschutz, kein stromlinienförmiges Image für die Medien, und der normkonforme Bürger wird nicht mit der Sänfte dort abgeholt, wo er steht.

    Das zweifellos symbolkräftige Sahnehäubchen der Veranstaltung setzte ihr vorzeitiges Ende nach stundenlangem Gerangel um die Europa-Resolution. Harmonie à la AfD. Unwillkürlich fühlte man sich erinnert an das Häuflein Unbeugsamer in dem uns wohlbekannten kleinen gallischen Dorf – allerdings, dessen muss man sich bewusst bleiben, ohne rettenden Zaubertrank.

    Das alles ist unklug, es ist unzeitgemäß allzumenschlich, vielleicht ist es in unserer Gesellschaft tatsächlich nicht mehr „zukunftsfähig“. Aber es ist, verdammtnochmal, aufrichtig. Und wenn Aufrichtigkeit in unserer Gesellschaft nicht zukunftsfähig ist, dann ist die Gesellschaft als Ganzes nicht zukunftsfähig. Da darf der Great Reset nach Plan ablaufen, und der bringt uns dann definitiv die vollintegrierte, alternativlose Gleichrichtung.

  17. Schade das die schon so lange zerstritten ist,denn das ist die einzige Partei die noch für das DEUTSCHE VOLK sind und auch den Mund aufmachen!

    • Eben darum ist die Partei ja so zerstritten. Hier MACHT man eben den Mund auf, statt Kontroversen einfach unter den Teppich zu kehren oder in nichtssagendem Blabla aufzulösen.
      (Mitstreiter – im doppelten Sinne des Wortes – sind übrigens jederzeit willkommen.)

  18. Henry Miller: Du kannst nur heiß oder kalt sein. Bist du lauwarm, wird dich der liebe Gott ausspucken.

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