
45,8 Prozent holte die SPD 1972 unter Willy Brandt. 2025 waren davon im Bund noch 16,4 Prozent übrig. Fast zwei Drittel des damaligen Stimmenanteils sind verschwunden – mittlerweile seither dürfte sich der Absturz nochmals deutlich beschleunigt haben, so dass die SPD realistisch bundesweit bestenfalls noch bei 12-13 Prozent stehen dürfte, wenn überhaupt. So etwas schafft man nicht über Nacht. Dazu braucht es Geduld, Ausdauer – und mehrere Generationen eigener Juso-Funktionäre. Lars Klingbeil brachte dafür sogar Antifa-Erfahrung aus seiner Jugend mit. Die älteste Partei Deutschlands zerlegt sich vor laufender Kamera selbst und wundert sich anschließend über die herumliegenden Einzelteile.
Gerhard Schröder, der Holzfäller mit Axt und Bierflasche, krempelte vor fast 30 Jahren die Ärmel hoch – und schlug die Axt in den eigenen Stamm: Agenda 2010, Hartz IV, “Fördern und Fordern”. Die Partei des kleinen Mannes erklärte plötzlich erstmals dem kleinen Mann, dass jetzt andere Sitten gelten. Franz Müntefering lieferte später den passenden SPD-Satz: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ So etwas musste ein alter Sozialdemokrat zweimal lesen. Beim ersten Mal hielt er es vermutlich für einen Druckfehler. Die Mitglieder gingen nicht einfach. Sie wurden vertrieben.
Schlaff im Wind: die einst blutrote Fahne
Unter Helmut Schmidt hätte es das nicht gegeben – doch dem gingen irgendwann die Mentholzigaretten aus. Auch Wehner und Brandt musste man nicht mögen; beide waren deutsche Eichen im Brennnesselgestrüpp. “Ekel Alfred” Tetzlaff hatte fürs Fernsehpublikum bereits vor Jahrzehnten den passenden Kommentar dazu: „Der Sozi ist nicht grundsätzlich dumm, er hat nur sehr viel Pech beim Nachdenken.“ Und nun, heute? Die einst blutrote Fahne hängt inzwischen schlaff im Wind. Jahrelang wurde mit den Grünen aus demselben Koalitionsbecher geschlürft. Offenbar war zu viel grüner Smoothie darin (und wer weiß, was sonst noch), der die Gedanken vernebelte. Aus dem blutroten Kampfstier wurde ein rosaroter Lurch. Und irgendwo hört man schon die Melodie:
Wer hat an dem Ast gesägt?
Ist es wirklich schon so spät?
Soll das heißen, ja ihr Leut’,
mit der SPD ist Schluss für heut’?
Auf Parteitagen wird trotzdem weiter die Internationale gesungen. „Auf zum letzten Gefecht“ heißt es darin. Nun; dieser letzte Wunsch wird jetzt Wirklichkeit. Doch ohne Parteisoldaten kein Gefecht. Vielleicht wäre inzwischen sinnvoller, die „Kommunale“ zu singen.
Vom Volksfest zum Stammtisch im Nebenzimmer
In Baden-Württemberg steht die SPD bei 5,5 Prozent, in Thüringen bei 6,1, in Sachsen bei 7,3, in Bayern bei 8,4 und in Sachsen-Anhalt bei 9,3 Prozent. Fünf Landtage bieten gleichsam Artenschutz. Fünfmal einstellig. Wenn ein Wirt an fünf Abenden hintereinander einen leeren Saal hat, gründet er normalerweise keine Arbeitsgruppe zur Verbesserung der Gästekommunikation. Er fragt sich, ob das Bier schlechter geworden ist. Oder ob seine Kellner so ruppig waren, dass die Stammgäste woanders trinken.
Bei der SPD aber wird offenbar lieber über die Gäste geschimpft und die Sanktionsschraube verschärft. Klingbeil und Bas wirken derweil wie zwei Luftballons auf dem Oktoberfest: Prall aufgeblasen, weithin sichtbar und scheinbar von beträchtlicher Größe. Ein kleiner Nadelstich (oder ein Lacher beim Arbeitgeberverband) genügt – dann entweicht das restliche Lüftchen, und auf dem Boden liegt ein schlaffes rotes Gummi. So jedenfalls gewinnt man keine neuen Mitglieder. So nicht.
Das Beil im Hause erspart den Zimmermann
Doch die SPD marschiert inzwischen nicht mal mehr allein Richtung Kellergruft. Die CDU folgt ihr auf dem Fuße. Friedrich Merz darf Kanzler sein von ihren Gnaden. Die SPD spielt bereits die traurige Begräbnismusik, – und Merz dackelt treu hinterher. Bis dass der politische Tod sie scheidet. Nibelungentreue bis zum letzten Prozentpunkt! Die Union nähert sich der SPD an; Umfragen sprechen von 19,5 Prozent. Was beide Parteien abliefern, ist so geistreich wie Eierlikör für Omalein.
Bei echter Sabotage sucht man Männer mit Kapuze, Bolzenschneider und Fluchtwagen. Bei der SPD kann man sich die Fahndung sparen. Die Holzfäller sitzen längst im eigenen Haus. Und gegenüber hat inzwischen eine neue Volksbrauerei eröffnet. Die früheren Stammgäste scheinen das Bier zu mögen. Seine Etiketten sind übrigens blau.
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3 Kommentare
Man könnte die Blockparteien langsam, aber sicher vergessen, wenn sie nicht immer noch die meisten Funktionäre stellten. In Sachsen-Anhalt haben sie offenbar die Briefwahl-Stimmen hochdemokratisch ausgezählt: die AfD hat dort nur 24% der Stimmen erhalten, die CDU etwa genauso viel, alle linken Parteien haben in der Briefwahl deutlich besser als in der Urnenwahl abgeschnitten.
Die Briefwähler sind wahrscheinlich durchschnittlich deutlich älter als die Urnenwähler, und damit sind vergleichsweise hohe CDU- und vergleichsweise niedrige AfD-Ergebnisse bei Briefwahlen normal. Nicht normal sind so extreme Brüche wie der zwischen 24% AfD-Stimmen in den Briefen und 50% in den Wahllokalen. Nicht normal sind hohe Werte der Grünen, Linken und des BSW in den Briefen. Nur die Entsetzlichen haben in den Briefwahlen oder bei der Auszählung dieser Stimmen an Zustimmung verloren, und zwar so dramatisch, dass es keinen Vergleichsfall in der deutschen Geschichte seit der Wiedervereinigung gibt.
Und weil das so ist, wird es auch weiterhin Briefwahlen für alle Wahlberechtigten geben, die zuhause wählen wollen. Früher mal war die Briefwahl ein Ausweg für Wähler, die am Wahltag nicht in ihren Wohngebieten sein konnten, die krank oder behindert waren. Heute ist die Briefwahl ein Angebot an alle Wähler. Briefwahl-Ergebnisse sind leichter fälschbar als Wahllokal-Ergebnisse sind. Warum wohl bestehen unseredemokraten darauf, dass jeder, der will, per Brief abstimmen kann?
„Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Illusion von Intellektuellen.“
-Helmut Schmidt, Altkanzler SPD
„Die Vorstellung, dass eine moderne Gesellschaft in der Lage sein müsste, sich als multikulturelle Gesellschaft zu etablieren, mit möglichst vielen kulturellen Gruppen, halte ich für abwegig. Man kann aus Deutschland mit immerhin einer tausendjährigen Geschichte seit Otto I. nicht nachträglich einen Schmelztiegel machen.“
-Helmut Schmidt, Altkanzler SPD
https://www.focus.de/politik/deutschland/weitere-zuwanderung-unterbinden-helmut-schmidt-ii_id_2440420.html
https://www.focus.de/politik/deutschland/bas-erklaert-migrationssatz-und-verstrickt-sich-noch-
tiefer_e50026bd-976a-46aa-b70e-98dda1c184f9.html
Hausdurchsuchung beim Spitzenkandidaten & in der SPD-Zentrale! Steffen Krach in Erklärungsnot!
,,Hausdurchsuchung beim Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach, in der Parteizentrale und an seinem früheren Amtssitz in Hannover: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Untreue, Vorteilsnahme und Bestechlichkeit im Zusammenhang mit einer Spende eines Bieters für ein Gesundheitszentrum-Vergabeverfahren. Krach weist die Vorwürfe zurück und betont, die Spende sei sofort abgelehnt worden – dennoch wirkt der Zeitpunkt elf Tage vor der Wahl am 20. September brisant. Der Fall reiht sich in eine Serie von SPD-Immobilien- und Korruptionsaffären ein, von Markus Held bis Dilek Kalayci.“