Die Stadtbilderklärer der Neuzeit

Die Stadtbilderklärer der Neuzeit

Frankfurter Stadtbilder: Dystopische Motive (Foto:ScreenshotYoutube)

Der Reisende will ja für gewöhnlich „Kulturen“ kennenlernen. Früher war noch das Attribut „fremd“ beigefügt. Aber „fremde Kulturen“ oder gar „Völker“, wie das mal unkorrekt hieß, will natürlich heute niemand mehr kennenlernen. Schließlich handelt sich ja um Kulturen, die einem keineswegs mehr „fremd„, sondern längst tief im eigenen Herzen verankert sind. Je weniger man sie persönlich kontaktiert hat, diese Kulturen und Sozialisationen, umso tiefer ist die vorauseilend-bedingungslose Liebe. So ist der frisch als nonbinär selbsbestimmte Friedrichshainer schon im zarten Alter von Sechszehn in der Regel unsterblich in Palästina verliebt und träumt vielleicht davon, irgendwann als Migrant mit Intersektionalitätshintergrund in Khan Yunes mit einem, besser noch zwei oder drei revolutionären antikapitalistischen Freiheitskämpfern zu einer ultramodernen Familie vereint zu werden und – sagen wir – einen eigenen Kranverleih zu eröffnen.

Kurzum: Die Erwachten wissen, dass sich Kulturen und Sozialisationen heute alle sehr ähnlich sind, weswegen der Kulturaustausch ja auch überall so reibungslos floriert. Niemand hat – außer den „Rechten“ natürlich – die Absicht, einen Kulturkampf zu entfachen. Lediglich die Laune ist außerhalb Deutschlands immer etwas besser. Aber gut, was wäre der Deutsche ohne seinen lustvoll ausgestellten Hang zur Selbstentwertung!

Mutation in der Branche

Beim Reisen bedient man sich seit jeher ganz gern des Führers. Reiseführer, Stadtführer, Museumsführer; heute heißen diese Ranger, Guide oder Hosts. Früher haben diese Begleiter auf Zeit vor allem dem Exotischen nachgespürt; inzwischen geht es eher darum, dem Weltbürger die beruhigende Gewissheit einer unerhörten Gleichartigkeit des globalen Seins nahezubringen. Da vertextete Reiseberichte vieler umständlicher Sätze bedürfen, sind sie out. Ihre Eindrücke vermitteln Reisende deshalb fast ausschließlich mit gefilterten Bildern und schnittigen Videos: Bunte Häuser, wuselige Märkte, weiße Strände, Beine, die in Richtung Horizont zeigen. Dazu Coole Drinks, weiße Zähne und – man ist Profi – ein Kätzchen oder ein hockendes Kleinkind, das keck heraufblickt.

Nun hat sich in der jüngsten Zeit eine Art Mutation in der Branche des Stadtbilderklärers vollzogen. Es gibt sie jetzt: Die Führer der Dunkelheit! Untrusted Flagger, die mit ihren gänzlich ungewöhnlichen, weil überaus simplen Methoden sensationelle Erfolge erzielen. Es handelt sich um Bewegtbilderklärer, die nicht filtrierte Schönheit illustrieren sondern zeigen, „was ist„!. Sie lassen bei ihren Stadtspaziergängen einfach Bilder sprechen. Ihre Filme zeigen kilometerlang dystopische Szenerien. Abgeranzte Häuser, leerstehende geplünderte Stadtzentren, vermüllte Strände, offene Beine, verfaulte Zähne, dampfende Drogen, weggefaulte Zähne und statt Katzen streunende Hunde und Ratten. Die neue eingefangene Exotik muss man nicht auf fernen Kontinenten suchen, sie ist längst überall zuhause angekommen. Man muss dazu eigentlich nur mal wieder „in die Stadt“ fahren. In die eigene Stadt.

Neu entdeckte „Exotik“

Einer dieser modernen Stadtbildfänger hört auf den Namen Kurt Caz. Ein südafrikanischer Reiseblogger, der nicht mit geschwängerter Blondine und Surfbrett im Wohnmobil herumreist und seine ungeheure Leichtigkeit des Seins verkauft, sondern als harter Top-Gun-Typ den Verfall einer Zivilisation dokumentiert. Die von Caz dokumentierten „wortkargen Stadtbilder“ von den Bahnhofsvierteln, Zeltstädten und Drogenparks des Westens findet man überall in den sozialen Netzwerken. Kurz Caz war in Frankfurt, Berlin, London, Brüssel, Paris und unzähligen weiteren europäischen und amerikanischen Städten. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Reise-Vlogger, wie Marcin Zabinski („Freiformation„), die ihre Brötchen als Chronisten des Grauens verdienen.

Was soll man sagen? Die von ihnen neu entdeckte „Exotik“ scheint die öffentlichen Räume immer mehr zu beherrschen und die Zuschauer weltweit zu faszinieren – wie ein Splatter-Movie. Anders sind die Millionenreichweiten nicht zu erklären. Die Bilder der urbanen Unterwelten gleichen sich scheinbar ebenso wie zuvor die sanften touristischen Buntheitskulissen. Die vielen Bessergelaunten unter den Reisenden („…links gute Laune…oben gute Laune….unten gute Laune…„) finden nun, dass unkorrekte Neonazis wie Caz das einträgliche Sabbatical-Leben der influencenden Bezahl- und Zivilgesellschaften gefährden, und sind nun ihrerseits missgestimmt. Klar. Denn auf den Caz-Videos fehlt einfach das Fröhliche. Besonders perfide dabei (Achtung, Rassismusalarm!): Weiße sind zumeist unterrepräsentiert. Dafür gibt’s es jede Menge PoC’s, Flintas, Antifas, Clans und Fentanyls zu studieren. Da fliegen Fäuste und Flaschen, da soll nicht gefilmt werden, da gibt‘s Wortgefechte und unmissverständliche Drohungen, wenn man mit der Kamera die Hoheitsgebiete der dritten Art festhält. Man fragt sich, ob Friedrich Merz all das irgendwann nachts heimlich unter der Bettdecke gesehen hat und jetzt schlecht schläft.

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6 Antworten

  1. Stadtbild?
    Wir haben es müssen zulassen, dass
    unsere Innenstädte zu Elendquartieren
    verkommen.
    Und die Rotweingürtler wohen weit
    weg und denken darüber nach, wie wir
    noch mehr MULTIKULTI schaffen können.
    +++++
    Die Kinder von den Tagträumern gehen
    aber entweder auf Walnuss-Schulen oder
    auf Privatschulen.
    Die haben keine Probleme.

  2. In meinem Umfeld Reisen mit Studiosus, mit dem Wohnmobil zu den norwegischen Fjorden oder zu den Golfplätzen, wo auch immer diese sind. Es handelt sich um Das grün versiffte Umfeld, das immer wieder kundtut, „dass wir im besten Deutschland aller Zeiten leben“

    10
  3. Man hat immer mehr das Gefühl, dass bei Linken, Wohlstandsweichlingen und Gutmenschen eine Realitätsspule vollkommen schief läuft!

  4. Den meisten Menschen in meinem Umfeld ist Politik eigentlich wurscht. Es geht ihnen gut und in den Medien wird ja auch erzählt wie gut es uns geht – und dann ist eben auch alles gut……wichtig ist das Bier im Kühler !!!….Und in die Zukunft will sowieso keiner denken, das ist ja viel zu anstrengend. Also lassen wir es uns einfach gut gehen.
    Und die kleinen Unwägbarkeiten wenn ein Fest abgesagt wird – ist nicht so schlimm, es gibt ja noch andere Veranstaltungen. Und ein paar Betonpoller vorm Weihnachtsmarkt, da kann man einfach drum herumlaufen und gut ists. Man braucht eben nur eine schöne rosarote Brille und wenig bis gar kein Hirn, und alles ist gut.

    Die mediale Berauschung haben sie 2020 mit der Covid+ Impflüge weiter gesteigert, dann ab 2022 mit dem
    Russischen Angriff auf die Kokaine (Der ja eigentlich Nato-Osterweiterung und Maidan-Putsch voraus gingen), dann mit dem Klima–LÜGE, den E-Schrottkarren die keiner kaufen will, jetzt kommt halt die Mobilmachung zum großen Krieg! Und wieder werden wir im 2.Kalkutta Berlin den Schlachtruf hören“ wollt ihr den totalen Krieg“ diesmal nicht vom „Kumpfuss“ sondern vom Fritz dem „Vergesslichen“.

    FAZIT: Ja, die Wassertemperatur im „WASSERTROG“ wird immer weiter nur ein wenig erhöht und keiner der Deutsch-Frösche bekommt es mit. Aber irgendwann wird es zu spät sein und alle machen genau solche Gesichter, was sie selber sind. Dumm!

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