Die SPD erreicht das Sekten-Stadium

Die SPD erreicht das Sekten-Stadium

Titanic des 21. Jahrhunderts: SPD-Kapitäne Klingbeil, Bas (Foto:Imago)

Die SPD war über Jahrzehnte hinweg eine politische Kraft, die ihre Legitimation daraus bezog, dass sie die Interessen jener vertrat, die dieses Land mit ihrer Arbeit trugen, seine Sozialsysteme finanzierten und zugleich erwarteten, dass Leistung, Ordnung und soziale Aufstiegschancen nicht nur beschworen, sondern politisch organisiert würden. Diese SPD existiert heute nur noch als Erinnerung, als historisches Zitat, das in Sonntagsreden beschworen wird, während sich die reale Partei längst von ihrer gesellschaftlichen Basis gelöst hat. Das geblieben ist, ist eine Organisation, die sich weniger über gesellschaftliche Anschlussfähigkeit definiert als über moralische Selbstvergewisserung, die Kritik nicht mehr als Korrektiv begreift, sondern als Angriff, und die Wahlergebnisse nicht als Urteil der Wähler liest, sondern als Missverständnis der Bevölkerung.

Wenn der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, der SPD in Teilen Deutschlands einen „Sektencharakter“ attestiert, dann ist das keine polemische Spitze, sondern eine analytische Zustandsbeschreibung, die präzise erklärt, warum diese Partei kaum noch Anschluss an die gesellschaftliche Realität findet. Sekten funktionieren nicht über Überzeugungskraft, sondern über Glaubensbindung, über die Immunisierung gegen äußere Kritik und über die feste Überzeugung, selbst dann im Recht zu sein, wenn die Wirklichkeit längst in eine andere Richtung marschiert. Genau dieses Muster zeigt sich bei der SPD, insbesondere dort, wo sie im Osten nur noch fünf, sechs oder sieben Prozent erreicht und damit nicht mehr politische Gestaltungskraft entfaltet, sondern allenfalls musealen Charakter besitzt.

Fatal ist die Richtungsabwendung der Wähler

Wer glaubt, diese Entwicklung sei ein regionales Sonderproblem, verkennt den Mechanismus, denn der Osten ist nicht die Ausnahme, sondern das Frühwarnsystem, das sichtbar macht, was im Westen zeitverzögert eintritt. Die anstehenden Landtagswahlen werden diesen Prozess weiter beschleunigen, Ministerpräsidenten werden ihre Ämter verlieren, die Partei wird weiter schrumpfen, und mit jedem Prozentpunkt weniger verschwindet ein weiteres Stück politischer Relevanz. Besonders fatal für die SPD ist dabei nicht der Machtverlust an sich, sondern die Richtung, in die ihre früheren Wähler abgewandert sind, denn sie wechseln nicht zur CDU und auch nicht in eine diffuse politische Unentschiedenheit, sondern in großer Zahl zur AfD.

Das ist kein Gefühl und keine polemische Zuspitzung, sondern durch Wahlanalysen belegt, die zeigen, dass Arbeiter, Facharbeiter, Angestellte und kleine Selbstständige dort eine politische Heimat suchen, wo sie sich nicht moralisch belehrt, sondern ernst genommen fühlen. Die AfD wird dabei nicht gewählt, weil ihre Wähler radikalisiert wären, sondern weil sie für viele dort steht, wo früher die politische Mitte verortet war, nämlich bei Themen wie Leistungsgerechtigkeit, Ordnung, Sicherheit, nationale Verantwortung und sozialer Fairness gegenüber denen, die das System tragen. Während sich die SPD zunehmend als Partei der Transferlogik begreift, als Bürgergeld- und Grundsicherungspartei, die ihre politische Energie darauf verwendet, neue Anspruchsgruppen zu definieren und bestehende Leistungen auszuweiten, haben sich diejenigen verabschiedet, die diese Leistungen finanzieren sollen.

Verwaltung des Niedergangs, statt ihn als Warnsignal zu begreifen

Malochen, Steuern zahlen und Sozialabgaben leisten sollen andere, während die politische Erzählung der SPD immer weniger von Arbeit und immer mehr von Anspruch geprägt ist, was zwangsläufig zu einem Bruch mit der eigenen Geschichte führen musste. Dass viele Menschen nicht bereit sind, dauerhaft ein System zu finanzieren, in dem Leistung entwertet und Verantwortung entgrenzt wird, ist kein Ausdruck von Herzlosigkeit, sondern von ökonomischer und sozialer Rationalität. Die verbliebenen SPD-Wähler ähneln inzwischen eher einem harten Fankern als einer klassischen Wählerschaft, die selbst massive Niederlagen relativiert, Kritik abwehrt und jede Wahlschlappe als Beweis dafür deutet, dass die Gesellschaft die eigene moralische Überlegenheit noch nicht verstanden habe.

Das eigentlich Tragische an dieser Entwicklung ist, dass die SPD ihren Niedergang nicht einmal mehr als Warnsignal begreift, sondern ihn verwaltet, erklärt und rhetorisch umdeutet, während sie sich weiter von der Lebenswirklichkeit der Mehrheit entfernt.
Der von Güllner diagnostizierte Sektencharakter ist deshalb kein Schimpfwort, sondern die letzte treffende Beschreibung eines politischen Endstadiums. Eine Volkspartei stirbt nicht an einem schlechten Wahlergebnis, sondern in dem Moment, in dem sie aufhört zuzuhören und beginnt, sich selbst zu genügen.

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13 Antworten

  1. Egal ob SPD, CDUCSU, Linke, Grüne, – sie waren, sind und bleiben Teil des Polit-medialen Kartells oder Sekte wenn man so will-bürgerfeindliche Humanhüllen, die zombiehaft nur das tun was die Strippenzieher im Hintergrund befehlen-

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    1. Zumindest die Grünen sind oder waren schon immer eine Sekte.

      In den 80ern belächelt, als Atomkraftgegner und häkelnde Abgeordnete , sind sie allerdings heute wirklich gefährlich geworden. Die SPD steht dem langsam aber sicher in nichts nach. Wer als Antifa Steineschmeißer heute Finanzminister werden kann, kann sich nur in einer Sekte befinden.
      Normale demokratische Parteien würden schon allein aus gesundem Menschenverstand solche Charaktere nicht dulden und schon gar nicht an einer dermaßen hohen und wichtigen Stelle!

      1. Vor allem sind es Fanatiker. Einfach mal schauen wie Kuhn, Schulze, Krätzkerl, Nitzard oder auch Palmer sich regelmäßig verhalten, dann sieht man das deutlich.

        1. Wenn sie wenigstens Fanatiker des Baumes wären, auf dem sie sitzen und nicht noch daran sägen würden…

          Wenn, was ist ihr Ziel? Die Vernichtung Deutschlands, wie es seit Jahrhunderten besteht?
          Die Umwandlung in einen muslimischen Gottesstaat? Das wäre dämlich, weil es dann auch für sie keine Zukunft hier gäbe.
          Einen kommunistischen Staat? Machen unsere vernünftigeren „Ossis“ nicht mit!
          Das hatten sie schon und es war xxx.
          Was also ist das Ziel, der große Auftrag? Fanatiker können ohne solch ein Ziel nicht existieren.
          Die „Gäste“ sind gespickt mit Fanatikern, aber bei denen ist klar, was sie wollen.
          Bei „unseren“ Fanatikern ist eigentlich immer nur klar, was sie NICHT wollen….

  2. @Die SPD erreicht das Sekten-Stadium
    erreicht ? !?
    Nachmeiner Ansicht treffen sich da die Flügel der Blockpartei schon seit 20 Jahren !
    Religiöser Wahn scheint da Karrierevoraussetzung zu sein – und schon ab Merkel ganz offen gezeigt – ihre Vorgänger waren da noch zurückhaltender – aber das war wohl der Generationenwechsel von der Reichsgeneration zur Besatzungsgeneration, der mit dem Übergang von Kohl zu Schröder beendet wurde.
    Wie hat das noch Dr. Grace Augustine formuliert :
    „Sie pissen auf uns – und sie haben nicht einmal den Anstand, es als warmen Regen zu verkaufen !“

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  3. „Früher war die SPD die Partei der Arbeiter und der kleinen Leute, heute ist sie die Partei der kleinen Leute, die nicht arbeiten.“ So oder so ähnlich hat es kürzlich ein Kabarettist beschrieben. Heute ist die SPD nicht mehr für alle kleine Leute da, sondern hauptsächlich für die ausländischen kleinen Leute. War es nicht mal ein deutscher Kaiser, der gesagt hatte, er kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche? Hätte ich was in der SPD zu sagen, würde ich den Slogan ausgeben: „Ich kenne keine Ausländer und Deutsche mehr, ich kenne nur noch Sozialdemokraten.“ So mit Fähnchen, auf der alle Nationen drauf sind. Damit würde ich alle einbinden. Aber die total ungeschickte SPD-Führung brüskiert ihre alten Parteifreunde, indem sie die Ausländer sogar nicht nur bevorzugen, sondern uns auch noch beschimpfen. Tja, da braucht sich auch kein Mensch wundern, wenn AfD gewählt wird.

    1. Das wundert mich auch nicht mehr.
      Schließlich ist die verhasste, teuflische AfD nur die CDU von vor 40 Jahren.
      Aber wer schaut schon in Partei-Programme wenn man durch das Fernsehen doch so hervorragend „informiert“ wird.

  4. Der Sektencharakter aller Parteien mit Ausnahme der AfD dokumentierte sich ab dem Moment, als die von ihnen propagierte Politik als „alternativlos“ dargestellt wurde. Ab da war es keine Realpolitik mehr, sondern Glaubensbekenntnis, auch als „Haltung“ bezeichnet. Haltung ist übrigens auch ein Begriff, der den Umgang mit Nutztieren bezeichnet (Viehhaltung). Zufall? Wohl eher nicht. Beide Deutungen bedeuten Gefangenschaft!

    1. „Haltung“ bedeutete auch mal „gerade stehen“.
      Auch so ein paar Worte, deren Sinn und Bedeutung heute ganz anders wahrgenommen wird.
      Z.B geradestehen für schlechte Führung, Versagen, Korruption, Plagiate, Abwesenheit bei wirklichen Unglücken, Abwesenheit bei Stromausfällen großen Ausmaßes.
      Da wird nicht mehr geradegestanden, da ist der politische Volksport wegducken und Mist labern!
      (Und vielleicht ein paar Anzeigen schreiben um die Kasse aufzubessern und die Störrischen zu warnen.)