Die “Alternativlosigkeit” der Union

Die “Alternativlosigkeit” der Union

Dieser Kanzler merkt gar nichts mehr: SPD-Bettvorleger Merz (Foto:ScreenshotX/Imago)

Es gehört zu den großen Ironien der deutschen Gegenwart, dass ausgerechnet jene politische Klasse, die permanent von „Vielfalt“ spricht, das Parteiensystem systematisch verengt. Der jüngste Leitartikel Sebastian Fischers im “Spiegel”, die Union müsse ihr Verhältnis zu den Grünen entspannen, weil sie eine Alternative zur SPD brauche, offenbart diese Entwicklung mit bemerkenswerter Klarheit. Hinter der Debatte um Schwarz-Grün verbirgt sich längst eine tiefere Krise der CDU – nämlich die vollständige Aufgabe ihres eigenen politischen Selbstverständnisses. Ein hochrangiger Unions-Insider formulierte dies gegenüber “Cicero” ungewöhnlich offen: Die CDU sei heute nur noch der „Juniorpartner der Alternativlosigkeit“. Die Brandmauer schade nicht der AfD, sondern vor allem der Union selbst. Tatsächlich beschreibt dieser Satz präzise die Lage des bürgerlichen Lagers in Deutschland. Die Union definiert sich nicht mehr positiv über eigene Inhalte, sondern negativ über die permanente Abgrenzung zur AfD. Damit verliert sie jedoch zwangsläufig ihren politischen Eigencharakter.

Eine Partei, die ihre strategische Existenz fast ausschließlich auf Ausschluss statt auf Repräsentation gründet, beginnt irgendwann, ihre eigene gesellschaftliche Basis zu entfremden. Die eigentliche Tragik besteht darin, dass die CDU historisch einmal eine echte Integrationspartei des Bürgertums war. Sie verband konservative Kultur, wirtschaftliche Vernunft, nationale Loyalität und christlich-soziale Elemente zu einer breiten politischen Mitte rechts der Sozialdemokratie. Heute dagegen wirkt die Union zunehmend wie eine technokratische Verwaltungspartei ohne substanzielles Weltbild. In nahezu allen großen Fragen der vergangenen Jahre – von Migration und Energiepolitik über Staatsverschuldung und Familienpolitik bis hin zur europäischen Integration – hat sie sich schrittweise den kulturellen und politischen Deutungsmustern ihrer früheren Gegner angenähert.

Die Brandmauer als Mechanismus politischer Selbstverzwergung

Gerade deshalb erscheint Schwarz-Grün inzwischen vielen Funktionären gar nicht mehr als ideologischer Widerspruch. Die kulturellen Unterschiede zwischen dem urbanisierten Merkel-CDUismus und den grünen Milieus sind längst deutlich kleiner geworden als die Unterschiede zwischen der Parteispitze und der eigenen konservativen Wählerschaft. Der Spiegel formuliert diese neue strategische Logik daher bemerkenswert offen: Die Union müsse sich stärker für die Grünen öffnen, um aus der Abhängigkeit von der SPD herauszukommen. Doch genau darin liegt die eigentliche Absurdität. Eine Partei, die einst antrat, um bürgerliche Mehrheiten gegen linke Gesellschaftsumbauprojekte zu organisieren, sucht ihre Zukunft nun ausgerechnet in einer dauerhaften Allianz mit dem progressiven Milieu.

Die Brandmauer wird dabei offiziell als Schutzwall der Demokratie verkauft; tatsächlich funktioniert sie zunehmend wie ein Mechanismus politischer Selbstverzwergung. Denn sie erzeugt einen paradoxen Effekt: Je kompromissloser die Union jede Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt, desto stärker wird die AfD selbst. Der konservative Wähler erkennt zunehmend, dass selbst hohe AfD-Ergebnisse keinerlei politische Konsequenzen erzeugen. Die Union bleibt trotz gegenteiliger Wahlkampfrhetorik strukturell an SPD oder Grüne gebunden. Genau dadurch entsteht jene Atmosphäre der Alternativlosigkeit, die die AfD überhaupt erst groß gemacht hat.

Die CDU als Verwaltungsinstanz

Die Brandmauer schützt daher nicht die Demokratie. Sie schützt vor allem das bestehende Machtkartell vor echter politischer Konkurrenz. Gleichzeitig zerstört sie die CDU von innen. Jede weitere Koalition mit SPD oder Grünen erzwingt neue programmatische Verwässerungen, neue Kompromisse bei Migration, Energiepolitik, Staatsverschuldung oder kulturellen Leitfragen. Die Union regiert zwar formal mit, verliert aber inhaltlich permanent Terrain. Sie wird zur bloßen Verwaltungsinstanz eines politischen Rahmens, den andere längst definieren. Besonders sichtbar wird dies unter Friedrich Merz: Einst galt er vielen Konservativen als Hoffnungsträger eines echten Politikwechsels. Tatsächlich entwickelte sich seine Kanzlerschaft zunehmend zum Symbol strategischer Selbstaufgabe. Cicero spricht inzwischen offen von einem „Offenbarungseid“ des Systems Merz. Die Partei habe sich faktisch aufgegeben und reduziere sich auf bloßes Krisenmanagement innerhalb eines links verschobenen politischen Koordinatensystems.

Gerade hierin liegt der eigentliche historische Fehler der Union: Sie verwechselt Regierungsfähigkeit mit ideologischer Entkernung. Natürlich verlangt Demokratie Kompromisse. Doch wenn der Kompromiss zur dauerhaften Selbstauflösung wird, verliert Politik ihren repräsentativen Charakter. Die CDU regiert dann zwar weiter mit, vertritt aber immer weniger jene Bürger, die einst ihre gesellschaftliche Grundlage bildeten: den Mittelstand, das konservative Bürgertum, sicherheitsorientierte Wähler, wirtschaftsliberale Leistungsträger und Familien, die sich kulturell zunehmend heimatlos fühlen. Diese Gruppen erleben heute, dass ihre zentralen Anliegen entweder relativiert oder moralisch problematisiert werden.

Schwarz-Grün besiegelt die Selbstauflösung der Union

Und gerade deshalb verändert die Brandmauer das politische System selbst. Deutschland entwickelt sich schleichend zu einer Art Kartellrepublik, in der große Teile des etablierten Spektrums nur noch graduelle Unterschiede besitzen. Der eigentliche Gegensatz verläuft längst nicht mehr zwischen links und rechts, sondern zwischen Systemintegration und Systemopposition. SPD, Grüne und große Teile der Union teilen inzwischen denselben Grundkonsens: eine migrationsfreundliche Gesellschaftspolitik, eine staatszentrierte Transformationsökonomie, den Ausbau supranationaler Strukturen und einen moralisierten Antipopulismus, der jede fundamentale Kritik am System schnell als Gefahr für die Demokratie interpretiert. Die Unterschiede bestehen oft nur noch im Tonfall oder im administrativen Stil. Just deshalb wirkt die AfD auf viele Bürger attraktiv – nicht trotz, sondern wegen der Brandmauer! Sie erscheint als letzte verbliebene Möglichkeit realer Opposition innerhalb eines zunehmend homogenisierten politischen Systems. Die Union begreift dabei bis heute nicht, dass ihre Strategie die AfD nicht isoliert, sondern permanent aufwertet. Denn jede neue Ausschlussgeste bestätigt letztlich den Eindruck, dass sich das politische Establishment gegen demokratische Konkurrenz abschottet.

Die eigentliche Krise der CDU ist daher weniger strategischer als psychologischer Natur. Die Partei misstraut zunehmend ihrem eigenen früheren Milieu. Der konservative Bürger erscheint den Funktionärsschichten der Union heute oft verdächtiger als progressive Großstadtmilieus. Deshalb sucht man kulturelle Anschlussfähigkeit lieber bei Leitmedien, urbanen Akademikerschichten und transnationalen Eliten als bei den eigenen ehemaligen Stammwählern. Schwarz-Grün wäre deshalb nicht einfach nur eine weitere Koalition. Es wäre die endgültige symbolische Selbstauflösung der alten bürgerlichen Union. Die Partei würde damit akzeptieren, dass konservative Politik in Deutschland nur noch als verwaltete Randerscheinung existieren darf – niemals jedoch als echte Machtoption. Genau darin liegt die zerstörerische Wirkung der Brandmauer: Sie trennt nicht nur Parteien voneinander. Sie trennt die Union zunehmend von ihrer eigenen historischen Existenzberechtigung.

Systemkonform oder systemkritisch?

Gerade diese Entwicklung wird inzwischen selbst innerhalb der Union immer offener ausgesprochen. Besonders aufschlussreich sind die jüngsten Aussagen des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther: Bei Maischberger in der ARD erklärte er, die AfD sei die „deutlich größere Gefahr“ als die Linkspartei; man könne beide nicht „in einen Topf werfen“. Gleichzeitig plädierte Günther ausdrücklich für einen entspannteren Umgang mit Grünen und Linkspartei und kritisierte rückblickend sogar das „maßlos übertriebene“ Habeck-„Bashing“ der Union im Bundestagswahlkampf. Diese Aussagen markieren weit mehr als nur taktische Koalitionsarithmetik. Sie offenbaren die vollständige ideologische Verschiebung der CDU. Historisch verstand sich die Union einmal als bürgerliches Gegengewicht gegen Sozialismus, Kulturrelativismus und linke Gesellschaftsutopien; heute dagegen betrachtet ein wachsender Teil der Partei konservative Opposition rechts der Mitte als größere Bedrohung als die politische Linke selbst.

Die alte Frontstellung der Bundesrepublik löst sich damit vollständig auf. Nicht mehr zwischen bürgerlich und links verläuft die eigentliche Trennlinie, sondern zwischen systemkonformer und systemkritischer Politik. Und gerade hierin liegt die eigentliche Pointe der Brandmauerpolitik: Während die CDU ihre historische Distanz zur Linkspartei zunehmend relativiert und grüne Politik inzwischen offen rehabilitiert, wird jede Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin als moralischer Tabubruch behandelt. Dadurch entsteht jene paradoxe Lage, in der die Union nur noch als „Juniorpartner der Alternativlosigkeit“ firmiert. Die Union öffnet sich damit schrittweise immer weiter nach links, um den Ausschluss konservativer Konkurrenz aufrechterhalten zu können. Die Brandmauer isoliert deshalb längst nicht mehr die AfD; sie isoliert die CDU von ihrer eigenen politischen Tradition, und das in immer bedrohlicheren Ausmaß.

19 Kommentare

  1. Ein Kanzler der quasi keine seiner Wahlversprechen eingehalten hat und mit dessen Arbeit derzeit 85% der Bürger unzufrieden sind , gehört sofort abgesetzt.
    Wenn er noch einen Funken Anstand hätte würde er sowieso selber zurücktreten. Er kann ja mittlerweile nirgendwo mehr im Land öffentlich auftreten ohne ausgelacht oder ausgebuht zu werden.
    Einfach nur noch unerträglich dieser Mann !

  2. Gibt es noch eine Steigerung der Lächerlichkeit von Politikern?
    Ja, Politik ./. unser Land und ./. unsere Bürger zu machen !

  3. @Tatsächlich beschreibt dieser Satz präzise die Lage des bürgerlichen Lagers in Deutschland.
    nach meiner Ansicht hat die Union mit „bürgerlich“ längst nichts mehr zu tun – sie hat sich da mit Merkel verabschiedet und es wäre zu diskutieren, ob das Kohls Erbe ist oder aus den USA befohlen !
    Aber heute sehe ich die CDU bestenfalls als die bürgernächste Seite des marxistischen Blocks der Blockpartei – aber keineswegs und auch nur ansatzweise noch als bürgerlich. Sie ist in meinen Augen genauso antideutsch wie die anderen Flügel des Parteienblocks !
    Mir scheint diese hass auf Deutschland schon zutiefst rassistisch zu sein und ich frage mich, was jemanden bewegt, diese Leute noch zu unterstützen, wenn man nicht selbst einen solchen Deutschenhass empfindet – bestenfalls ein durch die Kriegspropaganda und Umerziehung ausgelöste Stockholm-Syndrom ! Und da scheint es auch unter den herrschenden Umständen keine Hilfe zu geben, das kann nur noch die Zeit lösen !
    Vielleicht auch die mRNA-Experimente – wer weiß das schon ! Mit der Genetik herumfummeln ist ein heißes Eisen, da muß man schon sehr bösartig und voller Menschenhass sein !

  4. das kommt davon wenn Bauern und Märchenerzähler mit BauKlötze spielen …..
    aber in de ist das Tradition und beste Erfahrung damit

  5. Die CDU ist dank Merkel, die aus der Ferne immer noch mitregiert – sie wird eine AfD Kanzlerschaft verhindern! – zu einer sozialistischen Partei geworden. Frau Merkel hat offenbar den Spruch Honeckers verinnerlicht: Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Wer allerdings so einfach drauflos läuft, merkt eine nahende Mauer – die Brandmauer – nicht. Irgendwann kommt es zum Crash – jeder Sozialismus ist noch kläglich gescheitert. Das wissen auch die Chinesen, die von einer sozialistischen Wirtschaft nichts halten. Wenn die CDU keine Kehrtwendung um 180° macht, geht sie mit ihrem Sozialismus unter. Waren wir noch ein Weilchen!

  6. Mit Neid-Debatten zur Zwangsarbeit und 73-Stundenwoche
    Sachsen-Anhalts CDU will Arbeitslose für lau als Erntehelfer zwangsverpflichten. SPD-Ministerin Bas kündigt die Abschaffung des Achtstundentags für alle an. Leitmedien begleiten die neoliberale Agenda mit Hetzkampagnen. Doch viele, die heute zustimmen, könnten bald selbst betroffen sein.
    https://tinyurl.com/kxzu648r

  7. Bitte vermeiden Sie doch in Zukinft das Adjektiv „progressiv“ in Zusammenhang mit der SPD, GRÜNEN und der Linkspartei.
    Die sind nicht progressiv, die sind aggressiv destruktiv!
    Progressiv bedeutet etwas besseres Neues. Diese Parteien wollen jedoch nur den alten Käse von Sozialismus, Kommunismud und Marxismus. Was ist daran progressiv?

  8. Dumm, arrogant und egozentrisch und daher nicht lernfähig und damit völlig ungeeignet zur Führung eines Landes.
    Einfach nur kleine schnell beleidigte antidemokratische Spitzwegspießerlein die bemerken das man ihnen ihre Lügen nicht mehr glaubt, in Reinstkultur (Premiumware).
    Zieht Eure Schlappen an verpisst euch mit euren Migranten und Bürgergeldempfängern hinter eure Wärmepumpe und vertrocknet.
    IHR SEID ÜBERFLÜSSIG UND GEFÄHRLICH FÜR UNSER LAND UND EUROPA

  9. tschüss politidioten…. . komm neues thema..
    ein depp weiss nicht dass sie ein depp ist.. quelle-psychiatrie berlin…..

  10. „Abstieg für Deutschland“ – CDU provoziert AfD-Konkurrenz mit „kritischer“ Broschüre
    Umfragewerte platzieren die Partei AfD aktuell regelmäßig vor der CDU. Die Regierungspartei reagiert vor den kommenden Landtagswahlen mit einer Broschüre, die die Konkurrenzpartei inhaltlich frontal diskreditiert. Diese sei „demokratieschädlich, antisemitisch und völkisch“, und damit eine „rechte“ Gefahr für Deutschland.
    https://rtde.press/inland/280797-abstieg-fuer-deutschland-cdu-provoziert/

  11. aus den ehemals guten und fast demokratischen Parteien sind Sammelbecken egozentrischer, charakter-und verantwortungsloser Vollknaller geworden die in ihrer grenzenlosen Dummheit im Auftrag des Kapitals ein blühendes Land an die Wand fahren — und mit Unterstützung eines doofen Volkes dem die Zukunft seiner Kinder offensichtlich scheißegal ist.

  12. Merkel und Klimakabinett

    Dr. Merkel wurde gewarnt
    von der Leyen als Ministerin
    Video-Botschaft von
    Ex-ZDF Meteorologe
    Dr. Wolfgang Thüne
    2015_08_25
    https://youtu.be/UK4PMA_WgCw?si=o9Scp17L8YnK0Kpb

    Prof. Doehler
    https://www.vernunftkraft-odenwald.de/wp-content/uploads/2019/09/Erster-Offener-Brief-an-Klimakabinett_Prof-Doehler.pdf

    Offener Brief Hannover, den 23.04.2019
    An die Mitglieder des Klimakabinetts:
    Bundeskanzlerin Angela Merkel
    Finanzminister Olaf Scholz
    Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier
    Bundesinnenminister Horst Seehofer
    Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner
    Bundesminister für Verkehr Andreas Scheuer
    Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Svenja Schulz
    Kanzleramtschef Helge Braun
    Regierungssprecher Steffen Seibert

    Zur Kenntnis an: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Christian Lindner (FDP), Wolfgang Kubicki (FDP), Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Volker Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Greta Thunberg (Fridays for Future)

    Ralf D. Tscheuschner:
    CO2: Pseudowissenschaft – Ideologie – Politik
    2018
    https://www.academia.edu/37913451/Ralf_D_Tscheuschner_2018_CO2_Pseudowissenschaft_Ideologie_Politik

    Punkt 1.6 ff Unterrichtung Fr. Dr. Merkel (Physikerin) und ihre Antwort
    „2.6. Die Methode der Physikerin Dr. Angela Merkel

    Merkel: Wir haben Russland getäuscht – Weltwoche Daily DE,
    14.12.2022
    https://youtu.be/fyL4vf5SW2w?feature=shared&t=752

    Merkel: Minsk-Abkommen diente dazu, Zeit für die Aufrüstung der Ukraine zu gewinnen
    2022_12_21
    https://www.wsws.org/de/articles/2022/12/20/merk-d20.html

    EXKLUSIV_ Merkels schockierendes Geständnis enthüllt_ „Wir wollten Krieg“ _ Daily Pulse
    2025_10_28
    https://uncutnews.ch/exklusiv-merkels-schockierendes-gestaendnis-enthuellt-wir-wollten-krieg-daily-pulse/ 2/