
Im Rahmen der Eigensicherungsmaßnahmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunksektors hat ja die ARD vor geraumer Zeit schon mit „Die 100 – was Deutschland bewegt“ ein Format entwickelt, das wohl für den TV-Rentner Meinungsfreiheit, Demokratie und Zuhören simulieren soll, dank der erzieherischen DNA der Sendeanstaltsleiter allerdings von Anfang an zu einem dümmlich-volkspädagogischen Hütchenspiel geriet. Besser als mit der selbstherrlichen Idee, einhundert vorselektierte Kandidaten aus dem „Volk“ wie Schachfiguren auf einer „Spielfläche“ mit Suggestivfragen hin zu einer gewünschten Aussageformation zu dirigieren, kann man die manipulativen Phantasien der Sonnendeck-Redakteure kaum in die Wohnzimmer der Republik befördern.
Gestern nun galt es, in der gebührenfinanzierten Stimmungs-Simulation, den Pöbel auf den Krieg vorzubereiten. „Stillgestanden!“ ließ man einen Offizier schon mal probeweise im Studio herumschnauzen. Die verkalkten Kartoffeln durften so, mit Händen an der Hosennaht, für ihren Rundfunkbeitrag schon mal einen schocktherapeutischen Vorgeschmack auf die Zukunft genießen. Einen emotionalen Notzustand, der den ungeheuren Vorzug bietet, dass die täglich zunehmenden Verheerungen einer staatssozialistischen Kartellpolitik ad hoc in den Hintergrund treten. „Der Russe kommt!“. Da geht es um ganz andere Zustände. Ausnahmezustände, Spannungszustände, Kriegszustände. Und so lässt die ARD gleich zu Beginn eine mit Mikrofon ausgestattete Drohne im Studio aufsteigen. Das hier sei der „Sound des Krieges“, schallt es aus den Volksempfängern der Nation.
Keinen erkennbaren B0ck
Nachdem mit Befehlsgeschrei und bedrohlichem Drohnensurren schon mal die richtige Klangkulisse gesetzt ist, ergeben sich bei der live übertragenen „Familienaufstellung“ dann plötzlich lauter Konstellationen auf dem virtuellen Truppenübungsplatz, die von einer ganz erstaunlichen Zustimmung zur neu einzuführenden deutschen Wehrpflicht künden. Erstaunlich vor allem deshalb, weil zahlreiche repräsentative Umfragen noch eben das glatte Gegenteil offenbart hatten. Noch im August vermeldete die Heeres-Propagandaabteilung „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ – offensichtlich noch in Ermangelung eines eindeutigen Einsatzbefehls –, dass laut einer Forsa-Umfrage nur etwa jeder Sechste ohne Zögern für Deutschland zur Waffe greifen würde. “Auf jeden Fall” waren dazu im Sommer gerade mal 16 Prozent der Deutschen bereit, weitere 22 Prozent wollten dies nach eigener Einschätzung wenigstens “wahrscheinlich” tun. Anders gesagt: Satte 62 Prozent hatten keinerlei erkennbaren Bock, für das politische Testgelände noch irgendeinen Finger in Sachen Vaterlandsverteidigung krumm zu machen. Wie auch, wenn schon Lichtgestalt Habeck so gar nichts damit anfangen konnte.
Bei der ARD aber sagen nun die geladenen Kleindarsteller mit eingeblendetem Parteihintergrund plötzlich ganz andere Texte auf. Statements, in denen – man traut seinen Ohren kaum – plötzlich Begriffe wie Patriotismus, Volk und Heimat signalisieren sollen, welche Herzensangelegenheit das postkoloniale deutsche Siedlungsterritorium ihnen doch im Grunde ist, und wie gern sich alle, nach einigem Nachdenken zwar, aber dann doch mal ein Jahr herumkommandieren lassen würden. Nach eigenem Bekunden um zu lernen, „wie man eine Grenze verteidigt“. Man traut seinen Ohren kaum. Eine Grenze, von der jahrelang behauptet wurde, man könne sie weder schützen noch schließen. Auch interessant: In der plappernden Schleudertruppe finden sich – auch das ein Signal – lauter blütenweiße Autochthone. Auf besondere Diversität und Vielfalt kann der neue deutsche Volkssturm offensichtlich plötzlich verzichten. Und auf die so groteske wie resignative Idee, als Sinnbild für besondere heimatliche Hingabe dann auch noch ausgerechnet Campino und Harald Schmidt nacheinander einzuspielen, muss man auch erstmal kommen. Beide haben wohlweislich Zivildienst geleistet.
- Klicken, um auf Telegram zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Telegram
- Klicke, um auf X zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) X
- Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) Facebook
- Klicken, um auf WhatsApp zu teilen (Wird in neuem Fenster geöffnet) WhatsApp
- Klicken, um einem Freund einen Link per E-Mail zu senden (Wird in neuem Fenster geöffnet) E-Mail
- Klicken zum Ausdrucken (Wird in neuem Fenster geöffnet) Drucken







