
Julia Ruhs hat ihr erstes Buch veröffentlicht. In „Links-grüne Meinungsmacht – Die Spaltung unseres Landes“ rechnet sie mit dem journalistischen Betrieb ab. Ruhs gilt seit einiger Zeit als das „schwarze Schaf“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, weil sie quasi die einzig Konservative ist. Diesen Ruf hat sie sich redlich erarbeitet, weil sie vor vier Jahren im ARD-„Mittagsmagazin“ gegen das Gendern aussprach. In ihrer eigenen Sendung „Klar“ kritisierte sie deutlich die verfehlte Migrationspolitik und wies auf die Vielzahl an Messerattacken seit 2015 hin. Wie Ruhs gleich zu Beginn ihres Buches klarstellt, ist ihr Werk keine wissenschaftliche Abhandlung. Das muss nichts Negatives sein, im Gegenteil: Gerade wer seine Botschaft unter die Leute bringen will, sollte sich eher auf das Wesentliche konzentrieren und nicht in abgehobenen Detailfragen verlieren.
Ruhs war im Laufe ihrer Karriere immer wieder die Außenseiterin, weil sie als einzige nicht das links-grüne Narrativ nachbeten wollte. Mehr als einmal erntete sie schiefe Blicke. Sie hat eben eben bei den Themen Gender, Klima, Migration und Corona eine eigene Meinung. Schon seit langem plädiert Ruhs dafür, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch die Wähler der AfD ansprechen müsse. Teilweise übt Ruhs auch Selbstkritik. Auch wenn sie so oft die Einförmigkeit der Medien bemängelt, sei ihr erst spät aufgefallen, dass im Ukrainekonflikt keine ausgewogenen Meinungen vertreten waren. Dieser Umstand war ihr nicht bewusst, weil sie sich selbst klar gegen Russland positioniert.
Verstärkter Konformitätsdruck
Warum ist der Journalismus links-grün geworden? Ruhs übt sich in Ursachenforschung. Sie meint, dass vor allem Geisteswissenschaftler in die Medien drängen. Sie kenne zwar viele Studenten aus anderen Fachbereichen, die mit dem Gedanken liebäugelten, Journalist zu werden – aber in einem „soliden“ Beruf dann doch mehr Geld verdienen konnten. Gerade weil Journalisten nur wenig materielle Befriedigung erführen, sei bei ihnen der Wunsch, sich durch das Weltverbessern erhaben zu fühlen, stärker ausgeprägt. Auch gäbe es ein ausgeprägtes Herdendenken: Aus Angst vor dem sozialen Aus greife die Schere im Kopf. Wer die falsche Meinung vertritt, riskiert, isoliert zu werden. Dieser Mechanismus funktioniere unterbewusst. Man plappert nicht also nach, was das Umfeld denkt, sondern man beginnt, es tatsächlich selbst zu glauben. Dieser Effekt betreffe Akademiker stärker als Ungebildete, denn letztere hätten ja nichts mehr zu verlieren. Der Konformitätsdruck verstärke sich zudem, weil Journalisten immer häufiger in Berlin arbeiten, was die Großstädter gegenüber der Landbevölkerung klar bevorteilt.
Sie glaubt, dass daher auch die Blindheit vieler Journalisten vor der Ausländerkriminalität herrührt: Wer Akademiker ist und ein wenig (oder ganz?) den Kontakt zur normalen Bevölkerung verloren hat, der trifft oft nur auf diejenigen Migranten, die es ihrerseits “geschafft” haben und selbst Akademiker sind. Vor lauter Positivbeispielen übersieht man dann schnell, dass diese eben keine repräsentative Auswahl darstellen. Auch sei entscheidend, dass die beruflichen Karrieren unsicher seien: Man sei selten bei einem Medium fest angestellt und wechsele relativ häufig zur Konkurrenz. Dementsprechend wird man allein schon, um das eigene Vorankommen zu sichern, weniger häufig Kritik an den Missständen im Journalismus üben.
Klartext geht leider anders
Dem Haltungsjournalismus erteilt Ruhs eine klare Absage: „Autoritäre Tendenzen kommen oft im Gewand des vermeintlich ‚Guten‘ daher. Üben in dessen Namen ihre Macht aus. Auch ein Diktator ist schließlich überzeugt, ‚das Gute‘ zu wollen, in seinem Sinne natürlich. Gerade dann, wenn es ums ‚Gute‘ geht, ist man besonders anfällig, dafür, mal eine Ausnahme zu machen von sonst geltenden demokratischen Grundregeln.“ Auch führe der Haltungsjournalismus oftmals zu einer Reaktanz, nach dem Motto „Jetzt erst recht!“. Wer andauernd arrogant belehrt wird, fängt eben irgendwann an, einfach auf Trotz das Gegenteil der offiziell präsentierten „Wahrheit“ für wahr zu halten. Auch wer unangenehme Themen wie zum Beispiel die höhere Kriminalitätsbelastung durch Migranten verschweige, sorge nur dafür, dass die Medien an Glaubwürdigkeit verlieren.
Wie genau Ruhs zur AfD steht, wird nicht ganz klar. So bezeichnet sie sich meist als CSU-nah, gibt dann aber mehr oder weniger zu, zuletzt den Freien Wählern ihre Stimme gegeben zu haben, weil sie die Flugblatt-Kampagne gegen Hubert Aiwanger überzogen fand. Die AfD findet sie mal rechtsextremistisch, dann aber wieder die Brandmauer undemokratisch. Tino Chrupalla und Alice Weidel will sie ein bisschen kritisieren, gibt dann aber zu, Sympathien für sie zu empfinden, wenn sie von ARD und ZDF ins Kreuzverhör genommen werden. Und AfD-Positionen solle man übernehmen, um den Aufstieg der AfD zu bremsen. Klartext geht leider anders!
Nur Zitate
Dass die alternativen Medien vom Mainstream kritisch beäugt werden, hat vermutlich weniger mit dem „Kampf gegen Rechts“ zu tun als von Ruhs angenommen. Vor allem hat es wohl mit einer narzisstischen Kränkung der Journalisten zu tun, die um ihre Deutungshoheit fürchten. Ein einzelner Youtuber kann auch mit mäßiger Kamera und ohne professionelles Team schnell so viele Menschen erreichen wie eine gesamte Regionalzeitung; klar, dass sich die Etablierten da herausgefordert fühlen. Die Zeiten, in der man andachtsvoll ihren Leitartikeln lauschte, sind jedenfalls vorbei. Ihr zynischer Kommentar: „Gleichheit an Produktionsmitteln. Eigentlich ein Traum für Linke, oder?“
Immer wieder streut Ruhs Zitate ein. Zum Einen erwähnt sie Personen des öffentlichen Lebens, darunter auch viele Journalisten, dann lässt sie die Zuschauer, die sie anmailten, zu Wort kommen. So gab es von Claus Kleber und Frank Plasberg tatsächlich selbstkritische Worte, in denen beide mit der eigenen Zunft hart ins Gericht gingen. Den Mut konnten sie sich allerdings leisten – schließlich haben beide mittlerweile ihre Karriere beendet. Die Zuschauerzuschriften erfüllen natürlich den Zweck, dem Leser einen Eindruck zu vermitteln, wie der „kleine Mann von der Straße“ so tickt, aber ein bisschen versteckt sich Rush hinter diesen E-Mails, um sich nicht selbst aus der Deckung zu wagen. Frei nach dem Motto: „Ich habe ja nur zitiert.“
Kritik an den ÖRR-Strukturen? Fehlanzeige
Eines fällt auf: Bei aller berechtigten Kritik an der journalistischen Klasse erwähnt Ruhs in ihrem Buch nur äußerst selten Namen. Klar, als Negativbeispiel wird Claas Relotius genannt, der den “Spiegel” verlassen musste, weil viele seiner “Reportagen” frei erfunden waren. Davon abgesehen bleibt Ruhs allerdings eher leise. Sollte man aber nicht auch Anja Reschke und Georg Restle, die beiden Haltungsjournalisten von NDR und WDR, an den Pranger stellen? Beide geben offen zu, gar nicht erst neutral berichten zu wollen, sondern sich aktivistisch zu positionieren. Wenn man dann näher hinschaut, taucht Restle dann aber doch auf – ein bisschen zumindest: Über ihn lesen wir, dass „manche“ Journalisten einen „werteorientierten Journalismus“ fordern. Konkreter wird Ruhs im Fließtext nicht. Erst im Quellenapparat stößt man dann auf den Namen Restles.
Was aber tatsächlich gänzlich fehlt: Kritik an den Strukturen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Rundfunkräte beziehungsweise der Fernsehrat sind letztlich komplett in staatlicher Hand. Die Vertreter des Gremiums werden entweder direkt von der Politik ernannt oder stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Politik. Dazu kommen meist noch Vertreter der Religionsgemeinschaften, die zumindest nicht als staatsfern einzustufen sind. Nur ein Beispiel: Von den 60 Mitgliedern des ZDF-Fernsehrats werden 20, also ein Drittel, explizit von Bund, Ländern und Kommunen gestellt. Neben den fünf Vertretern der Religionsgemeinschaften blieben dann eigentlich noch 35 weitere, offiziell staatsferne Mitglieder. Vorsitzende des Gremiums ist Gerda Hasselfeldt, die das Deutsche Rote Kreuz vertritt. Eigentlich wäre das ein eleganter Weg, um verschiedene gesellschaftliche Gruppen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu vertreten; in ihrem vorigen Leben war Hasselfeldt allerdings Bau- und Gesundheitsministerin für die CSU.
Verklärte Nähe zur Politik
Viele weitere Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen sind ebenfalls Politrentner oder gehören einer Organisation an, bei der eine Nähe zur Politik offensichtlich ist. Vertreter der Wirtschaft und der Bauernverbände sind eher CDU-nah, Gewerkschaftsmitglieder stehen eher im SPD-Lager. Natürlich haben die Parteien also ein gehöriges Wörtchen mitzureden, wenn die formell „unabhängigen“ Rundfunkräte über Positionen wie die des Intendanten oder des Chefredakteurs entscheiden. Und oft genug sind die hohen Funktionäre bei ARD und ZDF selbst wiederum eng mit der Politik verbandelt. Ulrike Demmer, die nach dem Desaster um Patricia Schlesinger beim RBB “aufräumen” soll, war beispielsweise stellvertretende Regierungssprecherin unter Angela Merkel – allerdings von der SPD nominiert.
Ruhs ist etwas zu gnädig, wenn sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegen den Vorwurf der Lüge verteidigt. Was ist denn mit all den Passanten, die „zufällig“ auf der Straße befragt werden und die sich dann beim zweiten Hinsehen fast immer als Kommunalpolitiker von SPD und Grünen entpuppen? Auch enthält ihr Werk nichts grundsätzlich Neues. Wer Insider-Informationen erwartet, der wird hier leider enttäuscht. Zwar erzählt Ruhs von ihren Erlebnissen in ihrem Volontärsjahrgang; aber diese Begebenheiten sind nicht sonderlich brisant und niemand wird beim Namen genannt. Senderintern wird man schon wissen, wer zusammen mit Ruhs die Ausbildung absolvierte, aber vermutlich wird sich niemand der Angesprochenen groß ärgern.
Erklärungen zur Lücken-Presse
Insbesondere der Vergleich mit dem Enthüllungsbuch “Inside Tagesschau” von Alexander Teske zeigt, was möglich gewesen wäre. Allerdings hat Teske, anders als Ruhs, seine Karriere beim ÖRR schon beendet und muss daher nun keine Rücksicht mehr nehmen. In seinem Werk werden Abläufe enthüllt, die vorher unbekannt waren. So beschreibt er, dass die wahre Macht in der “Tagesschau”-Redaktion eben nicht beim Chefredakteur (zu Teskes Zeit war das Kai Gniffke, der später ARD-Vorsitzender wurde) liegt, sondern bei dem Chefs vom Dienst. Diese bilden eine eigene Kaste und gelten als unantastbar. Wer einmal den begehrten Posten ergattert hat, ist nahezu unkündbar. Die dortigen Chefs vom Dienst entstammen oftmals dem linksautonomen Milieu Hamburgs. Auch bestätigt Teske, dass die “Tagesschau” bei politisch unliebsamen Veranstaltungen – AfD, Pegida, Querdenker et cetera) am liebsten den dümmlichsten Teilnehmer vor die Kamera zerrt, um die gesamte Bewegung schlecht dastehen zu lassen.
Die Erklärung für diese Lücken liefert Ruhs gleich mit, zumindest indirekt. Sie hatte ja in den vorherigen Kapiteln erwähnt, dass Journalisten oft prekär beschäftigt arbeiten und nur selten eine Festanstellung erhalten. Viele seien parallel bei mehr als einem Medium angestellt und wollen keinen künftigen Arbeitgeber verprellen. Warum sollte also Ruhs sich zu weit aus dem Fenster lehnen? Im Interview mit “T-Online” sagte sie jüngst: „Ich bin nicht in der Position eines Jan Böhmermann, der unangreifbar ist und auch mal überziehen kann. Ich muss abwägen, wen ich mir zum Feind mache – und ob es den Preis wert ist.“
Es braucht gar keine politische Medienlenkung mehr
Der Vergleich mit Teske ist auch für die Frage entscheidend, ob es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk Anweisungen von ganz oben gibt. Teske bestreitet dies, Ruhs ebenso. Andererseits hatten Hartmann von der Tann und Nikolaus Brender, die Chefredakteure von ARD und ZDF, einst explizit bestätigt, dass es politische Weisungen gäbe. Beide sind allerdings seit über 15 Jahren nicht mehr im Amt. Vermutlich gibt es den ominösen Anruf aus dem Kanzleramt also tatsächlich nicht mehr. Die Frage stellt sich allerdings, ob es diesen heute überhaupt noch bräuchte – denn wie oben beschrieben sind die Strukturen bei ARD und ZDF darauf ausgerichtet, einen solchen Anruf überflüssig zu machen. Und wenn es in Zeiten der Brandmauer keinen Dissens mehr zwischen Rot und Schwarz gibt, weil die AfD der oberste Feind ist, wird das System schon von ganz allein die gewünschten Resultate produzieren.
Aber klar, dass auch die abgespeckte Medienkritik im Mainstream Argwohn weckt. Beim “Spiegel” ist man immerhin noch klug genug, nicht gleich die Nazikeule gegen Ruhs zu schwingen. Stattdessen will man sie als ganz normal, sogar ein bisschen langweilig hinstellen. Der “Spiegel” nennt sie „eine durchschnittliche Deutsche“, die “etwas versteht von Angebot und Nachfrage.“ Man frage sich „ob sie Überzeugungstäterin ist oder ihr die Rolle nur gelegen kommt.“ Soll wohl heißen: In Wirklichkeit ist sie genau so linksgrün wie alle anderen Journalisten auch und schielt nur auf das schnelle Geld.
Viele blinde Flecken
Auch hat der “Spiegel” eine alte Weggefährtin Ruhs ausgegraben, die Exklusives zu berichten weiß. Das ist im Journalismus eine gängige Methode; was dabei normalerweise rauskommt, kennt man: Hitlergrüße! Bordellbesuche! Trunkenheit am Steuer! Und in diesem Fall? Nichts dergleichen. „Sie war vom Typ her eine, die immer ihre Hausaufgaben macht“, so ihre ehemalige Kollegin, die lieber unerkannt bleiben will. Soll heißen, der “Spiegel” gräbt in der Vergangenheit von Ruhs und kann dann doch nur berichten, dass sie die nervige Streberin aus der ersten Reihe war. Den Aufwand hätte man sich wohl sparen können.
Klar: Der Experte wird am Erstlingswerk von Ruhs so einiges auszusetzen haben. Es gibt eben zu viele blinde Flecken, weil die Autorin es sich unmöglich mit all ihren “Kolleg_innen” verscherzen kann und will. Allerdings dürfte das Buch vielen normalen Bürgern, die bislang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zufrieden waren, die Augen öffnen und zum Selberdenken animieren. Als „Einstiegsdroge“ lohnt es sich allemal!
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Eine Antwort
Ach was. Heute haben tausende das Regierungsviertel besucht, um sich dieses Drecksloch im Dreckloch anzugucken. Angeblich Tag der offenen Tür. Damit ist doch gesagt wie dumm die Deutschen sind. Dumm und Dümmer ohne Kommentar.