
Ich habe lange gezögert, die Aberkennung des Doktorgrades von Thüringens CDU-Ministerpräsident Mario Vogt im Rahmen einer allgemeinen Beurteilung der Entzugspraxis von Dissertationen zu kommentieren. Da es sich bei ihm jedoch um kein Versehen oder auch nur Kavaliersdelikt, sondern um offensichtlichen Betrug handeln dürfte, wie er sich – mit zunehmender Tendenz – in diesem Land alljährlich wohl in einer Größenordnung von mehreren tausend Fällen ereignen dürfte, möchte ich diese unwürdige Praxis doch einer näheren Betrachtung unterziehen. Bereits vor mehr als einem Jahr habe ich diesen Aspekt hier auf Ansage! aufgegriffen; der folgende Beitrag soll den Lesern einen kurzen Abriss zu den leider zunehmenden unerwünschten Auswüchsen im Rahmen der Vergabe akademischer Grade vermitteln.
Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass die Geschichte unrechtmäßig erworbener akademischer Titel genauso alt ist, wie es diese gibt. Daran schließt sich die Kernfrage an, weshalb die diesbezügliche Aufklärungsquote gerade in der letzten Zeit so steil nach oben schnellt – wobei die Zahl der beim Betrügen Ertappten trotzdem lediglich die Spitze eines Eisbergs darstellt? Der Hauptgrund ist zum einen die schiere Masse an akademischen Graden. In den vergangenen 50 stieg der akademische “Ausstoß” an Doktortiteln – übrigens proportional zur ebenfalls angestiegenen Zahl an inflationär von den Schulen ausgespuckten Abiturienten – sprunghaft an. Zum Vergleich: Als ich 1969 meine Hochschulreife erlangte, legten im Vergleich 10 bis 15 Prozent eines Schülerjahrgangs das Abitur; heutzutage sind es durchgehend weit mehr als 50 Prozent. Zum anderen ist es durch Internet, Suchprogramme und neuerdings auch Künstliche Intelligenz ungleich einfacher, die durchweg auch digital abrufbaren Arbeiten auf Plagiate hin zu überprüfen. Analog wäre ein solche Aufwand praktisch gar nicht durchführbar gewesen, und man kann getrost annehmen, dass natürlich auch schon in früheren Zeiten viele Drittquellen unterschlagen wurden, weil diese kaum festzustellen gewesen wären. Doch heute kann jeder durch das Checken mit entsprechend dafür geeigneter Software Plagiate aufzuspüren, und auf diese Weise lassen sich aus anderen Arbeiten abgekupferte Textstellen und Argumente schnell und bequem lokalisieren.
Copy & Paste eröffnete neue Möglichkeiten
Doch gerade weil diese Entwicklung nicht ganz neu ist und seit der Jahrtausendwende jeder Schummler wissen konnte, dass man ihm mit rasant fortschreitende technischer Entwicklung früher oder später auf die Schliche kommen wird, ist es umso weniger verzeihlich, wenn jemand trotzdem dreist abkupferte. Voigts beanstandete Arbeit stammt aus dem Jahr 2008, die bereits aberkannte Dissertation von Franziska Giffey Giffey sogar erst aus 2010 (wobei darin – besonders blamabel – auch noch Fehler der plagiierten Quellen mittels Copy & Paste in den Text mitübernommen werden).
Ich hatte mit früher nie Gedanken über die Prüfungsmodalitäten von irgendwelchen akademischen Graden gemacht. Dennoch müsste sich jede Person, die einen Hochschulabschluss und erst recht einen Titel anstrebt, eigentlich bewusst sein, dass es sich dabei zwingend erstens um eine eigenständig durchgeführte, originäre Forschungsarbeit mit eigenen Untersuchungen handeln muss, sprich: um selbst erarbeitete Resultate aus einer wissenschaftlichen Tätigkeit, die absolut neue und damit bisher noch nie zuvor veröffentlichte Aspekte aus dem betreffend bearbeiteten Forschungsbereich beinhalten. Und zweitens dürften Doktortitel eigentlich nur für “herausragende Leistungen” verliehen werden. Dabei ist das Zitieren früherer Arbeiten benachbarter und verwandter Fach- und Arbeitsgebiete durchaus nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht, weil dadurch nicht nur die Motivation für das bearbeitete Thema, sondern auch Nutzen und Zweck für die Gesellschaft nachhaltig aufgezeigt wird. Für das Zitieren wie auch die Quellennachweise gelten jedoch klare Regeln. Werden diese in Promotionsarbeiten ignoriert und damit von Dritten erbrachte Forschungsresultate und Ergebnisse nicht als solche gekennzeichnet, sondern als eigene Leistung angepriesen, dann handelt es sich um eine inakzeptable und betrügerische Übernahme fremden geistigen Eigentums, das nicht nur zur Erschleichung eines somit zu Unrecht geführten akademischen Grades oder Hotels führt, sondern vor allem massiv in die geistigen Eigentumsrechte des wahren Urhebers eingreift. In diesem Fall spricht man mit Fug und Recht von einem strafbaren Plagiat.
Klammheimliche Hoffnung, unentdeckt zu bleiben
Vor 40 bis 50, als die digitale Copy & Paste-Methode noch nicht zur Verfügung stand, mussten Plagiate beziehungsweise die diese „kodierenden“ Textpassagen ungleich mühsamer – mit Fingerarbeit – in die Schreibmaschinentastatur eingetippt werden. Diese Arbeit kann man sich allerdings heute ersparen und binnen weniger Minuten den Inhalt ganzer Textabschnitte, wenn auch nicht aus eigener Feder stammend, so doch als eigene intellektuelle Leistung ausgeben und klammheimlich darauf hoffen, dass der Betrug unentdeckt bleibt. Doch seit auf Seiten wie „VroniPlag“ oder später “GuttenPlag“ unzählige akademische “Privatdetektive” per Graswurzelarbeit im Netz Plagiate von Arbeiten aufdecken, und vor allem dank der wissenschaftlichen und hochprofessionellen Recherchen des aus Salzburg stammenden “Plagiatsjägers” Stefan Weber, wurde mittlerweile schon so mancher prominente Promotionsbetrug aufgedeckt. Weber beschränkt sich vor allem auf im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehende “Doktoren” – Prominente und Politiker, doch die Dunkelziffer nicht entdeckter Arbeiten mit Plagiatsanteilen dürfte erheblich sein. Es bräuchte daher mehr abschreckende Urteile durch Gerichte zum Zweck einer Generalprävention – denn auch Promotionsbetrug ist kein Kavaliersdelikt.
Unternehmen wir einen kleinen Schwenk von Doktorarbeiten mit vergleichsweise intelligent kaschierten Plagiatsinhalten hin zu Dissertationen minderer Qualität, die so offensichtlich von Betrug strotzen, dass sie selbst bei Anlegung weniger strenger Beurteilungskriterien niemals hätten akzeptiert werden dürfen. Solche Arbeiten dürften – alleine schon des riesigen Ausstoßes an Doktorgraden wegen (in Deutschland werden jährlich zwischen 27.000 und 30.000 neue Doktortitel vergeben!) – den weitaus größten Teil von mutmaßlich “dolosen”, also eigentlich zurückzuweisenden Dissertationen ausmachen. Interessant ist hier die Frage, in welchen Disziplinen sich solche fragwürdige Dissertationen häufen. Der Schwerpunkt liegt hier natürlich klar bei den Geisteswissenschaften, in denen literaturbasierte Forschungsthemen und ein hoher Anteil an Textexegese zum Tragen kommen. Bei Naturwissenschaften wie Physik, Chemie, Biologie und Pharmazie, aber auch Mathematik, Kristallographie und sogar Archäologie sind oft genug langwierige, sich über Jahre hinziehende experimentelle Anstrengungen erforderlich, die sich durch Fremdübernahmen und Copy & Paste kaum umgehen lassen – anders als bei philologischen Disziplinen. Was natürlich nicht heißen soll, dass Promotionsarbeiten im naturwissenschaftlichen Sektor nicht einer ebenso einer kritischen Überprüfung hinsichtlich möglicher Plagiate unterzogen werden sollten, zumal es mit Sicherheit auch in diesen Fächern solche gibt, wenngleich sie ungleich schwerer zu kaschieren sind (eine Diskussion zum dazu erforderlichen Prozedere würde den Umfang dieses Beitrags bei weitem sprengen).
Dubioser Doktor- und Professorentitel?
Wenden wir uns nun dem jüngsten Plagiats-Skandal zu, der zum Entzugs der Doktorwürde von Mario Voigt führte. Da dieser mittlerweile durch seine Anwälte Beschwerde gegen den Beschluss der Technischen Universität Chemnitz einlegen ließ, muss nach dem Grundsatz in dubio pro reo natürlich (noch) die Unschuldsvermutung gelten, obwohl diese – eben durch die objektiven und penibel dokumentierten Fälschungsnachweise unter anderem von Stefan Jäger – ein rein formaler Einwand ist. Die Beweislast ist erdrücken, zumal sich auch die TU Chemnitz diese Aberkennung ganz sicher nicht aus den Fingern gesogen haben wird. Nicht zuletzt deshalb steht Voigt nun in der Pflicht, ein mögliches Fehlverhalten entweder einzugestehen – oder es mit harten, jederzeit beweisbaren Fakten zu widerlegen, was ihm kaum gelingen durfte. Was mich allerdings irritiert, ist, dass Herr Voigt bis vor kurzem auch noch den Titel „Professor“ führte; erst nun, im Zuge der Aberkennung seines Doktorgrades (respektive der Berichterstattung dazu, die eigentliche Aberkennung erfolgte schon vor mehreren Wochen), erklärte Voigt gegenüber der zuständigen Quadriga-Hochschule, seinen Lehrtitel vorerst nicht mehr zu tragen. Interessant ist in diesem Kontext allerdings die Frage, wie er zu diesem Professorentitel gelangte – denn dazu wäre eigentlich eine zweite wissenschaftliche Arbeit, Habilitation genannt, nötig. Hat Herr Vogt diesem Kriterium Genüge getan? Nach meinem Kenntnisstand war dies nicht der Fall, ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
Weil es sich im Fall von Voigt zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik um den Entzug des Doktortitels eines amtierenden Regierungschefs (also nicht bloß Minister) handele, wäre es aus meiner Sicht jedenfals dringend erforderlich, dass dieser besonders gernemit dem Finger auf andere (etwa die AfD-Opposition) zeigende Vogt sofort sämtliche politischen Ämter ruhen lässt und sogar als Ministerpräsident Thüringen zurücktritt, statt einen der Würde seines Amtes diametral zuwiderlaufenden Eiertanz mit Vorwürfen und billigen Ausflüchten zu vollführen. Andererseits wieder: Wie viele Politiker hätten dann in den vergangenen sechs Jahren aufgrund von Fehlverhalten und sogar schwerwiegenderen Fehlern und Pflichtverstößen zurücktreten müssen und taten es nicht? Für Mario Voigt böte sich hier immerhin die Möglichkeit, als Politiker auch einmal Charakter zu zeigen. Doch das ist von ihm offenbar nicht zu erwarten.
Zu Guttenbergs Ego
Blicken wir zum Abschluss kurz ins Jahr 2011 zurück: Da wurde ein adliger Herr namens von und zu Guttenberg, damals Verteidigungsminister, des Plagiierens überführt – wobei diese damalige CDU-Nachwuchshoffnung ihre offenbar nur aus Prestigegründen eingereichte rechtshistorische Jura-Doktorarbeit als absolutes Schmalspur-Projekt zusammengeschustert und dafür sogar auch noch Quellentexte des Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages eingespannt hatte; dass sein dementsprechend fragwürdiges, mehrere hundert Seiten umfassendes Dissertations-BlaBla vor Plagiaten nur so strotzte, war da wenig überraschend. Doch der Herr aus edlem Geblüt wollte diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen; nach dem Motto “Wenn’s schon mit der politischen Laufbahn nicht klappte – ich will trotzdem Doktor sein!” legte er an der Universität der südenglischen Stadt Southampton im Jahr 2018 erneut eine 488 Seiten umfassende Arbeit vor, die von seinem deutschen Landsmann Professor Dr. Richard Werner, einem Wirtschaftswissenschaftler, betreut wurde. Verständlicherweise löste diese Dissertation in Fachkreisen nicht gerade Begeisterungsstürme aus, und auch der Doktorvater geriet ins Kreuzfeuer der Kritik; inwiefern diese berechtigt war, vermag ich mangels fachlicher Kenntnisse in der Jurisprudenz nicht zu beurteilen und maße mir deshalb auch nicht an, den Stab über andere brechen zu wollen. Doch hat es einen gewissen Hautgout, dass „Herr von und zu“ seine wissenschaftlichen Studie für den zweiten Anlauf nicht an einer deutschsprachigen Universität eingereicht hat. Hat er irgendetwas zu verschweigen?
Es scheint nach alledem so, als würden sich deutsche Politiker und Doktortitel irgendwie nicht vertragen. Generell sollten Personen, die den Doktorgrad vor allem aus Ego-Gründen oder zum Zweck der berufliche Kariere anstreben, obwohl er eigentlich dazu nicht unbedingt nötig wäre, die Finger davon lassen. Denn weder fachliche noch menschlichen Unzulänglichkeiten lassen sich heutzutage über kurz oder lang verheimlichen. Das Internet vergisst nichts – und fördert alles ans Licht.
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16 Antworten
Steigerung von Eigentor?
Plagiator!!!
wenn einer schreibt er ist arzt , in der klink arbeitet und och keiner ist !!!!….hat gelogen wird er weggesperrt obwohl er gutes hinterlassen hat… wenn ein politidiot das gleiche tut und dabei ein land ruiniert ist er der größte in der partei und in diesem drecksstaat… alice räume auf mit pack und gesindel… afd alles für alicedeutschland…
Als ich 1976 meine Diplomarbeit schrieb da wurde es noch sehr genau genommen mit dem Zitieren. Ich sollte ein maschinelles Verfahren entwickeln mit Hilfe dem eines Sprödbruches Material definiert getrennt werden sollte. Diese Maschinen gab es nur im NSW und sollen sehr teuer gewesen sein. Über den Sprödbruch gab es nur eine theoretische Publikation in Deutsch im Westen, die ich auch ordnungsgemäß zitierte, und nichts über den maschinellen Vorgang. Ich fand das Buch in der Kombinatsbibliothek. In der Bibliothek der Bildungseinrichtung gab es nur eine Abschrift. Der Direktor versuchte mich bei der Verteidigung der Diplomarbeit durch mehrmaliges Nachfragen reinzulegen, woraus ich nun wirklich zitierte.
Auf Grund der theoretischen Grundlage führte ich Versuche durch und schaffte somit die mathematischen Grundlagen zur Konstruktion einer Maschine. Die Forschungsabteilung des Kombinates die parallel zu meinen Versuchen daran arbeitete , scheiterte schon mit ihren Vorschlägen in der Stufe Vorbereitung 1 und holte sich heimlich meine Diplomarbeit. Ob da jemals eine Maschine draus geworden ist, bezweifele ich da es an Hand der Berechnungen eine Präzisionsmaschine sein müsste. Was in der der DDR kaum ökonomisch möglich gewesen währe. Also blieb es bei der manuellen Tätigkeit.
Mich wundert das überhaupt nicht, denn das gesamte System BRD basiert auf Lüge, Täuschung, Falschheit und Verrat.
Lug und Betrug überall in der Politik- Konsequenzen?- keine- auch wenn sie „zurücktreten“ finden sie ein gut dotiertes Pöstchen irgendwo oder werden vom Wahlvolk wiedergewählt – deswegen sind sie so arrogant und abgehoben- auch wenn Anklage erhoben wird dann werden die weisungsgebundene Staatsanwälte und auf Linie gebrachte Richter schon dafür sorgen dass alles gut geht – s. CumEx, Mautaffäre, Maskendeals, Pfizere-Mail Affäre, u.a. – sie lügen, wir wissen dass sie lügen, sie wissen dass wir es wissen und trotzdem lügen sie weiter- mit freundlicher Unterstützung der Staatsmedien ARD, ZDF, alle Landessender, und einige sog. Privatsender, die aber nichts anders sind als NGOs, wie RTL, n-tv, usw.
Der Artikel strotzt leider vor Flüchtigkeitsfehlern, es wäre gut, wenn man ihn vor der Veröffentlichung nochmal durchgelesen hätte. Nicht mal der Name wurde richtig geschrieben, wechselnd mal Vogt, mal Voigt…
Und einen Adel gibt es in Deutschland seit über 100 Jahren nicht mehr, das „von“ ist nur noch eine Namensbezeichnung.
Es gibt einen noch viel offensichtlicheren Aspekt, der fast allen entgeht. Soweit ich weiß, bin ich sogar der Einzige, dem dieser Gedanke überhaupt gekommen ist.
Mario Voigts Dissertation befasst sich mit der US-Präsidentschaftswahl 2004 zwischen George W. Bush und John Kerry. Warum betrachten wir etwas, das im Grunde nur aufgeblasene Blogbeiträge sind, als Dissertationen für einen Doktortitel?
Man könnte sich auch fragen, warum eine technische Universität Doktortitel auf der Grundlage solch belangloser Inhalte vergibt.
@warum eine technische Universität Doktortitel auf der Grundlage solch belangloser Inhalte vergibt.
Titelwerkstatt – sollte als „Universität“ aufgelöst werden !
Verehrter Herr Rißer,
vielen Dank für Ihre luziden Überlegungen, die den „status quo“ gut beschreiben.
Ohne mich Ihnen für ein Koreferat andienen zu wollen, möchte ich indes nicht versäumen, den Blick vielleicht auf die Genese des Zustandes zu richten.
Zu meiner Zeit war ein geisteswissenschaftliches Diplom (Lizentiat / oden vergleichbar) mit einer Arbeit von unter 100 Seiten (incl. Apparat) „zu haben“, mit der man hinreichend darlegen konnte, daß man eine Problemstellung hinreichend erfassen und die wesentlichen – auch ggf. kontroversen – wissenschaftlichen Publikationen in ihren Grundzügen kannte und korrekt darstellen konnte.
Eine Promotion setzte dann die intensivere Auseinandersetzung mit einer oder ausgewählten Ansichten zu einem Problem voraus, das in eine begründete persönliche Wertung als Synthese mündete. Im Barock geschah dies durch Arbeiten im Umfang von ~30-50 S., wobei das Wesentliche in der Verteidigung zu leisten war. Zu meiner Zeit war ein Umfang (ohne Einleitung und Apparat: ~150-200 S.) üblich.
Ab Ende/Anfang der 80er/90er Jahre wurden indes zunehmend „die Preise verdorben“, was sich am sprunghaft steigenden Umfang der Dissertationen zeigte. Arbeiten mit 4/5/600 Seiten (und einem zweiten Band mit dem Apparat) waren keine Seltenheit mehr und wurden zunehmend zum Standard. Saß man zu meiner Zeit noch 1/1,5 Jahre an der eigentlichen Arbeit, wurden daraus schnell 2-5 Jahre.
Das lag wohl einerseits daran, daß die Ordinarien bemüht waren, den oft bezweifelten Wissenschaftscharakter ihrer Disziplin oder ihres Faches zu verteidigen und dem Verlust der Erkenntnis, daß die wesentliche wissenschaftliche Arbeit nicht in der Anfertigung einer Dissertation/Habilitation besteht, sondern in der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Veröffentlichungen im Interesse ihrer alltäglichen Nutzanwendung als Forscher, Entwickler, Arzt, Apotheker, Lehrer, Pfarrer oder Ingenieur bestand.
Daß die pränominale Namensverlängerung „Dr.“ zu einer „Prestigefrage“ geworden ist, die natürlich bei den gängigen „Preisen“ (s.o.) zum Betrug einlädt oder ermutigt, hat sich der „Zirkus der akademischen Pseudowissenschaftlichkeit“ mehr oder minder selbst zuzuschreiben. Und so arme „thüringer Würstchen“ wie Wilhelm Voigts Ur-(Ur-?)-Enkel Mario sind zwar konkret Täter, aber auch Opfer dieses „Systems“.
Stefan Weber leistet gute Arbeit, aber das Ganze ist ein wenig manipulativ. Es erwischt immer wieder Leute aus der Politszene und – ohne diese unappetitlichen Individuen verteidigen zu wollen – als sie ihre Dissertationen abgegeben haben, waren sie noch weit von jedem Amt entfernt. Soll heißen: Ursache der Probleme sind die üblen Charaktere; man will seinen Namen mit Titel auf einer Messingplatte neben der Türklingel sehen. Arroganz und Eitelkeit. Mit Verlaub, kann ein Arzt nicht einfach Arzt sein, wie der Klempner Klempner oder die Putzfrau eben Putzfrau? Die sicherste Methode diese Betrügereien zu beenden, wäre den Doktortitel einfach komplett abzuschaffen und den „Professor“ gleich mit. Denn, und ich gebe das zu bedenken, wenn in einer so winzigen Gruppe wie der Politszene so viele mit Plagiaten auffliegen, wie hoch mag dann die Dunkelziffer sein? Wie viele Doktortitel sind auf diese Weise zusammen „gevoigtet“ worden? Wie viele sollten den Titel „Doktor Plagia“ tragen? Abschaffen, sag ich, entziehen, abschaffen und gut is…
Diese universitäre Gemeinschaft ist verletzlich, weil sie mehr auf Vertrauen gegründet ist als auf Kontrolle. Im übrigen können Betrüger sich im akademischen Betrieb schon deshalb nur zu leicht tummeln, weil kaum ein Wissenschaftler noch sein eigenes Fachgebiet zu überblicken vermag.
Natürlich ist die moderne, von linken Professoren durchseuchte Universität längst in der Industriegesellschaft angekommen, produziert Dienstleistungen und Waren. Die Institution, die einmal im fast klösterlich strengen Medium von Ethos und Handwerk als Werk von wenigen gedieh, ist eine säkulare Fabrik der Massen an LINKEN Gutmenschen geworden, nicht zuletzt auch Doktorfabrik. Und natürlich läßt sich schon lange nicht mehr verhindern, dass Wissenschaft käuflich wird : Erkenntnisse werden gekauft, Forschungsergebnisse „teuer“ bestellt, Gutachten bezahlt, akademische Grade „erworben“, Professorentitel gegen Spenden verliehen.
Insofern bereitet es mir eine winzige Genugtuung, dass mit der Überprüfung von Dissertationen durch die hochspezifische software von Computern der Warentest auch in einen Bereich eingeführt wird, dem Tauschwert eigentlich wesensfremd ist.
„Das Internet vergißt nichts…………….“
Ja, aber das grasende Massenschaf schon und hier haben wir das Dilemma:
Die Führung (davon abgesehen das wer das überhaupt braucht sowieso schon nicht mehr alle Kerne im Kürbis hat) „wählt“ nicht das Internet sondern der dummglotzende Untertan.
Insofern ist soetwas wie dieses thüringer Mettbrötchen ein gelungenes Beispiel für ein passendes Aushängeschild „eurer“ ansonsten nur inhaltslosen und betrügerischen Fassadendemokratie. 😥
wegsperren pension streichen gehälter zurück fordern… frech frecher rotzfrech… legal illehal scheißegal… ihr wählerdeppen…
@Plagiieren als akademischer Volkssport
es kommt ja nur auf die Schau an – Quality is a myth – wie unser Verfassungsgericht sagt.
Man muß in bestimmten Stellung so einen Titel vorzeigen können – oder seit neustem – wenigstens mal gehabt haben.
mehr braucht es nicht – denn damit ist die Karriere dann festgenagelt. Dann müssen sie nur noch auf die post-Wahlen-Ära werten und bis dahin am Amt kleben , dann ist ihre Zukunft gesichert. Wer in der NWO einmal im Amt ist, bleibt dort.
Insofern ist ihr Begriff falsch – es ist kein „akademischer Volkssport“ – es ist der „akademische Sport“.
Und wenn wir heute sehen, wie der eine oder andere auffliegt, so ist das keine Reinigung vom Plagiat, sondern der Überlebenskampf um die weniger werdenden Plätze am Futtertrog in der NWO dann.
Da, wo heute 50 Plagiatoren durchgefüttert werden, bleiben dann vielleicht noch 20 – und darum geht es – die Konkurrenz um die wenigen Plätze bei dieser speziellen Reise nach Rom hinauszukegeln.
Als 2016/2017 die Ärzte mit Migrationshintergrund auch meine Stadt fluteten, habe ich (Schlingel) im Internet nach Ausgleich gesucht.. Und gefunden. Ich bin PILOT. Chesna-Pilot. Mit 80 000 absolvierten Flugstunden. Zertifiziert! -für €25.- ausgedruckt.
Deutschland immer totalitärer
Zugriff im sächsischen Landtag: Polizei setzt AfD-Abgeordneten im Landtag fest
So einen Auftakt zu einer Landtagssitzung gab es noch nicht! Im sächsischen Landtag haben Polizeibeamte den AfD-Abgeordneten Jörg Dornau (56) festgesetzt. Nach BILD-Informationen führten die Ermittler den Politiker in einen separaten Raum zur Befragung. Parallel wurden seine Wohn- und Geschäftsräume sowie Fahrzeuge in Rötha bei Leipzig durchsucht.
https://www.bild.de/politik/inland/sachsen-polizei-setzt-afd-abgeordneten-dornau-im-landtag-fest-6981fe2548913c2281394270