Deutsche Katastrophen: Anne Spiegel? – Gefällt mir!

Frau Anne Spiegel, Bundesfamilienministrierende – Foto: Imago

Der Sommer 2021 ist ein Jahrhundertsommer gewesen, besonders an der Erft und an der Ahr. So viel Wasser war das. Ein Katastrophenfall, wie er, wenn es oft passiert, dennoch nur alle 100 Jahre einmal vorkommt. Im Juli 2021 allerdings besonders heftig. Als der Regen aufhörte, waren Teile Westdeutschlands verwüstet. Das Ahrtal hatte es ganz schlimm erwischt. Es gab viele Tote; der Katastrophenschutz hatte versagt. Dann ging es an die Aufräumarbeiten. Aus ganz Deutschland strömten die Hilfsbereiten an die Ahr, brachten Traktoren, Seilwinden und Bagger mit, schaufelten Keller vom Schlamm leer und räumten Straßen frei. Deutsche opferten ihre Freizeit und auch viel Geld, um ihren Landsleuten an der Ahr zu helfen.

Parallel dazu wurden immer neue Details zum Versagen der Behörden bekannt. Warnsysteme hatten nicht funktioniert, dringend nötige Evakuierungsmaßnahmen waren nicht in die Wege geleitet worden, alles in allem ein ziemliches Staatsversagen in jener Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli. Aber es gab diese Bilder von den Helfern, die aus ganz Deutschland an die Ahr geeilt waren und bis zum Umfallen schufteten. Bald waren auch Politiker dort zu sehen. Armin Laschet hatte seinen Humor nicht verloren und Angela Merkel die Weltprobleme nicht aus den Augen. Inmitten der Verwüstungen sprach sie von den nötigen Anstrengungen, die gegen den Weltklimawandel unternommen werden müssten. Die Bürokratie war ebenfalls fleißig und schickte den katastrophal getroffenen Winzern Bescheide, daß sie wegen der weggeschwemmten Anbauflächen neue Flächenberechnungen durchführen – und an die Behörden melden müssten, um nicht zu viel Subventionen einzustreichen. Das wäre sonst Subventionsbetrug. Ansonsten wurde viel unbürokratische und schnelle Hilfe versprochen, auf die viele Geschädigte heute noch warten. Jedenfalls: Gute zwei Monate später waren Bundestagswahlen. Als die Wahlergebnisse von der Ahr veröffentlicht wurden, war mein Deutschlandbild wieder in Ordnung. So sind sie eben, meine Landsleute. Noch nicht einmal die Erfahrungen, die während einer Flutkatastrophe gesammelt werden, ändern daran etwas.

Eine Art Homestory

Vergangenen Freitag erschien die heutige Familienministerin, Frau Anne Spiegel von den Grünen, vor einem Untersuchungsausschuß zur Ahrtal-Katastrophe. Sie war vergangenes Jahr noch Umweltministerin von Rheinland-Pfalz gewesen. Allerweil wird ihr aufgrund von SMS-Protokollen aus den Katastrophentagen des 14. und 15. Juli 2021 vorgeworfen, sich mehr um ihr Image gesorgt zu haben, als um einen effektiven Katastrophenschutz. Anstatt sich um die Lage vor Ort zu sorgen, habe sie sich um die Außendarstellung ihrer Person gekümmert, heißt es, und sich Gedanken zum „Wording“ der Äußerungen gemacht, die von ihrem Ministerium an die Öffentlichkeit gehen sollten. Ob sie denn am 14. Juli noch etwas tun müsse, habe sie von ihren Subalternen wissen wollen und zur Antwort bekommen: „Heute nicht mehr.” Der nächste Tag sei wichtig.

Am nächsten Tag war die Katastrophe dann perfekt. Das Extrem-Hochwasser war nicht vorherzusehen gewesen. Ein Statement für die Presse müsse noch gegendert werden, „Campingplatzbetreiber“ müsse zu „CampingplatzbetreiberInnen“ geändert werden, dann könne das Statement an die Presse rausgehen, so Spiegel am Tag zuvor. Es waren dann etliche Camper – Entschuldigung: Camperinnen – unter den 134 Toten des Ahrtals zu beklagen. In der Flutnacht sei die Ministerin dann um 22:24 Uhr nicht mehr zu erreichen gewesen, heißt es, und am nächsten Morgen kurz vor acht noch immer nicht. Vergangene Woche waren bereits Rücktrittsforderungen laut geworden, anscheinend unberechtigt. Vor dem Untersuchungsausschuß am Freitag kam heraus, daß sich Frau Anne Spiegel keiner Schuld bewußt ist. Fest steht dennoch, daß das Katastrophenmanagement bereits am 14. Juli miserabel gelaufen ist, und daß es für die Aussage ihres damaligen Staatssekretärs Manz, er habe im ständigen Kontakt mit seiner Chefin gestanden und sie habe immer sofort zurückgerufen, keine Belege zu geben scheint.

Im „sz-magazin”, einer Beilage der „Süddeutschen Zeitung”, erschien just am Freitag ein „special“ zu Anne Spiegel. Viele Fotos von einer sehr sympathischen Frau, eine Art „Homestory”. Frau Spiegel lacht viel auf den Bildern und schneidet auch Grimassen. Ein Schelm, wer wegen des Erscheinungsdatums denkt, hier habe die „Süddeutsche Zeitung“ einer in Bedrängnis geratenen Ministerin ein wenig unter die Arme greifen wollen in schweren Stunden. In dem ganzen „Artikel“ kommt nicht einmal das Wort „Ahrtal“ vor. Anne Spiegel scheint gebeten worden zu sein, bestimmte Fragen gestisch und mimisch zu beantworten, um die Antworten dann in Form eines Fotos abzudrucken. „Grüner people-Journalismus”, twitterte Jan Fleischhauer. „Bravo-Starschnitt”, möchte man anfügen.

Bonusvater und Bonusmutter

Aber wofür steht Frau Anne Spiegel? Als erstes fällt einem ein, daß sie im Bundestag mit einer Rede brillierte, in der sie forderte, die Wörter „Stiefvater“ und „Stiefmutter“ zu ersetzen durch „Bonusvater“ und „Bonusmutter”. Damit lassen sich schöne Sätze bilden. „Der Bonusvater fährt Melanie mit dem Lastenfahrrad in die Kita, wo lecker veganes Frühstück auf das Kind von Ernst und Helmut wartet.” Anne Spiegel hat vier Kinder, das jüngste ist drei Jahre alt. „Warum ist Mama lieber im Familienministerium als in unserer Familie?” – So etwas können nur kleine Kinder fragen, die noch nicht wissen, wie sehr die Mama dem deutschen Volk dienen will, um seinen Nutzen zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. Und das will Mama Spiegel ganz bestimmt, so, wie alle Grünen in allen Parlamenten und Ministerien.

Ein Hundsfott, wer behauptet, sie würden sich nur gern die utopistische Realisierung ihrer Wolkenkuckucksträume einer besseren Welt von Leuten finanzieren lassen, die zum Beispiel im Ahrtal aufräumen. Und daß ihnen ihre eigenen Landsleute eigentlich am Allerwertesten vorbeigehen. Na ja, für einen Predigerjob sind sie trotzdem immer zu haben. Der Prediger steht immer über seinen Zuhörern, sonst könnte er schließlich nicht predigen. Außerdem bekommt das sogar Ricarda Lang noch hin. Die Grünen sind eben Politiker für Leute, die nicht viel wissen, aber viel glauben. Da reichen eine Spiegel und eine Lang schon. Und so richtig ernstgenommen werden die Deutschen überall auf der Welt ja auch erst, seit Frau Baerbock Außenministerin geworden ist.

Das Wichtigste für den Leser des „sz-magazins“ ist ja auch, daß er nach der Lektüre die Zeitung weglegt, versonnen lächelt und sich denkt: „Danke, meine liebe Süddeutsche Zeitung. Anne Spiegel – gefällt mir.

Maßstäbe

Damit niemand vergißt, was das für ein Land ist, in dem allerweil Russen gemobbt und diskriminiert werden, während in der Ukraine Krieg ist, einige Bewohner des Ahrtals noch immer auf die schnelle und unbürokratische Hilfe warten und die Deutschen an der Tankstelle „bonusmütterlich“ abgezockt werden, weswegen übrigens eine Tankstelle – Zeitungsmeldung! – bereits den Verkauf von Treibstoff eingestellt hat, um nicht zum Mittäter zu werden: Hier eine weitere Zeitungsmeldung aus unserem hiesigen Lokalblättchen. Sie birgt erhebliches Empörungspotential.

Verstoß gegen Vorschriften zu Corona – Trio zog Bollerwagen ohne Mundschutz und Mindestabstände. Neusitz (kg) – Die Corona-Vorschriften haben sich im Laufe der Pandemie immer wieder geändert. Mit den aktuell geltenden kamen am frühen Samstagmorgen drei junge Leute in Neusitz in Konflikt. Laut Polizei wurden die drei Jugendlichen im Alter von 17,18 und 19 Jahren angetroffen, als sie mit einem Bollerwagen und einer Musikbox zu Fuß unterwegs waren. ‚Keine der Personen trug hierbei einen Mund-Nasenschutz oder hielt die Abstandsregeln ein‘, so die Polizei. Bei der anschließenden Kontrolle habe sich herausgestellt, ‚daß zwei der jungen Männer weder geimpft noch genesen waren, weshalb es ihnen nach aktuellem Stand nicht gestattet ist, sich mit mehr als zwei Personen aus einem Haushalt zu treffen. Die Jugendlichen begründeten jedoch jeweils einen eigenen Haushalt‘. Gegen jeden der drei wird den Angaben zufolge eine ‚Ordnungswidrigkeitenanzeige nach dem Infektionsschutzgesetz vorgelegt‘. “ – Tja, Pech, oder? Hätten sie ihren Bollerwagen auf einer Ukraine-Demo hinter sich hergezogen, hätte sich keine Sau für den „aktuellen Stand“ der Coronaregeln interessiert.

Das Gebet

Was ist zu lernen? Die Deutschen terrorisieren sich gern gegenseitig, fast noch lieber als die fiesen Russen; sie lassen sich auch gern terrorisieren – und wenn eine Zeitungsmeldung erscheint wie die oben zitierte, dann sind alle froh, daß die Polizei so gewissenhaft ist wie die Frau Anne Spiegel.

Vor ein paar Tagen habe ich mich neben einem Mann auf dem Straßenpflaster niedergelassen, der zu beten schien. Ich wollte wissen, was er da in seinen Bart hineinmurmelte. Sie glauben nicht, was der gebetet hat. „Lieber Wladimir, zieh‘ durch bis zum Atlantik und befreie uns von den Pappnasen, auf daß wir alle fröhlich Kasatschok tanzen und einen Wodka miteinander trinken dürfen. Bring Gas und Erdöl mit.“ Angewidert erhob ich mich und schleuderte ihm meine Empörung ins Gesicht. Ein Mutterlandsverräter sei er, schrie ich, und daß ich froh sei, von solchen edlen Vrouwen wie Anne Spiegel regiert zu werden. Die Russen würden sich die Finger nach so einer grünleckeren Politkraft abschlecken.

Doch, doch, wir machen das schon alles ganz richtig hier in Deutschland. Wir sind die besten! Moralisch sowieso. Wegen Joachim Gauck. Der ist auch so einer von uns.

15 Kommentare

  1. Anne Spiegel ist nur eines wichtig – ihre Karriere! Dafür geht sie über Leichen.
    Wären Flüchtilantis an der Ahr gefährdet gewesen, ja dann. Aber es waren ja nur Biodeutsche und die sind für Frau Spiegel weniger interessant. Da legt man sich so gegen 22 Uhr schlafen, um dann am nächsten Morgen eine gute Figur, zusammen mit Malu, im Katastrophengebiet machen zu können.

  2. @KATASTROPHE
    das kommt auf den Standpunkt an !
    Aus der Sicht der Ahrtal-Bewohner – fraglos !
    Aus der Sicht der Bundesregierung : nützlich – sie hat die Probleme der Intensivbettenlügen weggespült !
    Und sie mußten nicht einmal was dafür tun – nur wegsehen ! 4 Tage lang.
    Scheint, daß diese 4 tage nicht hinterfragt werden von der ersten Warnung bis zum Wasser !
    Dafür kann man dann Minister werden !

    Und wenn ich mich recht erinnere an das Kleingedruckte, hat auch der Landrat Freunde und verwandte rechtzeitig gewarnt. Scheint auch kein Problem zu sein – Spiegel – das Bauernopfer !

    @ ‚Ordnungswidrigkeitenanzeige nach dem Infektionsschutzgesetz
    So sind sie – unsere Ordnungshüter. Als Waffengewalt gegen Spaziergänger angedroht wurden, waren sie auch dabei -keiner ist aufgestanden und hat gesagt : wir Polizisten schießen nicht auf harmlose Spaziergänger – auch dann nicht wenn sie nicht politisch korrekt sind !
    Abe gegen so drei Jungs – da können die Heldentruppen tapfer sein !
    Steht ja nicht dabei – aber ich tippe mal, es waren weiße Deutsche und keine POCS !

  3. Anne Spiegel – und mit ihr noch einige andere – ist ein Beispiel dafür, wohin uns Frauenquote und Quotenfrauen bringen.

  4. Sehr geehrter Herr Erdinger, Ihre Kommentare sind so treffend, und sprechen mir aus der Seele. Und immer wieder frage ich mich, wie kann es sein, dass unser Land so tief gesunken ist. Oder war es das schon länger und ich hab´s einfach nicht gemerkt, weil ich zu sehr damit beschäftigt war unser Bruttosozialprodukt zu steigern. Aber für wen? Für Nichtsnutze und Kindergartenpolitiker, die uns jetzt das Brot rationieren und uns in eine Knechtschaft und in einen Krieg hineinkatapultieren?

  5. „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“ (Napoleon Bonaparte)

    Wer immer noch glaubt, mit dem Import einer intoleranten Ideologie würde hier alles irgendwie bunter werden, der glaubt vermutlich auch, dass grüne Knollenblätterpilze und Tollkirschen einen Salat bunter und gesünder machen würden. Sind die Grünen jetzt der Bonus, den wir zu den Roten und Gelben als nicht kostenlose Zugabe erhalten haben? Auf den Bonus kann man getrost verzichten.

    • Volle Zustimmung, liebe Heidi.. Schön, dich hier zu lesen. Auf unserem anderen gemeinsamen blog brauch ich `ne „anonymous“-Pause. Unerträglich! Dir alles Gute. und Grüße von Freya

  6. Und was ist aus dem feinen Landrat geworden, gegen den die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt? Zuerst hat er sich krankschreiben lassen. Das hätte ich auch getan an seiner Stelle. Dann war er nach drei weiteren Monaten schwupps di wupps pensioniert. Und sein Anwalt liess kürzlich verlauten, für eine Anklage seines Mandanten habe die Staatsanwaltschaft immer noch keine Beweise vorbringen können. Das heisst auf gut deutsch: Dieser Landrat wird wohl demnächst auch aus dem Schneider sein. Wie alle diese Politfiguren, die Dreck am Stecken haben. Wer Gerechtigkeit sucht, wird sie in deutschen Landen zur Zeit nicht finden. Und dass die Ministerin Spiegel sich aus der Affäre ziehen wird, war sowieso klar. Sie ist ja ne Frau.

    • @ habe die Staatsanwaltschaft immer noch keine Beweise vorbringen können
      politisch Weisungsgebunden – da entscheidet der entsprechende Innenminister, ob der Staatsanwalt „Beweise“ findet !

  7. „Deutschland verschwindet jeden Tag ein weig mehr und ich finde das großartig“
    Wer das gesagt hat, fragen Sie sich ? DAS Darf ich leider nicht sagen, da mich der gute Mann sonst anzeigt. Nur soviel: denken Sie mal daran, was eine Kugel Eis vor 10 Jahren gekostet hat …..

  8. Volle Zustimmung zu diesem Artikel. Was vielleicht von anderen Völkern als unerträglich wahrgenommen würde, reden sich die Deutschen als fortschrittlich und innovativ ein. Deshalb die ganze Weibertruppe in der Regierung und ihr konsequenzenloses Zerstörungswerk. Die Deutschen wählen „ihre“ Regierung auch dann noch, wenn die sie sehenden Auges absaufen lässt. Aber die sieht doch so nett aus, diese Frau Spiegel……Die Deutschen lieben ihre klassischen Fehlentscheidungen und Fehlbesetzungen und sind stets bereit, diese zu verteidigen. Ich habe es aufgegeben, hierzu auf Erkenntnisse zu hoffen. Allein die Spaziergänger in ganz Deutschland reißen gerade ein bisschen was raus für den Blödmichel. Ich persönlich liebe Deutschland über Alles, aber was das aktuelle deutsche Volk betrifft….ohne weiteren Worte.

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