Deutschland, Land der Unwörter

Alle Jahre wieder: Die linke Sprachpolizei schlägt zu (Symbolbild:Imago)

Zu den vielen absurden Traditionen, die es nur in Deutschland gibt, gehört auch die Wahl zum „Unwort des Jahres“. Einst noch politisch unvoreingenommen und nicht tendenziös ermittelt, dient es in jüngster Zeit zunehmend zur Brandmarkung und Pejorisierung von nüchternen Zustandsbeschreibungen, die linkem Wunschdenken zuwiderlaufen. Für 2022 lautet das Unwort nun „Klimaterroristen“, wie die im hessischen Marburg ansässige „Unwort-Aktion“ bekannt gab. Zur Begründung hieß es, der Ausdruck sei im öffentlichen Diskurs benutzt worden, um Aktivisten und deren „Proteste für mehr Klimaschutz zu diskreditieren”. Selten wurden schwere Straftaten schamloser schöngeredet als hier: Die selbsternannten Sprachhygieniker bemäkeln, „Aktivistinnen und Aktivisten“ würden durch die Begriffsverwendung mit „Terroristen” gleichgesetzt und dadurch „kriminalisiert und diffamiert“. Gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und des demokratischen Widerstands würden so in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt, ließ die Jury weiter verlauten. Und schließlich verschiebe der Begriff „den Fokus der Debatte von den berechtigten inhaltlichen Forderungen der Gruppe hin zum Umgang mit Protestierenden“. Er zähle auch zu einer Reihe von weiteren Begriffen aus der öffentlichen Debatte, die Aktivistinnen und Aktivisten sowie deren Ziele diffamierten – unter anderem „Ökoterrorismus“ oder „Klima-RAF“.

Es ist die alte Weisheit, dass die Unterscheidung zwischen Terrorist und Freiheitskämpfer nur eine Frage des Standpunkts ist – und im Fall der Marburger Jury und ihren journalistischen Geistesverwandten ist der „Kampf fürs Klima” eben eine Heldentat, die offenbar jeden Zweck rechtfertigt – und wer das anders sieht oder auch nur ganz objektiv betrachtet, und die faktisch lebensgefährdenden Anschläge auf Infrastruktur und öffentliche Sicherheit als das benennt, was sie nun einmal sind – Ausprägungen von Terrorismus -, der ist ein Un-Mensch, der Un-Worte gebraucht. So einfach ist das.

Selbstlegitimierende Anmaßungen

Die Jury-Positionierung zugunsten der Klima-Irren wurde denn auch von den derart Gesundgebeteten und in Schutz Genommenen wohlverstanden: Wenig überraschend erklärten die Klimaretter der „Letzten Generation“, die Wahl der Marburger Jury sei „ermutigend“, denn durch die Gleichsetzung des Protests mit Terrorismus werde „demokratisch legitimierter Widerstand in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt“. Auch hier wieder die selbstlegitimierende Anmaßung: Natürlich ist demokratischer Widerstand legitim – aber eben nicht mit allen Mitteln. Doch das geht in naive verblendete Köpfe, die sich im Zeichen des Weltuntergangsalarmismus haben instrumentalisieren lassen, nicht hinein.

Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth ließ es sich nicht nehmen, die Entscheidung zu begrüßen. Ein Begriff wie „Klimaterroristen“ sollte in „einer zivilisierten, demokratischen Debatte nichts zu suchen haben“, befand sie. Damit werde „Terror verharmlost”. Auch dem grünen baden-württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann ließ die Bürde seiner Regierungsgeschäfte offenbar noch Zeit, mitzuteilen, dass er den „Klimaterror”-Begriff  „völlig unangemessen“ finde, und den ungebetenen Rat zu erteilen, ihn nicht zu verwenden. Merke: „Terror” ist politische Gewalt nur, wenn sie sich gegen linke Politik richtet, da reichen dann schon die Aufbewahrung einer legalen Armbrust in einem Rentnerhaushalt und verschrobene Statements in geschlossenen Telegram-Gruppen. Wenn Pipelines sabotiert und Krankenwagen mit Notfallpatienten an der Weiterfahrt gehindert werden, ist es niemals Terror!

Alljährliche Farce

Auf Platz zwei landete der Ausdruck „Sozialtourismus“, dem man bereit 2013 den Spitzenplatz eingeräumt hatte. Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hatte ihn im September zu benutzen gewagt, um so zutreffend wie prägnant das Phänomen zu beschreiben, dass viele angeblich kriegsgebeutelte Ukrainer allmonatlich die Möglichkeit nutzen, sich die ihnen in Deutschland gewährten Sozialleistungen abzuholen und dann nach Hause zurückzukehren. Auch hier ist die Realität wieder zu „populistisch“ und „rechts”, um sie auszusprechen – so dass jeder Versuch, es dennoch zu tun, zum „Unwort” erklärt werden muss.

Auf zwei Dinge kann man sich bei der seit 1991 alljährlich stattfindenden „Unwort”-Farce verlassen: Erstens wird diese – wohlgemerkt nicht repräsentativ-seriös durchgeführte, sondern rein private – Aktion selbsternannter Sprachrichter, die sich in DDR-Manier anmaßen, zu definieren, was gesagt werden darf, von sämtlichen Medien aufgegriffen und stets an prominenter Stelle vermeldet – so, als handele sich um eine offizielle Sprachregelung mit Verbotscharakter (dazu passt, dass die jeweilige noch so abstruse Begründung der „Unwort”-Jury nach jeder Kür ausführlich und kritiklos weitergegeben wird). Und zweitens handelt es sich zumindest in den letzten 10 Jahren bei jedem Unwort garantiert um einen Begriff, der linken Lebenslügen widerspricht oder sie entzaubert. Man kann es auf die Formel bringen, dass grundsätzlich solche Wortschöpfungen und Begriffe, die entweder die Wahrheit beim Namen nennen oder der kulturmarxistischen Revolution im Wege stehe, in den Augen des durch und durch linksgepolten Marburger Sprachgerichtshofs „Unworte” sein müssen. Was das betrifft, unterscheiden sich die dortigen Sprachjuroren nicht von ähnlichen Initiativen wie der linksradikalen „Floskelwelle“, die – von der „Tagesschau” auf geradezu perverse Weise gewürdigt – zuletzt das Wort „Freiheit” zur „Floskel des Jahres” erklärten. So etwas hätte sich nicht einmal das Politbüro der späten DDR getraut.

Geklitterte Wirklichkeiten

2021 war es der Begriff „Pushback“ – weil damit ein angeblich menschenfeindlicher Prozess des Zurückdrängens von illegalen Flüchtenden an den Grenzen beschönigt werde, obwohl „Pushback” nicht erlaubter Eindringlinge zu allen Zeiten, solange es Grenzen gibt, der einzige und eigentliche Zweck jedes Grenzschutzes war. Im Jahr davor war die Jury so erbost über zweierlei Missstände – Grundrechtsdemonstranten während der „Pandemie” UND Versuche einer milden Migrationsbegrenzung -, dass sie mit „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“ erstmals zwei Unwörter wählte. 2018 war es die „Anti-Abschiebeindustrie” (weil der Ausdruck zeige, „wie sich der politische Diskurs sprachlich und in der Sache nach rechts verschoben hat und sich damit auch die Sagbarkeitsregeln in unserer Demokratie auf bedenkliche Weise verändern“); 2015 war es – welche Überraschung, im großen Jahr der Willkommenskulturschaffenden und Bahnhofsklatscher – der Ausdruck „Gutmensch“.

Umgekehrt wurde natürlich noch nie ein Begriff aus dem linken Ideologieapparat, der eingebildete Alarmismen oder geklitterte Wirklichkeiten transportieren soll, als Unwort gebrandmarkt. Im Gegenteil: In diesem Propagandamilieu kreierte und inflationär verwendete Vokabeln werden ganz ironiefrei dann oftmals sogar zum „Wort des Jahres“ gekürt. Beispiele sind Begriffe wie „Klimakatastrophe“ (2007) oder „Flüchtlinge“ (2015). In dieser Kategorie gibt es auch einen „Satz des Jahres“; unter den Preisträgern der letzten Jahre finden sich hier die beiden verhängnisvollen Merkel-Sätze: Fukushima hat meine Haltung zur Kernenergie verändert“ (2011) und „Wir schaffen das“ (2015). Genau diese beiden Sätze waren es übrigens, die den katastrophalen Zustand eingeleitet haben, in dem sich Deutschland heute befindet. Für die Marburger Jury waren sie preiswürdig. Nicht nur mit der Unwort-Aktion an sich, sondern auch in ihrer grotesken Einseitigkeit bringen die Juroren damit Verhältnisse in diesem Land perfekt auf den Punkt: Wahr ist, was zum Unwort erklärt wird.

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20 Kommentare

  1. ich könnte mir vorstellen, daß nach der Vorstellung des Regimes der letzten Jahre auch Lebensretter, Jurist oder Politiker der Liste der Unwörter beigefügt werden können !
    Auch Polizisten haben sich bei mir in den letzten 2 Jahren zu üblen Gestalten entwickelt !

    • Die einzige Koalition die für mich in Frage käme wäre CDU/CSU und AFD, alles andere wäre der selbe Brei den wir schon haben.
      Grün und Rot müssen in jedem Fall weg,
      wenn Deutschland nicht endgültig untergehen will.

      • Sehr richtig. Solange sich die Idioten bei der CDU jedoch „abgrenzen“, wird es nichts werden. Bedauerlicherweise gibt es noch immer dermaßen viele Schlafschafe, die sich nur aus den GEZ-Medien informieren und den linksgrünen HAmpeltruppen glauben.

  2. Das Wort „Klimaterroristen“ passt wie der Kleber a.d. Straße !

    Tatsachen können nicht zum Unwort und somit zur Unmöglichkeit herunter gespielt werden.

    Ein Unwort erfindete man dann, wenn es zwar den Tatsachen
    entspricht, allerdings von grünlinks Terroristen als solches
    angeprangert wird.

    Ihr fett bezahlten Klimaterroristen (bis zu 1300 E im Monat mit Sozialversicherung), die sich auf die Straße setzen und die öffentliche Ordnung so stören, das dabei
    Menschen um ihr Leben kommen, das können nur geistige Tiefflieger sein.

    Sollte ich einmal von diesen Typen bei meiner Auto-Fahrt aufgehalten werden, dann gibt es weder Diskussionen, noch
    Nachsicht und keinesfalls Gnade.

  3. Diese sogenannten „Aktivisten“ sind Klimaterroristen. Da kann man sie nennen wie man will, sie reinwaschen wie man will, sie sind und bleiben Terroristen. Ich hätte mal sehen wollen, wie man Querdenkerdemos beurteilt hätte, wenn DIE Steine auf die Polizei geschmissen hätten.

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  4. In Deutschland nehmen sich die linksgrünen Faschisten heraus, zunächst mit Worten, einen Bürgerkrieg gegen Andersdenkende vom Zaun zu brechen. Auf die Worte folgt Gewalt.

  5. Die linksgrünen Terroristen, die sich auf Straßen festkleben oder auf Baumhäusern hausen und mit Kot nach Ordnungskräften schmeißen, sollen nicht so bezeichnet werden? Was sind sie denn sonst? Sicher keine „Aktivisten“!!!

  6. Damit dürfte klar sein, aus welcher Ecke der Wind weht für die selbsternannten Begriffsverdreher und welch warmer Wind ihnen zuteil wird: OSF Marke Soros 😉

    Gruß Rolf

  7. Friedrich Wilhelm von Preußen, der Vater vom Alten Fritz, war einer der fleißigsten Monarchen der Weltgeschichte. Ohne die Vorarbeit von seinem Vater hätte Friedrich der Große sehr viel weniger oder gar nichts erreicht. Friedrich Wilhelm hatte einen Hof geerbt, der sich an Frankreich orientierte. Er hat das schnell geändert und die preußischen Tugenden eingeführt. Wer bei ihm etwas werden wollte, hatte im Kürass anstatt mit Seidenkragen zu erscheinen.
    Unter Friedrich Wilhelm verschlang die Hofhaltung 1% des Jahreseinkommens der Krone, ein Prozent!
    Die Sozialisten heute gönnen sich wenigstens das Fünfzehnfache davon! Da sind dann solche Geschwüre wie die Sprach-Gestapo eine ganz natürliche Folge. Die sind so viele bei diesem leistungsverachtenden Ausbeuterstaat im Endstadium, die wissen oft nicht was sie tun sollen und sind froh so ein Aufgäbchen abzustauben.

  8. Ein „Unwort“ gibt es gar nicht. Es ist und bleibt ein Wort.
    Alles andere sei Interpretation.

    Frieden mit Russland!

  9. Wenn es aktuelle Unwörter gibt, dann ist für mich „Demokratie“ ein solches, das mich mittlerweile regelrecht triggert!

    • Und das anschließende für mich ist „triggert“. Ist das Deutsche Sprache???
      Wie klingt denn der Satz mit Auslösen o.ä.?

  10. Söder beschimpfte die Corona-Demonstranten, Corona-Leugner und die Impfgegner im Jahre 2021 als „Corona-RAF“ und wies darauf hin, den Verfassungsschutz schnellst möglich einzuschalten.
    Warum hat es das der Begriff „Corona-RAF“ nicht zum Unwort des Jahres 2021 geschafft? Es war noch nicht einmal in der engeren Auswahl, obwohl alle Politiker im Chor gegen die Corona-Demonstranten und gegen die Ungeimpfte Volksverhetzung und Schimpftiraden betrieben haben!

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