Die Krone des Geistes

Die Krone des Geistes

Staatshörige Professoren und andere Bildungseliten: Im Gleichschritt unter allen Fahnen (Symbolbild:Grok)

Bildung schützt vor Dummheit nicht – oder vor Heuchelei, Mitläufertum, Mord und Totschlag.“ Mit diesem Satz sezierte jüngst Michael Wolffsohn in der “Neuen Zürcher Zeitung” die bequeme Behauptung, gute Bildung mache automatisch bessere Menschen. Er führt die Parade der gut ausgebildeten Übeltäter an – von Robespierre bis Goebbels – und kommt zu dem nüchternen Fazit: Bildung beglückt, aber moralisiert nicht. Man kann diese Diagnose teilen und ihr trotzdem widersprechen. Nicht im Befund, sondern in der Folgerung. Denn aus der Einsicht, dass Bildung kein moralischer Zauberschlüssel ist, folgt gerade nicht, dass sie politisch zweitrangig wäre. Es folgt, dass wir eine andere Vorstellung von der „Krone des Geistes“ brauchen – eine neue Gelehrtenrepublik, die nicht im Dienst des Staates steht, sondern über ihm.

Der Fehler beginnt in der Gleichsetzung von „Intellektuellen“ und Staatseliten. Wolffsohn schildert treffend, wie sich seit der Affäre Dreyfus eine Klasse gebildeter Deuter herausgebildet hat, die sich selbst als moralische Oberaufsicht über das Gemeinwesen versteht – und dennoch immer wieder auf der Seite der falschen Befreiungsbewegungen und der richtigen Diktatoren landet. Aber das ist nicht die notwendige Folge hoher Bildung, sondern das Resultat einer bestimmten Sozialfigur: der vom Staat bezahlten, ideologisch eingebetteten Funktionärsintelligenz.

Rahmentarifvertrag statt Wahrheitssuche

Die deutsche Professorenkaste – jene akademische Klasse, die sich seit Weimar, erst recht seit 1968, als Gewissen der Nation inszeniert – lebt fast vollständig aus öffentlichen Kassen. Der Großteil der Hochschullehrer ist verbeamtet, die Forschungsförderung wird von Ministerien verteilt, Karrieren werden in Gremien entschieden, die politisch durchdrungen sind. Wer so abhängig ist, verwechselt leicht Wahrheitssuche mit Rahmentarifvertrag: Man sagt, was im System sagbar ist, und hält die Anpassung für Moral. Genau an dieser Stelle lohnt der Blick auf die AfD-Gründung 2013. Bernd Lucke, Joachim Starbatty, Alexander Dilger und andere traten explizit als „Professorenpartei“ an: euroskeptische Ökonomen, die sich dem Konsens von CDU und SPD widersetzten und – zumindest im Selbstbild – als unabhängige akademische Elite auftraten. Das war, im Ansatz, ein Versuch, jene Gelehrtenrepublik zu beleben, von der hier die Rede ist: Professoren, die nicht länger Fußnoten für die Regierungspartei schreiben wollten, sondern selbst Partei wurden.

Warum ist dieses Projekt in seiner ursprünglichen Form gescheitert? Zum einen, weil diese Professoren real eben doch tief, zu tief im staatlichen Apparat verankert waren: ordentliche Lehrstühle, Haushaltsmittel, Beamtenstatus. Sie konnten eine euroskeptische Fußnote setzen, aber sie hatten keine gewachsene soziale Basis außerhalb der Hörsäle. Zum zweiten, weil sie die Brutalität des politischen und medialen Systems unterschätzt hatten: Wer einmal die Bannflüche der Leitmedien auf sich gezogen hat, braucht mehr als akademische Argumente; er braucht Organisation, Milieu, Gegenöffentlichkeit. Und zum dritten, weil die AfD sich sehr schnell von einer Professorenpartei zu einer populären Protestbewegung wandelte, in der nicht mehr die Lehrstuhlinhaber und Strategen, sondern Parteiapparate, Taktiker und Aktivisten den Ton angaben. Die „Professorenpartei“ hatte den Anstoß gegeben, aber sie hatte kein eigenes Netz unabhängiger Institutionen aufbauen können – keine Stiftungen, keine privaten Hochschulen, keine Mäzenstrukturen, die sie vom Staat hätten emanzipieren können. Sie blieb, im Wortsinn, eine Übergangsfigur: zu akademisch für die alte Bundesrepublik, zu wenig institutionell für eine echte Gelehrtenrepublik.

Nicht Staatserklärer, sondern Staatskritiker

Eine echte „Krone des Geistes“ sähe anders aus. Ihre Eliten wären nicht jene, die am besten im Drittmittelantrag die jeweils aktuelle Regierungsparole paraphrasieren, sondern jene, die sich leisten können, gegen alle Regierungen im Namen einer höheren Ordnung zu sprechen: Wahrheit, Recht, Maß, Tradition. Ihre materielle Basis wären Stiftungen, private Hochschulen, unabhängige Verlage, Mäzene – nicht Beamtenstellen und Projektmittel. Erst wer nicht vom Staat lebt, kann ihn wirklich kritisieren. Damit sind wir bei der alten Idee der Gelehrtenrepublik. Sie meint nicht eine Herrschaft der Professoren, sondern eine dünne Schicht von Menschen, deren Hauptberuf nicht die Verwaltung der Gegenwart ist, sondern der Streit um Wahrheit: Philosophen, Historiker, Theologen, Juristen, Naturwissenschaftler, die nicht als Staatserklärer, sondern als Staatskritiker arbeiten. In klassischen Begriffen ist das die „Krone des Geistes“: eine Hierarchie, in der der Geist vor dem Geld, das Recht vor der Macht, das Argument vor der Mehrheit steht.

Solche Eliten entstehen nicht aus „mehr politischer Bildung“ und „Demokratieprojekten gegen Extremismus“, wie sie heute in unzähligen Broschüren propagiert werden. Sie entstehen aus anderen Quellen: aus dem Studium der großen Texte, aus der Einübung in strenge Logik, aus der Erfahrung, dass Wahrheit nicht abstimmbar ist. Und vor allem entstehen sie dort, wo man sie nicht funktionalisiert – weder für den Kapitalismus noch für die „wehrhafte Demokratie“. Ein Intellektueller, der seine Daseinsberechtigung daraus bezieht, das jeweils aktuelle Regierungsnarrativ pädagogisch in Schulen und Talkshows zu tragen, ist kein Gelehrter, sondern Verkünder. Die Geschichte ist voll von hochgebildeten Verbrechern – das lässt sich nicht wegreden. Aber sie ist ebenso voll von hochgebildeten Widerständlern, die gerade wegen ihrer Bildung Nein sagen konnten: gegen totalitäre Ideologien, gegen staatliche Willkür. Totalitarismen brauchen nicht „zu viel Geist“, sondern die Korrumpierung des Geistes: die Gleichschaltung von Karriere, Einkommen und Bekenntnis. Wo diese Verbindung gelöst wird, wo jemand seine materielle Existenz nicht an die Gnade einer Behörde gebunden hat, wird Widerstand überhaupt erst denkbar.

Falsche Bildung an den falschen Orten

Das eigentliche Problem unserer Gegenwart ist deshalb nicht, dass Bildung nicht moralischer macht. Das Problem ist, dass wir die falsche Bildung an die falschen Orte gestellt haben. Wir haben aus Universitäten Ausbildungshallen gemacht, aus Gelehrten Projektmanager, aus Professoren Amtsträger. Wir haben eine staatsnahe Intelligenz gezüchtet, die zwar über Extremismus promoviert, aber kaum noch in geistigen Kategorien denken kann, die älter sind als die letzte Rahmenrichtlinie. Wer das ernst nimmt, muss die Frage nach den „Eliten, die nicht vom Staat abhängig sind“, radikal stellen: Wo entstehen heute geistige Autoritäten, die sich dem nächsten Extremismus – ob links, rechts, religiös oder technokratisch – entgegenstellen könnten? Sicher nicht in den Demokratiebildungsprogrammen, sicher nicht in „Leitbildern gegen Hass und Hetze“, mit denen Ministerien ihren moralischen Ablasshandel betreiben. Sondern vielleicht eher dort, wo sich – jenseits der Professorenkarriere – Menschen zusammentun, um eigene Schulen, Verlage, Forschungsinstitute zu gründen. Die Lucke-AfD war in diesem Sinn ein missglückter Anfang: der Versuch, die Legitimationsmacht eines Titels („Professor“) in politische Autorität zu verwandeln, ohne die soziale und institutionelle Unabhängigkeit, die eine echte Gelehrtenrepublik bräuchte.

Man kann auch schlicht sagen: Gute Bildung verhindert Extremismus nicht automatisch doch schlechte Bildung begünstigt ihn fast immer. Und eine Bildung, die vor allem darin besteht, junge Menschen zu folgsamen, unkritischen Staatsbürgern zu erziehen, produziert Dienstboten, keine Bürger. Der Gegenentwurf ist die alte, heute beinahe subversive Idee der höheren Bildung: eine Erziehung zur Wahrheit, zur Urteilskraft, zur inneren Freiheit – jenseits des Tagesbefehls. Die Alternative zur Bildungsromantik ist nicht Bildungszynismus, sondern Bildungsaristokratie: eine „Krone des Geistes“, die sich weder vom Staat noch vom Markt kaufen lässt. Wenn wir sie nicht wollen, bleibt uns genau das, was wir jetzt haben: eine gut ausgebildete Klasse, die ihre eigene Anpassung mit Moral verwechselt – und dann überrascht ist, wenn aus ihren Hörsälen nicht mehr Widerstand, sondern der nächste Konformismus kommt.

8 Kommentare

  1. Adel bezieht sich immer auf historische Herkunft. Eine „Krone des Geistes“ die ihre Herkunft auf der erkenntnissschöpfenden Arbeit und Errungenschaften ihrer Vorgänger zieht wäre wieder in guter Tradition, egal ob einst antik, klosterklerikal oder aufklärerisch bis neuzeitlich ökonomisch motiviert.
    Eine „Krone des Geistes“ die sich jedoch nur als Verweserin des heutigen obrigkeitsstaatlichen Bildungs(un)wesens sieht kann hingegen nur noch mehr selbstherrliche Selbstbestätigung schaffen die jegliche echte und unabhängige freie Forschung und Lehre nur noch weiter verdrängt.

  2. wie riefen die „glorreichen 68ziger “ ,der Muff von 16 Merkel Jahren steckt unter Deutschen Talaren!! Das aushebeln von Bürgerrechten will weiter gehen,ohne eine Ge_rechte Opposition. DAS soll zum BESTEN der BRD sein? Wirtschaft abwürgen? Fremdvölker ohne Kontrolle „rein“ lassen ? Schon vor 20 Jahren beschwerten sich Studenten das es keine Wohnungen gibt,die selben linken Lichter die kurz danach brüllten WIR haben Platz! Vermieter über links kontrollieren wollen,die FOC Mentalität bringt einen Staat runter zum angehimmelten Standard von Kuba ! Nur Urlauben wollen da nur extrem linke.Sogar grüne zieht es da lieber nach Thailand,wegen Kultur und SO !!

  3. …sondern jene, die sich leisten können, gegen alle Regierungen im Namen einer höheren Ordnung zu sprechen: Wahrheit, Recht, Maß, Tradition. Ihre materielle Basis wären Stiftungen, private Hochschulen, unabhängige Verlage, Mäzene – nicht Beamtenstellen und Projektmittel. Erst wer nicht vom Staat lebt, kann ihn wirklich kritisieren.
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    Genau das tun Höcke und andere ehrliche Parteimitglieder! Deshalb sind die auch „Volkstribune“ und hier bei den Patrioten zu recht geachtet und beliebt!

    Das Rot/Grün/Bund wütend sind, …logische Konsequenz!

    Warum Wiso Weshalb….
    Lucke wollte Kollegenkonsenz über Parteigrenzen (Bildungselite)
    Petry erkannte das Potential der Massen, aber die Ursachen gerade hier im Osten z.B. hat die nie begriffen. Im Gegenteil!

    Crupalla ist der ostdeutsche Injektor, der die westdeutsche Weidel punktiert, zentriert und damit erdet!

    Danke Euch Beiden für Eure Arbeit den Laden zusammen zu halten
    und gemeinsam Ost-West, also Gesamtdeutschland, nach vorne zu bringen!

    🙂 👍 💙 💙 💙

    …LG aus Sachsen-Anhalt

  4. Ein wunderbare, vortrefflicher Artikel, der in seiner Analyse die Dinge klar auf den Punkt bringt und der vor allem die klare Konsequenz aufzeigt: Wissenschaft und Hochschulen müssen aus der korrumpierenden Hand des Staates befreit, herausgelöst und in einer Organisation des Geistes verselbständigt werden, von der aus sie erst wahrhaft befruchtend und korrigierend in Staat und Wirtschaft hineinwirken können. Großen Dank, Herr Hartung!

  5. Tatsachen werden verdreht,geltende bewiesene Wissenschaft wird geleugnet und verfolgt und durch Lügen,Dummheit und Gier eitler korrupter Fratzen ersetzt.
    An den Gymnasien und Hochschulen wird nach diesen verdrehten Vorgaben gelehrt.
    Schüler und Studenten werden auf links gedreht wenn sie sich nicht dagegen wehren indem sie frühzeitig ihren eigenen Standpunkt entwickeln.
    Die gesamte “ Bildungselite“ muss dem folgen.
    Wer das nicht tut wird verfolgt und existenziell bedroht.
    Finanzierung und zusätzliche Drittmittel kommen von gestohlenen Steuergeldern der Bürger.Korruption blüht auch hier im Verborgenen und inzwischen auch vor aller Augen mit staatlicher und medialer Unterstützung.
    Alles und jeder muss auf den Prüfstand.Das Bildungssystem muss komplett neu aufgestellt werden.
    Lehrstuhlinhaber müssen genauestens hinterfragt und ggf.entfernt werden.

  6. Unfassbar:

    Bundesregierung will den Corona-Schwurbler und Märchenerzähler Lauterbach (SPD) als nächsten WHO-Chef
    Alle maßgeblichen Protagonisten der „Corona-Krise“, die eine restriktive Maßnahmenpolitik aktiv unterstützten – einschließlich aggressiver Nötigung und gesellschaftlicher Ausgrenzung von Bürgern im Zusammenhang mit der „Impfpflicht“ –, können ihr berufliches Dasein weiterhin juristisch unbehelligt und entspannt fortsetzen.

    So auch der unantastbare Karl Lauterbach. Im April 2023 erklärte der damalige gesamtverantwortliche Bundesgesundheitsminister willkürlich die „Corona-Pandemie für beendet“. Seine damalige Warnung lautete:
    „Trotzdem bleibt COVID eine Gefahr für die Zukunft.“

    https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2026/02/11/koennte-lauterbach-der-neue-leiter-der-who-werden

    https://x.com/Karl_Lauterbach/status/1643625424625229826?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1643625424625229826%7Ctwgr%5E1ce678f884bcc1ea33371ed8c4224773cb540a81%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fde.rt.com%2Fgesellschaft%2F177846-taegliche-wahnsinn%2F

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  7. Diese kritische Analyse zur Bildung, trefflich formuliert, sollte an jeden Haushalt geschickt werden; zumindest solange man noch sinnerfassendes Lesen erwarten kann.

  8. Ein sehr guter Artikel – gerade im Gegensatz zu dem, was im Netz alles an Müll verbreitet wird. Bin immer wieder mal auf einigen Klassikern der Webseiten unterwegs, auf denen man mit etwas Glück vernünftige Infos erhält, also wahres. Auf beinahe allen diesen Webseiten fehlt mir eines: So gut wie niemand weiß, was GEIST ist. Sie verwechseln GEIST mit dem Verstand, mit einem hohen IQ usw. Und einen Schritt weiter: dieser GEIST ist die Teilhabe am GEIST Gottes und die Menschen haben das noch immer nicht verstanden – nicht einmal der Klerus in weiten Teilen… Der Mensch erhält in Wahrheit mit seiner Erschaffung Teilhabe am Geist Gottes, wenn auch in unterschiedlicher Tiefe. Ich selber bin Priester und musste durch ein rein rationales Theologiestudium gehen – furchtbar! Insofern ist Wolffsohn auf der richtigen Spur – mehr aber auch nicht.