
Es gehört zu den zuverlässigsten Reflexen politischer Debatten, dass nach einer Gewalttat zwei Lager entstehen, die einander weniger widersprechen, als dass sie vielmehr verschiedene Fragen stellen. Die einen fragen nach der Schuld: Wer hat es getan, wer trägt Verantwortung, wer muss bestraft werden? Die anderen fragen nach den Ursachen: Warum geschah es, welche Erfahrungen, Ideologien und Konflikte führten dazu? Problematisch wird es nicht nur, wenn aus der ersten Antwort folgt, die zweite Frage dürfe nicht gestellt werden – sondern wenn aus der zweiten Antwort folgt, dass die erste Frage ihre Eindeutigkeit verlöre. Genau diese Verwechslung bildet den Kern einer interessanten Polemik, die Henryk M. Broder und Reinhard Mohr zum 25. Jahrestag des 11. September in der “Welt“ veröffentlichten. Sie erinnern an Reaktionen deutscher Intellektueller unmittelbar nach den Anschlägen von 2001: an Günter Grass, Wolfgang Benz, Adrienne Goehler, Roger Willemsen, Karlheinz Stockhausen und vor allem an Eugen Drewermann. Der katholische Theologe hatte Terror damals als eine Art „Ersatzsprache“ beschrieben, die entstehe, weil Anliegen nicht gehört würden. Hass deutete er als enttäuschte Liebe; hinter den „irrsinnigen Aktionen“ stehe der Wunsch von Menschen, dazuzugehören.
Broder und Mohr übersetzen das mit beißender Ironie: Die Männer, die knapp 3.000 Menschen töteten, hätten also aus enttäuschter Liebe gehandelt, weil ihnen irgendeine Form des “Dazugehörens” verweigert worden sei. Diese Polemik trifft und verfehlt zugleich. Sie trifft die unerträgliche moralische Indifferenz, die sich einstellen kann, wenn angesichts der Leichen zuerst nach den Kränkungen der Mörder gefragt wird. Sie verfehlt jedoch den Unterschied zwischen Erklärung und Entschuldigung. Wer verstehen will, wie aus einem Menschen ein Terrorist wird, hat noch kein einziges seiner Opfer relativiert. Und wer den Wunsch nach Zugehörigkeit als eine mögliche Triebkraft politischer Radikalisierung erkennt, hat damit noch nicht entschieden, ob dieser Wunsch berechtigt ist.
Das gefährliche Wort „berechtigt“
Drewermanns eigentliche Schwachstelle liegt deshalb an einer anderen Stelle, als Broder und Mohr suggerieren. Es ist das Adjektiv „berechtigt“. Wenn von Terror als Reaktion darauf gesprochen wird, dass „berechtigte Anliegen“ nicht gehört worden seien, ist die Grenze zwischen Diagnose und Wertung bereits überschritten. Eine empfundene Kränkung ist eine psychologische Tatsache, ein berechtigtes Anliegen dagegen ein normatives Urteil. Diese Unterscheidung ist elementar. Ein Mensch kann sich gedemütigt fühlen, ohne dass ihn jemand für andere nachvollziehbar gedemütigt hat. Eine Gruppe kann sich als ausgeschlossen erleben, obwohl ihre Forderung nach Teilhabe in Wahrheit eine Forderung nach Herrschaft ist. Eine religiöse Bewegung kann westliche Gesellschaften als Erniedrigung ihrer Kultur empfinden, ohne dass der Westen deshalb verpflichtet wäre, seine Freiheit, seine Säkularität oder die Gleichberechtigung der Geschlechter zur Disposition zu stellen. Gefühle sind wirklich, aber sie sind keine Gerichtsurteile über die Wirklichkeit.
Man hätte Drewermanns Gedanken also retten können, indem man ihn entmoralisiert: Terror kann dort entstehen, wo Menschen sich ausgeschlossen, gedemütigt, machtlos oder nicht repräsentiert erleben und aus dieser Erfahrung eine Legitimation zur Grenzüberschreitung konstruieren. Dieser Satz sagt nichts darüber aus, ob die behauptete Demütigung wirklich stattgefunden hat. Er sagt noch weniger darüber aus, ob die daraus abgeleitete Gewalt legitim wäre. Das scheint selbstverständlich, ist es im politischen Diskurs aber längst nicht mehr, leider.
Verstehen heißt nicht vergeben
Denn inzwischen hat sich eine merkwürdige Gleichsetzung etabliert: Wer nach den Ursachen einer Straftat fragt, steht schnell unter dem Verdacht, den Täter entschuldigen zu wollen. Dabei wäre ohne die Trennung zwischen Kausalität und Moral weder Geschichtswissenschaft noch Soziologie, Psychologie oder Kriminologie möglich. Niemand glaubt, eine Untersuchung der sozialen Bedingungen von Jugendgewalt mache Körperverletzung legitim. Niemand würde behaupten, die Erforschung des Nationalsozialismus entschuldige Nationalsozialisten. Wir untersuchen Radikalisierungsprozesse gerade deshalb, weil wir verhindern wollen, dass ihre Ergebnisse eintreten. Ganz deutlich: Ursache ist nicht Schuld, Erklärung ist nicht Rechtfertigung, Verständnis ist nicht Zustimmung. Beim Terrorismus wird diese Differenzierung jedoch emotional besonders schwer, weil seine spezifische Ungeheuerlichkeit gerade in der Instrumentalisierung Unschuldiger liegt.
Die Opfer eines Terroristen sind meist gar nicht seine eigentlichen Gegner. Sie werden getötet, weil ihr Tod eine Botschaft an einen Dritten übermitteln soll. Der Mensch wird zum Zeichenmaterial einer politischen Kommunikation herabgewürdigt. Die Passagiere eines Flugzeugs, die Angestellten in einem Hochhaus, die Besucher eines Konzerts oder die Menschen auf einem Weihnachtsmarkt werden nicht wegen einer eigenen Tat ausgewählt. Sie werden benutzt. Deshalb ist Terrorismus tatsächlich eine Sprache – aber gerade darin liegt seine moralische Monstrosität. Er spricht mit den Körpern Unbeteiligter. Das macht die Frage nach dem Motiv nicht illegitim. Es macht nur jede Vorstellung absurd, das Motiv könne die Tat heiligen.
Die Universalität des Dazugehörenwollens
Interessanter wird die Causa bei Drewermanns Begriff der Zugehörigkeit. Broder und Mohr behandeln ihn fast wie eine sentimentale Geschmacklosigkeit: Ausgerechnet die Attentäter von New York sollen gewollt haben dazuzugehören – „wozu auch immer“. Doch gerade dieses „wozu auch immer“ wäre die interessante Frage gewesen. Denn der Wunsch nach Zugehörigkeit ist keine linke, rechte, liberale, islamische oder christliche Kategorie: er ist eine anthropologische. Menschen wollen nicht nur existieren. Sie wollen ihre Existenz in einer sozialen Ordnung gespiegelt sehen. Sie wollen, dass ihre Erfahrungen vorkommen, ihre Sprache verstanden, ihre Interessen repräsentiert, ihre Biographien anerkannt werden. Sie wollen mitreden dürfen bei der Frage, wer „wir“ ist.
Im Grunde lebt nahezu jede moderne Minderheitenpolitik von diesem Impuls. Die heutige LGBTQ-Bewegung verlangt Sichtbarkeit und Anerkennung von Lebensweisen und Identitäten, die sie gesellschaftlich unzureichend repräsentiert sieht. Ostdeutsche beklagen seit Jahren, ihre Erfahrungen nach 1990 würden von westdeutschen Eliten nicht angemessen verstanden: “Integriert doch erstmal uns”, hieß es nach 2015. Migrantenverbände verlangen Repräsentation. Frauenbewegungen taten und tun dasselbe, ja selbst die Antifa.
Regionale Identitäten, religiöse Gemeinschaften, soziale Klassen und politische Protestbewegungen formulieren in unterschiedlichen Sprachen dieselbe elementare Forderung: Hört uns! Seht uns! Nehmt uns als Teil des Gemeinwesens wahr! Das macht diese Bewegungen selbstverständlich nicht gleich. Ihre Ziele unterscheiden sich, ihre Methoden erst recht. Zwischen einer Demonstration für die Rechte Homosexueller und einem Terroranschlag besteht kein moralisches Kontinuum. Wer das behauptet, würde genau jene Kategorien vermischen, die getrennt werden müssen. Strukturell jedoch existiert eine Gemeinsamkeit: Politik beginnt häufig mit der Behauptung, nicht ausreichend vorzukommen.
Die politisch sortierte Empathie
Und hier wird die Angelegenheit für unsere Gegenwart unangenehm. Denn die Bereitschaft, dieses Nichtvorkommen als authentische Erfahrung anzuerkennen, ist höchst ungleich verteilt. Sagt eine gesellschaftlich anerkannte Minderheit: „Wir fühlen uns nicht gesehen“, gilt schon das Gefühl häufig als politisch relevante Tatsache. Es werden Studien angefertigt, Beauftragte eingesetzt, Aktionspläne beschlossen und Programme zur Teilhabe entwickelt. Sprache soll angepasst werden, Institutionen sollen ihre Repräsentation überprüfen, Mehrheiten sollen lernen, die Perspektive der Minderheit einzunehmen. Sagt dagegen eine politisch, ideologisch, religiös et cetera unerwünschte, ja verfemte Gruppe: „Wir fühlen uns nicht gehört“, verändert sich erstaunlicherweise schon die Erkenntnistheorie. Nun ist das Gefühl nicht mehr authentische Erfahrung, sondern Ressentiment. Nichtgehörtwerden wird zur „gefühlten“ Ausgrenzung, Protest zur populistischen Mobilisierung, Entfremdung zur Folge von Desinformation. Was bei der einen Gruppe als gesellschaftliches Problem gilt, wird bei der anderen zum psychologischen Defekt der Gruppe selbst.
Damit soll keineswegs behauptet werden, beide Beschwerden seien gleichermaßen begründet. Gerade das wäre der nächste Kategorienfehler. Es geht vielmehr um die Frage, nach welchem Verfahren ihre Berechtigung geprüft wird. Eine liberale Gesellschaft müsste zunächst jedem zugestehen, seine Erfahrung zu artikulieren. Erst danach beginnt die Auseinandersetzung darüber, ob die daraus gezogenen Schlussfolgerungen zutreffen. Das Gefühl des Nichtgehörtwerdens darf weder bei LGBTQ-Aktivisten automatisch Recht schaffen noch bei ostdeutschen Protestwählern automatisch als Ressentiment abgetan werden.
Kränkung ist keine Wahrheit
Empathie, die ihre Gegenstände nach politischer Sympathie auswählt, ist keine universelle Moral. Sie ist Parteinahme im Gewand der Psychologie. Gerade deshalb muss der Begriff der Anerkennung von seinem therapeutischen Überschuss befreit werden. In der Gegenwart wird „sich nicht gesehen fühlen“ häufig behandelt, als sei bereits damit ein Anspruch gegen die Gesellschaft begründet. Das ist falsch: Kränkung erzeugt keine Wahrheit. Wer sich ausgeschlossen fühlt, kann ausgeschlossen sein. Er kann aber ebenso darunter leiden, dass seine Vorstellung von gesellschaftlicher Ordnung keine Mehrheit findet. Wer sich nicht gehört fühlt, kann tatsächlich ignoriert werden. Er kann aber auch gehört worden sein und bloß nicht bekommen haben, was er verlangt. Zwischen Nichtgehörtwerden und Nichtgefolgtwerden liegt ein gewaltiger Unterschied.
Gerade radikale Bewegungen verwischen ihn gern. Sie verlangen „Dialog“, meinen aber Zustimmung. Sie fordern „Respekt“, meinen aber Anerkennung ihrer Weltdeutung. Sie sprechen von „Teilhabe“, obwohl sie die Grundlagen der Ordnung verändern wollen, an der sie teilhaben. Auch der religiöse Fundamentalist kann sich ausgeschlossen fühlen, weil eine säkulare Gesellschaft seine Moralvorstellungen nicht zum Gesetz erhebt. Sein Gefühl ist deswegen nicht erfunden. Aber die Gesellschaft schuldet ihm nicht die Beseitigung seiner Kränkung. Sie schuldet ihm etwas anderes: das gleiche Recht, seine Überzeugung auszusprechen, solange er die gleichen Rechte der anderen respektiert. Damit bekommt Zugehörigkeit eine liberale Grenze. Du gehörst dazu – aber daraus folgt nicht, dass du recht hast.
Wenn die Schwelle überschritten wird
Was geschieht nun, wenn der Protestierende diese Grenze überschreitet und Gewalt anwendet? Zunächst etwas völlig Eindeutiges: Die Tat ist zu verurteilen und gegebenenfalls zu bestrafen. Je schwerer die Gewalt, desto weniger darf die Debatte über ihre Ursachen die Verantwortlichkeit des Täters verdunkeln. Wer Menschen ermordet, verliert jeden Anspruch darauf, dass seine Tat als legitime Form politischer Kommunikation behandelt wird. Aber verliert deshalb auch seine vorausgegangene Erfahrung jede Realität? Das wäre ein merkwürdiger Schluss. Wenn ein Mensch aus Eifersucht einen Mord begeht, macht der Mord seine Eifersucht nicht nachträglich unwirklich. Wenn jemand aus politischer Verbitterung eine Gewalttat begeht, beweist deren Verwerflichkeit nicht, dass die Verbitterung zuvor bloß simuliert gewesen sei.
Die moralische Bewertung der Handlung kann eindeutig sein, während die kausale Erklärung kompliziert bleibt. Der Täter ist verantwortlich für das, was er tut. Die Gesellschaft darf trotzdem fragen, unter welchen Bedingungen Menschen zu Tätern werden. Mehr noch: Sie muss es fragen, wenn sie Wiederholungen verhindern will. Der richtige Satz lautet deshalb nicht: Terror sei die Sprache der Ohnmächtigen. Schon diese Formulierung adelt ihn unnötig zur Kommunikation. Richtiger wäre: Terror kann aus erfahrener Ohnmacht entstehen. Ohnmacht gibt niemandem das Recht, Unschuldige zu töten; das Töten Unschuldiger macht die vorausgegangene Erfahrung von Ohnmacht aber nicht automatisch irreal.
Die eigentliche Täter-Opfer-Umkehr
Broder und Mohr haben vollkommen recht, wenn sie jene Reaktionen von 2001 kritisieren, mit denen, kaum dass die Türme eingestürzt waren, schon die moralische Buchhaltung des Westens eröffnet wurde. Wenn unmittelbar nach einem Massenmord zuerst Hiroshima, amerikanische Außenpolitik, Kapitalismus und Globalisierung angeführt werden, entsteht tatsächlich eine obszöne Verschiebung der Perspektive. Das konkrete Opfer verschwindet hinter einer Weltgeschichte der Schuld. Der Artikel dokumentiert dafür bemerkenswerte Beispiele: Adrienne Goehler erklärte das World Trade Center zum Symbol von Globalisierung, Kapitalismus und Weltmacht; Wolfgang Benz sprach von Stolz, Reichtum und Arroganz der Gebäude; andere Intellektuelle suchten die tiefere Wahrheit des Anschlags im Verhalten des Westens. Hiergegen ist Broders Einspruch berechtigt und notwendig. Wer vor den rauchenden Trümmern zuerst erklären möchte, warum die Ermordeten symbolisch irgendwie auf der falschen Seite der Weltgeschichte standen, hat die Grenze von Erklärung zu moralischer Selbstinszenierung überschritten.
Aber auch Broders Gegenposition droht eine spiegelbildliche Verkürzung. Aus dem zutreffenden Satz „Ursachen erklären keine Schuld weg“ darf nicht der falsche Satz „Wer Ursachen untersucht, relativiert Schuld“ werden. Sonst ersetzt man eine Moralisierung durch die andere. Eine freie Gesellschaft beweist ihre Liberalität gerade dort, wo sie Erfahrungen zur Kenntnis nimmt, die sie nicht bestätigt. Das ist vielleicht die schwierigste Form politischer Toleranz.
Das Recht auf die falsche Kränkung
Denn es ist leicht, denjenigen zuzuhören, deren Klage man ohnehin für gerecht hält. Schwieriger ist es, jemandem zuzuhören, dessen Diagnose man für falsch, dessen politische Ziele man für schädlich und dessen Weltbild man vielleicht sogar für abstoßend hält. Er darf dennoch sagen: Ich fühle mich fremd im eigenen Land. Ich erkenne meine Lebenswelt in Medien und Politik nicht wieder. Ich halte meine Interessen für missachtet. Ich glaube, meine kulturelle Ordnung verschwindet. Eine demokratische Gesellschaft muss diese Aussagen nicht für wahr erklären. Aber sie sollte auch nicht schon ihre Artikulation pathologisieren.
Denn hier entscheidet sich, ob „Vielfalt“ tatsächlich ein Prinzip oder lediglich die Bezeichnung eines politisch erwünschten Spektrums ist. Wer Vielfalt ernst meint, muss mit Erfahrungen rechnen, die ihm nicht gefallen. Das gilt auch in umgekehrter Richtung. Wer die Klage eines ostdeutschen AfD-Wählers über mangelnde Anerkennung ernst genommen wissen will, kann nicht gleichzeitig die Diskriminierungserfahrung eines Homosexuellen deshalb verspotten, weil ihm dessen politische Bewegung missfällt. Universalismus verlangt Symmetrie, sonst ist er keiner.
Zugehörigkeit ohne Unterwerfung
Bemerkenswerterweise landen Broder und Mohr am Ende selbst bei einer Theorie der Zugehörigkeit. Sie zitieren Salman Rushdies Antwort auf den Fundamentalismus: Der Westen müsse wissen, woran er glaube und was für ihn zähle – öffentlicher Streit, Literatur, Gedankenfreiheit, Schönheit, Liebe und die selbstverständlichen Freiheiten des alltäglichen Lebens. Das ist überzeugend. Aber es ist ebenfalls eine Antwort auf die Frage nach dem „Wir“. Wer sind wir? Was verbindet uns? Was muss jemand akzeptieren, wenn er dazugehören will? Und was darf er ablehnen, ohne aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden? Eine selbstbewusste westliche Gesellschaft müsste darauf weder mit Drewermanns grenzenlosem Verständnis noch mit der Verspottung des Anerkennungsbedürfnisses antworten.
Sie könnte sagen: Du musst unsere Lebensweise nicht lieben. Du darfst Kapitalismus verachten, Religion hochhalten, sexuelle Liberalität ablehnen, Regierung und Mehrheitsgesellschaft beschimpfen. Du darfst sogar überzeugt sein, dass die Zivilisation, in der du lebst, moralisch verkommen sei. Aber du musst akzeptieren, dass die anderen dasselbe Recht besitzen wie du. Hier liegt die Grenze: im jeweils geltenden Recht. Nicht beim falschen Gefühl, nicht beim unerwünschten Gedanken, nicht einmal bei der fundamentalen Ablehnung der gesellschaftlichen Mehrheit. Sondern dort, wo aus dem Anspruch auf Anerkennung ein Anspruch auf Unterwerfung wird.
Wer darf sich unverstanden fühlen?
Vielleicht ist deshalb die interessanteste Frage, die aus dem Rückblick auf den 11. September übrig bleibt, eine andere als jene, die Broder und Mohr stellen. Nicht: Haben Terroristen ein Recht darauf, verstanden zu werden? Selbstverständlich haben ihre Taten keinen Anspruch auf Verständnis im Sinne moralischer Billigung. Die interessantere Frage lautet: Wer besitzt in unserer politischen Ordnung das Recht, sich unverstanden zu fühlen? Denn dieses Recht wird heute erstaunlich ungleich verteilt. Manche Erfahrungen des Ausgeschlossenseins gelten beinahe schon durch ihre Äußerung als beglaubigt. Andere müssen erst beweisen, dass sie keine Einbildung, kein Ressentiment, keine Verschwörungserzählung, kein Populismus sind. Der eine Protest gilt als Stimme einer Minderheit, der andere als Angriff auf die Demokratie. Der eine Wunsch nach Zugehörigkeit wird zum Auftrag an die Gesellschaft, der andere zum Verdachtsmoment gegen denjenigen, der ihn äußert.
Eine offene Gesellschaft sollte diese Asymmetrie nicht akzeptieren. Sie muss nicht jede Forderung erfüllen. Sie muss nicht jede Kränkung bestätigen. Sie muss erst recht keine Gewalt entschuldigen. Aber sie sollte denselben epistemologischen Maßstab an alle anlegen. Man kann einem Menschen zuhören, ohne ihm recht zu geben. Man kann seine Ohnmacht verstehen, ohne seine Tat zu entschuldigen. Man kann seine Kränkung anerkennen, ohne ihre Ursache so zu beurteilen wie er. Und man kann ihm Zugehörigkeit anbieten, ohne sich seinen Forderungen zu unterwerfen.
Schmaler Raum der politischen Vernunft
Vielleicht ist ja gerade dies die erwachsene Form politischer Gemeinschaft: nicht die Gesellschaft, in der niemand mehr gekränkt wird, sondern jene, in der auch der Gekränkte nicht automatisch recht bekommt – und auch der politisch Unerwünschte nicht automatisch unrecht. Drewermann verwischte diese Grenze, indem er aus nicht gehörten Anliegen „berechtigte“ Anliegen machte. Broder und Mohr drohen sie von der anderen Seite zu verwischen, wenn schon die Suche nach dem verletzten Zugehörigkeitsbedürfnis wie eine Entschuldigung des Verbrechens erscheint.
Zwischen beiden Positionen liegt ein zwar schmaler, aber libertär entscheidender Raum. Es ist der Raum einer politischen Vernunft, die weder vor der Täterfrage kniet noch vor der Ursachenfrage davonläuft. Denn Gewalt bleibt Gewalt, Mord bleibt Mord, Schuld bleibt Schuld. Aber gerade deshalb müssen wir uns leisten können zu fragen, warum Menschen jene Schwelle überschreiten, hinter der aus Protest Gewalt, aus Kränkung Hass und aus dem Wunsch, gehört zu werden, der Wille entsteht, andere zum Zuhören zu zwingen. Wer diese Frage stellt, entschuldigt den Terror nicht – er nimmt ihn ernst. Und dieser Ernst führt vermutlich genau zu jenem Essay, der in Broders/Mohrs Text steckt, den sie selbst aber nicht geschrieben haben.
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5 Kommentare
9/11 war ein Akt des Deep State.
Wie sonst kommt Nano-Thermit in den Ground Zero?
Keine zwei Gebäude stürzen auf dieselbe Weise ein. Warum ist das Gebäude Nr. 7 eingestürzt? Aus Sympathie vielleicht?
Nein, da lagerten die Ermittlungsakten des Enron-Skandals. Hokuspokus, da waren sie weg!
Wer an die offiziellen Darstellungen glaubt, ist ein Depp.
😜
du: SCHWACHKOPF!!! Dumm, wie schimmlig Brot, lallst auch nur hirnrissigen Schwachsinn.
All das philosophische Gerede über Opfer und Täter.
Über die Opfer im Irak, Afghanistan oder Pakistan redet niemand.
Auch nicht über die Frage Cui bono?
Wer die „Westlichen Werte“ und deren Erklärung infrage stellt ist sowieso ein
Verschwörungstheoretiker und Aluhutträger. Es bedarf einer echten Untersuchung der „Attentate“
und nicht einer getürkten Untersuchungskommission aus Mitgliedern, die zum Teil selbst beteiligt waren.
Nur so lassen sich Gerüchte und Mutmaßungen verhindern.
Aber nachdem inzwischen 25 Jahre vergangen sind, wird dies wohl nie erfolgen und die wahren
Attentäter für immer als „Helden gegen den Terror“ gefeiert werden.
Man muss halt nur eine Lüge lange genug erzählen bis sie geglaubt wird.
Italien: Türkischer Moslem vergewaltigt 17jährige Deutsche Touristin in Rimini mithilfe von K.O. Tropfen
https://www.heute.at/s/17-jaehrige-urlauberin-in-italo-badeort-vergewaltigt-120251438
„Eine Nation kann ihre Narren überleben – und sogar ihre ehrgeizigsten Bürger. Aber sie kann nicht den Verrat von innen überleben. Ein Feind vor den Toren ist weniger gefährlich, denn er ist bekannt und trägt seine Fahnen für jedermann sichtbar. Aber der Verräter bewegt sich frei innerhalb der Stadtmauern, sein hinterhältiges Flüstern raschelt durch alle Gassen und wird selbst in den Hallen der Regierung vernommen. Denn der Verräter tritt nicht als solcher in Escheinung: Er spricht in vertrauter Sprache, er hat ein vertrautes Gesicht, er benutzt vertraute Argumente, und er appelliert an die Gemeinheit, die tief verborgenen in den Herzen aller Menschen ruht. Er arbeitet darauf hin, dass die Seele einer Nation verfault. Er treibt sein Unwesen des Nächtens – heimlich und anonym – bis die Säulen der Nation untergraben sind. Er infiziert den politischen Körper der Nation dergestalt, bis dieser seine Abwehrkräfte verloren hat. Fürchtet nicht so sehr den Mörder. Fürchtet den Verräter. Er ist die wahre Pest!“
Cicero