Der Iran zwischen Eskalation und Durchhaltewillen

Der Iran zwischen Eskalation und Durchhaltewillen

Epizentrum der globalen Sicherheitsbedrohung: Der Iran (Grafik:ScreenshotFacebook)

Die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten deuten auf eine weitere Verschärfung der ohnehin angespannten Lage zwischen dem Iran, den Vereinigten Staaten und ihren regionalen Verbündeten hin. Nach Berichten über Angriffe auf mindestens sieben militärische Einrichtungen, während zivile Infrastruktur offenbar verschont blieb, steht die internationale Gemeinschaft vor der Frage, wie Teheran auf die zunehmenden militärischen und politischen Herausforderungen reagieren wird. Gleichzeitig haben die iranischen Revolutionsgarden ihrerseits die Spannungen deutlich erhöht. Berichten zufolge wurden mindestens zwei Schiffe mit Marschflugkörpern angegriffen. Zudem erklärte die Führung der Revolutionsgarden die Straße von Hormus für geschlossen – eine Ankündigung mit potenziell weitreichenden Folgen für den weltweiten Energiehandel. Hinzu kommen Raketen- und Drohnenangriffe auf Ziele im Nordirak, die zeigen, dass Teheran weiterhin über die Fähigkeit verfügt, militärische Macht über seine Grenzen hinaus einzusetzen.

Trotz dieser Aktivitäten befindet sich die Islamische Republik in einer schwierigen strategischen Lage. Wirtschaftliche Sanktionen, internationale Isolation, innenpolitische Spannungen und militärischer Druck haben die Handlungsspielräume des Regimes erheblich eingeschränkt. Aus westlicher Sicht könnte dies eigentlich ein Zeitpunkt sein, an dem die iranische Führung nach Wegen zur Deeskalation sucht. Doch die bisherige Reaktion deutet auf eine andere Logik hin. Die politische und militärische Führung in Teheran scheint nicht bereit zu sein, unter äußerem Druck nachzugeben. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass das Regime seine Glaubwürdigkeit und sein Überleben eng mit dem Widerstand gegen ausländischen Druck verknüpft. In diesem Zusammenhang drängt sich eine historische Parallele auf.

Ähnliche Grundlogik

Während des Zweiten Weltkriegs kämpften sowohl das nationalsozialistische Deutschland als auch das Kaiserreich Japan noch in Phasen weiter, in denen ihre strategische Lage bereits äußerst kritisch war. Die politische Führung beider Staaten setzte auf Durchhaltewillen, Hoffnung auf eine Wendung der Lage und die Überzeugung, dass ein Nachgeben gefährlicher sein könnte als die Fortsetzung des Konflikts. Natürlich unterscheiden sich die historischen, ideologischen und militärischen Rahmenbedingungen erheblich vom heutigen Iran. Dennoch weist die Grundlogik gewisse Ähnlichkeiten auf: Eine Führung, die ihre Legitimität aus Widerstand und Standhaftigkeit bezieht, kann selbst unter widrigsten Umständen bereit sein, hohe Kosten in Kauf zu nehmen.

Vor diesem Hintergrund erscheint es fraglich, ob militärischer Druck allein zu einer grundlegenden Änderung der iranischen Politik führen wird. Vielmehr könnte Teheran versuchen, seine Gegner davon zu überzeugen, dass es auch unter schwierigsten Bedingungen handlungsfähig bleibt und bereit ist, den Konflikt über einen langen Zeitraum fortzusetzen. Interessant ist dabei die Haltung Washingtons. Amerikanische Beamte betonen weiterhin, dass Präsident Donald Trump die diplomatischen Kanäle nicht vollständig aufgegeben habe. Selbst nach den jüngsten Angriffen sollen über katarische Vermittler Botschaften nach Teheran übermittelt worden sein.

Entschlossenheit der Teheraner Führung nicht zu unterschätzen

Demnach seien die amerikanischen Angriffe als Reaktion auf den Drohnenvorfall gedacht gewesen, bei dem eine Apache-Besatzung beinahe ums Leben gekommen wäre, nicht jedoch als Auftakt zu einem umfassenden Krieg. Diese Signale zeigen, dass beide Seiten offenbar noch versuchen, die Eskalation unterhalb der Schwelle eines offenen Großkonflikts zu halten. Dennoch steigt das Risiko von Fehleinschätzungen mit jedem weiteren militärischen Zwischenfall. Die kommenden Tage dürften daher entscheidend sein. Die Vereinigten Staaten, ihre regionalen Partner und große Teile des Nahen Ostens warten auf die nächste iranische Reaktion. Ob Teheran den Weg weiterer Eskalation wählt oder ob diplomatische Kanäle doch noch Wirkung entfalten, wird maßgeblich über die weitere Entwicklung der Krise entscheiden.

Eines zeichnet sich jedoch bereits jetzt ab: Wer davon ausgeht, dass der Iran allein aufgrund seiner schwierigen Lage zu schnellen Zugeständnissen bereit sein wird, könnte die Entschlossenheit der Führung in Teheran unterschätzen. Die Geschichte zeigt, dass Staaten und Regime nicht immer dann nachgeben, wenn ihre Lage objektiv am schwierigsten erscheint. Manchmal führt gerade die Wahrnehmung existenzieller Bedrohung dazu, dass sie ihren Widerstand noch verstärken.

8 Kommentare

  1. Auch dem weitgehend isolierten Iran wird eines Tages die Puste ausgehen. Dann sind seine Vorräte erschöpft.

    Wer kein Pulver mehr hat, kann nicht mehr schießen. So einfach ist das.😜

  2. Das sind die Vereinigten Arabischen Emirate, die da in der Karte gekennzeichnet sind, aber kein Iran.
    Der liegt östliche vom Irak.
    Ich hoffe, der Artikelschreiber weiß, wo Osten ist und wo der Irak liegt ….

      1. Oh je … 🙁
        Ich lag auch falsch. 🙁 Danke für die Korrektur.
        Na jedenfalls ist es nicht der Iran.

    1. Ich weiß sehr wohl wo der Iran liegt und auch wo der mittlere Osten liegt.
      Das ist ein Bild..mehr nicht
      🤣

      1. Das ist ein falsches Bild. Eine Lüge.
        So etwas kann mal korrigieren, aber Sie machen das nicht, sondern verteidigen den Fehler. Wie dumm.

  3. Ich war gestern Abend wieder bei der TAZ um mir einige Artikel und Leser-Kommentare über Russland, die EU und über die Ukraine durchzulesen.
    Der Tenor überall derselbe:
    Russland ist angeblich eine extrem brutale Diktatur.

    „Lügenkanzler“ Merz über Russland: Russland im „Zustand der tiefsten Barbarei“
    https://www.focus.de/panorama/welt/merz-russland-im-zustand-der-tiefsten-barbarei_12ba426a-3a4a-40d5-8885-0a24ea034f4a.html

    Die EU ist laut TAZ-Lesern eine blühende liberale Demokratie.Und in der Ukraine blüht angeblich dank Selenskij ebenfalls die Demokratie. Unfassbar, wie viel Schwachsinn die Leute, vor allem die Kommentatoren dort verbreiten.Dass Selenskij eben kein Demokrat ist, sondern ein waschechter Diktator,der die Demokratie dort abgeschafft und beseitigt hat, davon wollen die Leute bei der TAZ überhaupt nichts wissen, nichts lesen dun nichts hören.
    Das sei alles Putin’s Staatspropaganda.

    Wolodymyr Selenskyj hat in der Ukraine praktisch alle Oppositions-Parteien verboten und konzentriert seine Medien-Macht. Kritik im Westen? Wird als russische Propaganda abgetan
    https://weltwoche.ch/daily/wolodymyr-selenskyj-hat-in-der-ukraine-praktisch-alle-parteien-verboten-und-konzentriert-seine-medienmacht-kritik-im-westen-fehlanzeige/

    Ukraine: Wie ein Komiker zum Diktator geworden ist
    https://www.anti-spiegel.ru/2021/ukraine-wie-ein-komiker-zum-diktator-geworden-ist/

    Putin hat angeblich Angst, dass in seiner Nachbarschaft (in diesem Fall die Ukraine) eine blühende Demokratie entsteht , heißt es dann bei der TAZ.
    Ich glaube die Leute in Deutschland haben aus der Coronazeit überhaupt nichts dazugelernt. Die glauben wirklich an jeden Mist, den die MSM Medien denen vorkauen und servieren.
    Es ist unglaublich…

  4. Insider Robert Barnes: So ticken Trump und seine Regierung wirklich
    Ein Interview von Ex-Oberstleutnant Daniel Davis mit dem Verfassungsrechtler und früheren Trump-Berater Robert Barnes liefert ein schonungsloses Bild der inneren Abläufe im Weißen Haus. Er erklärt, warum es trotz wiederholter Verhandlungsfortschritte immer wieder zum Abbruch und zur Bombardierung kommt.

    Robert Barnes, der Trump 2020 noch persönlich als Anwalt beraten hat, zeichnet ein ernüchterndes Porträt. Der Trump von heute sei nicht mehr der Trump von 2020. Damals sei er rational, informationshungrig und zu echter Planung fähig gewesen. Heute dominiere Angst sein Handeln – und eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbsttäuschung („confabulation“). Trump operiere wie ein Kleinkind, das von wechselnden Ängsten getrieben werde: Mal fürchtet er einen wirtschaftlichen Kollaps, mal den Zorn des Israel-Lobby und von Fox News, mal, wie Obama oder Jimmy Carter dazustehen.
    Barnes:

    „Think of Trump as a toddler driven and motivated by fear, and you’ll be able to predict and actually persuade him accordingly.“
    (Stellen Sie sich Trump als ein Kleinkind vor, das von Angst getrieben und motiviert wird, dann können Sie sein Verhalten vorhersagen und ihn entsprechend beeinflussen.)

    Dieses Wechselbad der Emotionen erklärt die absurden Widersprüche der letzten Wochen und Monate. Laut CNN hat Trump seit Anfang April 38-mal öffentlich behauptet, ein Deal mit Iran stehe kurz bevor. Vizepräsident JD Vance wurde mehrfach losgeschickt, um die Öffentlichkeit auf einen baldigen Abschluss einzustimmen – nur damit Trump kurz darauf wieder mit neuen Bombenangriffen droht oder diese sogar ausführt.
    Hin-und-Her als Regierungsstil

    Barnes berichtet von mindestens sechs bis sieben Gelegenheiten, bei denen ein Memorandum of Understanding oder sogar ein fertiger Deal bereits ausgehandelt war. Iran forderte zunehmend keine bloßen Unterschriften mehr, sondern sichtbare Schritte: Geld freigeben, Schiffe durchlassen, Truppen abziehen. Jedes Mal habe Trump zugestimmt – und dann im letzten Moment zurückgerudert.
    https://tkp.at/2026/06/11/insider-robert-barnes-so-ticken-trump-und-seine-regierung-wirklich/