Der lange Weg zum (möglichen) Zusammenbruch des Iran

Der lange Weg zum (möglichen) Zusammenbruch des Iran

Heute Vormittag: Ein U.S. Navy EA-18G Growler startet zu einem Einsatz von der USS Abraham Lincoln (Foto:Imago)

Kriege werden oft mit der Erwartung begonnen, dass sie schnell entschieden werden. Die Geschichte zeigt jedoch, dass militärische Konflikte selten den Plänen ihrer Initiatoren folgen. Nach sechzehn Tagen intensiver Kämpfe im Iran wird immer deutlicher, dass dieser Krieg weder schnell enden noch klare Sieger hervorbringen wird. Beide Seiten entführen Menschen, zerstören Infrastruktur und geben enorme Summen aus – ohne dass ein klares Ende in Sicht ist. Die militärische Strategie der Vereinigten Staaten und Israels beruht bislang vor allem auf Luftangriffen, gezielten Tötungen und der Zerstörung iranischer militärischer Infrastruktur. Doch die Annahme, ein Land allein aus der Luft besiegen zu können, ist historisch höchst fragwürdig. Militärhistoriker weisen darauf hin, dass Luftstreitkräfte zwar entscheidende Unterstützung leisten können, aber selten allein Kriege gewinnen.

Bereits während des Zweiten Weltkriegs zeigte sich, dass massive Bombardierungen – etwa gegen Deutschland oder Japan – zwar enorme Zerstörung verursachten, jedoch erst in Kombination mit Bodentruppen zum militärischen Sieg führten. Auch moderne Konflikte bestätigen diese Erfahrung. Der Luftkrieg der USA in Vietnam oder der NATO-Einsatz im Kosovo zeigen, dass Luftüberlegenheit politische Ergebnisse beeinflussen kann, aber nicht automatisch zu einem schnellen Zusammenbruch eines Staates führt.

Die strategische Bedeutung der Straße von Hormus

Während Israel und die USA ihre Luftkampagne ausweiten, besitzt der Iran weiterhin eine entscheidende strategische Karte: die Straße von Hormus. Diese Meerenge gehört zu den wichtigsten Energie-Transitpunkten der Welt. Laut der U.S. Energy Information Administration werden rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels durch diese Route transportiert. Schon eine nur teilweise Blockade kann massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Die enge Geografie der Meerenge begünstigt asymmetrische Kriegsführung. Drohnen, Schnellboote, Seeminen und Küstenraketen können große Flotten erheblich gefährden. Militäranalysten weisen seit Jahren darauf hin, dass selbst eine technisch überlegene Marine Schwierigkeiten hätte, diese Gewässer vollständig zu kontrollieren. Die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten internationale Unterstützung für den Schutz der Schifffahrt suchen, verdeutlicht, wie ernst diese Bedrohung genommen wird.

Neben den militärischen Entwicklungen besteht eine erhebliche politische Unsicherheit. Die Aussagen von Donald Trump über die strategischen Ziele des Krieges erscheinen widersprüchlich und lassen offen, ob Washington eine begrenzte militärische Operation oder einen vollständigen Sieg anstrebt. Mehr als zwei Wochen intensiver Bombardierungen, tausende Tonnen Präzisionsmunition und Kosten in Milliardenhöhe haben das iranische Militär zweifellos geschwächt. Dennoch ist das politische System bislang nicht zusammengebrochen. Historisch betrachtet sind autoritäre Systeme oft widerstandsfähiger gegenüber externem militärischem Druck als erwartet. Selbst schwere militärische Verluste führen nicht automatisch zu einem Regimewechsel.

Die Möglichkeit eines Bodenkriegs

Die zunehmenden Diskussionen über amphibische Operationen und Spezialeinheiten zeigen, dass ein rein luftgestützter Krieg möglicherweise nicht ausreicht. Amphibische Angriffsschiffe der US-Marine – wie etwa die USS Tripoli (LHA-7) – können tausende Marines transportieren und als schwimmende Militärbasen dienen. Solche Kräfte könnten strategische Inseln und Küstenpositionen sichern, insbesondere um die Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu gewährleisten. Doch selbst eine erfolgreiche Landung würde nur einen begrenzten militärischen Effekt haben. 3.000 Soldaten reichen nicht aus, um ein Land von der Größe Irans zu kontrollieren. Sie könnten höchstens als Brückenkopf für weitere Operationen dienen. Die Erfahrung aus Konflikten wie dem Irakkrieg zeigt, dass der Einsatz von Bodentruppen schnell zu einem langwierigen Konflikt werden kann.

Der Konflikt beschränkt sich nicht auf die unmittelbaren Kriegsparteien. Gespräche zwischen Wladimir Putin und Donald Trump zeigen, dass auch andere Großmächte versuchen, Einfluss auf den Verlauf des Krieges zu nehmen. Russland soll vorgeschlagen haben, angereichertes iranisches Uran unter internationaler Kontrolle nach Russland zu verlagern, um eine Eskalation zu vermeiden. Washington scheint jedoch auf vollständiger Kontrolle über das iranische Nuklearprogramm zu bestehen. Die nukleare Frage steht seit Jahren im Zentrum internationaler Spannungen um den Iran, insbesondere seit dem Rückzug der USA aus dem Atomabkommen von 2015.

Ein Krieg ohne klare Sieger – im Moment

Nach sechzehn Tagen intensiver Kämpfe lässt sich vor allem eines feststellen: Es gibt noch keinen Sieger. Israel und die USA verfügen über enorme militärische Überlegenheit und können weiterhin iranische Ziele zerstören. Gleichzeitig besitzt der Iran strategische Hebel – insbesondere in der Straße von Hormus – die den Konflikt verlängern und globalisieren können. Der Ausgang dieses Krieges wird daher wahrscheinlich nicht in wenigen Tagen entschieden werden. Vielmehr könnte sich ein langwieriger Konflikt entwickeln, der militärische, wirtschaftliche und geopolitische Folgen für die gesamte Region haben wird.

Sollte der Iran letztlich fallen, wird dies vermutlich nicht durch Luftangriffe allein geschehen, sondern durch eine Kombination aus militärischem Druck, wirtschaftlicher Erschöpfung und politischem Wandel im Inneren. Bis dahin bleibt dieser Krieg vor allem eines: ein Konflikt ohne Sieger, dessen Kosten täglich steigen.

15 Kommentare

  1. Bei allen Versprechen der Musels, denkt daran, TAQJIA. Ein Kriegslist. Absolut Korankonform. Ich kann mich gut an das Geeier der Hamas, mit der Übergabe der toten Geiseln, erinnern.

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  2. Wenn dem Iran die Munition ausgeht, und darauf arbeiten die USA hin, wird er aufgeben müssen. die Straße von Hormuz kann er dann nicht mehr bedrohen.

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  3. @Kriege werden oft mit der Erwartung begonnen, dass sie schnell entschieden werden.
    genaugenommen : das die Kriegsziele der Eliten erreicht werden – welche Seite dazu siegen muß, oder was zerstört werden muß kann ganz anders sein als es der Außenstehende glaubt !
    Wahre Macht – so sagt der Volksmund – liegt nicht darin, etwas zu tun, sondern darin, zu verhindern, daß ein anderer das tut !
    Der Krieg ist ein Vorgang, bei dem sich Menschen umbringen, die einander nicht kennen, und zwar zum Ruhm und zum Vorteil von Leuten, die einander kennen, aber nicht umbringen. Paul Valéry (1871-1945)

    Und die Ziele der globalen Eliten können durchaus anders sein als die Ziele der Politiker, das da im Land dann umsetzen.
    Im fall Iran ist der wichtigste Punkt die Rohstoffe und der zweite Punkt die Verkehrswege. Der große Sieg wäre die Ölfelder in die Hände der US-Konzerne, aber es genügt auch, wenn sie kein anderer hat.

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  4. Frau Bauernfeind. Mir sind da zu viele Ungereimtheiten in Ihrem Artikel. Sie schreiben, es gäbe Kämpfe im Irak. Hat es nie gegeben. Alles Bombardierung aus der Ferne. Die Kosten sind auch nicht gleich hoch. Wo die Iranis Shahed-Drohnen in Massen für 20.000 Dollar schicken, braucht AmIsrael Abfangraketen, die das zehnfache und mehr kosten. Auch hat der Iran klar seine Ziele definiert was er angreift. Mädchenschulen und Zivilgebäude sind nicht dabei. Und der wichtigste Punkt den die meisten Europäer nicht verstehen. Iraner sind keine Araber! Sie sind Perser und damit genauso anders in der Region, wie die Juden/Israelis. Das schweißt zusammen, gegen jeden Angreifer. Und selbst wenn das Mullah-Regime fallen sollte, heißt das noch lange nicht, dass die Iraner sich vom Westen beglücken lassen wollen. Dafür wurden sie von den Briten, Franzosen und Amerikanern zu oft beschissen und ausgenommen! Und diese Schah-Marionette will dort auch niemand!

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  5. Es wäre im Sinne der USA , des US Kapitals ,wenn es zu einem Krieg im Orient gegen den Iran kommen würde. Die USA als lachender Dritter würde sich zurückziehen , Waffen liefern , einige Soldaten opfern . Hauptsache alles außerhalb der USA . Das gleiche im Sinne des US Kapitals , wenn es zu einem Krieg zwischen EU–Ukraine und Ru käme . In beiden Fällen Waffen liefern , nach Krieg das Land billig aufkaufen , Kredite geben . Tote, Verwundete , zerstörte Häuer interessieren nicht. Macht erweitern , BRICS Staaten schwächen. So tickt Trump und die USA.

    Es herrscht Krieg gegen ein Regime, daß zwar vorgibt, völkerrechtliche Grundsätze zu achten, die Menschenrechte, gerade der eigenen Bevölkerung, aber mit Füßen tritt. Man kann das Religion nennen, stellt damit aber nur nutzlose internationale Vereinbarungen gegen Menschenleben. Und gerade diese sollten weit mehr zählen als gut-menschliche Überzeugungen!

  6. Das einzige mir bekannte Land bei dem die Intervention der Amerikaner zu einer Verbesserung für die Bevölkerung geführt hat, war meines Wissens Westdeutschland am Ende des 2ten Weltkriegs .
    Bei allen anderen Ländern hat es zu einer totalen Verelendung und zu einem Riesen Chaos in den Ländern geführt. Siehe Syrien, Afghanistan, Irak , Somalia , Libyen…….
    Beim Iran wird das genauso in die Hose gehen!

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  7. Schauts Euch an! Wie die Ticken:
    Zitat
    Iran: Der Mullah und die jungen Frauen

    Mullah Fathi redet als treuer Helfer des Obersten Führers über die sozialen Medien mit der rebellischen Jugend, vor allem mit jungen Frauen, die sich weigern, den Schleier zu tragen.

    Im Iran von heute, in dem immer mehr Frauen entgegen den Empfehlungen des Klerus ihre Schleier fallen lassen, bemühen sich die Religionsführer nach wie vor mit vielen Mitteln, die Frauen von ihren religiösen Werten doch noch zu überzeugen. Farad Fathi ist einer dieser regierungstreuen Mullahs: bekannt, einflussreich und bei den Konservativen beliebt, auch dank seiner Präsenz in den sozialen Medien.
    Unsere Reporter Charles Emptaz und Olivier Jobard drehten zwei Wochen in den konservativen Zirkeln des Iran, während der Feierlichkeiten zum 46. Jahrestag der Islamischen Revolution. Sie begleiteten den Mullah Farad Fathi, der den Dialog mit der von den Konservativen ermüdeten Jugend wieder aufnehmen will. Vor allem die jungen Frauen begehren auf in Iran von heute, auf dem die internationalen Sanktionen schwer lasten. Aber noch immer haben die Mullahs ihr Volk eisern im Griff, sie wehren sich gegen jede politische Entwicklung. (Text ARTE)

    Sendung vom 11/04/2025

    28 Min.
    Verfügbar bis zum 25/03/2028

    https://www.arte.tv/de/videos/124588-000-A/iran-der-mullah-und-die-jungen-frauen/

    Der oben zitierte Text von ARTE verharmlost wieder mal den ISLAM!

    …zur Erinnerung:
    Vor ein paar Wochen hat man junge Leute und andere Protestler zu Tausenden auf der Strasse erschossen. Man schoss ihnen z. T. mitten ins Gesicht!
    (Bildbelege werden hier zensiert)

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  8. Über den Aufstand und die Massaker der Mullah-Regierung unter der Fuchtel des Islams!
    ::
    Iran: Nicht mehr schweigen

    24 Min.
    Verfügbar bis zum 27/01/2029
    Sendung vom 28/01/2026

    ….Nach tagelangen Massenprotesten reagieren die Machthaber mit Massenverhaftungen, Verschwindenlassen, Schnellgerichten: Die Iraner sollen schweigen.

    Die Behörden verhängten die längste Internetsperre der Geschichte. Filmaufnahmen aus dem Iran sind unmöglich. Kein westliches Filmteam darf einreisen. Sie schließen die Grenzen, der Iran verschwindet von den Bildschirmen. Doch im Verborgenen gehen Iraner jedes Risiko ein, um Zeugnis abzulegen. ….
    (Textauszug ARTE)

    https://www.arte.tv/de/videos/131078-000-A/iran-nicht-mehr-schweigen/

    …!!

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  9. Folge des Irankriegs: Meloni bricht mit Trump
    Bislang war die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine enge Verbündete von US-Präsident Donald Trump. Nun hat sie den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als „außerhalb des Völkerrechts“ verurteilt. Den Angriff auf die Mädchenschule bezeichnete sie als „Massaker.“
    https://rtde.press/europa/273203-folge-irankriegs-meloni-bricht-mit/?ysclid=mmrlhv9y3j153571474

    Man darf nicht vergessen, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der wichtigsten MAGA-Podcaster und MAGA-Influencer ebenfalls mit Trump gebrochen haben und mit lauter Kritik gegen Trump kräftig austeilen.Darunter sehr einflussreiche MAGAs wie Joe Rogan.
    Trump hat die MAGA tief gespalten. Meiner Ansicht nach könnte er genau deshalb die Midterms krachend verlieren. Viele prominente MAGA-Podcaster und MAGA-Anhänger kritisieren Trump’s Angriffskrieg gegen den Iran aufs schärfste: Darunter der Nationalist Nick Fuentes, Tucker Carlson, Candace Owens ,Marjorie Taylor Greene und die anderen prominenten MAGA- und konservative Trump-Unterstützer wie Megyn Kelly, Matt Walsh sowie die Hodge Twins…

  10. Und warum dürfen Hass und Massenmordfantasien gegen die Palästinenser in der Partei von Trump bei den Republikanern so unverblümt seit vielen Jahren verbreitet werden? Einige republikanische US-Politiker rufen sogar offen zur Ausrottung von Palästinensern auf. Der Hass auf Palästinenser ist in vielen westlichen Staaten erlaubt und zwar in jeder Form. Kritik an der israelischen Regierung wird mittlerweile mit Antisemitismus gleichgesetzt
    (habe ich auch schon lange vor dem 7.Oktober 2023 auf Twitter sehr oft zu spüren bekommen!). In den USA fordern führende republikanische Politiker seit Oktober 2023 bis heute die Israelische Führung dazu auf Atombomben auf Gaza abzuwerfen. Wo bleibt der Aufschrei oder die Empörung ?

    Gaza-Kommentare aus der US-Politik – Zwischen Morgenthau und ruandischem Hass-Radio
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=105093

    https://rtde.org/international/205536-atombomben-auf-gaza-us-senator/

    Atombombe auf Gaza wäre für Netanjahu-Minister „eine Option“ – „Wut“ im Weißen Haus
    https://www.berliner-zeitung.de/news/netanjahu-minister-suspendiert-atombombe-auf-den-gazastreifen-waere-fuer-ihn-eine-option-li.2155727

    Dazu passt auch, dass der republikanische Rechtsextremist namens Newt Gingrich, der als Mitglied der NeoCons Gruppe bekannt ist,er hat vor ein paar Tagen Trump dazu aufgerufen Atombomben auf den Iran abzuwerfen…

    1. Nochmals ein Beispiel: Sie können im Ausland Deutschland ausschließlich mit Zitaten von RAF-Terroristen, Carola Rakete, Sarah Bosetti oder von eingebürgerten Islamisten beschreiben und daraus jedes Bild erzeugen, dass sie wollen. Und wenn diese Zitate dann auch noch aus dem Zusammenhang gerissen werden, wird es sogar noch “besser”. Das klingt dann für Außenstehende vermeintlich schlüssig und wohlbelegt, ist aber am Ende null repräsentativ und hat nichts mit der realen Mehrheitsmeinung, Stimmung und Politik des Landes zu tun. Genau so tun Sie das fortwährend bei Israel und allen anderen Themen, wo es erkennbar nur darum geht, ein eingefleischtes groteskes Zerrbild und vorurteilsstrotzende Negativdarstellung zu untermauern. Wie gesagt, für mich ist das nicht ernst zu nehmen, und wenn Sie mal in Israel gelebt hätten oder es zumindest besucht hätten, oder sich mal mit allen Fakten, nicht nur den ihnen genehmen, befassen würden, würden Sie sich so auch nicht äußern.

  11. Die israelische und amerikanische Luftwaffe arbeitet effektiv und zielgenau. Damit wurde ein sichtbares Zeichen gesetzt, dass Terrorismus kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein darf.

  12. Warum werden eigentlich wesentliche Details immer ausgeblendet? China, Russland und vermutlich selbst die Türkei unterstützen den Iran so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig, weil ihnen an einer totalen Kontrolle der Ölvorräte durch die USA und Israel nichts liegt. Dass der Iran abkackt, wie hier in den Artikeln immer gewünscht wird, rückt damit in weite Ferne. Was dafür näher kommt, sind kurzfristige Hungerkatastropen in Pakistan, Indien, Indonesien und allem dazwischen, weil das Gas zum Kochen fehlt, und langfristige Hungerkatastrophen, weil es keinen Dünger mehr gibt (der kommt nämlich zum großen Teil auch von da). Das betrifft auch D. Mal schauen, wie das Jubeln mit leerem Bauch funktioniert.