Deutschkenntnisse als Voraussetzung für Schwimmbadbesuch: Sicherheit durch Integration

Deutschkenntnisse als Voraussetzung für Schwimmbadbesuch: Sicherheit durch Integration

Idyll mit (an sich selbstverständlichen) Einlassvoraussetzungen: Heidebad Halle (Foto:ScreenshotYoutube)

Die Debatte um das Heidebad in Halle ist darum so aufschlussreich, weil sie weit über die Frage hinausweist, wer ein Schwimmbad betreten darf und wer nicht. Sie berührt eine der zentralen Fragen moderner Einwanderungsgesellschaften: Wer trägt die Verantwortung für Integration: Diejenigen, die in ein Land kommen und dort dauerhaft leben wollen – oder die Gesellschaft, die ihre Institutionen, Regeln und Kommunikationsformen immer weiter an die Bedürfnisse jener anpassen soll, die sich bislang nicht integriert haben? Ein Gastkommentar von Susanne Mattner auf “NEX 24” beantwortet diese Frage eindeutig. Für sie liegt das Problem nicht bei den fehlenden Deutschkenntnissen, sondern bei einer vermeintlich mangelnden Bereitschaft der Aufnahmegesellschaft, sich sprachlich und organisatorisch “anzupassen”. Die Lösung sieht sie in mehrsprachigen Hinweisschildern, Piktogrammen, QR-Codes und Übersetzungsangeboten. Sicherheit, so ihre These, entstehe durch Kommunikation, nicht durch Ausschluss.

Der erste Teil dieser Aussage ist richtig; der zweite aber mehr als fragwürdig. Natürlich entsteht Sicherheit durch Kommunikation. Genau deshalb aber ist die gemeinsame Sprache eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Funktionieren einer Gesellschaft. Kommunikation bedeutet nicht bloß die technische Übermittlung von Informationen. Kommunikation setzt ein gemeinsames Verständnis voraus, eine gemeinsame sprachliche Grundlage, auf der Regeln erklärt, Anweisungen verstanden und Konflikte gelöst werden können. Wo diese Grundlage fehlt, entstehen Missverständnisse, Unsicherheiten und im schlimmsten Fall Gefahren.

Deutsch als optionales Zusatzangebot

Gerade deshalb wirkt die Debatte in gewisser Weise verdreht. Denn anstatt zu fragen, warum Menschen, die sich regelmäßig in Deutschland aufhalten oder dauerhaft hier leben, einfache deutschsprachige Sicherheitsanweisungen nicht verstehen können, richtet sich der Blick sofort auf die Institutionen. Nicht das Integrationsdefizit wird problematisiert, sondern die mangelnde Anpassungsbereitschaft der Gesellschaft. Das eigentliche Problem verschwindet aus dem Blickfeld, während über dessen Symptome diskutiert wird.
Dabei offenbart sich ein grundlegendes Missverständnis darüber, was Integration überhaupt bedeutet. Integration heißt eben nicht, dass jede öffentliche Einrichtung die sprachlichen Defizite ihrer Besucher durch immer neue Übersetzungsangebote kompensieren muss. Integration bedeutet vielmehr, dass Menschen die Fähigkeiten erwerben, die notwendig sind, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dazu gehört in erster Linie die Beherrschung der Landessprache – das überhaupt zu relativieren, offenbar die Verdrehung.

Man muss sich nur einen Augenblick vorstellen, wie die Situation in nahezu jedem anderen Land der Welt bewertet würde. Wer nach Frankreich zieht, wird Französisch lernen müssen. Wer dauerhaft in Polen lebt, wird Polnisch lernen müssen. Wer sich in Japan niederlässt, wird ohne Japanisch erhebliche Schwierigkeiten haben. Nirgendwo würde die Forderung ernsthaft erhoben, die gesamte öffentliche Infrastruktur dauerhaft an die sprachlichen Bedürfnisse jener anzupassen, die sich der Sprache des Landes nicht ausreichend bemächtigt haben und dies teils vorsätzlich verweigern. Nur ausgerechnet Deutschland will hier  eine Ausnahme bilden. Die Fähigkeit, Deutsch zu sprechen, wird nicht mehr als selbstverständliche Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe betrachtet, sondern zunehmend als eine Art optionales Zusatzangebot. Die Verantwortung wird umgekehrt: Nicht der Einzelne soll sich die Sprache aneignen, sondern die Gesellschaft soll ihre Kommunikationsstrukturen an den Einzelnen anpassen.

Relativierung und Ambivalenz

Diese Denkweise hat weitreichende Folgen. Denn jede Form institutionalisierter Anpassung reduziert zugleich den Druck zur Integration. Wo jede Information in zahlreichen Sprachen verfügbar ist, verliert die gemeinsame Sprache an Bedeutung. Wo jede Verständigungsschwierigkeit durch technische Hilfsmittel ausgeglichen werden soll, wird die Notwendigkeit sprachlicher Integration relativiert. Die Gesellschaft sendet damit ein widersprüchliches Signal aus: Einerseits erklärt sie Integration zu einem zentralen politischen Ziel, andererseits organisiert sie ihre Institutionen zunehmend so, als sei Integration gar nicht mehr erforderlich. Besonders deutlich wird dies an den immer wieder genannten Piktogrammen und QR-Codes. Gewiss können solche Hilfsmittel in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Niemand wird bestreiten, dass ein Warnsymbol auch dann verständlich sein kann, wenn die dazugehörige Sprache nicht beherrscht wird. Doch moderne Gesellschaften funktionieren nicht auf der Grundlage von Bildzeichen. Sie funktionieren auf der Grundlage von Sprache.

Ein Bademeister, der einen Streit schlichten muss, benötigt Sprache. Ein Rettungsschwimmer, der in einer Gefahrensituation Anweisungen gibt, benötigt Sprache. Ein Arzt im Notfall benötigt Sprache. Ein Lehrer, ein Polizist, ein Verwaltungsbeamter – sie alle sind auf Sprache angewiesen. Die Vorstellung, komplexe gesellschaftliche Kommunikation lasse sich dauerhaft durch Symbole und Übersetzungsprogramme ersetzen, verkennt den Charakter einer modernen Gesellschaft. Der Geschäftsführer des Heidebades, Mathias Nobel, verteidigte seine Maßnahme genau mit diesen Argumenten. Man müsse sicherstellen, dass alle Besucher die Baderegeln verstünden, sagte er gegenüber der dpa. „In einzelnen Fällen wurden Gäste nicht eingelassen, wenn aus Sicht des Betreibers keine ausreichende Verständigung über sicherheitsrelevante Hinweise möglich war.“ Dies habe „vereinzelt zu Unmut“ geführt, werde jedoch im Interesse der allgemeinen Sicherheit bewusst in Kauf genommen. Badegäste müssten zudem auf Ansprachen der Rettungsschwimmer reagieren können. Komme eine Gruppe, in der niemand ausreichend Deutsch verstehe, entstünden Bedenken im Team. Mit der Regelung wolle er auch sein Personal entlasten.

Moral schlägt Selbstverständlichkeit

Bademeister hätten es zuletzt abgelehnt, Baderegeln einzeln in ein Übersetzungsprogramm zu sprechen. „Mein Personal ist so schon an der Grenze„, sagte Nobel. Trotz Kritik wie vom Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa) wolle das Bad an der Regel festhalten. Die obligatorischen “Rassismus”-Vorwürfe weist Nobel von sich und verweist auf viele ausländische Badegäste, die sich an die Regeln halten. Das wiederum zeugt von einer bemerkenswerten moralischen Asymmetrie. Von der Mehrheitsgesellschaft (!) wird erwartet, ihre Institutionen möglichst inklusiv, sensibel und flexibel zu gestalten. Wer jedoch darauf hinweist, dass auch die Minderheit der Einwanderer eine Integrationsleistung schulden, sieht sich schnell dem Vorwurf der Ausgrenzung oder Diskriminierung ausgesetzt. Damit wird eine eigentlich selbstverständliche Erwartung moralisch problematisiert. Doch worin soll die Diskriminierung hier eigentlich bestehen? Darin, dass von Menschen erwartet wird, die Sprache des Landes zu lernen, in dem sie leben? Eine solche Erwartung ist weder außergewöhnlich noch ungerecht. Im Gegenteil: Sie drückt Vertrauen in die Fähigkeiten der Menschen aus. Sie setzt voraus, dass Integration möglich ist und dass die Betroffenen dazu in der Lage sind.

Doch merkwürdigerweise enthält gerade die Gegenposition oft ein wesentlich problematischeres Menschenbild. Denn wer ständig Ausnahmen fordert, wer dauerhaft Sonderregelungen etablieren möchte und wer sprachliche Anforderungen grundsätzlich als Zumutung betrachtet, vermittelt letztlich die Botschaft, bestimmte Gruppen seien nicht in der Lage, dieselben Integrationsleistungen zu erbringen wie frühere Einwanderergenerationen. Das ist keine Form der Wertschätzung, sondern eine Form paternalistischer Herablassung.

Fragmentiert statt offen

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob Sicherheit durch Kommunikation entsteht; darüber besteht Einigkeit. Die entscheidende Frage ist vielmehr, welche Art von Kommunikation eine Gesellschaft langfristig tragen soll. Eine Gesellschaft, die auf Dauer auf immer neue Übersetzungen, Sonderregelungen und Anpassungsleistungen angewiesen ist, verliert ihre gemeinsame Verständigungsgrundlage. Sie wird nicht offener, sondern fragmentierter. Die gemeinsame Sprache ist kein Instrument der Ausgrenzung. Sie ist im Gegenteil das wichtigste Instrument der Integration. Sie ermöglicht Vertrauen, Verständigung und gesellschaftli-chen Zusammenhalt. Wer Deutsch spricht, versteht die Badeordnung. Wer Deutsch spricht, versteht die Durchsage des Bademeisters. Wer Deutsch spricht, kann Hilfe leisten und Hilfe erhalten. Wer Deutsch spricht, bewegt sich sicherer durch den Alltag. Dass das die Stadt Halle anders sieht, war erwartbar: Sie bittet aktuell den Badbetreiber, “pauschale Einlassbarrieren” sofort zurückzunehmen, wie ein Sprecher gegenüber dem “Mitteldeutschen Rundfunk” mitteilte. Der Zugang zum Bad müsse für die Allgemeinheit gewährleistet sein. Die Gefahrenabwehr, wie in dem Fall das Verstehen von Baderegeln, rechtfertige keine pauschalen Verbote. Das Hausrecht dürfe nicht dafür genutzt werden, ganze Bevölkerungsgruppen vom Eintritt in das Bad auszuschließen.

Zuvor hatte die Stadt dem Heidebad in einem schriftlichen Statement “Unterstützung” angeboten. Man wolle helfen, “Kommunikationsschwierigkeiten zu beheben, um die Sicherheit aller Badenden zu gewährleisten”. Die Stadt empfiehlt prompt Piktogramme oder QR-Codes, mit denen Gäste zum Beispiel übersetzte Baderegeln in ihrer Sprache abrufen können – also genau jene Instrumente, die auch Mattner ins Spiel gebracht hatte. Chris Hegel MdL, der innenpolitische AfD-Fraktionssprecher Baden-Württembergs, schlug inzwischen vor, das Deutschgebot bis auf Weiteres in allen Bädern zum Standard zu machen. Hintergrund war hier die Ankündigung des Heidelberger Tiergartenbads, Security anzuschaffen, nachdem Gruppen von bis 30 zu Jugendlichen wiederholt Anweisungen ignoriert, am Beckenrand andere Badegäste angerempelt und Mitarbeiter beschimpft hatten – was das Bad euphemistisch als “ungewöhnlich unübersichtliche Situation” gelabelt hatte. Deshalb liegt der Fehler der Debatte nicht in dem Wunsch nach Sicherheit, sondern in der Verwechslung von Ursache und Wirkung. Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass man die Folgen mangelnder Integration verwaltet. Sicherheit entsteht dadurch, dass Integration gelingt. Und Integration beginnt mit der Sprache.

15 Kommentare

  1. wer nicht Deutsch lernen will oder es nach gewisser Zeit nicht kann RAUS, auch in Kriegsgebiete per Fallschirm,oder einquartieren bei Gutmenschen der SPD, Grünen,Linke und CDU

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    1. Wir haben niemanden zu integrieren.

      Wer zu uns kommt und bleiben will, hat sich selbst zu integrieren.
      Wer das nicht kann oder nicht will, hat wieder zu verschwinden.

  2. „Mit großer Sorge beobachten wir die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Zuzug von vielen Millionen von Ausländern und ihren Familien, die Überfremdung unserer Sprache, unserer Kultur und unseres Volkstums. (…) Völker sind (biologisch und kybernetisch) lebende Systeme höherer Ordnung mit voneinander verschiedenen Systemeigenschaften, die genetisch und durch Traditionen weitergegeben werden. Die Integration großer Massen nichtdeutscher Ausländer ist daher bei gleichzeitiger Erhaltung unseres Volkes nicht möglich und führt zu den bekannten ethnischen Katastrophen multikultureller Gesellschaften. Jedes Volk, auch das deutsche Volk, hat ein Naturrecht auf Erhaltung seiner Identität und Eigenart in seinem Wohngebiet. Die Achtung vor anderen Völkern gebietet ihre Erhaltung, nicht aber ihre Einschmelzung („Germanisierung“).“

    -Heidelberger Manifest von mehrereren Heidelberger Universitätsprofessoren 1981

    ,,Gefesselte Kinder bei Islamisten-Demo im Kalifat Berlin! Kindeswohl-Gefährdung!“

    1. In Offenbach findet man kaum noch einen Deutschen.
      Wenn sich die Musels gegenseitig erschießen, ist das für mich ein Grund zur Freude.
      😜

  3. Wenn du nach Rom gehst, benimmt dich wie ein Römer!

    Diese uralte Weisheit ist bei vielen Völkern noch nicht angekommen.
    Insbesondere nicht bei den Millionen Zeitreisenden aus dem siebten Jahrhundert.

    Diese Leute gehören nicht hierher. Sie haben hier nichts verloren und darum hier auch nichts zu suchen. Fort mit ihnen!
    😜

  4. „Wer die Baderegeln sprachlich nicht versteht, muss draußenbleiben.“
    Bedauerlich, dass das nur für das Freibad möglich ist.
    In normalen Ländern ist das Grundvoraussetzung für ein Aufenthaltsrecht.

    1. Im Bundestag sitzen auch eine Menge welche die deutsche Sprachen nicht beherrschen! Bestes Beispiel die Pläärbock!

  5. Grundsätzlich!

    Überall auf der Welt gilt:

    Wer als Gast kommt, hat
    sich als solchen zu benehmen.

    Wenn ich irgendwas nicht
    verstehe, dann wird einem
    jemand sicherlich behilflich
    sein.

    Sich aber zu benehmen wie
    Sau, das kann es nicht sein.

    Merke: Die Grenzen in dem
    heutigen Europa wurden
    deshalb geöffnet, um den
    Deutschen maximal zu
    schaden!!

    Dazu stehe ich.

  6. Das Geschnatter um eine Anordnung in Halle, die sehr viele Migranten eben nicht ausschließt, wäre nicht nötig, um zu wissen, was Sache ist. Der deutsche, ethnische Selbsthass oder, im Minimum, der deutsche Mangel an ethnischem Selbstwertgefühl, zeigt sich unmissverständlich auf Plakaten, die das Begrapschen von Frauen in Schwimmbädern verbieten. Man sieht weiße, mutmaßlich junge Männer, die im Rudel ein braunhäutiges Mädchen begrapschen. Erstaunlicherweise trifft die Darstellung des Rudels als solche zu, aber die tugendsam beschworene Hautfarbenkombination kommt sehr selten vor, und selbstverständlich wissen das auch die, die diese Plakate her- und aufstellen. Dass der typische Fall – erlebnisorientierte Partyszenisten begrapschen einheimische und so aussehende Mädchen und Frauen – mit nichts angedeutet wird, kann man mit der Angst der Zuständigen vor der Rassismuskeule erklären, wenn auch nicht ganz entschuldigen. Feigheit ist Feigheit ist Feigheit. Aber warum wäre es schon rassistisch, Täterrudel und Opfer mit gleichen Hautfarben darzustellen?

  7. Ob die Algerier mit ,,französischen“ Papieren bei der Belagerung des deutschen Freibads ,,Deutschkenntnisse“ vorweisen konnten ???

    50 bis 60 ,,junge Männer aus Frankreich“ ( Buntsprech) versuchten, ein Freibad in Kehl zu stürmen. Laut Augenzeugen handelte es sich überwiegend um Algerier. Zudem häufen sich bundesweit Berichte über sexuelle Übergriffe.

    https://www.welt.de/videos/video6a4254853ee0e5c74e6de90b/sommerwetter-poebeleien-massenschlaegereien-sexuelle-uebergriffe-wenn-der-freibadbesuch-zum-albtraum-wird.html

    KEHL. Eine große Männergruppe aus Frankreich hat am Sonntag einen Polizeieinsatz in einem Freibad in Kehl ausgelöst. Nach Angaben der Polizei sollen etwa 50 bis 60 Männer versucht haben, ohne Eintritt in das Bad im Stadtteil Auenheim zu gelangen.

    ,,Die Gruppe sei über den Außenzaun geklettert. Anschließend soll es mehrfach zu verbalen Auseinandersetzungen mit dem Sicherheitspersonal gekommen sein.

    Die Männer hätten zudem Mülleimer geleert und sich nicht an die Baderegeln gehalten. Der Sicherheitsdienst verwies die Gruppe den Angaben zufolge mehrfach des Geländes. Die Männer seien den Aufforderungen jedoch nicht nachgekommen. Als die Polizei eintraf, wurde das Freibad geräumt. Die Störer verließen den Ort unerkannt. Kehl liegt direkt an der Grenze zu Frankreich, östlich von Straßburg. Bereits im vergangenen Jahr hatte es in dem Auenheimer Freibad Vorfälle mit Jugendlichen gegeben. Mehrheitlich beteiligt waren damals junge Männer mit arabischem Migrationshintergrund.“

    https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2026/gelaende-geraeumt-maennergruppe-stuermt-freibad-in-kehl/