Freitag, 14. Juni 2024
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Die israelische „Mythohistorie“

Die israelische „Mythohistorie“

Israelische Siedlungsnostalgie: Kind russisch-jüdischer Einwanderer der vierten Siedlungswelle (Alija) 1927 in Palästina (hier: in Ben-Shemen) (Foto:Imago)

Die Bücher des israelischen Historikers Shlomo Sand „Die Erfindung des jüdischen Volkes“ (erschienen 2008) und „Die Erfindung des Landes Israel“ (erschienen 2012) vermitteln dem Leser ein unverzichtbares Hintergrundwissen zum Verständnis des Palästina-Konfliktes und der israelischen Innenpolitik. Sand wendet sich in diesen Werken gegen Vorstellungen, die bis heute an israelischen Schulen und Universitäten bestimmend sind und damit sowohl das nationale Selbstbild der jüdischen Israelis als auch die israelische Politik im Nahostkonflikt prägen. Seiner Auffassung nach handelt es sich dabei um eine in weiten Teilen irreale „Mythohistorie“, welcher er eine besseres, weil faktenbasiertes Geschichtsbild entgegenstellt.
Sands zentrale Aussage ist, dass mit der zionistischen Besiedlung Palästinas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die schließlich im Jahre 1948 zur Gründung des Staates Israel führte, keineswegs ein nahezu zwei Jahrtausende lang in der Welt verstreutes jüdisches Volk in sein angestammtes Land heimkehrte.

Die Vertreibung eines fast ausschließlich in Palästina beheimateten Judentums durch die Römer nach dem Jüdischen Krieg (66 – 70 n. Chr.), der mit der Zerstörung des Herodestempels in Jerusalem endete, ist eine Legende, für die es keinerlei belastbare historische Quellen gibt. Schon weit vor diesem Zeitpunkt gab es im gesamten Mittelmeerraum jüdische Gemeinschaften. Aus ihnen entstanden etwa jene frühchristlichen Gemeinden, die uns aus den biblischen Apostelbriefen und der Johannesoffenbarung bekannt sind. Das Judentum dieser Epoche war eine missionarische Religion. Die oftmals hermetische Selbstabschottung nach außen, die heute als eine bestimmende Wesenseigenschaft des Judentums erscheint, entstand erst als Reaktion auf spätere Judenverfolgungen. In der Spätantike führte hingegen die jüdische Mission sogar zur Konversion ganzer Königreiche auf der Arabischen Halbinsel, in Nordafrika und im heutigen Südrussland.

Unreflektierte “Tatsachenberichte”

Aus dieser großräumigen Verbreitung des Judentums, und eben nicht aus Palästina, entsprang die Diaspora, welche die jüdische Religion tatsächlich im 19. Jahrhundert, also gleichsam am Vorabend des Zionismus, kennzeichnete. Wenn es biologische Nachfahren der Juden gibt, welche der Bibel zufolge schon um das Jahr 1000 v. Chr. in Palästina lebten, dann sind dies paradoxerweise am ehesten die heutigen Palästinenser. Diese These ist vor allem deshalb plausibel, weil aus den drei Jahrtausenden vor dem Beginn der zionistischen Besiedelung des heutigen Israel keine historischen Berichte über Völkerwanderungen oder sonstige großräumige Veränderungen der Bevölkerungsstruktur in diesem geographischen Raum vorliegen.

Sand wendet sich auch gegen die in Israel vorherrschende Ansicht, die Geschichtserzählungen der Hebräischen Bibel (des Alten Testaments der christlichen Bibel) unreflektiert als Tatsachenberichte über ein schon seit dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend existierendes Judentum zu sehen. Seiner Meinung nach entstand die jüdische Religion erst, als während der babylonischen Gefangenschaft (6. Jahrhundert v. Chr.) die Eliten des von dem babylonischen König Nebukadnezar zerstörten Kleinkönigreiches Juda in Kontakt mit den Hochzivilisationen des Zweistromlandes und Persiens gerieten und mit dortigen religiösen Vorstellungen – insbesondere dem damals in Persien entstehenden Monotheismus – vertraut wurden. Die biblische Vorgeschichte von den „Erzvätern“, dem Exodus aus Ägypten, der Landnahme in Kanaan und der Königszeit ist zwar keine Erfindung, aber kennzeichnet nur eine kleine Gemeinschaft von Menschen, die neben anderen Gottheiten einen Stammesgott „Jahwe“ verehrten. Insbesondere ist die Vorstellung eines jüdischen Großreiches mit prachtvollen Bauten und gewaltigen Festungsmauern in Jerusalem zur Zeit des Königs Salomo mitsamt dessen üppigem Hofstaat sehr wahrscheinlich eine Rückprojektion späterer babylonischer Zustände. Trotz großer Bemühungen wurden in Jerusalem bislang keine archäologischen Belege für eine glanzvolle Vergangenheit der Stadt während der biblischen Königszeit gefunden.

Starke Mythen

An dieser Stelle muss vor der falschen Schlussfolgerung gewarnt werden, dass mit Shlomo Sands Dekonstruktion der israelischen „Mythohistorie“ der Anspruch des heutigen Israels auf große Teile Palästinas automatisch widerlegt wäre. Es gehört nämlich zum Wesen eines Mythos, dass er völlig unabhängig von der Realität seiner Ursprungserzählung mächtige historische Tatsachen erzeugen und dadurch selbst zu einer Tatsache werden kann. Was bei der Gesetzgebung am Sinai, der Auferstehung Jesu und der Offenbarung der Koransuren an den Propheten Mohammed wirklich geschehen ist, wissen wir nicht. Höchstwahrscheinlich war die Realität anders, als es uns die heiligen Schriften berichten. Dennoch ist es eine Tatsache, dass aus diesen Ereignissen die Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam entstanden und mit gewaltigen Folgen bis in unsere Gegenwart weiterwirken. Genauso ist die israelische „Mythohistorie“ ungeachtet ihres zweifelhaften Ursprunges selbst eine Tatsache, die den heutigen Nahostkonflikt maßgeblich bestimmt und nicht einfach wegdiskutiert werden kann. Ihr stehen auf palästinensischer Seite ebenfalls starke Mythen gegenüber.

Das ist zum einen die Vorstellung, dass einmal vom Islam erobertes Territorium niemals wieder den „Ungläubigen“ überlassen werden dürfe, zum anderen Jerusalem (arabisch al-Quds) als Schauplatz einer zentralen Erzählung des Korans. Diesem Bericht zufolge unternahm der Prophet Mohammed von Jerusalem aus eine mystische Reise in den Himmel, wo er von maßgeblichen Figuren der Hebräischen Bibel die Legitimation empfing, ihr Erbe und Vollender zu sein. In diesem Sinne sehen sich die Moslems die wahren Nachfolger des biblischen Judentums, während die eigentlichen Juden auf einer tieferen Ebene der Gotteserkenntnis stehengeblieben sind.

Grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Volk und Staat

Diese miteinander unvereinbaren Mythen von Moslems und (zionistischen) Juden prallen im heutigen Nahostkonflikt aufeinander und sind hauptsächlich verantwortlich dafür, dass sich dieser Konflikt nicht mit rationalen Mitteln lösen lässt. Genau aus diesem Grund gehen endlose Diskussionen über die Frage, welche Seite denn nun den höherwertigen historischen Anspruch auf das „Heilige Land“ besitzt, am Kern der Problematik vorbei. Auch ein noch so weiser Schiedsspruch würde die Macht der Mythen genauso wenig besiegen können wie die von Shlomo Sand vertretene Idee eines „binationalen Staates“, in dem Juden und Araber unabhängig von ihrer Religion eine gemeinsame Identität als Israelis besäßen und ein demokratisches Staatsvolk bilden würden. Stattdessen wird die unversöhnliche Konkurrenz der Mythen meiner Meinung nach früher oder später zu einer gewaltsamen Entscheidung führen müssen, in deren Folge eine der beiden Parteien das gesamte Land „vom Jordan bis zum Mittelmeer“ besitzen und die andere aus dem Gebiet verdrängen wird. Angesichts der Waffentechnik des 21. Jahrhunderts könnte dies aber leider auch bedeuten, dass am Ende niemand mehr in einem mit Massenvernichtungswaffen verwüsteten Territorium wird leben können.

Neben den mythischen Ursprüngen des Zionismus und damit des heutigen Palästinakonfliktes enthalten Shlomo Sands Bücher äußerst interessante Erwägungen zum grundsätzlichen Verhältnis von Volk und Staat, die weit über den Nahen Osten hinausreichen und, wie wir noch sehen werden, auch das heutige Deutschland betreffen. Die „Mythohistorie“ ist keine zionistisch-israelische Spezialität. Vielmehr bestimmte sie vom späten 18. Jahrhundert bis 1945 wesentlich das Selbstbild der westlichen Staaten. Völker wurden in dieser Zeit vorrangig als Abstammungsgemeinschaften gesehen, deren Nationalcharakter eine historische Kontinuität über Jahrtausende hervorbringt. Die Franzosen sahen sich ebenso als Nachfahren der Gallier, wie die Deutschen sich als Erben der Germanen betrachteten und die Gründung des modernen Griechenlands (1830) als eine Wiedergeburt des Hellas der Klassischen Antike aufgefasst wurde. Hier kam es – genauso wie später in Israel – zu einer unrealistischen Rückprojektion moderner Verhältnisse in die Vergangenheit. Dabei wurde schlichtweg übersehen, dass entsprechende Selbstbilder von „Völkern“ in Zeiten ohne Buchdruck, Massenalphabetisierung und allgemeine Schulpflicht überhaupt nicht existieren konnten.

Symbol für endzeitliches Heilsgeschehen

Das „völkische“, auf einer weitgehend fiktiven Abstammung beruhende Nationalbewusstsein der westlichen Staaten des 19. Jahrhunderts erzeugte aber auf paradoxe Weise erst den zionistisch-jüdischen Nationalismus. Weil die Juden als eigene Abstammungsgemeinschaft zunehmend aus den westlichen Gesellschaften ausgegrenzt wurden, konnte überhaupt erst die Vorstellung eines „jüdischen Volkes“ entstehen, die mit Ausnahme des biblischen „Volkes Israel“ – einer, wie wir gesehen haben, historisch zweifelhaften Vorstellung – bis dahin im religiösen Judentum gar nicht existiert hatte. Der Zionismus musste mit festgefügten theologischen Überzeugungen des rabbinischen Judentums brechen, um erfolgreich zu sein. Diesen religiösen Lehren nach ist das „Exil“ keine erzwungene Existenz fernab einer geographischen Heimat, sondern ein metaphysischer Begriff, welcher die Unerlöstheit des in der Zeit lebenden Menschen beschreibt, die erst mit der endzeitlichen Ankunft des Messias ein Ende finden wird.

Es war den jüdischen Gläubigen streng verboten, diese Endzeit selbst herbeiführen zu wollen. „Jerusalem“ war in diesem Denken weniger ein konkreter Ort als ein Symbol für das endzeitliche Heilsgeschehen. Als Synonym für das ewige Gottesreich nach der Wiederkehr Jesu Christi ist dieses „himmlische Jerusalem“ übrigens auch in die christliche Tradition eingegangen. Im Sinne des rabbinischen Judentums gibt es auch kein jüdisches „Volk“, das über den Charakter eine Religionsgemeinschaft hinausginge. Der Zionismus ersetzte diese religiösen Überzeugungen letzten Endes durch die Vorstellung, dass der Staat Israel gleichzeitig der Messias und der „Dritte Tempel“ von Jerusalem sei und wendete die jüdische Religion damit radikal ins Diesseitige.

Tragischer Anachronismus

Die zionistische „Mythohistorie“ und ihre Vorstellung von einer Jahrtausende alten jüdischen Abstammungsnation sind also Anleihen beim europäischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts. Dazu kommt noch eine weitere, nämlich die kolonialistische Vorstellung, dass Europäer willkürlich außereuropäisches Land besiedeln und die dort lebenden Menschen als vernachlässigbare Größe ansehen könnten. Die zionistische Adaption dieser Vorstellungen erreichte mit der israelischen Staatsgründung von 1948 und den Eroberungen im Sechstagekrieg von 1967 aber ihre Höhepunkte ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem diese Ideen in Europa selbst längst im Schwinden begriffen waren. Nach dem Nationalsozialismus konnte dort niemand mehr guten Gewissens Völker als biologische „Rassen“ ansehen. Die nationalen „Mythohistorien“ wurden zugunsten der Vision eines vereinigten Europa weitgehend aufgegeben, und der Kolonialismus wurde beendet. Nur in Israel, dem umkämpften westlichen Vorposten in Vorderasien, blieb all dies lebendig, und dieser Anachronismus macht einen großen Teil der Tragik des heutigen Nahostkonfliktes aus.

Daraus folgt aber keineswegs eine historische Gesetzmäßigkeit, dass am Ende des Konfliktes um das „Heilige Land“ ein ausschließlich palästinensisches Palästina stehen müsste. Das Pendel der Geschichte könnte nämlich in Gestalt einer vielerorts stattfindenden „identitären Weltrevolution“ wieder zurückschlagen. Auf eigenartige Weise erleben auch im heutigen Europa Nationalismus, ein auf der Abstammung basierender Volksbegriff und Vorstellungen von einer natürlichen Überlegenheit der „weißen“ Europäer über andere Volksgruppen eine Renaissance. In diesem Sinne wäre der Überlebenskampf der heutigen jüdischen Israelis ein Vorzeichen für ganz ähnliche Entwicklungen, die den westlichen Staaten noch bevorstehen könnten. Der Nahostkonflikt überträgt sich nicht allein deshalb in unsere Gesellschaften, weil auch hier Juden und Moslems nebeneinander leben. Bei näherer Betrachtung befinden sich Deutschland und andere Staaten nämlich in einer Situation, die dem heutigen Israel/Palästina keineswegs unähnlich ist. Die liberale Demokratie führt zwar zu der Vorstellung, dass sich ein Staatsvolk einfach aus den dauerhaft in einem Land lebenden Menschen zusammensetzt, die ein Recht auf gemeinsame Selbstbestimmung besitzen.

Völlige Kompromisslosigkeit

Damit kollidiert aber zunehmend etwa der Anspruch der ethnischen Deutschen, dass Deutschland in irgendeiner Weise „ihr Land“ sei. Dieser Anspruch ist zwar heute als politisch inkorrekt und sogar verfassungswidrig verrufen. Er ist aber keineswegs unberechtigt, denn die Selbstbestimmung von Völkern auf ihrem eigenen Territorium ist ein zentraler Inhalt des Völkerrechts, das aus eben diesem Grund nicht „Bevölkerungsrecht“ oder „Staatenrecht“ heißt. Als weiteres Problem kommt hinzu, dass sich die nationalen Minderheiten nicht ohne weiteres in die europäischen Demokratien integrieren lassen, weil sie dies teilweise selbst nicht wollen. Wer in Deutschland ein Kalifat errichten will – und dies ist sehr wahrscheinlich nicht nur ein verschwindend kleiner Anteil der hier lebenden Muslime – kann nicht gleichzeitig Verfassungspatriot im Sinne des Grundgesetzes sein. Wir sehen also eine ganz ähnliche Konstellation, wie sie in Palästina zwischen jüdischen Israelis und Arabern besteht, in Gestalt des zunehmenden Gegensatzes zwischen europäischer Stammbevölkerung und hauptsächlich muslimischen Immigranten auch bei uns.

Die hier erörterten Probleme erscheinen als mit friedlichen Mitteln unlösbar. Völlige Kompromisslosigkeit aufgrund zu starker menschlicher Bindungen an Mythen und aus ihnen folgende „Mythohistorien“ bestimmt in unserer Gegenwart immer mehr sowohl die deutsche Innenpolitik als auch die Weltlage. Die Lektüre der Bücher von Shlomo Sand führt nicht zu einer Beruhigung der Situation, aber sie vermittelt dem Leser immerhin das Gefühl, dass vernunftbasierte Lageeinschätzungen und Lösungsansätze weiterhin möglich sind. Insofern kann ich den Lesern dieses Artikels nur mit voller Überzeugung empfehlen, sich auch selbst mit Sands Texten zu befassen.

10 Antworten

  1. Wir begeben uns in tiefe Wasser …

    Nach allem was man aus der Geschichte (und der Bibel/dem Tanach) weiß haben israelitischen die Stämme Jerusalem nicht ursprünglich gegründet und erbaut im eigentlichen Sinne, sondern erobert.

    Wenn schon sollte die Stadt/das Land wohl den Jebusitern zurückgegeben werden?

    1. Lieber Herr Woitas,

      nach Ihrem Artikel in Ansage.org vom 15.4.2024, in welchem Sie versuchten, den aktuellen Konflikt ums “Heilige Land” auch mithilfe einiger traditioneller Vorstellungen des christlichen Antijudaismus zu verstehen, referieren Sie jetzt die Bücher des marxistischen, “woken”, israelischen Historikers Schlomo Sand.

      Da Ihnen leider wesentliche historische Kenntnisse über das Judentum und die Geschichte des Heiligen Landes/Palästinas fehlen, übernimmt Ihr Text die Sand’schen Thesen nahezu kritiklos, teils werden diese sogar überspitzt.

      Dass Religionen und Völker einen mehr oder weniger alten und grossen mythologischen Kern haben, ist keineswegs eine neue wissenschaftliche Erkenntnis.

      Es ist vollständig unerheblich, ob die heutigen Juden genetisch zu 10 % oder zu 30 % von den in der Antike noch in Judea lebenden Juden abstammen. Übertritte in das sich als Gottes Volk verstehende Judentum fanden immer statt, allerdings war dies in vielen christlichen und muslimischen Staaten – teils bei Todesstrafe – verboten.

      Komplett falsch sind die im Referat kritiklos wiedergegebenen marxistischen Thesen, daß (Zitat) “Weil die Juden als eigene Abstammungsgemeinschaft zunehmend aus den westlichen Gesellschaften ausgegrenzt wurden, konnte überhaupt erst die Vorstellung eines „jüdischen Volkes“ entstehen, die mit Ausnahme des biblischen „Volkes Israel“ – einer, wie wir gesehen haben, historisch zweifelhaften Vorstellung – bis dahin im religiösen Judentum gar nicht existiert hatte” und “Im Sinne des rabbinischen Judentums gibt es auch kein jüdisches „Volk“, das über den Charakter einer Religionsgemeinschaft hinausginge”. –
      Ein (auch wissenschaftlich-historisch fundierter) Blick in ein jüdisches Gebetbuch zeigt, daß bald seit der Zerstörung des jüdischen Tempels in Jerusalem im Jahre 70 n. Chr. täglich dreimal und seither ununterbrochen um die Rückkehr nach Zion und für die Wiederherstellung der jüdischen Staatlichkeit im Land Israel gebetet wurde.

      So, plötzlich im 20. Jahrhundert angekommen, verbleibt das Schiff des Referats im marxistisch-antikolonialen Fahrwasser von Schlomo Sand (Zitat): “Dazu kommt noch eine weitere, nämlich die kolonialistische Vorstellung, dass Europäer willkürlich außereuropäisches Land besiedeln und die dort lebenden Menschen als vernachlässigbare Größe ansehen könnten.”-

      Aussen vor bleibt bei dieser marxistischen Analyse die komplexe historische Situation des langsamen Zerfalls der osmanisch-türkischen Kolonialherrschaft über den gesamten, damals seit Jahrhunderten nicht in Nationalstaaten aufgeteilten Nahen Osten, dessen zahlreiche ethnisch-religöse Minderheiten (Christen, Juden, Jesiden, Alaviten, Kurden, Schiiten, Drusen, Armenier) bis dato von der türkisch-osmanischen Herrschaft – teils mit harter Hand – vor der Wut der unterdrückten sunnitisch-islamischen Mehrheit geschützt wurden.
      In dieser Situation kam es bereits im 19. Jahrhundert zu einem teils mit großen Investitionen auch realisierten Projekt sämtlicher, damals noch dezidiert christlicher und meist durchaus befreundeter Großmächte zur Entwicklung des Heiligen Landes Palästina als internationalem Friedensprojekt.
      Dieses internationale Friedensprojekt ging – bis zum Vorabend der Katastrophe des 1. Weltkriegs – selbstverständlich auch von einem Weiterbestehen osmanisch-islamischer Machtstrukturen und der Möglichkeit eines grenzenlosen, multireligiösen und von verschiedenen Völkern besiedelten Heiligen Lands Palästina aus.
      Diese historische Situation ist auch der Ursprung des europäischen Zionismus, welcher nach Zion in das Land Israel heimkehrende Juden als Teil eines internationalen Friedensprojekts sah.
      Nach der – nicht vorhergesehenen – Katastrophe des 1. Weltkriegs war das Palästinamandat des damals neugegründeten Völkerbundes (1923) ursprünglich als Fortschreibung dieses internationalen Friedensprojekts gedacht.
      Die europäischen Juden kamen – im Gegensatz zu einer weithin verbreiteten Meinung – nicht als Folge des 2. Weltkriegs nach Palästina, sondern als Folge des 1. Weltkriegs und des dabei aufgetretenen Zusammenbruchs des türkisch-osmanischen Kolonialreichs!

      (An dieser Stelle muss sich der Leser fragen, wer jetzt eigentlich an dem ganzen Palästina -Schlamassel schuld ist und deshalb für Reparationen und den berühmten “Gerechten Frieden” zu sorgen hat? Da kommen wir zur bei uns in Deutschland beliebten Kriegsschuldfrage…
      Die seriöse Antwort ist natürlich, dass keiner mehr am 1. WK schuld sein kann, weil die alle tot sind.)

      Kurz vor Ende seines Artikels/Diskussionsbeitrags merkt der sicherlich nicht böswillig auftretende Herr Woitas, dass sein Referatsschiff kurz davor steht, sozusagen auf eine marxistische Sand-Bank aufzulaufen.
      Schließlich schreibt er ja nicht für die TAZ oder die ZEIT sondern für den rechtskonservativen Blog Ansage.org.
      Er versucht deswegen noch eine palästinapolitische Wende um 180°(, in der Eile möglicherweise sogar um die berühmten 360°):

      Plötzlich soll es “ethnische Deutsche” geben, obwohl weiter oben doch mit Schlomo Sand “geklärt” wurde, dass es nicht mal ethnische Juden oder überhaupt ein jüdisches Volk gibt. Dann wird die Situation in Palästina mit der Situation in Deutschland verglichen, es bleibt jedoch unklar, ob die Juden in Palästina mit den neuerdings offenbar unerwünschterweise in Deutschland siedelnden Muslimen identifiziert werden, oder andersrum es den Deutschen jetzt so ergeht wie den Juden in Palästina.

      Lieber Herr Woitas, ich bitte um Aufklärung.

  2. Ein Hauptproblem der Menschen ist die Religion an sich, ein absurdes Konstrukt. Solange es Religion auf dieser Welt gibt, solange wird es Probleme geben und der Mensch wird sich nicht weiterentwickeln können.

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    1. Die Religionen und Götter sind die Ablenkung. Wer ihnen folgt, ist auf verlorenen Wegen unterwegs.
      Auf der Erde werden die Unwürdigen aussortiert.

      Oder glaubt hier irgendjemand wirklich, dass das Leid, welches er anderen zukommen lässt, ihn ins Paradies führt?
      Mord und andere Gewaltverbrechen führen ins Paradies? Ernsthaft?
      Im Paradies würde es dann nicht anders sein als hier auf Erden.

      Wer einem Herren folgt, der lebt nicht selbstbestimmt. Wer hier im Namen einer sogenannten Gottheit (dem Herren) Verbrechen begeht, der hat sein Licht verloren.

      Das Leben auf Erden ist nicht sinnlos. Es bestimmt, wohin die Reise geht, wenn der Körper tot ist.
      Die Erde ist ein Test. Eine Prüfung.

      Wer bist du? Finde dich! Alles andere ist verlorene Lebenszeit.

      Nichts, was sich der Mensch hier schafft, ist wichtig. Denn nichts davon kann er mitnehmen. Geld dient dazu, um die Lebenshaltungskosten zu stemmen. Und es sich ein wenig das Leben zu erleichtern. Es ist ein Mittel zum Zweck. Leider leben aber sehr viele Menschen für das Geld. Peinlich reiche Menschen setzen ihr Geld ein, um noch mehr Geld zu scheffeln. Sie setzen ihr Geld ein, um anderen Menschen das Leben zur Hölle zu machen. Nicht, um ihnen das Leben zu erleichtern. Nein, sie stellen sich über andere Menschen. So wie die religiösen Menschen sich über andere Menschen stellen. Wie oben geschrieben: Die Religionen und Götter sind die Ablenkung.

      Ihr seid auf falschen Wegen unterwegs.

  3. So interessant auch die Bücher Shlomo Sands sein mögen, glaube ich doch, daß uns eher der heraufziehende Dritte Weltkrieg beschäftigen sollte.

  4. Ausgezeichneter Artikel!
    Was ist nur aus den Töchtern und Söhnen des Sem geworden. Beispiellose
    Kriegsverbrechen und kein Ende.

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