Der schreckliche Film

Der schreckliche Film

Ryan Gosling mit seinem Weltraum-Buddy “Rocky” in „Der Astronaut” (Foto:ImdB)

Mit meiner Mutter gehe ich gerne ins Kino. Dabei habe ich mir angewöhnt, vorab so wenig wie möglich über den ausgewählten Film in Erfahrung zu bringen, da ich mit so wenig wie möglich Vorurteilen in das Lichtspielhaus gehen möchte. Andererseits sagt Henryk Broder, Vorteile gibt es, weil sie stimmen – wobei ich wiederum seit Jahren versuche, dieses Vorurteil zu bekämpfen – mal mehr, mal weniger erfolglos. Ob französische problematische Dramen, dänische groteske Streifen oder sogar sehr schöne deutsche Filme, die ich für dieses Medium bereits beschrieben habe: Es waren oft schon gut gemachte Filme, die einem den Abend versüßen. Dennoch kann man in der Auswahl dieser Art Unterhaltung auch mal Pech haben. Ich erinnere mich vor einigen Jahren an einen inhaltlich sehr skurrilen koreanischen Film, der jedoch nicht schlecht war, weil er mir immerhin mit künstlerischem und bildstarkem Anspruch zumindest Kurzweil bot.

So würde es auch schlimmstenfalls, hoffte ich, beim Film „Der Astronaut“ (englischer Originaltitel “Project Hail Mary”) sein. Nun muss ich dazu sagen, dass ich gar kein großer Freund von Science-Fiction-Filmen bin; trotzdem bin ich gewillt, auch ab und zu mal außerhalb der Box zu denken und mir etwas anzuschauen, was mich normalerweise weniger anspricht. Alleine schon weil die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller als weibliche Hauptdarstellerin in dem Film von der hiesigen Kritik maximal abgefeiert wird . Also gut, dann eben: „Der Astronaut“. Kleiner Spoiler hierzu: Ich kann gar nicht spoilern, da ich zum ersten Mal in meinem Leben bereits vor dem Ende des Films den Kinosaal verlassen habe. Doch dazu später mehr.

Brauner Fleischklops mit Hummerbeinen

Der Film handelt von einem Lehrer, der auf sonderbare Weise ins All geschickt wurde, um die Menschheit vor dem drohenden Tode zu bewahren. Also eine Heldengeschichte – da die Mission für ihn und seine Mitstreiter ein relativ sicheres Todesurteil bedeutet. Wo man früher noch Maverick in “Top Gun” losschickte, muss es heute ein Lehrer richten (offensichtlich müssen wir in Zeiten von Inflation überall sparen). Doch warum die Filmemacher nicht einen Schimpansen auswählte oder ersatzweise – wie Badesalz es einst vormachte – zwei Hessen, lässt sich nur mit der Besetzung der Hauptrolle erklären: Schönling Ryan Gosling  spielt den leidenden Lehrer im All.

Auf dem Flug dorthin versterben blöderweise seine beiden Kompagnons – also ist er ganz alleine mit Hilfe eines Raumschiffs, um, wir erinnern uns, die Welt zu retten. Auf dieser Reise lernt er plötzlich eine Art von schlammigem Krebswesen kennen, das einen Außerirdischen darstellen soll. Schon sehr früh merkt er, dass er mit dem harmlosen, fast schon süß wirkenden Astro-Lobster kommunizieren kann, was sehr schön ist, ist er doch schon inzwischen seit Jahren im All ohne menschlichen Kontakt. Wo Tom Hanks in „Cast Away“ noch einen Volleyball benötigte (übrigens das plumpste und gleichzeitig geschickteste Product-Placement der Geschichte von Hollywood), hat Ryan Gosling im Jahr 2026 also einen braunen Fleischklops mit Hummerbeinen zur Seite. Traumschön.

200 Millionen Euro für drei Stunden verkitschten Unsinn

Apropos Ryan Gosling und schön: Der Schauspieler ist durchaus nett anzuschauen – doch nach ungefähr 60 Sekunden habe ich mich an seinem Gesicht sattgesehen. Blöderweise ist „Der Astronaut“ jedoch zu allem Überdruss auch noch ein dialogisch ziemlich armseliges, dafür umso langatmigeres Kammerspiel: Rund eineinhalb Stunden lang bespaßen sich der schöne Lehrer und Lobster-Meatloaf quasi alleine, falls sie nicht schon – wie eine seiner Mitreisenden eine Woche zuvor – bereits entschlafen sind. Dieser Außerirdische wurde schon früh schnell Ryans Rolle “Rocky” getauft – und so richtig rührselig wird es, als er Rocky erzählt, er vermisse seinen Partner namens Adrian heißt. Das ist wahrscheinlich die einzig geistreiche Szene im ganzen Film – denn wie wir alle wissen, hatte Rocky Balboa, gespielt von einem anderen Garanten für Weltrettung, eine Partnerin, die Adrian hieß.

Doch das genügt nicht: In einem Film, der so lange dauert wie Wagners Ring der Nibelungen, war für mich nach rund zweieinhalb Stunden und der vierten Umarmung zwischen Ryan und dem in einem „The Boy in the Bubble“ ähnlichen Kunststoffgebilde gefangenen Astro-Lobster genug. Ich verließ das Kino mit dem Hinweis an einen hinter mir sitzenden staunenden Mitleidenden, dass ich zwar zehn Jahre lang „Verbotene Liebe“ geschaut habe, aber so einen verkitschten Unsinn noch nicht gesehen hatte. Der Film kostet übrigens 200 Millionen Euro – 200 Millionen Euro für drei Stunden mentale Folter! Meine im Kino bis zum bitteren Ende der Vorstellung zurückgebliebene Begleitung wird mir später vorhalten, ich hätte den Film einfach nicht verstanden. Das mag sein; ich nehme die Kritik an. Zu Hause dann schaute ich noch eine Folge „Ein Fall für zwei“. Diese mag wohl auch kein höheres Niveau erreichen als „Der Astronaut“ – aber da ist wenigstens nach nicht einmal 60 Minuten der Spuk vorbei.

6 Kommentare

  1. Das geht aber auch „freundlicher“: „Bei allen Scheiß, wo keiner weis was es bedeuten soll, sagen wir mal vorsichtshalber- es ist anspruchsvoll“

  2. Und was war nun mit Sandra Hüller? Sie ist nicht bildschön wie diese austauschbaren Gestalten, die es massenweise gibt, aber dafür sehr ausdrucksstark. Ihre Rolle der Anneliese Michel im Film ‚Requiem‘ (sie heißt dort Michaela Klingler) war unvergesslich und ich habe große Hochachtung für ihren Mut, sich in ‚Toni Erdmann‘ über längere Zeit nackt zu zeigen. Ihr kauziger Vater konnte mich allerdings nicht überzeugen.

  3. Es gibt auch realistische Sci-Fi-Filme, z. B. „Die Landung auf dem Mond“ von Stanley Kubrick, gedreht in den Studios der NASA.
    😜

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    1. Ha Ha! Der hat mir auch sehr gut gefallen. Für die damalige Zeit sehr realistisch, fast schon echt. Nur der zweite Teil von diesem Jahr war nicht so doll. Die konnten nicht landen. Kein Studio in der Nähe…

  4. Ich habe den Film gesehen. Bis zum Schluss. Und fühlte mich gut unterhalten!
    Der hier gelieferte Verriss ist grenzwertig boshaft und für mich nicht nachvollziehbar. Warum sich der Autor an der vermeintlichen Attraktivität des Hauptdarstellers abarbeitet erschließt sich mir nicht. Ich wusste nicht einmal, dass es sich um Ryan Gosling handelt. Wahrscheinlich, weil ich mich im Gegensatz zum Autor nicht wirklich für männliche Darsteller interessiere.
    Dieser spielt übrigens den obligatorischen weltrettenden Wissenschaftler – und ist nur auf Grund seiner von der wissenschaftlichen Gemeinde abgelehnten Theorien dazu gezwungen, sein Geld als Lehrer zu verdienen. Also schreibt der Autor auch hier Stuss.
    Dass es sich bei dem Außerirdischen nicht um einen ‚Fleischklops‘ handelt, sondern eher um ein Steinwesen (Referenz z.B. Die unendliche Geschichte, Galaxy Quest, The Mummy u.a.) und der Name ‚Rocky‘ daher durchaus passend ist, hat Herr Plutz auch nicht begriffen. Den Namen ‚Adrian‘ verpasst übrigens der Astronaut als bewusste Referenz seinem Freund ‚Rocky‘ als Übersetzung des von Ihm in dessen Sprache genannten, für Ihn unausprechlichen Namen für seinen Lebensgefährten. Mit etwas Allgemeinbildung oder der Fähigkeit, eine Suchmaschine zu bedienen, hätte der Autor auch den Vergleich mit Wagners ‚Ring der Nibelungen‘ gemieden: Dieser dauert 15 Stunden – nicht 157 Minuten. Bei dem woken Bullsh1t mit dem man inzwischen aus Hollywood überschüttet wird war ‚Der Astronaut – Project Hail Mary‘ eine tatsächlich wohltuend erfreuliche Abwechslung der sogar einige moralisch-ethische Fragestellungen aufgeworfen hat: Der vermeintlich ’schöne Lehrer‘ wurde nämlich gegen seinen Willen zu dieser Selbstmord-Mission gezwungen, frei nach dem Motto: ‚Das Wohl vieler (oder aller) wiegt mehr als das Wohl Weniger – oder eines Einzelnen…‘

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