Die Ausladung des Gegners: Peter Thiel ist unerwünscht bei den Wiener Festwochen

Die Ausladung des Gegners: Peter Thiel ist unerwünscht bei den Wiener Festwochen

Ausgeladen in Wien: Palantir-CEO Peter Thiel (Foto:Imago)

Es gibt politische Skandale, die von Personen handeln. Und es gibt politische Skandale, die ganze Milieus entlarven. Der Streit um die Einladung des amerikanischen Unternehmers und Intellektuellen Peter Thiel zu den Wiener Festwochen gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Denn im Kern geht es weder um Peter Thiel noch um den Theatermacher Milo Rau. Es geht um die Frage, ob der westliche Kulturbetrieb überhaupt noch bereit ist, sich mit seinen Gegnern auseinanderzusetzen. Die Antwort, die Wien in diesen Wochen gegeben hat, fällt ernüchternd aus. Peter Thiel ist kein unbedeutender Aktivist am Rand des politischen Spektrums. Er gehört zu den einflussreichsten Köpfen der amerikanischen Tech-Elite. Der Mitbegründer von PayPal, Investor bei Facebook und Gründer des Datenunternehmens Palantir hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen intellektuellen Bezugspunkt der amerikanischen Rechten entwickelt. Er unterstützt Donald Trump, förderte die politische Karriere von J. D. Vance und vertritt Positionen, die im europäischen Kulturbetrieb als geradezu ketzerisch gelten. Man kann seine Ansichten kritisieren. Man kann sie ablehnen. Man kann sie für gefährlich halten. Gerade deshalb wäre ein öffentliches Gespräch interessant gewesen. Genau dies hatte Milo Rau offenbar erkannt.

Ausgerechnet Milo Rau, jener Regisseur, der über Jahre hinweg als linker Provokateur auftrat; der keine Gelegenheit ausließ, gesellschaftliche Machtstrukturen zu dekonstruieren. Jener Kulturfunktionär, der sich selbst gern als Aufklärer versteht. Seine Überlegung war zunächst bestechend einfach: Wer die Macht verstehen will, muss mit den Mächtigen sprechen. Wer die Gegenwart analysieren möchte, kann ihren zentralen Akteuren nicht ausweichen. Doch genau an diesem Punkt begann die Panik: Kaum war die Einladung bekannt geworden, meldeten sich die üblichen Wächter des moralischen Diskurses zu Wort. Künstler drohten mit Boykott. Intellektuelle sagten ihre Teilnahme ab. Aktivisten warnten vor einer angeblichen „Legitimierung“ rechter Positionen. Bemerkenswert war dabei weniger die Kritik selbst als ihre Stoßrichtung. Niemand forderte eine besonders harte Befragung Thiels. Niemand verlangte eine kontroverse Debatte. Niemand rief dazu auf, seine Argumente öffentlich zu widerlegen. Nein. Der Mann sollte überhaupt nicht sprechen. Genau darin liegt der Kern des Problems. Denn eine Gesellschaft, die sich ihrer eigenen Überzeugungen sicher ist, braucht keine Angst vor Debatten zu haben. Wer glaubt, die Wahrheit auf seiner Seite zu haben, sucht die Auseinandersetzung. Nur wer seiner eigenen Position misstraut, versucht den Gegner von der Bühne fernzuhalten.
Die politische Linke hat diesen Zusammenhang früher selbst verstanden. Über Jahrzehnte bestand ihr Selbstbild darin, bestehende Autoritäten herauszufordern, Denkverbote zu brechen und Debatten zu erzwingen. Heute scheint vielfach das Gegenteil zu gelten.

Der Dissident als Bedrohung

Der Dissident ist nicht länger der Verbündete. Er ist die Bedrohung. Der politische Gegner soll nicht widerlegt, sondern delegitimiert werden. Seine Positionen sollen nicht diskutiert, sondern administrativ beseitigt werden. Die Debatte wird nicht gewonnen, indem man bessere Argumente vorbringt, sondern indem man den Zugang zum Mikrofon kontrolliert. Gerade deshalb besitzt der Fall eine weit über Wien hinausreichende Bedeutung. Milo Rau hatte eigens ein Verfahren entwickelt, um mit umstrittenen Einladungen umzugehen. Experten wurden angehört. Diskussionen organisiert. Argumente abgewogen. Das Ergebnis war eindeutig: Es gab keinen sachlichen Grund für eine Ausladung. Doch dann geschah das eigentlich Interessante: Trotz des eigenen Verfahrens, trotz aller Bekenntnisse zur Debattenkultur, trotz aller Hinweise auf die Bedeutung öffentlicher Auseinandersetzungen wurde die Veranstaltung abgesagt. Nicht weil neue Tatsachen bekannt geworden wären; nicht weil Thiel gegen Gesetze verstoßen hätte; nicht weil Sicherheitsbedenken bestanden. Sondern weil der Druck aus dem eigenen Milieu zu groß wurde.

Die vielbeschworene Offenheit endete exakt dort, wo sie praktisch hätte bewiesen werden müssen. Wer die jüngsten Debatten um Milo Rau verfolgt hat, erkennt darin ein wiederkehrendes Muster. Noch vor Kurzem trat Rau im Zusammenhang mit Diskussionen über die AfD und die Präsenz rechter Positionen im Kulturbetrieb als Verteidiger des politischen Schlagabtauschs auf. Demokratie, so lautete die Botschaft, müsse Konflikte aushalten können. Doch als mit Peter Thiel ein tatsächlicher Vertreter der neuen amerikanischen Rechten die Bühne betreten sollte, kollabierte diese Streitkultur binnen weniger Tage. Plötzlich genügte bereits die Anwesenheit des Gegners, um eine Veranstaltung unmöglich zu machen. Genau das macht die Affäre so aufschlussreich.

Von Diversität sprechen, aber sie nicht ertragen

Denn sie offenbart einen grundlegenden Wandel westlicher Kulturinstitutionen. Früher verstanden sie sich als Orte der Auseinandersetzung. Heute verstehen sie sich zunehmend als Räume moralischer Homogenität. Die Theater, Museen und Festivals des Westens präsentieren sich gern als Laboratorien der Vielfalt. Doch diese Vielfalt endet häufig dort, wo weltanschauliche Differenz beginnt. Ethnische Vielfalt ist willkommen. Sexuelle Vielfalt ist willkommen. Lebensstilistische Vielfalt ist willkommen. Politische Vielfalt hingegen wird zunehmend als Risiko betrachtet. Das Ergebnis ist eine paradoxe Situation: Ausgerechnet jene Institutionen, die permanent Toleranz predigen, zeigen oft die geringste Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen. Peter Thiel mag dabei nur der aktuelle Anlass sein. Morgen wird es jemand anderes sein. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, was man von Peter Thiel hält.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob unsere kulturellen Eliten überhaupt noch bereit sind, den offenen Streit der Ideen auszutragen. Die Wiener Festwochen haben darauf eine bemerkenswert ehrliche Antwort gegeben. Nicht Peter Thiel wurde delegitimiert. Delegitimiert hat sich ein Kulturbetrieb, der von Offenheit lebt, aber die Offenheit fürchtet. Ein Milieu, das unablässig von Diversität spricht, aber politische Diversität nicht erträgt. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe dieser Affäre: Die größte Gefahr für die Debattenkultur kommt heute oft nicht von ihren erklärten Gegnern, sondern von ihren selbsternannten Verteidigern.

9 Kommentare

  1. Kennen Sie Peter Thiel?
    Der gebürtige Frankfurter mit dem unauffälligen Namen ist zum Königsmacher in Washington aufgestiegen. Unermüdlich kämpft Thiel für eine totalitäre Diktatur der Superreichen.

    Früher hatte Vance Donald Trump als «neuen Hitler» bezeichnet und wollte nichts von dem cholerischen Präsidenten wissen.
    Doch jetzt findet JD Vance den Trump auf einmal ganz toll und will an Trumps Seite die Wahlen im November gewinnen. Hinter dieser wundersamen Wandlung steckt ein bei uns immer noch weitgehend unbekannter Milliardär mit deutschen Wurzeln, nämlich Peter Thiel. Thiel ermutigte JD Vance vor zwei Jahren, sich um den Posten des Senators für den Bundesstaat Ohio zu bewerben. Und Thiel machte Nägel mit Köpfen. Er stattete JD Vance mit zehn Millionen US-Dollar für seinen Wahlkampf aus.

    JD Vance gewann und zog 2022 als Senator für Ohio gleich in das Oberhaus des Washingtoner Kongresses ein. Als Peter Thiel dieses Wunder vollbrachte, hatte er schon unzählige andere Wunder vollbracht. Thiel hatte nämlich schon im Jahre 2016 den Außenseiter Donald Trump so nachhaltig unterstützt, dass Letzterer den Peter Thiel in sein Transitions-Team holte. Da saß Peter Thiel zur Linken gleich neben dem großen Meister und konnte mitreden, wer welchen Posten in Trumps erster Regierungsmannschaft erhalten sollte. Mit Tränen in den Augen bedankte sich Trump vor laufenden Kameras bei «Peter» und umfasste ganz ergriffen dessen rechte Hand.
    https://transition-news.org/kennen-sie-peter-thiel

  2. Das grundlegende Fundament einer funktionierenden Demokratie ist ein offener Austausch von Argumenten, durch den mündige Bürger sich eine eigene Meinung bilden und eigenständige Entscheidungen treffen können.

    Erwachsenen Menschen diese Möglichkeit zu nehmen, hat den einzigen Zweck sie zu erziehen, zu bevormunden und daran zu hindern, unabhängig zu handeln.

    Das ist genau das Gegenteil von Demokratie.

    Das ist UnsereDemokratie.

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    1. Es gibt keine gute Demokratie. Sie trägt den Keim des Untergangs immer in sich. Sie ist die schlimmste alle Diktaturen, die man extrem schwer loswird.

      In der Demokratie hat die Mehrheit das Sagen und automatisch IMMER recht. Leider hat die Mehrheit sehr selten recht. Die Minderheit hat zu tun, was die Mehrheit sagt. Sie kann doch gar keine Entscheidungen treffen, da sie belogen und betrogen wird.
      Die Demokratie spaltet die Gesellschaft in kleine Parteihäppchen. Die man superduper gegeneinander ausspielen kann und diese Uneinigkeit nutzt, um sich als Politiker ein schönes Leben zu machen. Schließlich hat der blöde Wähler sie ja gewählt.

      Die Demokratie ist extrem unflexibel und quatscht alles tot, statt zu handeln.
      Es gibt in ihr viele, die ihr eigenes Süppchen kochen. Viele Köche verderben halt den Brei.
      In einer Demokratie gibt es, Politiker und ihre Sponsoren ausgenommen, nur Verlierer.
      In einer Demokratie gibt es keine Freiheit des Individuums. Die Mehrheit bestimmt, was man darf und was nicht.
      In der Demokratie ist das Volk machtlos und den von ihnen gewählten Politikern schutzlos ausgeliefert.

      Der Politiker arbeitet für sich und die, die ihn zu dem Posten verholfen haben. Nur für das Volk arbeitet er nicht. Wie auch? Es ist unmöglich seine Wähler unter einen Hut zu bekommen, zumal er seine Wähler gar nicht kennt. Und auch nicht kennen will. Der Wähler ist nur da, um ihn alle 4 Jahre zu bestätigen, dann kann sich der dumme Wähler, der den Wahlkampflügen Glauben schenkte, wieder bis zur nächsten „Wahl“ wieder verpissen.
      In einer Demokratie legt man sein Leben in die Hände wildfremder Menschen.

      Kurz: Die Demokratie ist die bevorzugte Diktatur der Dummen.

  3. Da sieht man, wie in sich selber in seinen Handlungen der Peter Thiel höchst widersprüchlich ist. In seinen hyperliberalen Vorgehensweisen und Vorhaben, demokratieferne Inseln anzulegen und dorthin die Fertigung auszulagern und rechtlose Zustände zu schaffen und beizubehalten, passt nicht dazu, dass Thiel Besucher einer demokratischen Kulturveranstaltung sein wollte. Und überhaupt: Thiels antidemokratischen Aktivitäten passen nicht zur Kultur, denn die antidemokratischen Aktivitäten Thiels schließt das Dasein von Kultur aus.

  4. In den pro-republikanischen US-Medien gab es in den letzten 2 WOchen einige sehr bemerkenswerte Meldungen über Trump’s Pläne für die US-Republikanische Partei. Offenbar ist der Umbau der REP-Partei noch nicht vollständig abgeschlossen, wie es Trump geplant hat. Nachdem Trump die MAGA-Bewegung tief gespalten und teilweise sogar teilweise zerschlagen hat. Tucker Carlson steht ja mittlerweile auf der Liste von „gefährlichen Linksextremisten“. Ja, Trump ist zu einem typischen NeoCOn US-Republikaner des rep. Establishments mutiert: Jeder, der nicht seiner Meinung ist, wird automatisch als Kommunist, als radikaler Linker oder als Linksextremist beschimpft.
    Selbst der rep. Corona-Held aus der Coronazeit, der Gouverneur von Florida Ron Desantis, selbst den hat Trump in den letzten Jahren mehrfach mit Schimpftiraden und mit Fluchwörtern überzogen.
    Nun gibt es einige interessante aber bemerkenswerte Meldungen in den pro-republikanischen US-Medien, dass Trump jetzt auch den libertären republikanischen Flügel komplett zerschlagen und unter seine 100% Kontrolle bringen will. Dazu werden viele libertäre Politiker in der Rep.-Partei abgeschossen oder geraten unter massive shitstorms. Trump will sie alle weghaben. Der libertäre Ron Paul/Rand Paul-Flügel und deren Anhänger innerhalb der Rep. Partei sollen komplett zerschlagen werden. Mich wundert nur, warum ELon Musk hier ruhig bleibt, der ja selbst ein bekennender Libertärer ist udn der dem Trump 2024 dabei geholfen hat , libertäre Wähler davon zu überzeugen für Trump ihre Stimmen abzugeben.
    In November 2026 stehen die US-Zwischenwahlen an. Und Trump will nur noch überall seine loyalen Diener und Marionetten installieren und antreten lassen.
    Nur zur Erinnerung: Die US-Zwischenwahlen 2022 haben die US-Republikaner zwar knapp gewonnen. Allerdings haben fast alle Trump’s-Kandidaten (Trumpisten in der Republikaner Partei) bei diesen Zwischen-Wahlen verloren . Und es gab keinen einzigen Fall von Wahlmanipulationen bei den US-Zwischenwahlen 2022.

  5. das Kapital bleibt das Kapital egal mit welcher Masche es sich präsentiert und hier muss angesetzt werden denn was an Politikhanseln auf der Welt herumrennt wird genau von diesen Leuten für ihre „Tätigkeit“ bezahlt und an der „Macht“ gehalten oder entfernt, da genügt ein Kinderporno auf dem Rechner oder die Einladung zum Kennedyfilm in Dallas.
    Also was soll das Geplärre

  6. @Peter Thiel ist unerwünscht
    nun ja – mit dem Reden möchte ich nicht. nach meinen Erfahrungen mit weit Höhergestellten hören die nicht zu, sondern plärren alles nieder, was ihnen nicht in den Kram paßt – und oftmals treten sie auch nach.
    Und ob mir das Essen in seiner Gesellschaft noch schmeckt, weiß ich nicht – käme darauf an, wie aufdringlich er auftritt.
    Selbst einladen würde ich eher nicht – aber akzeptieren, wenn er von anderen eingeladen wird – ebenso selbstverständlich!
    Da halte ich es mit dem alten Franzosen in der französischen Revolution : mir gefällt ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür geben, das sie sie sagen können !
    Aber ich n bin auch 70 Jahre alt und nicht so beschränkt wie die gen-therapierten jungen Eliten heute !

  7. Diversität ist die Perversität des Zeitgeistes und Thiel wird sicherlich den Altruisten Gates treffen wollen und das Kapital redet mit jedem der ihm nützen kann