Christoph Birghan zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands: „Wir müssen uns von der Last der Bürokratie befreien!“

Christoph Birghan zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands: „Wir müssen uns von der Last der Bürokratie befreien!“

Christoph Birghan (MdB) benennt jahrelange Versäumnisse in der deutschen Forschungspolitik (Foto:Imago)

Vergangene Woche wurde das Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation, kurz EFI-Gutachten, veröffentlicht, das die Innovations- und Zukunftsperspektiven Deutschlands analysiert und kritisch auf den Prüfstand stellt. Die Experten kommen darin zu dem skeptischen Resultat, dass der Bundesregierung trotz ihrer vollmundig erklärten Ankündigungen und zumindest auf dem Papier ambitionierten Anstrengungen nicht gelungen ist, eine für die Transformationen notwendige Innovationsdynamik zu entfachen. Ansage! sprach dazu mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Dr. Christoph Birghan, der im Ausschuss für Forschung, Technologie und Raumfahrt sitzt und außerdem als Berichterstatter für Hochschulpolitik fungiert.

ANSAGE: Herr Dr. Birghan, welche Aussagen trifft das EFI-Gutachten über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands?

BIRGHAN: An erster die Stelle, dass wir immer noch ein sehr starkes Land sind, auf das wir stolz sein können. Deutschland ist weiterhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und wir haben enormes Potenzial. Aber es zeigt sich eben auch, dass die vielen politischen Fehlentscheidungen der letzten Jahre und Jahrzehnte Folgen haben. In vielen wichtigen Bereichen sind wir nicht oder nicht mehr spitze. Viele der wichtigen Kennzahlen zeigen, dass wir jetzt schnell korrigieren müssen, wenn wir weiter vorne mitspielen wollen. Im World Innovation Index sind wir beispielsweise 2025 aus den Top 10 gerutscht. Das EFI-Gutachten zeigt sicher viele gute Bereiche, aber eben auch viele Problemfelder auf. Ich war beispielsweise bei der von der Bundesregierung vollmundig ausgerufenen “Hightech Agenda” extrem misstrauisch – zu Recht, wie sich durch das Gutachten bestätigt.

“Vor allem Ankündigungspolitik”

ANSAGE: Wo genau liegt bei dieser “Hightech Agenda” der Bundesregierung das Problem?

BIRGHAN: Sie ist vor allem Ankündigungspolitik. Und das zeigt eben in weiten Teilen auch das Gutachten. Zwar bewerten die Experten der Kommission die Hightech Agenda als wichtiges Signal, sehen aber auch deutliche Defizite. Die Agenda definiert sechs sogenannte Schlüsseltechnologien: Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, klimaneutrale Mobilität, klimaneutrale Energieerzeugung und Künstliche Intelligenz. Das zeigt bereits, wie unscharf die Systematik ist. Wichtige Bereiche werden wiederum nicht ausreichend berücksichtigt, was auch das aktuelle EFI-Gutachten kritisiert. Beispielsweise Advanced Manufacturing, Robotik und Photonik.

ANSAGE: Aber ist das nicht dennoch ein wichtiges Signal?

BIRGHAN: Natürlich, und der Ansatz, Deutschland als Forschungsstandort voranzubringen, ist ja auch richtig. Aber werfen wir einen Blick auf die Zahlen: Im Rahmen der Hightech Agenda sollen bis 2029 rund 18 Milliarden Euro investiert werden. Gemessen am globalen Wettbewerb ist das ein kleiner Betrag. Zum Vergleich: Schon für einen einzigen AI-Hub in Indien möchte Google allein in den Jahren 2026 bis 2030 nicht weniger als 15 Milliarden Dollar investieren.

ANSAGE: Und worin sind wir Deutschen laut Gutachten gut?

BIRGHAN: Vergleichsweise passabel sind wir in den Bereichen klimaneutrale Mobilität und klimaneutrale Energieerzeugung. Das sind allerdings genau die Bereiche, in denen kein Produktivitätsvorsprung erzeugt wird, sondern lediglich ein Wechsel von einer Energieerzeugungsmethode zu einer anderen – noch dazu zu einer verhältnismäßig teuren. Dort, wo in Zukunft die Musik spielen wird, vor allem im Bereich KI, aber auch Mikroelektronik, sind wir im internationalen Vergleich immer weiter abgeschlagen. Vor allem China ist uns da weit voraus.

Falsche Weichenstellungen

ANSAGE: Als Mitglied im Ausschuss für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung beschäftigen Sie sich auch mit den Rahmenbedingungen an den Hochschulen. Ist Deutschland wenigstens hier für gut für eine starke Zukunft aufgestellt?

BIRGHAN: Es ist hier ähnlich wie in der Wirtschaft – wir sind grundsätzlich gut, aber die Weichen wurden in vielen Bereichen falsch gestellt. Aus meiner Sicht ist zum Beispiel folgendes problematisch: Seit ein paar Jahren nimmt die Zahl des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals ab, während die Mitarbeiterzahl in der Verwaltung zunimmt. Das deutet auf eine sich verschlechternde Effizienz hin. Die Zahlen zeigen auch, dass die Unternehmensgründungen aus den Hochschulen heraus rückläufig sind. Und: Das Fördersystem für Projekte ist nicht unbedingt optimal. Es gibt auch hier eine überbordende Bürokratie und Doppelstrukturen. Forscher werden von ihrem Kernbereich, eben der Forschung und Lehre, abgehalten, weil sie gezwungen sind, umfangreiche Anträge zu schreiben, wenn sie sich auf Fördergelder bewerben. Dabei geht es vielfach nicht um ihre Expertise, sondern das Abarbeiten von Vorgaben, die sich irgendwelche Verwaltungsbeamten ausgedacht haben. Eben das schlägt sich nun auch in den Zahlen nieder. Es gäbe also auch im Hochschulbereich einiges zu tun.

ANSAGE: Wo besteht aus Ihrer Sicht der größte Handlungsbedarf?

BIRGHAN: Es ist eine Binsenweisheit: Aber wir müssen Deutschland endlich von der Last der Bürokratie befreien. Und dabei dürfen wir es nicht so machen, wie es immer wieder in Brüssel oder Berlin erdacht wird – eine weitere bürokratische Einheit zum vermeintlichen Abbau der Bürokratie. Das kann nicht funktionieren! Sie können ja auch nicht Faultiere bitten, die Bäume zu beschneiden, auf denen sie es sich gerade bequem gemacht haben. Wir brauchen also eine andere Politik, um die Potenziale in Deutschland endlich zu heben.

8 Kommentare

  1. Probleme zu Hauf!
    Eines davon:
    Dringend benötigte Fachkräfte
    sitzen auf den Ämtern und füllen
    Anträge der INVASOREN aus.
    +++++
    Dringend benötigte Fachkräfte
    betüteln Asylanten in den Heimen.
    Wirklich Bedürftige in den Heimen
    müssen sich mit weniger Personal
    zudrieden geben.
    +++++
    Dazu noch große Mengen an:
    Übersetzern
    Sozialarbeitern
    usw.
    Daran krankt Deutschland!!!

  2. Der gute Mann mag in allem richtig liegen, jedoch werden hier Worte keine Wirkung mehr erzielen.
    Es wurde schon mehr als genug geredet und hat nichts gebracht.

    Um die verheerende Politik nachhaltig zu verändern, bedarf es eines mächtigen Ereignisses, das keiner überhören oder übersehen kann. Ein großer Stein, der vom Himmel auf das Kanzleramt fällt, wäre so ein Ereignis. Scheint mir aber wenig wahrscheinlich.
    😜

  3. Zitat: „Wir müssen uns von der Last der Bürokratie befreien!“
    Wie soll denn steigender Kontrollwahn mit dem Abbau von Bürokratie vereinbar sein?
    Kontrolliert wird aber ohnehin nicht da und vor Ort, wo z.B. Gesundheitsgefahren drohen (Lebensmittelherstellung und Zutaten; Gaststätten, Schwimmbäder etc.), sondern vor allem durch Mehrarbeit am Bürotisch oder Ausweitung von Zensur (Ärzte; Lieferketten, Plattformen etc.).
    Als Handlungsoption wäre ohnehin ein Konjunktiv „müssten“ in der derzeitigen Lage angebracht. Wir „müssen“ – tun wir aber nicht. Feierabend.
    Aber bevor irgendein Bürokrat (immer gerne ohne Rückgrat) und Herrschaftssüchtiger Bürokratie abbaut, lässt sich eher der Teufel mit Weihwasser taufen!

  4. @„Wir müssen uns von der Last der Bürokratie befreien!“
    Falsch – von den antideutschen, feindlichen Politikern der Blockpartei.
    Für die Bürokratie gibt es Notwendigkeiten, Möglichkeiten und grenzen, die von kompetenten Politikern und Juristen dann einzuhalten sind !
    Aber diese müssen eben seriös, kompetent und vertrauenswürdig sein – Anforderungen, denen unser derzeitiges Regime und seine Oberschicht nun einmal nicht gewachsen ist.

  5. Das Gutachten ist überflüssiger Humbug. Schon deshalb, weil dort „klimaneutrale“ Mobilität und Energieerzeugung als Schlüsseltechnologien genannt werden. Diese weitgehend auf staatliche Anordnung hin entwickelten „Technologien“ erzeugen keine Wertschöpfung. Im Gegenteil: sie vernichten Wohlstand und Wertschöpfung.

    Alle anderen genannten Technologien sind tatsächlich wichtig. Um festzustellen, dass D in diesen wichtigen Bereichen rückständig ist, braucht man nun wirklich nicht schon wieder ein teures Gutachten.