
Vor einigen Tagen hatte ich mit einer linken Gewerkschafterin eine spannende Diskussion. In einer kleinen Runde erörterten wir, welche Unternehmer im NS-Regime sich gegen Hitlers Terrorherrschaft gestellt hatten. Da mir ad hoc keiner einfiel, kam mir ein Mitdiskutant aus dem Off dankenswerterweise zu Hilfe und nannte einen Namen, den es sich lohnt, besser zu kennen als die Marke selbst, die wohl jeder kennt: Die Rede ist von Robert Bosch.
Bosch, 1861 in Albeck geboren, war nicht nur der Gründer des gleichnamigen Weltkonzerns. Vor allem aber war er ein politisch denkender, im besten Sinne bürgerlicher Humanist und Unternehmer, dessen Format heute allenfalls Leute wie Wolfgang Krupp oder Winfried Stöcker aufweisen. Bosch war fest verankert im freiheitlichen Denken der Aufklärung, unterstützte die frühe Weimarer Republik und lehnte Hitlers rassistische Ideologie entschieden ab – nicht aus Opportunismus, sondern aus Überzeugung. Seine politische Haltung war nie laut, aber klar erkennbar für jene, die sie sehen wollten.
Fluchthilfe für jüdische Mitarbeiter – bei Weiterbezahlung
Was Bosch vor allem auszeichnete, war sein Verständnis von Wirtschaft als einem Raum, in dem der Mensch nicht zum Material werden darf. Bereits 1906 – und damit lange bevor Gewerkschaften entsprechende Forderungen erhoben – führte Bosch den Achtstundentag ein. Er tat dies weder aus Sozialromantik noch aus PR-Kalkül, sondern aus nüchterner Vernunft. Seine eigene Begründung hat bis heute programmatischen Charakter: „Ich habe schon früh […] die achtstündige Arbeitszeit eingeführt, weil ich sie für die wirtschaftlichste hielt und für am zuträglichsten für die Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft.“ Hier spricht ein Unternehmer, der weiter dachte als nur an den unmittelbaren Profit, und der begriffen hatte, dass Menschenwürde und unternehmerische Effizienz keine Gegensätze sind, sondern Hand in Hand gehen – und so langfristig eben auch den unternehmerischen Erfolg sichern.
Noch gewichtiger aber ist seine Haltung gegenüber jüdischen Mitarbeitern und politischen Gegnern des Regimes. Bosch half, wo er konnte – und er konnte sehr viel. Jüdische Angestellte wurden geschützt, indem er sie im Unternehmen hielt, Tarnaufgaben schuf oder sie ins Ausland brachte, sobald die Situation bedrohlicher wurde. Einige von ihnen erhielten weiterhin Gehalt, obwohl sie längst emigriert waren – ein Vorgang, der im damaligen Deutschland keineswegs selbstverständlich war und ein deutliches Zeichen gegen den antisemitischen Konsens der NS-Führung darstellte. Menschen wie Ernst Honigmann profitierten von Boschs persönlichem Engagement, ebenso andere jüdische Mitarbeiter, deren Flucht aus Deutschland ohne diese Unterstützung kaum möglich gewesen wäre. Die interne Ebene des Unternehmens spielte ebenfalls eine Rolle, etwa durch Vertraute wie Hans Walz, die die Schutzmaßnahmen mittrugen und organisatorisch ermöglichten. All dies geschah nicht im Licht der Öffentlichkeit, sondern im Schatten des Regimes, was den Mut dahinter nicht kleiner, sondern größer macht.
Er zeigte, wie es auch gehen kann
Mit Boschs Tod im Jahr 1942 änderte sich die Situation im Unternehmen spürbar. Erst dann, unter neuer Führung und inmitten des totalitären Zwangs der Kriegswirtschaft, kam es zur Beschäftigung von Zwangsarbeitern. Für Bosch selbst wäre dies undenkbar gewesen. Seine Haltung zum Krieg war eindeutig. Ein Dokument aus dem Nachlass Willy Schloßsteins, eines engen Begleiters, endet mit den Worten, Bosch habe seelisch und körperlich unter dem Krieg gelitten, sei oft niedergeschlagen gewesen und habe schon früh gewusst, dass dieser Krieg verloren sei. Er habe wiederholt betont, dass selbst ein gewonnener Krieg in keinem Verhältnis zu den Opfern stehe, die gebracht werden müssten.
Wenn heute jemand sagt: „Ich schaff’ beim Bosch“ (auch wenn dies angesichts der derzeitigen Jobvernichtungspolitik und des massiven Stellenabbaus auch in diesem Konzern leider immer seltener zu hören ist), dann ist das weit mehr als eine trockene Tatsachenbeschreibung. Es ist eine Art selbstverständliche Zugehörigkeit, eine beinahe patriotische Bekundung zu einem Unternehmen, dessen Gründer aus Überzeugung Menschlichkeit über Ideologie stellte. In einem Land, in dem zu viele Großindustrielle – von VW über Porsche bis zu Dr. Oetker – tief in den NS-Verstrickungen steckten, dürfen wir die wenigen nicht vergessen, die sich widersetzten, halfen, retteten. Bosch gehört zweifellos zu ihnen. Und gerade heute, in einer Zeit, in der Judenhass aus den Ritzen des politisch-medialen Klimas kriecht und Israel zur Projektionsfläche jahrtausendealter Ressentiments wird, ist die Erinnerung an solche Menschen weniger eine historische Fußnote aus dem Geschichtsunterricht Baden-Württembergs, sondern eine Mahnung. Robert Bosch hat gezeigt, dass wirtschaftliche Stärke und moralisches Rückgrat keine Gegensätze sein müssen. Eher im Gegenteil: Das eine braucht das andere. Das gilt auch heute noch – zumindest, wenn wir wollen, dass von diesem Land auch in Zukunft noch etwas übrig bleibt.
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6 Antworten
@welche Unternehmer im NS-Regime sich gegen Hitlers Terrorherrschaft gestellt hatten
immer wieder interessante Fragen !
Wie wird das in hundert Jahren sein – wenn man fragt, welche Unternehmen sich gegen den Corona-Terror gestellt haben, gegen die Zwangs-Gen-Therapie und gegen den CO2-Wahn ?
Nicht Opa fragen: wo warst du damals – sondern sich der Frage stellen : wo bin ich heute ?
Und gerne auch ganz aktuell : wer fährt mit der Antifa nach Giesen und was bezahlt das Regime dafür ?
Jawoll und dreimal mehr Jawoll!
Es gibt also doch noch aufrechte und
demokratische Menschen in Deutschland.
Im Gegensatz zum heutigen „Gratismut“
ist dies gerade in Zeiten der Braunen
Lumpen lobenswert.
An alle Unternehmer.
Rennt nicht dem Zeitgeist hinterher.
Beweist Mut und tretet für politische
Vielfalt und die Freiheit ein.
Hilfe für Sie, das Wichtigste im Leben eines jeden Nicht-Sie.
Merkwürdig. Kann es sein, dass am ersten WK so gut verdient wurde, dass man sich das Jagdrevier des Thronfolgers im untergegangenen Kakanien leisten konnte? Und am zweiten WK wieder einen Riesenreibach gemacht hat?
Aber hier als Säulenheiliger abgefeiert wird? Könnte man nicht ebensogut einen der ersten Gutmenschen erkennen? Wurde der ganzen Laden nicht noch zu Lebzeiten als Stiftung umorganisiert? Natürlich nicht etwa zur Steuervermeidung?
P.S.: Gibt es Menschen, die der Meinung sein sollen, dass sie in ihrem ganzen Berufsleben nirgends selbstbesoffenere, arrogantere und verlogenere Leute kennenlernen durften, als in den Dependancen der einen oder anderen Firma? Soll es nicht auch Leute geben, die behaupten, dass ein gewisses Bundesland eigentlich eine Landesregierung hat, die als Stiftung organisiert ist und nie gewählt wurde?
Man könnte sich auch mal mit dem Einfluß auf allerlei bunte Projekte und deren Finanzierung, die von gewisser Nachkommenschaft ausgehen könnte, beschäftigen?
Und bis heute wundersam: wie im sogenannten Dieselskandal eine gewisse Firma ganz ungeschoren davonkam?
Aber sobald es irgendeinen Anlass zum mosaischen Wohlgefallen gibt, ist wie immer alles gut hier und wird mit der üblichen Schindler-Sauce zugekleistert.
Ich wüßte gerne von all den moralbesoffenen Gutmenschen hier, ob sie lieber unter einem „Hitler“ oder unter dem IS leben möchten. Denn aus meiner Sicht wird es darauf hinauslaufen, daß wir nur eins von Beidem haben können. Im Übrigen sollte sich auch zu den Dümmsten herumgesprochen haben, daß der kleptokratische Haufen von Parteisoldaten und Politoffizieren, der sich „UnsereDemokratie“ nennt, kein tragfähiges Modell ist, und daß, wenn man sich die Schweiz anschaut, nirgendwo eine funktionierende Demokratie existiert (was schon Plato vorausgesagt hatte).