Freitag, 21. Juni 2024
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Deutschland, ein Schützenfest: Analoge Lebensfreude pur

Deutschland, ein Schützenfest: Analoge Lebensfreude pur

Schützentradition in Deutschland (hier das traditionelle Böllerschießen an der Münchner Bavaria) (Foto:Imago)

Wer freut sich nicht in den nächsten Monaten wieder auf zahlreiche Schützenfeste landauf, landab? Viele Menschen denken beim Begriff “Schützenfest“ nicht an die Aneinanderreihung von Fress- und Saufbuden, bei größeren Festen auch ab viele Fahrgeschäfte, zumindest ein Festzelt, Gauklerstände, Luftgewehrschießbuden und Glückslosbuden, also mannigfaltige Unterhaltung? Das sind weitgehend Klischees; natürlich lieben etliche Zeitgenossen auch die überbordende Feierkultur in den Festzelten, ekeln sich aber durchaus vor den herumtorkelnden Besoffenen, die das “Klassenziel” voll erreicht haben. Dass bei Schützenfesten jedoch auch echte sportliche Höchstleistung “ausgeschossen“ wird, geht an der überwältigenden Mehrheit der Schützenfestbesucher folgenlos vorbei und wird bestenfalls beiläufig zur Kenntnis genommen. Dass diese Vergleichsschießen und das Ausschießen der verschiedenen “Könige“ der eigentliche Anlass für dieses Schützenfest sind und welchen ernsten Hintergrund das Schützenwesen in Deutschland hat, wissen die wenigsten.

Nun gut! Nähern wir uns der Geschichte erst einmal sprachlich: Die etymologische Nähe zwischen den Wörtern “Schützen“ und “Schutz“ ist offensichtlich. Die “Schützen“ entstanden aus wehrhaften Bürgern, die ihre Städte und Dörfer im Bedarfsfall gegen Angriffe von Außerhalb verteidigen konnten. Dazu übten sie regelmäßig das Schießen mit Bögen, Armbrüsten und später auch mit Gewehren. Bei der Verteidigung der mittelalterlichen Städte spielten die Schützen eine wichtige Rolle. Jedes Jahr wurden große Schießwettbewerbe, sogenannte Schützenfeste oder Freischießen, abgehalten und dabei die “Schützenkönige“ gekürt. In vielen Städten war der einjährige Titel des Schützenkönigs hoch begehrt, weil er – aus Dank für die geleisteten Dienste und als Anreiz für alle Bürger gedacht, sich bei den Schützen zu engagieren – mit einer kompletten Steuerbefreiung für das Amtsjahr verbunden war.

Aber damit nicht genug! Damals wussten die Menschen, was sie an ihren Schützen hatten, und so wurde den Schützengesellschaften, -bruderschaften und -zusammenschlüssen auch weitreichende Privilegien verliehen. Sie bekamen teilweise das Braurecht, das Marktrecht, feste Vertreter in den Magistraten, manchmal sogar einen Obolus zur Anschaffung und Pflege der Ausrüstung vom Kämmerer. Diese Privilegien unterstrichen die zentrale Rolle der Schützen in der Gesellschaft und ihre Bedeutung für die Sicherheit und das Wohl der Gemeinschaft.

Die Schützen waren mehr als nur Verteidiger; sie waren auch bedeutende soziale Akteure. Schützenvereine fungierten als wichtige soziale Institutionen, die das Gemeinschaftsleben prägten. Die regelmäßigen Treffen und Übungen stärkten nicht nur die militärische Disziplin, sondern auch den Zusammenhalt unter den Bürgern. Es war üblich, dass Schützenfeste und Freischießen nicht nur sportliche Ereignisse, sondern auch gesellschaftliche Höhepunkte waren, bei denen die gesamte Stadt zusammenkam, um zu feiern. Diese Feste boten Gelegenheiten für Tanz, Musik und geselliges Beisammensein, wodurch sie zu einem festen Bestandteil des kulturellen Lebens wurden.

Ein weiteres interessantes Detail der Schützentradition ist ihre Integration in religiöse und festliche Bräuche. Schützenvereine organisierten oft Prozessionen zu Ehren ihrer Schutzheiligen und nahmen an kirchlichen Festen teil. Diese Verknüpfung von militärischer Bereitschaft und religiöser Frömmigkeit spiegelte die enge Verbindung zwischen Kirche und Gemeinschaft wider, die im Mittelalter und in der frühen Neuzeit so typisch war. Die Schützenbruderschaften betrachteten ihre Tätigkeit nicht nur als Dienst an der Stadt, sondern auch als eine Art spirituelle Pflicht.

Mit der Zeit entwickelten sich Schützenvereine weiter. Während sie in ihrer ursprünglichen Form vor allem der Verteidigung dienten, wandelten sie sich im Laufe der Jahrhunderte zu zivilen Organisationen, die das kulturelle Erbe pflegten und soziale Projekte unterstützten. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden Schützenvereine oft zu wichtigen lokalen Institutionen, die sich um die Pflege von Traditionen, die Organisation von Festen und die Förderung des Sports kümmerten. Sie leisteten einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben und stärkten das Gemeinschaftsgefühl.

Heutzutage haben viele Schützenvereine ihre militärische Rolle vollständig abgelegt und konzentrieren sich auf sportliche und soziale Aktivitäten. Das Schützenwesen hat sich zu einem wichtigen Teil des kulturellen Erbes entwickelt, das in vielen Regionen Deutschlands noch immer gepflegt wird. Moderne Schützenfeste ziehen zahlreiche Besucher an und sind ein wichtiger Bestandteil des lokalen Brauchtums. Sie bieten eine Bühne für Traditionen und sind gleichzeitig ein Ort, an dem sich die Gemeinschaft versammelt und neue Mitglieder integriert werden.

Ein Beispiel für die fortbestehende Bedeutung der Schützenvereine ist das berühmte Schützenfest in Hannover, eines der größten seiner Art in Deutschland. Jährlich lockt es Hunderttausende von Besuchern an, die sich an Paraden, Schießwettbewerben und vielfältigen kulturellen Darbietungen erfreuen. Dieses Fest zeigt, wie lebendig die Tradition der Schützen auch heute noch ist und wie sie sich im Laufe der Zeit an moderne Bedürfnisse und Gegebenheiten angepasst hat.

In vielen kleineren Städten und Dörfern sind die Schützenvereine weiterhin eine zentrale Institution. Sie organisieren nicht nur sportliche Wettbewerbe, sondern engagieren sich auch in sozialen Projekten und der Jugendarbeit. Durch ihre Aktivitäten tragen sie zur Erhaltung des lokalen Brauchtums bei und fördern den Zusammenhalt in der Gemeinschaft. Schützenvereine bieten eine Plattform, auf der Generationen zusammenkommen, Traditionen weitergegeben und gemeinsame Werte gepflegt werden.

Die Geschichte der Schützenvereine ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie sich soziale Institutionen im Laufe der Zeit verändern und anpassen können. Von ihrer Rolle als Verteidiger der Städte und Dörfer haben sie sich zu Hütern des kulturellen Erbes und Förderern des Gemeinschaftslebens entwickelt. Diese Entwicklung zeigt, wie eng historische und kulturelle Identität miteinander verknüpft sind und wie wichtig es ist, Traditionen zu bewahren und gleichzeitig offen für Veränderungen zu sein.

Zusammengefasst ist die Geschichte der Schützenvereine ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen. Sie verdeutlicht, wie sich Traditionen über Jahrhunderte hinweg anpassen und neu interpretieren lassen, ohne ihren Kern zu verlieren. Schützenvereine bleiben eine lebendige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die zeigt, wie Gemeinschaft, Kultur und Geschichte miteinander verwoben sind.

Bewegte Geschichte des Schützenwesens

Zu Luthers Zeiten, als die Schützen flächendeckend von Pfeil, Bogen und Armbrüsten auf Musketen umstellten, gab es bereits eine erste Phase, in der das Schützenwesen allmählich zur reinen Traditionspflege verkam – denn mittlerweile waren wegen der alles beherrschenden Armut größere Söldnerheere auch für Landesherren mittelgroßer Territorien erschwinglich geworden. Das änderte sich jedoch schlagartig im Jahr 1618. Mit der Defenestration von Prag wurde der hochtraumatische Dauerkonflikt ausgelöst, der mindestens zwei gesamte Generationen prägte und der später als Dreißigjähriger Krieg ins kollektive Gedächtnis der Deutschen einging. Die Bedeutung der Schützen wuchs wieder und gerade auf den Dörfern wurden sie nun zwangsläufig zu ernstzunehmenden Gegnern der marodierenden Soldateska. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Schaden an Menschen, Vieh, Weiden, Äckern und Gebäuden noch erheblich größer gewesen wäre, hätte es die Schützen nicht gegeben, die oftmals Schlimmeres verhinderten.

In den napoleonischen Kriegen stellten die Schützen eine unfassbar hohe Anzahl an Freiwilligen. Auch hier können wir davon ausgehen, dass ohne das Schützenwesen unter anderem die Freischärlergruppen – am bekanntesten sind wohl die “Schwarze Schar” des Herzogs von Braunschweig oder das Freicorps von Lützow (dessen Uniformfarben Schwarz-Rot-Gold zum Symbol der deutschen Demokratie wurden), – schlicht nicht möglich gewesen wären. Heinrich Heine erkannte die Brisanz und Macht der Schützen und würdigte sie literarisch in seinem Gedicht “Deutschland – Ein Wintermärchen“: “Du häßlicher Vogel (gemeint ist der Preußenadler, Anm. d. Autors), wirst du einst Mir in die Hände fallen, / So rupfe ich dir die Federn aus / Und hacke dir ab die Krallen. / Du sollst mir dann, in luft’ger Höh’ / Auf einer Stange sitzen, / Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei / Die rheinischen Vogelschützen…

Fortschreitende Entwaffnung durch einen anmaßenden Staat

Im Kaiserreich wurden die Schützen hofiert, denn man erwartete von ihnen die militärische Grundausbildung der breiten Masse. Nach dem ersten Weltkrieg stellten die Schützen auch wieder viele Freiwillige – sowohl für die Freicorps als auch für die Rotfrontkämpfer auf der Gegenseite. An diesem Konflikt sind viele Schützenvereine zerbrochen oder gingen geschädigt heraus. Kurze Zeit später, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Gleichschaltung der Schützen, waren die Schützenvereine zu einer reinen Traditionspflege als “Schießsportpflegende“ (wie man heute wohl sagen würde) verkümmert. Nach dem Krieg und mit steigendem Wohlstand wurden die Schützenfeste größer und – ganz besonders was die Unterhaltung betrifft – auch exzessiver. Gerade bei kleineren Gemeinden herrscht bis heute eine wirklich sagenhafte (!) Stimmung in den Festzelten – und das oftmals lediglich bei analoger Beschallung.

Die Schützenfeste bilden bis heute einen der Höhepunkte im Jahresablauf im Dorfleben. Doch leider werden – seit nunmehr über zwanzig Jahren – werden Jäger (“Jagende“) und Schützen immer mehr gegängelt und bevormundet. Der Staat geht immer rücksichtsloser gegen Schützengesellschaften, -bruderschaften und -vereine vor und zerstört damit unabdingbare soziale Sicherheitsstrukturen. Der Grund liegt auf der Hand: Ein durch und durch korrumpiertes politisches  System fürchtet nichts mehr als Unruhen oder gar einen Volksaufstand, in dem dann alle sonstigen Waffenträger zur potentiellen Bedrohung des staatlichen Gewaltmonopols werden. Bei vielen Politikern ist es auch nur die schiere Angst vor Selbstjustiz, die begründete Sorge, von einer bewaffneten Masse womöglich irgendwann für die verbrochenen Zumutungen zur Rechenschaft gezogen zu werden. Allerdings werden durch diese einst sublimen und schleichenden, mittlerweile jedoch immer offener geforderten Entwaffnung auch von Traditions-, Sport- und Jagdorganisationen die “schon länger hier Lebenden“ zu einer wehrlosen Verfügungsmasse eines übergriffigen Staates gemacht. Deshalb: Lasst euch nicht enteiern!

6 Responses

  1. das war der letzte auftritt….. demnächst kommt der “haldezwang” und beschlagnahmt alle waffen wegen der gefahr von:
    reichsbürger
    nazi
    terror
    asylimord
    freiheitskämpfer
    rechtsradikale
    wutbürger
    klimagegner
    corona-vergessene
    politisch gefährliche
    selbstdenker und
    ehrliche demokraten….

    oh ihr deppen…..

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  2. … Lasst euch nicht enteiern …. Guter Zuruf. Und verdammt wichtig!
    Danke für die interessante geschichtliche Áufarbeitung.
    War selbst als Jugendlicher im Schützenverein mit KK und Luftgewehr. War ‘ne schöne Zeit.
    Plane dies auch wieder aufzunehmen …
    JETZT GERADE

    Gruß Rolf 😉

  3. Nur mal so als Anregung zum Nachdenken: Welches ist die stabilste Demokratie in Europa ? Es ist auch das Land mit der höchsten Waffendichte – Die Schweizerische Eidgenossenschaft !

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  4. Es sind nicht nur die Ängste der korrupten Politverbrecher in unserem Land, die selbst harmlosen Schützenvereinen den Garaus machen wollen. Die Motivation hierzu kommt auch aus dem Bestreben grün-linker Politiker zur Zerstörung aller Traditionen und aller Bräuche zwecks Entwurzelung und Geschichtsvergessenheit der Bevölkerung. Hierzu gehören auch die Genderideologie, die Verhunzung der Frauen und Mütter zu rein Gebärenden oder die Bezeichnung Eltern 1 und Eltern 2 anstelle Vater und Mutter, sowie die Gleichsetzung von Homoehen. Der Hass dieser Politiker gegen christliche Religionen und alles Traditionelle ist aus einem Guss und kommt aus der gleichen Gosse kranker Hirne. Diese Vorhaben und Politiker müssen mit allen (erlaubten) Mitteln bekämpft und von der politischen Bühne verbannt werden.

  5. Mein Vater war Bauer unf Jaeger und er hat uns immer auf den Schiesstand mitgenommem. Manchmal durften wir auch auf Dosen Schiessen, dass ist schon lange her und waere heute nicht mehr moeglich.
    In der Buntland Republik muss alles und jedes registriert, gemeldet und ueberwacht werden werden, nur die Messermaenner nicht.
    In dem Staat in dem ich lebe wird e versucht, das 2A um zuaendern und das Waffenrecht zu verschaerfen.
    Mein Arzt hat einen Aufkleber an der Eingangstuer darauf steht”Concealed carry permitted” und dazu das Bild einer Pistole. in Buntland undenkbar.