Der Dialog

Der Dialog

Reflexionen in der Straßenbahn… (Symbolbild:Grok)

Ich sitze in der Straßenbahn. Zu beobachten gibt es nicht viel. Ich verrichte also routiniert meinen Dienst an der Menschheit. Mein Telefon bietet mir listig einen Kommentarstrang an, indem es in scheinbar gemäßigtem Ton um „Unsere Demokratie“ geht, von der oben bereits siegesgewiss behauptet ist, sie funktioniere doch bestens und sei deshalb gerade jetzt von der „Zivilgesellschaft“ mit allen Mitteln gegen den Angriff der versammelten Horden des rechten Spektrums zu schützen. Kann man so stehen lassen. Muss man aber nicht.

Es ist langweilig in der Straßenbahn. Eine Partie Politschach kann also nichts schaden. Ich sammle flugs ein paar Argumente, wäge ab, wende ein, formuliere höflich aber bestimmt. Einmal, zweimal, dreimal. Zu erkennbaren Vitalfunktionen beim virtuellen Gegenüber führt das nicht. Natürlich nicht. Solche Dialoge führen höchst selten zu etwas. Außer hier und da vielleicht zu einem sich langsam aufbauenden Wutanfall beim Diskutanten, den man dann mit wenig rhetorischem Aufwand noch zu einer formidablen intellektuellen Selbstzerstörung ausbauen kann. Ganz unterhaltsam. Manchmal. Und etwas pädagogisch. Hier aber gelingt das nicht. Der Kontrahent tischt einfach immer die nächsten “Tagesschau”-Sentenzen auf. Könnte es sein, dass ZDF-Himmler inzwischen eine öffentlich-rechtliche KI-Schmiede im Mainzer Untergrund hat bauen lassen? Ich verwerfe das. Die Fachkräfte hat er nicht.

Treue Haltungssoldaten

Auf die Idee, der Sache auf den Grund zu gehen und das Profil des treuen Haltungssoldaten zu öffnen, komme ich erst jetzt. Mich begrüßen (in etwa dieser Reihenfolge): Das Rezo-Video. Carolin Kebekus. Das Impfbekenntnis im Rundformat. Der Sangessimulant Grönemeyer. Ein Regenbogenfußgängerüberweg. Irgendeine Textverlinkung zu einem mysteriösen mordenden Neuzeitnazi. Georg Restle. Ein lustiger Ausschnitt aus der “Heute-Show”. Ein Artikel zur “Postkolonialen Schuld”. Die geniale Bosetti. Die genialen Toten Hosen. Das geniale Sankt Pauli. Ein halbes Dutzend “taz”-Verlinkungen am Stück. Der eloquente Florian Schröder und Ulrike Hermann, die ja „für sich spricht“. Dann triumphierende “#wirsindmehr”-Buttons natürlich. Znd ein gänzlich unironisch gemeintes Filmchen von den überaus kreativen, stasigeführten “Omas gegen Rechts”.

Hui! Ich gebe zu: Gegen diese normative Kraft des Faktischen ist wenig auszurichten. Ich wische das merkwürdige Universum von links unten nach rechts oben, drücke resigniert aufs Kreuzchen und sehe ein: Hier gibt es für mich nichts mehr zu tun. Ich blicke nach draußen. An der Haltestelle gegenüber liest ein schönes Mädchen ein Buch. Die Welt ist keineswegs verloren.

4 Antworten

  1. Upps, kann ich nicht mitschreiben. Habe nur ein Prepaidultraalthandy ohne Internet, nen W7 mit HotSpot (wenn der Empfang geht) und ich lebe trotzdem. Medien – mal diagonal durch die Alternativen und kurz Internationale. Gut für die Gesundheit.

  2. So sollte es sein..Ein schöne Frau im Arm , ein Buch in der Hand , die Kinder in Sicherheit ausserhalb der EU und gemeinsam schauen wir diesen Irren dabei zu , wie sie das Werk ihrer Naziurgroßeltern vollenden…Deutschland vollends zu vernichten….Sie nannten es “ du mieses Stück Scheisse “ ,“ ersetzbar „, eine “ eklige ,weiße Mehrheitsgesellschaft “ , konnten mit Vaterlandsliebe“ nie etwas anfangen “ , Nation ? Igittt….und werden es zugrunde richten …lassen..und dabei noch kräftig abkassieren…..Was für widerliche Gestalten….der Sch0ß ist fruchbar noch , aus dem das Übel kroch……

  3. Die Leute sind halt süchtig nach irrer täglichen Gehirnwäsche! Verblödung und Masochismus, da kommt jetzt alles zusammen! Überall nur noch pathologischer Neusprech. Deshalb: Musik an und Welt aus! Politische Bildung genießen wann immer es geht! Dummheit ist die Pandemie des 21. Jahrhunderts!