Der geduldige Weg aus der iranischen Falle

Der geduldige Weg aus der iranischen Falle

Es braucht viele Anstrengungen bis der Wunsch des iranischen Volkes und von Millionen Exil-Iranern auf eine stabile neue Zukunft erfüllt werden kann (Foto:Imago)

Eine Voraussetzung für jeden westlichen Erfolg im Iran ist das Verständnis der Hauptstrategie aller Islamisten: die Provokation Israels und der USA. Denn die ausgelösten westlichen Vergeltungsschläge bringen ihrer Zivilbevölkerung exakt das Leiden, das ihnen nach entsprechender Medienberichterstattung Wogen der Sympathie, Unterstützung und Ausbreitung ihrer Ideologie einträgt. Angesichts dieser Strategie war es vorhersehbar, dass die Verhandlungen mit dem Regime in Teheran nicht zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen würden. Diese Situation lässt kurzfristig zwei Möglichkeiten offen.

Die erste ist ein sofortiger Regimewechsel. Dies ist der Wunsch der meisten Iraner und auch Kern des Konzepts eines weitgehend gewaltfreien 9-Punkte-Plans (siehe hier).  Die freiheitsliebende Haltung der Bevölkerung ist ein unschätzbares Gut, das sorgsam bewahrt und gefördert werden muss. Daher muss die oberste Regel in jedem Befreiungsprozess sein, Zivilisten und deren Eigentum nicht zu schädigen. Die Zerstörung von Infrastruktur und Wohnraum wäre höchst kontraproduktiv. Es ist unerlässlich, die Lehren aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan – sowie aus dem ähnlich fehlgemanagten Gaza-Krieg – zu ziehen. Dementsprechend muss die Regierung Netanjahu die Anwendung ihrer selbstbeschädigenden Dahiya-Doktrin gegen die Hisbollah im Libanon unverzüglich einstellen.

kontraproduktiver Einfluss des MIC

Die zweite Option wäre in der gegenwärtigen Situation unbefriedigender Verhandlungen ist der Rückzug aus der Golfregion nach Abschluss eines nicht zufriedenstellenden Vertrages. Gegen diese Alternative sprechen gleich drei Gründe. Erstens würde selbst ein besseres Abkommen mit dem Regime weder ein nachhaltiges Zusammenleben in der Region garantieren noch die internationale Ausbreitung von Islamismus und Terrorismus stoppen. Zweitens sieht sich die Führung in Teheran wachsendem internen Widerstand gegenüber. Die iranische Bevölkerung, die seit der betrügerischen Machtübernahme durch das theokratische Regime 1979 brutal unterdrückt wird, hat den Islamismus endgültig satt und strebt nach einer echten Demokratie. Und drittens würde der kontraproduktive Einfluss des Militärisch-industriellen Komplexes (MIC) dadurch erhalten bleiben.

Was jedoch wirklich anzustreben und worauf in den kommenden Monaten oder Jahren  geduldig, friedlich und zielstrebig hinzuarbeiten ist, wäre eine dritte Option: Eine tragfähige,  langfristige, stabile Lösung, auch, damit ein ähnlicher Befreiungsplan in ähnlichen Fällen anderswo Zukunft sicherer umgesetzt werden kann. Offenbar jedoch hat die Trump-Regierung die Lehren aus der langen Reihe fruchtloser und letztlich selbstmörderischer Kriege von Vietnam bis Afghanistan noch immer nicht ausreichend gezogen. Bevor aber das US-Militär und der Geheimdienst jemals wieder in solch umfangreichen Missionen eingesetzt werden können, muss dieser unzuverlässige Staat im Staate gesäubert und unter effektive demokratische Kontrolle gebracht werden. Dies gilt insbesondere für den kontraproduktiven Einfluss des MIC.

Die korrekte Gegenerzählung

Es braucht also ein langfristiges psychologische Programm, um diese dritte Option erfolgreich umzusetzen. Zunächst muss dem korrekten Narrativ zur Erkenntnis und Verbreitung verholfen werden, dass es sich bei der Revolution von 1979 im Iran um einen beispiellosen Souveränitätsbetrug handelte, auf dem die Mullah-Herrschaft begründet wurde. Um die Theokratie schrittweise zu untergraben, ist es daher unerlässlich, ihren Gründungsmythos als betrügerisch und illegitim zu entlarven. Das Regime leitet seine Autorität von der Revolution von 1979 ab und stilisiert diese als legitimen Volksaufstand. Die korrekte Gegenerzählung muss das Jahr 1979 jedoch systematisch umdeuten – nicht als heiliges Ereignis, sondern als raffiniertes verfassungsrechtliches Täuschungsmanöver.

Die Erbsünde des Regimes ist bis heute der Verrat an den Verheißungen und Zielen der damaligen Überwindung der Schah-Herschaft: Die Öffentlichkeit und die unteren Ränge des Militärs sind daran zu erinnern, dass den Millionen, die 1979 demonstrierten, die Freiheit versprochen wurde – doch sie bekamen noch mehr Diktatur und Barbarei. Der damalige Pseudo-Verfassungsputsch ist daher als solcher zu entlarven und es muss hervorgehoben werden, wie die radikale Klerikerelite die säkularen und nationalistischen Revolutionäre systematisch ausmanövrierte und den Verfassungsentwurf so umschrieb, dass er das absolute Vetorecht des Obersten Führers (Velayat-e Faqih) einführte. Die Darstellung muss verändert werden, dass die Protestbewegung im Iran nicht “den Staat stürzt“ sondern das ursprüngliche, unerfüllte Versprechen der iranischen Souveränität gegenüber einer ideologischen Besatzungselite durchsetzt. Ein historischer Irrweg wird dadurch korrigiert.

Der „BBC-Hinwendungspunkt“ und die historische Wiedergutmachung

Es muss auch die Rolle der Medien kritisch hinterfragt werden. Vor und während Khomeinis Machtübernahme 1979 fungierte der persische Dienst der britischen BBC unbeabsichtigt als sein Sprachrohr, indem er seine Reden und Tagespläne wortgetreu ausstrahlte und ihm so immense, unverdiente Legitimität verlieh. Notwendig wäre moralischer Druck, um diese fatale Schützenhilfe für die islamistische Propaganda endlich kritisch aufzuarbeiten. Eine koordinierte diplomatische und PR-Kampagne iranischer Diaspora-Organisationen und westlicher Regierungen sollte die BBC unter Druck setzen, ausführliche historische Rückblicke auf den Übergang von 1979 auszustrahlen.

Andere öffentlich-rechtliche Sender wie “Voice of America” und auch die bundesdeutsche “Deutsche Welle” können ebenfalls zur Teilnahme aufgefordert werden. Entscheidend ist dabei der Schwerpunkt auf der inhaltlichen Neuausrichtung; es geht nicht um die Ausstrahlung offener Gegenpropaganda, welche die Glaubwürdigkeit untergräbt, sondern um unerbittliche, objektive Aufdeckung.

Vermeidung einer psychologischen Falle

Um zu verhindern, dass sich das Regime in einem verzweifelten Überlebenskampf vereint, muss der Plan eine „goldene Brücke“ bis zum letzten Moment offenhalten. Die Architektur des Ausstiegs muss sichtbar, glaubwürdig und über Monate und Jahre hinweg konsequent kommuniziert werden. Ein wesentlicher Aspekt, gerade mit Blick auf die notwendige Überführung der Revolutionsgarden in eine künftige demokratisch legitimierte neue Ordnung, ist dabei die Entpolitisierung des Berufssoldaten: Das langfristige Narrativ muss ständig wiederholt werden. dass das Berufsmilitär von der ideologischen Elite zu trennen ist.. Zur Rechenschaft gezogen wird nur ein sehr kleiner Kreis hochrangiger Menschenrechtsverletzer und korrupter Oligarchen.

Dies ist unverzichtbar, um eine Deeskalationsleiter zu errichten, die zu Rechtsfrieden und Akzeptanz für die neuen Ordnung hinführt – durch Amnestien und kooperativer Einbindung. Offiziere der mittleren Ebene müssen sicher sein können, dass ihr problemloser Übertritt garantiert ist. Dies muss Jahre vor der eigentlich Vollendung der Befreiung klar sein. Dieselbe Garantie gilt für Arbeitsplätze und Pensionen in der Verwaltung. So bleibt die Transition ähnlich planbar, wie dies nach dem Ende der Franco-Diktatur in Spanien funktionierte, und wirkt nicht wie eine beängstigende, chaotische Säuberung. Eher muss es sich um eine zwar unvermeidliche, aber professionell durchzuführende Reorganisation handeln, bei der die unteren und mittleren Ebenen des Staatsapparats ihre Loyalität nach dem Machtwechsel praktisch von selbst wieder dem Staat zuwenden.

3 Kommentare

  1. Ganz schön blauäugig -Herr Hamann.. -schon mal was von Taquyyja gehört? Keine Verträge mit Musels – die werden eh gebrochen! Der Islam lebt uns allen seine Doktrin vor! IQ läßt sich nicht erzwingen!

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    1. Schön, dass Sie auch sehen, dass der Islam uns seine Doktrin, seine politische Kernideologie vorlebt, nach welcher das vom Propheten empfangene und verkündete Recht über dem weltlichen steht. Im Klartext bedeutet das, dass ein nicht reformierter und nicht reformwilliger Islam auf der Gültigkeit der Scharia besteht und allein schon damit nicht mit einem freiheitlichen Rechtsstaat kompatibel ist.
      Dass sich der Islam seit den Reformen Kemal Atatürks vor 100 Jahren wieder doktrinär verhärtet hat, haben westliche Medien, westliche Politiker und einflussreiche Kreise hinter den Kulissen verschuldet. Dieselben haben auch die Eingriffe der CIA und des MI6 in die bereits fortgeschrittene Demokratisierung im Iran mit dem Sturz des demokratisch legitimierten Premierministers Mossadegh zu verantworten und ebenso den erneuten Regierungswechsel 1979 zugunsten Khomeinis.
      Mit einer – nach Atatürk – erneuten Bändigung der islamischen Religionsführer unter einen demokratischen Rechtsstaat können islamische Länder erstens intern ihren Bürgern Freiheiten gewähren, wenn auch nicht so weitgehende wie im Westen. Vor allem werden sie aber außenpolitisch kompatibel mit westlichen Demokratien, wenn der Dschihad aus dem Programm verschwindet.
      Mit der Taquyya spielen Sie auf ein Zusammenleben von Moslems als Minderheit und Nichtmoslems als Mehrheit an. Da gebe ich Ihnen 100%ig Recht, wenn Sie davon ausgehen, dass erstere den letzteren nicht erzählen werden, dass sie darauf hinarbeiten, zur Mehrheit aufzusteigen und dann das Ruder in die Hand zu nehmen, um es nie wieder loszulassen. – Nur hat die Befreiung der Iraner , die Gegenstand dieses Artikels ist, damit nicht unmittelbar zu tun. Indirekt aber schon, denn die Einhaltung oder Nichteinhaltung der Verträge durch das Mullahregime ist ja in dem Moment irrelevant, wenn es endlich abgesetzt wird. In der Tat wird es vorher keine Ruhe geben – schon DESHALB musste dieser Artikel sein.

      Hätten Sie mal einen Blick auf meine Homepage geworfen! https://www.frieden-freiheit-fairess.com. Da finden sich sehr viele und sehr klare Aussagen zum Nahostkonflikt einschließlich Irankrieg. Darüber können wir gerne sachlich diskutieren.

  2. die Iranfalle ist die Falle in die Trump die doofen Europäer hineingelockt hat
    Was geht UNS der Iran an?

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