Der Krieg aus 11.000 Metern Höhe

Der Krieg aus 11.000 Metern Höhe

Hoch über dem Sterben: Linienflug über die Ukraine (Screenshot:Opendrive)

Flug TG 925 über dem Schwarzes Meer, an einem Sommertag um 17.54 Uhr. Die Stewardessen der Thai Airways räumen die letzten Plastikteller des Abendessens weg. Es gab wahlweise Beef oder Hähnchen mit Nudeln und Erbsen. Ich war auf dem Rückflug von München nach Bangkok. In Deutschland hatte ich mich einer Operation unterzogen. Ursache war ein Motorradunfall in Pattaya, bei mich ein Auto von hinten gerammt hatte. Eile war wegen einer drohenden Querschnittslähmung geboten, und in München konnte man diese schnelle Hilfe leisten: Ich konnte, wenn auch auf Krücken, wieder gehen.

Irgendwo unter uns fällt ein Schuss. Er ist hier oben in 11.000 Metern Höhe nicht zu hören. Ein Soldat fällt. Er ist von hier oben nicht zu sehen. Als ehemaliger Soldat schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: Soldaten sterben nicht. Sie fallen. Das klingt humaner. Und doch wird nun irgendwo in Russland oder in der Ukraine eine Mutter auf ihren Sohn warten, der nicht mehr zurückkommt.

Vereint in ihrem Schmerz um die gefallenen Söhne

Ich trinke meine letzte Pfütze Rotwein. Andere rücken die Lehne in Schlafposition. Unter uns sterben Menschen. Die einen für einen Despoten, der sein Reich erweitern will, die anderen für einen, der sich seine Taschen noch nicht voll genug gestopft hat. Menschen, die sich nicht kennen, stehen sich feindselig gegenüber. Bereit, einander zu töten, aufgehetzt durch ihre Herrscher. Nur die Mütter der Toten sind vereint in ihrem Schmerz um die gefallenen Söhne.

Auch ich bin müde, aber ich warte noch mit dem Schlafen, weil wir gleich die Stelle passieren werden, an der der Krieg mich persönlich berührt: Denn wenig später zieht Sochi nördlich unter mir vorbei. Irgendwo da unten lebt Mark. Mark ist der beste Freund meines Enkels Morgan. Die beiden gingen in Pattaya in dieselbe Schule. Mark ist der Sohn eines Russen, der in Thailand arbeitete. Morgan ist Sohn eines Thailänders, den ich als Kind adoptierte und dem ich in Deutschland Schule und Ausbildung ermöglichte.

Verheizt als Kanonenfutter

Vor etwas über einem Jahr haben sich die beiden Schüler auf dem Flughafen Suvarnabhumi verabschiedet. Mark musste mit seinem Vater zurück nach Russland. Es flossen Tränen. Beide gingen nach dem Abi auf die Universität. Der eine in Thailand, der andere in Russland. Doch während mein Enkel seine Examen schreibt, starrt der andere auf seinen Einberufungsbefehl. Mark soll im Oktober zum Militär und irgendwo da unten als Kanonenfutter an der Front verheizt werden.

Ich wische mir eine Träne aus dem Augenwinkel. Was soll ich meinem Enkel nach der Landung sagen: Ich bin gerade nahe an deinem Freund vorbeigekommen? Ich fühlte seine Nähe, konnte ihn aber nicht sehen?  Vielleicht sehe ich ihn nie wieder – weil ein Despot ihn durch den Fleischwolf drehen will. Ich zerdrücke meinen leeren Rotweinbecher. Ich zerdrücke ihn vor Wut, dass man als einzelner Mensch nicht die Macht hat, diesen Wahnsinn zu stoppen.

23 Antworten

    1. Die asiatischen, wie z. B. Cathay dürfen, die europäischen nicht.Finnair fliegt über den Nordpol nach Japan.

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  1. In Russland gibt es allgemeine Wehrpflicht. Studenten werden aber nicht eingezogen. Der Einberufungsbefehl kommt erst nach dem Studiumabschluss.
    Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, als Wehrpflichtiger in der Ukraine eingesetzt zu werden, eher gering, denn die meisten dort sind Berufssoldaten, „Kontraktniks“ genannt.

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  2. Emotionales Gefasel im Dusel, nach der letzten Pfütze Rotwein?
    Schon beim SPIEGEL versucht?

    Über den Wolken
    Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
    Alle Ängste, alle Sorgen
    Sagt man
    Blieben darunter verborgen
    Und dann
    Würde was uns groß und wichtig erscheint

    Plötzlich nichtig und klein

    Putin! m,m,m,m,m,m,hmmm.

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  3. Rührselige Geschichte, aber einseitig! Despoten gibt es überall, kriegslüsterne Männer und Frauen, die sich einen Dreck um Menschlichkeit und Achtung vor dem Leben eines jeden einzelnen kümmern. Sie sitzen an den Schaltstellen, der Macht, skrupellose Gestalten, geleitet von Gier und Korruption! Sie sind das Böse auf der Erde, die Gewalt und die Verachtung!

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    1. Genau. Da muß man nur nach Brüssel schauen…
      Kriminelle Despoten, die Menschen zu Insektenfressern machen wollen, die Völkermord durch Einwanderung vorantreiben, die hochgiftige Gen-Injektionen aufzwingen, die Familien zerstören und neue „Geschlechter“ erfinden, die Reisefreiheit und Mobilität einschränken, die alles mit Klimalügen begründen, die Landwirte liquidieren und Lebensmittel vernichten, die Enteignung und Wohlstandsvernichtung betreiben, die Milliarden an Volksvermögen pulverisieren, die knallharte Zensur und Totalüberwachung betreiben…. und so weiter.
      Der größte Krieg läuft gegen Europa – vor allem gegen Deutschland.

  4. Sehr geehrter Herr Kothny.

    Ihre Geschichte regte mich zum Nachdenken an. Ihre Gedanken über die trauernden Mütter sind sehr tiefgehend. Es kämpfen, wie immer, „Menschen gegeneinander, die sich nicht kennen, weil Menschen die sich kennen, nicht miteinander reden.“ Die Geschichte der Menschheit…

    Aber gerade jetzt, in dem Moment, indem einer der angesprochenen Akteure seine Gesprächsbereitschaft doch sehr deutlich zeigt, in einer Zeit in der der Begriff „Bussifiziert“ endlich auch in den Mainstream Medien auftaucht, verstehe ich ihre weiteren Gedanken überhaupt nicht. Was wollen sie dem Leser sagen?

    Über die Hintergründe des Krieges ist doch nun genügend gesagt. Es ist eben nicht der Krieg „eines Despoten, der sein Reich vergrößern will.“ Es ist der Krieg von Verbrechern, die der Meinung sind, sich immer noch Alles herausnehmen zu können!

    In Russland kämpfen „Vertragssoldaten“ die (natürlich auch motiviert durch die Zahlungen des Staates) im entfernten Sinne des Wortes „freiwillig“ unterschreiben. Und nicht wie in der Ukraine auf der Straße eingefangen werden! Wo ist hier der Despot?

    Und meiner persönlichen Erfahrung nach, auch ich habe einen Adoptivsohn, werden Studenten der Hochschulen, Universitäten eben nicht „eingezogen“. Und schon gleich gar nicht „als Kanonenfutter an der Front verheizt werden.“

    Tränen fließen eigentlich bei jedem Abschied…

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  5. Der „Despot“ schützt seine Landsleute, die seit mittlerweile 10+x Jahren von einem neonazistischen Clan mit Unterstützung des „BRD“ Regimes verfolgt, erschossen, der Renten beraubt, von der Wasserversorgung abgeschnitten und ob ihrer Sprache und Kultur diskriminiert werden. Und die in Referenden der Russischen Föderation beigetreten sind.
    Landsleute schützen ist in der „BRD“ ohnehin ein verlorengegangener Wesenszug der Politik.
    Der Schreiberling kapiert es noch immer nicht, also werden wir auch weiterhin solchen Mist lesen müssen.
    Oder finden es einige Leute sogar toll, daß sie hier alles „Rechte“ verfolgen, in der Ukraine aber engagiert fördern? Rache für den 8.5.1945. Wie geschichtsvergessen.

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    1. Gewisse Kreise wollten die Osterweiterung der NATO und die Bodenschätze der Ost-Ukraine.
      Also mußte ein Umsturz, durch Frau Neuland vom selbst auserwählten Volk finanziert, her, die russische Sprache im Osten verboten werden, der Osten beschossen werden (14.000 tote Zivilisten) und letztendlich der vorhautlose Pimmelpianist S. als Präsident eingesetzt werden. Westliche Werte eben!

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  6. Der “Hassprediger” Trump versucht, den Wahnsinn zu stoppen-während europäische Politiker ihn noch befeuerten. Ich wünsche uns allen , dass er erfolgreich sein wird.

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  7. Wer immer noch glaubt, dass „der eine Despot“ den Krieg führt. weil er sein sein Reich erweitern will, hat den Schuss nicht gehört – auch wenn er sich nicht in 11.000 Metern Höhe befindet. Für einen ehemaligen Soldaten ist das schon bedenklich. Ganz besonders, wenn er (vermutlich) in einer NATO- Armee gedient hat.
    Selbst in Pattaya sollte man an Informationen außerhalb der Mainstream- Blase kommen. Oder ist dort wirklich nur die „BLÖD“ erhältlich?
    Und Stewardessen heißen neuerdings Flugbegleiterinnen…

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  8. @“Die einen für einen Despoten, der sein Reich erweitern will, die anderen für einen, der sich seine Taschen noch nicht voll genug gestopft hat.“
    Diese Aussage ist rund rum falsch und zu einseitig. Der Krieg hat andere Ursachen. Unter Anderem das Streben nach der Osterweiterung der Nato. Alle Soldaten auf der Welt sind letzten Endes Kanonenfutter für ihre Herrscher.

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  9. Wenn man einmal davon absieht, dass die Grundursache dieses elenden Bruderkrieges ursprünglich geldgeile Psycholopathen aus Übersee waren, sehe ich das nicht anders.

    Den Russen kann man wohl am ehesten deren Langmut und Blauäugigkeit ankreiden …

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  10. Ja, es müßte sowas wie einen Generalstreik geben. Alle Soldaten schießen nicht mehr aufeinander. Hört sich naiv an, wäre aber sehr schön.

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  11. Schön mit Propaganda-Narrativen („Despot, der sein Reich erweitern will“, „verheizen“) durchtränkter, emotionaler Standpunkt zum Thema Kriegführen. Damit der Leser auch gleich einordnen kann, welche Haltung die richtige ist.

    Ein Artikel, wie ich ihn in taz, ZEIT oder Spiegel jederzeit lesen kann, wenn ich wollte und unbedingt mal wieder geistig abkotzen möchte. Ist es das Ziel von ANSAGE, damit konkurrenzfähig zu werden ? Dann seid ihr auf einem guten Weg…

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  12. Ich, ich, ich. Um sich selbst von nutzlosen Wiederholungen zu befreien, die nur dem eitlen Ego schmeicheln, empfiehlt Aleister Crowley jeweils einen Schnitt mit der Rasierklinge. Und dann darfste, Herr Kothny, wirklich weinen.

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  13. Putin-Trump-Gipfel
    Wie die Europäer eine Einigung im Ukraine-Konflikt verhindern wollen
    Nachdem bekannt wurde, dass es in der Verhandlungen zwischen den USA und Russland über die Ukraine so große Fortschritte gegeben hat, dass es zu einem Treffen von Trump und Putin kommt, sind die Europäer alarmiert und versuchen zusammen mit Kiew eine Friedenslösung zu verhindern.
    https://anti-spiegel.ru/2025/wie-die-europaeer-eine-einigung-im-ukraine-konflikt-verhindern-wollen/

  14. Kleine, hübsche Geschichte. Aber erstaunlich, wie viele da was hineingeheimnissen oder rummeckern. Sind das die, die immer was zum Meckern finden wollen? Das berühmte Haar in der Suppe?
    Das, was der Artikel beschreibt, geschieht ja auch deshalb, weil wir mit einem Klick allen Ärger auf der Welt bereits zum Morgenkaffee auf dem Bildschrim haben. Vor einiger Zeit las ich in den Kieler Nachrichten einen Artikel über eine Schießerei in Texas. Was hat das denn eigentlich für eine Relevanz? Immer wird irgendwo irgendwer gerade erschossen. Ist das wirklich wichtig für mich, wenn in Indonesien mal wieder eine völlig überladen Fähre absäuft, in Bolivien mal wieder ein Bus in einen Abhang stürzt? Aber auch: Seit über 50 (!) Jahren sehe im Fernsehen, daß sich Juden und Araber bekriegen, beschießen, beballern und massakrieren. Und – hört sich vielleicht blöd an – aber ich glaube, daß das unstoppbar ist und das werden die in 30 Jahren (vielleicht lebe ich noch so lange) immer noch tun. Und im Grunde genommen hat das mit mir nichts zu tun. Wird mein kleines Leserbriefchen irgendwas verändern? Glaube ich jetzt nicht. Vielleicht ist die Frage wichtiger, warum wir bereits morgens Blut, Schießereien und Streit und Ärger suchen. Sind wir alle aufregungssüchtig? Wenn bei Ansage jeden Morgen ein Humorartikel dabeiwäre, würde ich das sehr begrüßen.

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  15. Ich hab jetzt eine kleine Träne zerdrückt aber nu is gut! Rührselige Geschichte aus dem Paulanergarten. Klar, dem Herrn muß es gut gehen, von Thailand nach DL zur Operation, ich hoffe er ist Privatversichert und ich muß das nicht mitfinanzieren. Erster Klasse oder doch Economy? Egal, der russische junge Mann wird sein Studium antreten können denn wenn er den Studienplatz sicher hat wird er nicht zum Grundwehrdienst eingezogen. Es gibt keine allgemeine Mobilmachung in Russland sondern nur Freiwillige an den Fronten.
    Klar, der „Despot“ will sein Reich vergrößern! Sie lassen wirklich keine Propagandapeinlichkeit aus. Dann fliegt sein Flieger auch noch 11 000 Meter über die sterbenden Soldaten hinweg. Welche Flugroute soll das denn sein? Himmel hilf!! Legen sie sich in die Sonne, lassen den lieben Gott einen schönen Tag haben und hören sie auf ÖRR, Blöd, Spei-gel, SDZ und Zeit zu konsumieren nehmen sie lieber etwas Dope das entspannt.

  16. BRD hat ihre Unschuld verloren als man seinerzeit -mit J.Fischer als Katalisator- jenem Krieg GEGEN das Grundgesetz beitrat. Auch jegliche Waffenlieferung in Kriegsgebiete NICHT unterlassen hat.
    Beides gesetzeskonform zu unterlassen, hätte nicht zu der Zwickmühle geführt, in der sich die Neu-Protagonisten hierzu Lande am Rande aktiver Kriege wiederfinden. In deren Malstrom wir vllt.hineingezogen werden.
    Und aus dessem Zangengriff sie vllt. nicht wieder heraus kommen. Mit allen negativen Folgen für unser Land.
    Hoffen wir, dass vermittels der von der BW georderten 6000 Leichensäcke (sog.Cadaver Bugs), eines Tages nicht unsere Soldaten, Söhne und Enkel, zurück kommen.

  17. Vision für eine neue Kriegsführung

    Dass die Gewehre richte
    man nicht auf fremde Seelen,
    nein, auf die Bösewichte,
    die das Töten befehlen.

    Ist es mit dem Krieg schon Schluss,
    Kriegsfurie keine Menschen mäht,
    fällt nur ein einz’ger Schuss,
    auf den, der an der Spitze steht.

    Gibt es dann immer noch Soldaten,
    denen würde ich raten,
    statt Bomben und Granaten,
    nehmt Eier und Tomaten.

    Verliert der Krieg sein Schrecken
    und ist der dann recht bald vorbei
    lässt Freund und Feind sich’s schmecken,
    gibt es Tomatenrüherei.

    Schlägt das dann auf den Magen,
    ist es mit dem Soldatsein aus,
    wer diesen Krieg konnt‘ nicht vertragen,
    kehrt nur mit Diarrhoe nach Haus.

    Und in dem ganzen Streite
    hat die Partei den Krieg gewonnen,
    in der die meisten Leute
    sind der Diarrhoe entronnen.

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