Der letzte Reformator

Der letzte Reformator

Schröder und die letzte deutsche Reformation (Symbolbild:ChatGPT)

Nein, die Rede ist nicht von Martin Luther, der am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche nagelte. Zu dessen Zeit war es normal, einen derartigen Aushang zu veröffentlichen. Luther protestierte mit den Thesen gegen die Praxis des Ablasses, bei dem Gläubige Sündenstrafen durch Geldzahlungen “freikaufen” konnten.

Zu Luthers berühmtesten Worten gehören diese: “Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.” Dieses Zitat und die berühmten 95 Thesen waren der Auslöser für Luthers Reformation, sie revolutionierten das theologische Verständnis der damaligen Zeit.
Dieser Denkansatz – Bestehendes, Hemmendes und Bürokratisches einer Zeitperiode zu beseitigen – ist genau das, was zu Veränderungen führen kann.

Neue Denkansätze

Der Ausspruch Willy Brands am 28. Oktober 1969 in seiner Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag in Bonn, “Wir wollen mehr Demokratie wagen”, war Auslöser für die Lösung der Konflikte, die vor allem in der 68er-Bewegung aufgezeigt wurden, und sie leiteten eine andere Ostpolitik ein, die zu Frieden und Verständigung in den 70er Jahren beitrug. Willy Brandt verkörperte diesen Aufbruch in eine neue Zeit, den Helmut Schmidt in seinem Sinne fortsetzte. Die Wahl von Helmut Kohl zum Bundeskanzler entstand durch den Verrat der FDP an der sozialliberalen Koalition durch ein konstruktives Misstrauensvotum.

Eigentlich wäre die Kanzlerschaft Helmut Kohls nach einer eher blassen zweiten Amtszeit ohne historische Verdienste zu Ende gegangen – wäre nicht die friedliche Revolution in der DDR im Herbst 1989 dazwischengekommen. Mit der Diplomatie von Saumagen und Pfälzer Wein erkannte Kohl die einmalige Chance, die Deutsche Einheit zu verwirklichen. Hier bewies er ein gutes Gespür für die Zeit und es war ein historisches Glück, dass willige Politiker bei den 2-Plus-4-Verhandlungen zusammentrafen. Ein Reformer war Kohl aber gewiss nicht; seine Politik führte Ende der 90er Jahre zu wirtschaftlicher Stagnation. Es folgten das Ende seiner 16-jährigen Amtszeit und eine unrühmliche Spendenaffäre.

Der Mann der ruhigen Hand

Bei den Bundestagswahlen 1998 trat Gerhard Schröder als SPD-Kanzlerkandidat an. Er hatte zwar keine 95 Thesen an das Kanzleramt genagelt, stellte aber am 20. August in Berlin sein Programm für die ersten 100 Tage einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung vor. Als Autor wurde dabei – im Unterschied zu früheren Programmen – ausschließlich Kanzlerkandidat Gerhard Schröder genannt, der hier in der Präambel in der Ich-Form versprach, was er nach seinem Amtsantritt anpacken werde. Die Politik der kommenden Jahre bis 2005 ging vor allem aufgrund der Agenda 2010 mit den sogenannten Hartz-Reformen in die Geschichte ein: Schröder ordnete den Arbeitsmarkt neu und leitete Reformen in der Sozial- und Wirtschaftspolitik ein, von denen Angela Merkel lange Zeit profitieren sollte.

Gerhard Schröder war der letzte Bundeskanzler, der tiefe freundschaftliche Beziehungen zu allen bedeutenden europäischen politischen Führern jener Zeit pflegte – zu Jacques Chirac ebenso wie zu Wladimir Putin. Aber er zeigte auch klare Kante gegenüber George W. Bush, als er eine Beteiligung am Krieg gegen den Irak ablehnte. Man muss Schröder nicht mögen; aber seine Reformen, seine “Politik der ruhigen Hand” seine sowohl innen- wie außenpolitischen Erfolge sind unbestreitbar. So kommt Schröder wohl das Verdienst zu, der letzte echte deutsche Reformator gewesen zu sein.

Der Abstieg

Die darauffolgenden 16 Jahre “Mutti” haben unser Land zerrüttet – von Atomausstieg, Grenzöffnung und Flüchtlingskrise über die Ehe für alle bis zur Corona-Politik. Die anschließende Ampel unter Scholz hat den Karren dann noch weiter in den Dreck gefahren. Und auch die Regierung unter Kanzler Merz hat bisher keine Lösungen, weder für die Erneuerung der Wirtschaft, für eine Reform des Sozialstaates, für eine andere Migrationspolitik oder für eine diplomatische Beendigung des Ukraine-Krieges. Im Gegenteil: Stattdessen bricht Merz reihenweise Versprechen; so belastet statt entlastet er die Bürger (Energiesteuer), finanziert linke NGOs noch stärker als bisher, redet von Waffenlieferungen und Sanktionen und betreibt eine Konfrontationspolitik vor allem gegenüber Russland. In der Israel- und Palästinenserfrage sind seine Positionen unscharf, und zu China fehlen ihm die Konzepte.

Es liegt auf den Hand: Spätestens 2029 brauchen wir einen Javier Gerardo Milei mit der Kettensäge, um diesen Staat wieder auf seine Kernkompetenzen zurückzustutzen und die Auswüchse zu beseitigen, wenn hier noch etwas zu retten sein soll. Georg Christoph Lichtenberg sagte: “Ich kann nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es besser werden soll.

6 Antworten

  1. Demokratie ? Welche Demokratie ?….Von Beginn an war diese BRD als Besatzungskonstrukt geplant, das man ohne Ende und nach Lust und Laune ausplündern und benutzen kann. Diese BRD ist seit 80 Jahren nichts anderes, als ein Instrument zionistischer Geldherrschaft, Versklavung, Lügen und „demokratischer“ Verbrecherideologien.

    Warum wird nicht über Massenmigration und Messermorde gesprochen ? Warum gibt es keine Corona-Aufarbeitung und warum werden diejenigen, die eine Aufarbeitung fordern, unschuldig ins Gefängnis gesteckt ? Warum haben wir nirgendwo ein wirkliches Mitspracherecht ? Warum heißen wir Verbrecher, Mörder und Terroristen willkommen und bezahlen sie noch ? Warum verteilt jede lächerliche Marionetten-Regierung seit 80 Jahren unsere deutschen Steuergelder in der ganzen Welt ? Warum ist es erlaubt, daß US-Rüstungs–Konzerne jedes Jahr Milliarden Profite aus unserer Wirtschaft abziehen und sie in andere Länder transferieren ?

    Was ist also eine SCHEIN–Demokratie ? In meinen Augen ist es nichts anderes als Augenwischerei und Lügen. Wer hat mich gefragt, ob ich den nichtsnutzigen Euro haben wollte ? Wer hat mich gefragt, ob ich mit Merkels Grenzöffnung und Massenmigration einverstanden war ? Wer fragt mich, ob ich damit einverstanden bin, daß meine Steuergelder in die Taschen von Kriegstreibern und Völkermördern wandern für immer mehr Waffen, Mord und Totschlag ? Wer fragt mich, ob ich eine ekelhafte, linksextremistische Gruppierung wie die Antifa mit meinen Steuern finanzieren will oder eine immer größer werdende Zahl von nutzlosen Politikern wie Merz u.a.?

    Diese sog. „Demokratie“ ist nichts anderes, als eine große Lüge, ein perfides Konstrukt, das sich gegen unsere ureigensten Lebensinteressen richtet. Man macht praktisch mit uns, was immer man will. Demokratie ist Diktat, Zensur, Verbote und Verfolgung Andersdenkender. Diese Demokratie geht einher mit schrecklicher Verwahrlosung unserer Städte, wachsender Verarmung und Verelendung des deutschen Volkes und Zerstörung unserer Kultur und unserer Werte. Und das geschieht vorsätzlich und planmäßig. Das machen Verbrecher mit uns!!!

    Wenn eine überstaatliche Clique sich Regierungen kauft und sie anweist, gegen ihre Völker zu regieren, wie es seit 80 Jahren in der bRD läuft, dann ist der Zustand beschrieben, in dem wir uns befinden. Warum durfte Ludwig Ehrhard seine Steuerpolitik nicht fortsetzen, die den Mittelstand stärkte?..Weil die internationalen Banken seine Vorgesetzten waren.
    Als sich die deutsche Wirtschaft in den 30ern wieder erholt hatte und Hjalmar Schacht Adolf dezent darauf hinwies, in den internationalen Geldverkehr einzusteigen, Adolf das aber verneinte, sagte Schacht:“Dann gibt es Krieg“. Und so kam es auch. Wehret den Anfängen!!!

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  2. Bei aller Lobhudelei und bei Schröders Verdiensten bezüglich einer realistischen Russland- Politik:
    Der große Reformator hat als „Sozialdemokrat“ geschafft, was kein Kanzlernder vor ihm tat: er hat das Land NATO- hörig erstmals seit 1945 wieder in einen Krieg geführt – tatkräftig unterstützt von Josef „Polizistenprügler“ Fischer, der Pazifismus durch Bellizismus ersetzte und damit den Kurswechsel von grün zu olivgrün einleitete.
    Zumindest war „Haste mal ’ne Flasche Bier“ so ehrlich, öffentlich zuzugeben, das Völkerrecht gebrochen zu haben, während sein Adjutant immer noch von „Nie wieder Auschwitz“ faselte.
    Schröder hat sich dafür gelobt, den umfassendsten Niedriglohnsektor geschaffen zu haben, was natürlich absolut phantastisch für die Sozialkassen war.
    Dass den „Finanzheuschrecken“ Tür und Tor geöffnet wurde, war eine weitere Meisterleistung, die den Ausverkauf der deutschen Industrie „boosterte“.
    Fazit: unter den Blinden ist der Einäugige König.

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    1. „Hartz-Kommission 2.0“: Ein Gremium bereitet Sozialkahlschlag vor
      Begleitet von der Mär vom aufgeblähten Sozialstaat bereitet eine neue Kommission unter dem Dach des SPD-geführten Arbeitsministeriums ein neues Verarmungsprogramm vor. Im Visier hat sie den Kinderzuschlag, das Bürger- und Wohngeld. Auch zwielichtige Politiker dürfen dabei mitmischen.
      https://rtde.press/meinung/254929-hartz-kommission-20-gremium-bereitet-kahlschlag-vor/

      Angriff auf Arbeiterrechte: CDU-Politiker fordert 80-Cent-Pflichtjobs für alle Bürgergeldbezieher
      https://rtde.press/meinung/255242-angriff-auf-arbeiterrechte-cdu-politiker-fordert-80-cent-pflichtjobs-fuer-alle-buergergeldbezieher/

      Unter Kanzlerin Merkel und unter Kanzler Scholz gab es für die Hartz-4-Empfänger noch die 2-Euro-Jobs. Jetzt sollen die 2-Euro-Jobs durch die 80-cent-Jobs für die Bürgergeldempfänger ersetzt werden…

  3. So positiv sind die Reformen unter Schröder ja nun auch nicht gewesen.
    Sein Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hat mit seinen Gesetzen fast das ganze Handwerk vernichtet. Er wollte eigentlich alles wegfördern wie er mal in einer Talkshow sagte. Durch die Aufhebung des Meisterzwangs für viele Berufe und die Einführung der Ich AG sind sehr viele schlecht ausgebildete Leute auf den Markt gekommen. Damit wurde die Ausbildung unterhöhlt Die Ich AG sind reihenweise in den Ruin getrieben worden und haben oft Haus und Hof verloren. Alles nur um die Arbeitslosenzahlen zu senken. Das alles war der Anfang von der Vernichtung des Mittelstandes.

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  4. In der Provinz Buenos Aires
    Partei von Javier Milei kassiert deftige Wahlklatsche
    https://www.n-tv.de/politik/Partei-von-Javier-Milei-kassiert-deftige-Wahlklatsche-article26017036.html

    Investoren verlieren Vertrauen
    Mileis Wahlschlappe lässt Argentiniens Börse beben
    Mit seinen drastischen Reformen löste der argentinische Präsident Javier Milei zunächst Begeisterung bei Investoren aus. Doch inzwischen herrscht Ernüchterung. An der Börse fallen die Kurse schon seit Monaten. Eine Regionalwahl löste einen weiteren Kursrutsch aus.
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Mileis-Wahlschlappe-laesst-Argentiniens-Boerse-beben-article26020277.html

  5. Schröder, aus armen Familienverhältnissen entstammend, hat die Armut (als Sozialdemokrat oder genau: als Asozialdemokrat) in der Arbeiter- und Angestellten- sowie Handwerkerschaft wieder gesetzlich salonfähig gemacht. Schröder und Merk.l geben sich polit-asozial die Hand.