
Am Freitag, dem 5. Juni 2026 detonierten insgesamt vier ukrainische Marinedrohnen in der Nähe des rumänischen Schwarzmeerhafens Constanta – eine im Hafen, drei davor. Wie schon einige Tage zuvor, als eine solche Drohne mit 100 Kilogramm Sprengladung an den Strand einer griechischen Ägäis-Insel gespült wurde, gab es durch bloßen Zifall glücklicherweise keine Verletzten. Aus Kiew kam die Erklärung, dass es sich um “Irrläufer” gehandelt hätte, die durch “russische Störsignale” vom Kurs auf ihre eigentlichen Ziele abgekommen wären. Bei diesen Zielen handelte es sich auch um russische Tankschiffe der so genannten Schattenflotte, mittels derer Russland Öl unter Umgehung von Sanktionen exportiert. Alarmierender Weise blieb internationaler Protest aus. Indem solche Schiffe jedoch keine militärischen Ziele darstellen, verstößt die ukrainische Jagd auf sie gegen den obersten Grundsatz der Haager Konventionen, dass militärische und zivile Objekte strikt auseinanderzuhalten sind. Die Regeln 60 und 67 des Seekriegsrechts nach dem San-Remo-Handbuch von 1994 führen dazu aus, dass ein Handelsschiff nicht schon dadurch zum legitimen militärischen Ziel wird, dass die mit dem Frachtgut realisierten Geschäftseinnahmen dem Staatshaushalt und damit der Kriegskasse zufließen.
Auch von der ökologischen Seite aus gesehen ist das ukrainische Vorgehen scharf zu verurteilen: Nach den Artikeln 35 und 55 des Zusatzprotokolls I der Genfer Konventionen sind sämtliche kriegerischen Aktionen verboten, bei denen davon ausgegangen werden kann, dass sie „ausgedehnte, langanhaltende und schwere Schäden der natürlichen Umwelt“ verursachen. Die Untergrabung der Prinzipien der Umweltverantwortung und der humanitären Kriegsführung durch die ukrainische Führung ist unvereinbar mit ihrem (Lippen)Bekenntnis zur westlichen Wertegemeinschaft. Doch die korrekten Adressaten für eine Abmahnung ihrer systematischen Verstöße sind nicht in Kiew anzutreffen, sondern mitten im Westen. Denn wenn man die Spuren der stetigen Erosion humanitärer Grundprinzipien im Ukrainekrieg zurückverfolgt, stößt man auf zwei Verursacher. Bei dem einen handelt es sich um einen harten Kern einflussreicher Kriegsprofiteure, umgeben von Schwärmen opportunistischer Mitläufer.
Grob verharmlosende Verpackung
Diese notorischen Militaristen des Umfeldes des Militärisch-Industriellen-Finanziellen Komplexes (MIFC) erhalten jedoch erst durch eine grob verharmlosende Verpackung für ihre Beschädigung humanitärer Grundprinzipien den entscheidenden Entfaltungsspielraum. Die für diese Tarnverpackung (un)verantwortliche Welt der Mainstream-Medien trifft somit eine beachtliche Mitschuld an den Verstößen. Eine ausgewogene Berichterstattung, wie sie der Rundfunk-Staatsvertrag zumindest von den öffentlich-rechtlichen Medien verlangt, bleibt rudimentär. Idealistische Verteidiger der westlichen Prinzipien, für die in der Ukraine angeblich militärisch gekämpft werden muss, kommen in dieser Welt der einseitigen Sicht bestenfalls gedämpft zu Wort. In diesem Ambiente bekommen die militaristischen Hardliner einen unverdienten Freifahrtschein in die Hand, mit dem sie ungestört eine aberwitzige Hochrüstung auf Staatsschulden voranbringen können. Die „Sicherstellung“ fortwährender Eskalation findet dabei auf mehreren Ebenen gleichzeitig statt.
Erstens wird das Fenster für substanzielle Verhandlungen systematisch geschlossen gehalten, unter anderem durch Setzen surrealer Vorbedingungen wie dem “vollständigen russischen Rückzug aus den besetzten Gebieten” (während Rufe nach dem Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Bevölkerung ignoriert werden). Zweitens wird die Ukraine waffentechnisch zunehmend in die Lage versetzt, Angriffe tief in russisches Territorium zu tragen (was die Lieferländer nach mancher Rechtsauffassung zu Kriegsteilnehmern macht). Drittens wird der diskriminierende Druck auf die russischsprachige Bevölkerung verstärkt (Verbot russischer Ortsnamen – eine kulturelle „Auslöschung von allem Russischen“), und damit eine Verstärkung der Auslöser des gesamten Konflikts seit 2014 forciert. Viertens wird der Umfang der Waffenlieferungen gesteigert, und fünftens deren Abwicklung überwiegend auf Kreditbasis vollzogen. Damit wird eine Zeitbombe gelegt, denn die einzige realistische Möglichkeit eines Kreditrückflusses besteht in einer Niederwerfung und anschließenden Ausquetschung Russlands.
Keine Lehren aus Afghanistan
Die sechste Form der Eskalation im Ukrainekrieg betrifft die Verstöße des MIFC gegen die Prinzipien der humanitären und ökologisch verantwortlichen Kriegsführung. Hier wären die Folgen klar sichtbar, wenn nicht eine Militärzensur alle Informationen filtern würde und die Kiewer Regierung nicht die kritischen Medien bereits vor dem Krieg ausgeschaltet hätte. So können westliche Bürger und Politiker nur auf indirektem Weg zu Vorstellungen von dem Gemetzel gelangen, das sich tatsächlich in dem Stellungskrieg unter Einsatz von Streumunition, DU-Geschossen und inzwischen auch Kampfrobotern abspielt. Eine Möglichkeit besteht in Recherchen zum Irakkrieg, zu dem die dort ebenfalls vom Militär zensierte Wahrheit erst nachträglich ans Licht kommt. Die Folgen der Kampfhandlungen weisen Parallelen zu den aktuellen im Ukrainekrieg auf, unter anderem hinsichtlich der Kurz- und Langzeitwirkungen eines Einsatzes von Streumunition und radioaktiven DU-Geschossen sowie hinsichtlich verschiedener verantwortungslos in Kauf genommener Umweltschäden.
Die gewaltige Durchsetzungskraft der Militaristen in der unfairen mentalen Auseinandersetzung mit den authentischen Verteidigern des westlichen Wertefundaments hat eine simple Erklärung: Geld. Im Schutz unkritischer Medien wird die westliche (Un-)Sicherheitspolitik immer stärker vom Einfluss eines Interessenklüngels geprägt, der in gigantischer Größenordnung vom Krieg und seiner Eskalation profitiert, nicht von dessen Verkürzung und schon gar nicht seiner abschließenden Beilegung. Dieser als MIC (Militärisch-Industrieller Komplex) bekannte Zirkel, der sich aus Vertretern des Militärs, der Politik und der Rüstungsindustrie zusammensetzt, steht in enger Verflechtung mit den großen Finanzinstituten, weshalb man eher vom MIFC sprechen kann. Dieser hat auch dem Krieg in der Ukraine seinen Stempel aufgedrückt. Der später auf 20 Jahre ausgedehnte Afghanistankrieg hätte schon zwei Monate nach Beginn mit einem amerikanischen Sieg abgeschlossen werden können. Ebenso lag im Ukrainekrieg bereits nach wenigen Wochen ein unterschriftsreifes Einigungspapier vor – das aber (namentlich von britischer Seite) torpediert wurde. Ob die überfällige demokratische Zähmung der Kriegsprofiteure jetzt zeitnahe gelingt, stellt für Europa eine zentrale Überlebensfrage dar. Denn diese Militaristen sind offenbar fest entschlossen, “die Ukraine” (wohlgemerkt nicht etwa die ukrainische Bevölkerung!) bis zum letzten Europäer zu verteidigen.
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11 Kommentare
Mein Gott, die kämpfen für den Wertewesten. Da muß man alle 5e gerade sein lassen.
„….mittels derer Russland Öl unter Umgehung von Sanktionen exportiert.“ : Das entscheidet auch der Wertewesten wer da das Recht hat anderer Länder Schiffe zu sanktionieren. Der Wertewesten macht sich gerade sehr beliebt in der Welt. Und dazu muß man , weiß Gott, kein Putin-Freund sein.
„…die einzige realistische Möglichkeit eines Kreditrückflusses besteht in einer Niederwerfung und anschließenden Ausquetschung Russlands.“
Man erinnere sich an den ersten Weltkrieg, als amerikanische Kredite mit einem Frieden in Gefahr gerieten. Praktischerweise flog die Lousitania ind die Luft. Muniton auf eine zivilen Schiff, was in der Sperrzone nicht sofort Geleitschutz bekam, im Riskogebiet noch unnötig lange kreuzen musste.
Böse deutsche, gute american Boys mussten sterben. Zumindest ließ man ihnen den Glauben an die gute Sache.
Ein meines Erachtens hervorragender analytischer Artikel! Eine Anmerkung: Der Kreditrückfluss durch „Niederwerfung und anschließende Ausquetschung Russlands“ ist keineswegs eine realistische Möglichkeit, wohl aber der physische Untergang Europas im Inferno eines mit Kernwaffen geführten Krieges…
Was interessiert noch Recht, wenn es um das ideologische Interesse des Guten gegen das Böse geht. Gibt es einen Spruch: „Der Krug geht so lange zu Brunnen, bis er bricht“.
„… verstößt die ukrainische Jagd auf sie gegen den obersten Grundsatz der Haager Konventionen … “
Seit wann halten sich Verbrecher an irgendwelche Gesetze?
😜
@Erosion des Seekriegsrechts
genaugenommen war das schon immer recht schlüpfrig, immer den Interessen der Mächtigen angelehnt, wie jedes Recht in Bananenrepubliken.
Da sind nur die Kaperbriefe zu memorieren, mit denen die Hanse und die Seemächte sich bereichert und die Konkurrenz bekämpft haben. Oder die „Neutralitätspatrouillen“ der USA 1940/41. Oder die Übergriffe um Kuba, oder die Piraterie der Guten gegen Russland heute.
Da kommt es auf die Drohnen nicht mehr an, de sind nur Teil der Versuche, Russland heute den ersten Schuß abzufordern. Die Vorgehensweise gab es schon früher gegen andere Opfer der Oligarchen !
Es wird an Russland bleiben sich passend zu bedanken – bei den Lieferanten wie auch bei den Absendern !
und ein Geschenk der Blöddeutschen an den schwanzklavierspielenden Oberdrecksack Selenski – mal sehen wenn der erste Kreuzfahrer mit deutschen Vollpfosten an Bord versenkt wird
Kritik aus dem Kreml an den USA Russlands Außenminister vergleicht Trump mit Biden Über Joe Biden macht sich US-Präsident Donald Trump regelmäßig lustig. Jetzt wirft Moskau ihm vor, einem Muster seines Vorgängers zu folgen – und beklagt ausbleibende Zusammenarbeit. Dass sich die Beziehungen zwischen Russland und den USA nicht verbessern, hat jedoch mehrere Gründe. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht trotz der Wiederaufnahme des Dialogs mit den USA unter Präsident Donald Trump keine echten Fortschritte in den bilateralen Beziehungen. Es werde zwar viel Positives über das enorme Potenzial der amerikanisch-russischen Beziehungen gesprochen, in der Realität passiere jedoch nichts, sagte Lawrow dem Sender RT India. Die Regierung in Moskau schätze es zwar, dass Trump den Dialog initiiert habe. Die guten Worte über eine Zusammenarbeit bei Technologie-, Energie- und anderen Projekten hätten bislang jedoch zu nichts geführt. Der Austausch mit der Regierung in Washington verlaufe ähnlich wie unter Trumps Vorgänger Joe Biden, erklärte Lawrow einem vom russischen Außenministerium veröffentlichten Transkript zufolge. Abgesehen von dem regelmäßigen Dialog folge alles andere dem von Biden begonnenen Muster. Die unter Biden verhängten Sanktionen seien in Kraft geblieben. Die Trump-Regierung habe zudem eigene Initiativen ergriffen, um die russische Wirtschaft „zu bestrafen“.
https://www.n-tv.de/politik/Russlands-Aussenminister-Lawrow-vergleicht-Trump-mit-Biden-id30817298.html
Endlich wachen die jetzt auch in Russland langsam aber sicher auf. Trump hat all die Jahre alle ver**scht. Das hat auch Tucker Carlson sehr gut erkannt. Trump ist ein typischer menschenverachtender republikanischer NeoCon…
Russlands Aussenminister Lawrow zum Ukraine-Krieg: Westen fordert faktisch Kapitulation Moskaus
Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat bei einer Podiumsdiskussion in Moskau vor mehr als 110 Botschaftern scharfe Kritik an Kiew und den europäischen Staaten geübt. Thema der Veranstaltung war die Ukraine-Krise, die Rolle des Westens sowie die Perspektiven für eine Konfliktlösung.
https://rtde.press/kurzclips/video/284062-lawrow-zum-ukraine-krieg-westen/
Trumps Eskalation gegen Russland nimmt Gestalt an
Die USA bereiten sich darauf vor, den Konflikt in der Ukraine im kommenden Jahr radikal zu verschärfen. Für Europa dürfte das ungemütlich werden, denn was, wenn Russland reagiert?
https://tkp.at/2026/06/24/trumps-eskalation-gegen-russland-nimmt-gestalt-an/
Trump plaudert am G7-Gipfel Plan B aus für Fortsetzung der Kriege in Westasien
Wenn die stärkste Armee der Region ihre Ziele nicht erreicht, greift
Washington zum letzten Mittel: einem inszenierten Bürgerkrieg mit Hilfe von Syrien. Das hat Trump beim G7 Gipfel enthüllt.
https://tkp.at/2026/06/17/trump-plaudert-am-g7-gipfel-plan-b-aus-fuer-fortsetzung-der-kriege-in-westasien/
Der „Friedenspräsident“
Trump hat mehr Bombardierungen anderer Länder befohlen, als vorherige US-Präsidenten
Trump ist mit dem Versprechen angetreten, die endlosen US-Kriege zu beenden, aber hat des Gegenteil getan. Alleine in seinem ersten Jahr als US-Präsident hat Trump mehr Bombardierungen befohlen, als Biden in vier Jahren.
https://anti-spiegel.ru/2026/trump-hat-mehr-bombardierungen-anderer-laender-befohlen-als-vorherige-us-praesidenten/
Trump der „Friedenspräsident“ mit bisher 10 Kriegen
https://tkp.at/2026/02/06/trump-der-friedenspraesident-mit-bisher-10-kriegen/
USA wollen Nord Stream „kaufen“ und Gaspreise „diktieren“
Russlands Außenminister Sergei Lawrow wirft nun einmal mehr den USA vor, die Nord-Stream-Pipelines kontrollieren und somit künftig die Gaspreise bestimmen zu wollen.
https://www.unser-mitteleuropa.com/198013
Russlands Aussenminister Lawrow: „EU-Troika forderte auf widerlich unverschämte Weise Russlands Kapitulation!“
https://www.unser-mitteleuropa.com/199717
Private Firmen sollen rekrutieren
Ukraine’s rechtsextreme Führung will deutlich mehr Ausländer für den Fleischwolf an die Front holen
https://www.focus.de/politik/ausland/die-ukraine-wird-bis-zu-die-haelfte-der-frontpositionen-mit-auslaendern-besetzen_784ff56f-77e7-4ca8-889e-3818c6d4b524.html