Die unglaubliche Geschichte des Grigori Kossonossow

Putin, kurz vor der Präsentation… (Foto:Imago)

Grigori Sergejewitsch Kossonossow war eine fabelhafte Erfindung gelungen. In einer Garage im Dörfchen Selskoje Chosjaistwo unweit von Tula hatte der verdiente, pensionierte Ingenieur des Flugwesens einen neuartigen Hubschrauber entwickelt. Das Modell „Vertoljot Put 22“ zeichnete sich durch besonders schnell drehende Rotoren und völlig neuartige Flugbewegungen aus, die vom feindlichen Radar nicht zu erfassen waren. – Nun trug es sich zu, dass die hiesige Parteiführung Wind davon bekam und umgehend das Verteidigungsministerium informierte. Diese Angelegenheit drängte. Kossonossow wurde nach Moskau zitiert. Da saß er nun am 1. April 2022 in dem langen Gang vor dem großen Prachtsaal im Kreml und wartete auf seinen Aufruf. „Genosse Kossonossow! Eintreten!

Mit schlotternden Knien betrat Grigori Kossonossow den Saal, den er aus dem Staatsfernsehen kannte. Am Kopfende eines fünfzig Meter langen Tisches sah er IHN leibhaftig auf einem Sitzkissen thronen: Wladimir Wladimirowitsch Putin, Herrscher aller Reußen. Am anderen Ende in gebührender Distanz der versammelte Ministerrat.

Haben Sie die Konstruktionspläne dabei?” fragte Verteidigungsminister Sergei Schoigu in schnarrend militärischem Ton. Kossonossow nickte und legte auf ein Handzeichen hin die Papiere auf ein Rollbrett, das sich schnell über den langen Tisch hinweg in Richtung des Diktators bewegte. Putin blätterte kurz durch die Papiere. „Sehr interessant, Genosse Kossonossow“, ertönte seine Stimme durch die Sprechanlage.

Tollkühne Manöver des Prototyps

Das Flugwesen entwickelt sich, Genosse Wladimir Wladimirowitsch!“ rief Kossonossow aufgeregt so laut er konnte. — „Ja, das wissen wir“, tönte es zurück. „Kommen Sie zur Sache, beginnen Sie mit der Vorführung!

Vier Uniformierte schoben einen großen Pappkarton herein. Mit zittrigen Händen holte Kossonossow den „Put 22“ heraus. Dann betätigte er die Fernbedienung. Mit leisem Surren begannen sich die Rotoren zu drehen. Das Surren wurde stärker. Die Drehung schneller. Das Gerät hob ab und gewann schnell an Höhe. Die Augenpaare alle anwesenden Minister sowie des Herrschers waren nun an die Decke des hohen stuckverzierten Saales geheftet, wo das Modell jetzt schwebte.

Kossonossow vernahm das anerkennende Raunen der versammelten Militärs und das stachelte seinen Ehrgeiz an. Er ließ den „Put 22“ einige tollkühne Manöver und Pirouetten vollführen und erntete dafür Szenenapplaus. Hochrot vor Erregung bereitete Kossonossow nun das Meisterstück der Wunderwaffe vor: den Looping samt pfeilschneller Änderung der Angriffsrichtung. Der Hubschrauber überschlug sich in der Luft und ging schnurstracks in eine niedrigere Angriffshöhe über.

Aber was war das?? Plötzlich geriet das Gerät in ein merkwürdiges Kreiseln, es entglitt der Kontrolle. Kossonossow sah mit Entsetzen, wie der „Put 22“ sich dem Präsidenten näherte, der mit immer größer werdenden Augen auf das Flugobjekt starrte. Dann – ritsch, ratsch – passierte es: das scharfkantige Blech der schnelldrehenden Rotoren trennte dem Führer den Kopf ab, der im hohen Bogen auf das Rollbrett sprang, das sich dadurch in Bewegung setzte und sekundenschnell die fünfzig Meter in Richtung des Ministerrates und Kossonossows überbrückte.

Schöne Bescherung

Lähmendes Entsetzen. Kossonossow war leichenblass und spürte sich der Ohnmacht nahe.

Außenminister Sergei Lawrow war der erste, der die Fassung zurückgewann. „Sie haben uns da eine schöne Bescherung eingebrockt, Gevatter“, wandte er sich mit seiner tiefen Stimme an Grigori Kossonossow. „Was machen wir jetzt mit Ihnen? Sie haben gerade unseren Chef enthauptet!

Das muss der Vorführeffekt gewesen sein, Väterchen! Es war keine Absicht!!“ beteuerte Kossonossow unter Tränen. Lawrow hob das fast kahle Haupt mit den aus ihren Höhlen getretenen ungläubig starrenden Augäpfeln an einem Ohr in die Luft und besah es sich nachdenklich von allen Seiten. „Wir haben jetzt eine neue Situation, auf die wir flexibel reagieren müssen“, sagte er.

Der Chef des Auslandsgeheimdienstes, Sergei Jewgenjewitsch Naryschkin, der von Putin kürzlich öffentlich gerüffelt worden war und um sein Leben fürchten musste, bekam einen hysterischen Lachanfall. „Wie erklären wir das der Öffentlichkeit? Das ist doch Wahnsinn! Was wird denn aus der Spezialoperation in der Ukraine?” – „Die blasen wir ab!“ entgegnete Lawrow trocken. „Das war sowieso eine ganz dumme Sache, in die uns der Chef da reingezogen hat. Ich schlage vor, dass wir jetzt sofort einen neuen Präsidenten wählen, damit kein Machtvakuum entsteht. Ich schlage für diese Position den Genossen Grigori Sergejewitsch Kossonosow vor. Denn wer den alten Führer tötet, hat das erste Zugriffsrecht. So lautet bei uns in Russland das seit Jahrhunderten ungeschriebene Gesetz.

So schnell wird man Präsident

Waas?? Ich??“ brüllte Kossonossow außer sich wie von Sinnen.

„Wer für Kossonossow ist, den bitte ich um das Handzeichen“, sagte Lawrow, blickte in die Runde und fügte zu Kossonossow gewandt hinzu: „Sie können dieses Amt auch gerne ablehnen, aber dann müssen wir leider Mordanklage gegen Sie erheben.“ — Kossonossows Hand schnellte wie die aller anderen Anwesenden nach oben und damit war er rechtmäßig gewählter Präsident von Russland. Die Runde erhob sich, spendete Applaus und Kossonossow erhielt einen Blumenstrauß. Putzfrauen beseitigten die blutige Schweinerei, d. h. sie entsorgten unauffällig Torso und Haupt des Amtsvorgängers.

Der „Put 22“ landete samt Konstruktionsplänen auf dem Müll. Er wurde nicht mehr gebraucht. Denn die Spezialoperation wurde vom neuen Präsidenten in seinem ersten Ukas gestoppt, und es herrschte von nun an ein langer Friede.

18 Kommentare

  1. Wie kann man sich so einen sinnlosen Hirnmüll ausdenken? Da muss man doch im Kopf nicht mehr richtig dicht sein.

  2. …Oder auch „Wie ich den Wahnsinn lieben lernte und lieber Blödsinn aus meinen Fingern saugte und unverständniss aus meinen Haaren Kämmte anstatt mal drüber nachzudenken WER diesen ganzen Mist denn inganggesetz hat.“
    (Kleiner Tipp, der in dieser … „Geschichte“ enthauptete war es nicht, der hat nur zwangsläufig reagieren müssen.

  3. Gefunden bei MM 26.3.22
    https://www.mmnews.de/wirtschaft/179825-lindner-lehnt-rubel-zahlungen-ab

    Putin besucht in Moskau eine Schule und spricht über Patriotismus und die großartigen Leistungen des russischen Volkes. Anschließend dürfen die Kinder dem Präsidenten Fragen stellen. Igor hebt die Hand.
    „Ich habe zwei Fragen:
    1. Warum hat Russland die Krim annektiert?
    2. Warum führt Russland in der Ukraine eine Spezialoperation durch?“
    „Gute Fragen“ antwortet Putin. In diesem Moment läutet die Pausenglocke und die Kinder stürmen aus dem Schulzimmer. Nach der Pause nimmt Putin das Gespräch wieder auf:
    „Habt ihr weitere Fragen?“
    Sascha hebt die Hand:
    „Ich heiße Sascha und habe auch zwei Fragen:
    1. Warum hat die Pausenglocke 20 Minuten früher geläutet und
    2. Wo ist Igor?“

  4. Die Geschichte hat einen historischen Fehler, oder ich weiß nicht so recht was heute in Russland so passiert. Ich wusste nicht das die Genossen dort immer noch an der Macht sind

  5. Das Niveau bei den DeutschenWirtschaftsNachrichten sanken in Richtung Null, nachdem die Zeitung verkauft wurde, an diesen Schweden (um 2013)

    Das Niveau der JF sank gegen Null, als diese immer mehr in Richtung (hirntote) Mitte zu schielen begann (2012, denn da hab ich mein Abo gekündigt und endgültig 2016, mit Kommentarbereich nur noch für zahlende = gleichgeschaltete Leute)

    Das Niveau der ET sank in Richtung Null, als diese auf mehr Kommerz setzte (2020)

    Das Niveau von Journalisten Watch sank auf Null, als diese verkündeten „jetzt Geld aus der einzigen nahöstlichen Demokratie zu bekommen“ und die große Zensurwelle kam (2016)

    Und, was ist bei „Ansage“ der Grund?

  6. Schon klar, dass die Wessis mit dieser Analogie nichts anfangen können, denn wer kennt dort schon die wunderbare Geschichte „ Die Kuh im Propeller“ von Michail Sostschenko über den Genossen Kossonossow, einmalig und unvergesslich dargeboten von Manfred Krug.

  7. Ja, das mußte ja kommen: Während die Ukraine unter Putins Krieg entsetzlich leide, hätten wir nichts Besseres zu tun, als uns über den Massenmörder lustig zu machen. Die Hypermoral schafft etwas, das es noch nicht einmal zu Stalins und Hitlers Zeiten gegeben hat: Man darf keine Witze machen und man darf nicht lachen. Damit verriete man bloß seine Kaltherzigkeit und …Unmenschlichkeit. Die PC und ihre Einpeitscher können ihren ungehemmten Durchbruch feiern. Herzlichen Glückwunsch!

  8. Hat einer von Euch Kommentatoren einen blassen Schimmer davon, worauf sich diese Satire bezieht? Es ist eine Hommage an den sowjetischen Satiriker Michail Michailowitsch Soschtschenko (1894-1958). Er schrieb 1929 die satirische Erzählung „Die Kuh im Propeller“, die die in der DDR geflügelte Redensart „Das Flugwesen entwickelt sich“ enthielt. Der Held hieß Grigori Sergejewitsch Kossonossow. Der hier veröffentlichte Text ist eine würdige Fortsetzung. Ich habe Tränen gelacht beim Vorlesen. Ich lasse mir das Lachen nicht verbieten. Bitte weiter so, Ansage! Respektlosigkeit und Humor sind geboten, um gesund im Kopf zu überleben in dieser beschissenen Zeit.

    • Hätte die Gute in der ersten Zeile geschrieben „Ich bin eine friedensbewegte Putinhasserin“, hätte ich 2 – 3 Minuten meiner Restlaufzeit nutzbringender verbraten können. Zukünftig also erst die Pointe angucken – außer beim Erdinger Max natürlich.

  9. Unsere „Medien“ sind schon lange nicht mehr führend, auch wenn sie uns allen um zwei Nasenlängen voraus sind.

  10. Doch, Witze darf man machen. Sie sollen aber als solche erkennbar sein. Bitte nennen Sie uns die Stelle, wo man lachen muss.

  11. Sehr gut beobachtet, das sind auch meine Beobachtungen. Nur wusste ich den Grund nicht, danke.

    Ansage.org erschien genau zu dem Zeitpunkt, als die Nachrichten bei Jouwatch „komisch“ wurden. Daher dachte ich, Jouwatch sei gekapert worden und Ansage.org soll nun den Part übernehmen. Aber wie man leider erkennen mus, war das nur kurzfristig bzw. ein Irrtum.

    Übrigens kann man PI-News auch in die Liste aufnehmen. Es bleibt nicht mehr viel, das man lesen kann. In Zeiten, wo auch Reitschuster & Co Farbe bekannt haben, auf welcher Seite sie verortet sind, wird es wirklich eng bzw. öffnet einem die Augen, dass man (als Leser) mutterseelenallein ist.

    https://reitschuster.de/post/kann-man-einen-verbrecherischen-angriffskrieg-rechtfertigen/

  12. Mit Nennung des Namens Kossonossow war mir sofort wieder die alte Geschichte und auch Manfred Krug gegenwärtig. Die war lustig und man konnte herzlich darüber lachen.

    Wäre das Opfer ein fiktives, dann fände ich den Text ganz pfiffig. Da erinnere ich mich an manchen blutigen Schabernack in Bulgakows Meister und Margarita.

    So aber reiht sich obiger Erguß perfekt ein in den Propaganda-Mainstream mit Verächtlichmachung bis Todeswunsch für einen gewählten Präsidenten. Schickt ihn an Biden, dem wird er gefallen; vielleicht lässt er ein paar Kröten für Euch springen.

    Ich habe es erwartet und beobachte es seit längerem genau, dass sich mit der Zuspitzung in der Ukraine bei den alternativen Blogs die Spreu vom Weizen trennt… Und so lese ich diese dann auch (oder nicht mehr).

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