Das Ding mit der Schuldunfähigkeit

Sind Schwarze entweder Opfer – oder unzurechnungsfähig? Szene der Somali-Messerattacke in Würzburg (Screenshot:Youtube)

In den letzten Tagen haben wir im Rahmen der Frankfurter Buchmesse viel über das subjektive Bedrohungsgefühl der Autorin Jasmina Kuhnke gehört. Bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels stürmte gar die grüne Stadtverordnete Mirrianna Mahn ans Rednerpult und behauptete, dort sei nicht für die Sicherheit schwarzer Autoren gesorgt worden. Um Himmels Willen – was für ein Drama!

Was für manches deutsche Stadtviertel zutreffen mag, soll auch dort gegolten haben? Als Schwarze würde ich tatsächlich nicht in jedes Dortmunder Stadtviertel gehen, als Jüdin nicht nach Neukölln – aber es kann bekanntlich auch in jeder Einkaufszone passieren: Ein Mensch ist plötzlich der Meinung, er habe das Recht, andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Hautfarbe zu ermorden.

So geschehen etwa in Berlin, wo ein Afghane eine Gärtnerin erstechen wollte, weil er den Anblick einer berufstätigen Frau nicht ertragen konnte. Integrationsbeauftragte wie Frau Mahn hatten wohl beizeiten vergessen, ihn über Parität und Quoten aufzuklären. Oder nehmen wir Würzburg. Dort fühlte sich an einem Tag vor ein vier Monaten sicherlich niemand bedroht – bis ein junger Mann aus Somalia plötzlich durchdrehte, wie sich später herausstellte, nicht zum ersten Male. Die Bedrohungslage wurde plötzlich sehr akut, drei Frauen verloren ihr Leben, sechs weitere Menschen wurden verletzt. Unter denjenigen, die eingriffen, um den Täter aufzuhalten, befand sich im Übrigen auch ein kurdischer Mann, der nicht lange überlegte, ob es politisch korrekt sei, diesem entgegenzutreten, sondern aus Anstand einfach handelte.

Behauptete und akute Bedrohungslagen

Denn man gewinnt oft den Eindruck, Täter wie der Somalier würden von unseren Medien wie rohe Eier behandelt, ganz nach Margot Käßmanns Credo, man müsse „Terroristen mit Liebe begegnen„. Empörung, Zorn und Entsetzen wurden sehr sparsam dosiert, schließlich müsse man erst noch näher ermitteln und dürfe keine voreiligen Schlüsse ziehen. Und es verwundert auch nicht wirklich, dass auch dieser Täter von einem Gericht als schuldunfähig eingestuft wurde. Zwar bedeutet das nicht seine Freilassung, aber es bleibt dieses schale Gefühl zurück: Wieder einmal soll es die Psyche gewesen sein, wieder einmal wird der Tathintergrund verschleiert und wieder einmal muss jemand, der schon aktenkundig geworden war, nicht wirklich für seine Taten geradestehen. Irgendwie konnte er schließlich nichts dafür – so die Aussage hinter dem Urteil.

Als selbst psychisch Erkrankte betrachte ich diese mit der Gießkanne verteilten Schnelldiagnosen mit einiger Verwunderung – und stelle mir die Frage, warum Ärzte selbst bei psychiatrischen „Standarderkrankungen“ in den meisten Fällen oft Jahre brauchen, um diese einwandfrei zu diagnostizieren und zu behandeln. Depressionen sind tatsächlich oft schwer zu erkennen, da sie sich auch hinter alltäglichen Befindlichkeiten oder aufgesetzter Fröhlichkeit verbergen können. Im allgemeinen sind Psychiater sogar vorsichtiger geworden, jemanden gar als psychotisch einzustufen, ohne die genauen Lebensumstände abzuklären. Meine bipolare Erkrankung verbarg sich unter einem Trauma – das mich übrigens nicht gewalttätig gemacht hat – und wurde eher durch Zufall entdeckt. Man muss dazu auch erst einmal ein Vertrauensverhältnis zum Arzt oder Therapeuten aufbauen.

Apropos Psychose: Es war in der letzten Zeit oft zu lesen, wie sehr diese auch kulturell geprägt sein könne, was sicherlich richtig ist, aber als Erkenntnis ebenfalls mittlerweile in den Dienst der Täterentschuldigung gestellt wird, so als könne man gar nicht anders, als gewalttätig zu werden, wenn man aus einem bestimmten kulturellen Umfeld kommt. Natürlich sind die Inhalte einer Psychose ebenfalls durch das Umfeld geprägt, in dem man aufgewachsen ist – wer von einer einsamen Insel stammt, wird sich kaum von Agenten verfolgt fühlen. Aber eines wird dabei vergessen: Die Auswirkung des Charakters des Einzelnen auf seine Taten während einer Psychose. Ich habe einige Betroffene kennengelernt: Wer im stabilen Zustand ein angenehmer Mensch war, mutierte auch in einer psychotischen Phase nicht zum Mörder, sondern zog sich eher zurück.

Schnelldiagnosen für Täter mit Migrationshintergrund

Die Schnelldiagnosen für Täter mit Migrationshintergrund bergen deshalb noch einen weiteren unerfreulichen Effekt: Die Stigmatisierung der tatsächlich Erkrankten. Es ist ein absolutes Ärgernis, dass unsere sonst so „sensible“ und „vorurteilsfreie“ Gesellschaft kein Problem damit hat, diese über die Klinge springen zu lassen, um islamistisch motivierte Gewalttaten zu relativieren.

Aber selbst wenn all diese eilends erstellten Diagnosen zuträfen, ist die Frage noch nicht beantwortet, warum dann nicht mehr Präventionsarbeit geleistet wird. Man holt sehenden Auges junge Männer ins Land, von denen einige vielleicht schon in ihrer Heimat Milizionäre waren. Im Falle des Somaliers kam dann plötzlich auch heraus, dass er schon in seiner Heimat an „bewaffneten Konflikten“ beteiligt war. Warum überprüft man so etwas nicht, bevor man jemanden hier „willkommen“ heißt? Offensichtlich ist es ja möglich, derlei Dinge zu ermitteln.

Hier wird wieder die in unserer Gesellschaft herrschende Doppelmoral offenkundig: Wir können eine Infrastruktur aufbauen, die es ermöglicht, Touristen nach ihrer Rückkehr in die Heimat auf Corona zu testen. Wir beschäftigen uns mit sogenannten „Mikroaggressionen“, die kaum objektiv eingeordnet werden können. Und wir überlegen jeden Tag, ob sich jemand durch einen Saucennamen diskriminiert fühlen könnte. Vielleicht, weil das Renommee einbringt, aber nicht viel Aufwand kostet. Aber es wirklich darauf ankommt und notwendig wird, herrscht das große Schweigen.

6 KOMMENTARE

  1. Absolut richtig! Während z.B. bei dem deutschen Täter von Hanau (Einheimischer) eine massive psychische Grunderkrankung lt. ärztlichem Gutachten vorlag) gilt er bis heute als 100% schuldig und rechtsradikal, da bio- deutsch! Steinmeier, Merkel u. die Politkaste sehen das so. Der Täter in Würzburg wurde von der deutschen Presse schon nach wenigen Stunden als „schuldunfähig“ eingestuft – Ohne ärztliche Untersuchung. Auch fällt VÖLLIG unter den Tisch, dass dieser Somalier inzwischen selbst eingeräumt hat, dass er 8! Jahre älter ist – er war also bei seiner Einreise nicht minderjährig, sondern volljährig. Er hat die Tat als 32-Jähriger begangen, nicht als heute angeblich 24-Jähriger! Mit seinem wirklichen Alter kann er sehr wohl an dschihadistischen Taten in Somalia beteiligt gewesen sein!!

  2. So ist das halt in unserer Gesellschaft. Entweder ist eine Täterin (bitte gendergerechte Sprache nutzen, um Frauen nicht sprachlich unsichtbar zu machen) psychisch krank oder aber die Tat war rechtsterroristisch oder aber frauenfeindlich.
    Frauen können ohnehin niemals Täter sein, Menschen mit ausländischen Wurzeln sind meist nicht schuldfähig und richtige Täter sind sowieso nur weiße Männer.

    Als Opfer interessieren Männer und selbst Jungen in unserer Gesellschaft herzlich wenig, nämlich um Regelfall gar nicht.

    Erinnert sich jemand an #bringbackourgirls, dem medialen Aufschrei mit weltweiter prominenter Unterstützung und Sondersitzungen im Deutschen Bundestag, als 2014 Boko Haram 276 Mädchen entführt hatte?

    Rund 700 Jungen, die von Boko Haram in den Jahren 2013/2014 bestialisch ermordet worden waren, haben zumindest hier in Deutschland noch nicht einmal für eine müde Schlagzeile gesorgt.

  3. Wenn ein Volk das Gefühl bekommt, durch Polizei und Justiz nicht ehr ausreichend geschützt zu sein, kommt irgendwann der Punkt, wo es zur Selbstjustiz greift. Die politisch angeordnete Schwäche in der Strafverfolgung ist ein weiterer Meilenstein imm Verfall unserer Gesellschaft!

  4. Schuldunfähig.

    Schuldunfähig wie die Verantwortlichen, die dafür gesorgt haben, dass Täter mit paranoid-schizophrener Psychose wie dieser Somalier nach Deutschland kommen und hier ihre Taten wahngesteuert und somit schuldunfähig in psychotischen Schüben verüben können.

    „Nein, natürlich nehme ich nicht dafür die Verantwortung, sondern es ist die Aufgabe, dass jeder sich an die Gesetze hält und Gewaltanwendung gegen meinen Nächsten ist nirgendwo vorgesehen.“ – Angela Merkel am 07.10.2015

    Schuldunfähig selbst dann, wenn sie die eigenen Bürger ohne mit der Wimper zu zucken ins offene Messer rennen lassen.

    „Einfach mal auf Flüchtlinge zugehen, damit die Berührungsängste schwinden, das kann auch den eigenen Horizont erweitern.“ – Angela Merkel am 01.12.2016

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