Drosten, Lauterbach, Wieler: Der Triumph der falschen Propheten

Corona-Panik (Symbolbild:Imago)

Gleich mehrfach wurde dieses Jahr von den Popstars dieser Pandemie, den Wielers und Drostens und Lauterbachs als den virologischen und wissenschaftlichen Kronzeugen des Ausnahmezustands, mit Horrorzahlen vor der jeweils nächsten Welle gewarnt. Regelmäßig tauchte hierbei die Zahl von „100.000 Neuinfektionen pro Tag“ auf – stets brav und kritiklos übernommen und rapportiert von den altruistischen Hysterieformaten der Medien. Nichts davon ist je eingetreten. Doch sie dürfen weiterhin unken und „warnen“, als sei nichts gewesen.

Es ist schlichtweg nicht mehr zu glauben und ganz ungeheuerlich, mit welchen abenteuerlichen Fehlprognosen und grundfalschen Einschätzungen uns scheinbare wissenschaftliche Pandemie-Cracks  und Spezialisten das gesamte Corona-Desaster eingebrockt haben – und dass ausgerechnet sie, die sie wieder und wieder dermaßen brutal mit ihren Zahlen danebenlagen, auch weiterhin die gewichtigsten und gefragtesten Stimmen dieser Pandemie sein dürfen. Ihre vermeintliche Expertise liefert der Politik seit 16 Monaten den Vorwand für nie dagewesene Zwangsmaßnahmen – vom Lockdown bis zur faktischen Zwangsimpfung.

Im Januar dieses Jahres, die Impfungen waren gerade angelaufen, erklärte Professor Christian Drosten salbungsvoll-gravitätisch, er befürchte im Sommer einen „rasanten Anstieg der Fallzahlen“ – eben mit den besagten „100.000 Neuinfektionen pro Tag„. Damals war gerade die später dann in „Alpha“ umbenannte, „extrem ansteckende“ britische Mutation in den „Hitparaden“ angesagt (die sich dann später, genauso wie in ihrem Ursprungsland, als Rohrkrepierer erwies und von selbst wieder verschwand). Zwei Monate später, Ende März, wiederholte dann RKI-Chef Lothar Wieler exakt dieselbe Prognose – diesmal schon unter Verweis auf die ebenfalls „extrem ansteckende“ indische Mutation (vulgo „Delta“): Die herannahende „dritte Welle“ könnte leicht „100.000 Neuinfektionen pro Tag“ bringen. Auch Karl Lauterbach schloss sich begeistert an. „Uns stehen sehr schwere Wochen bevor„, so der RKI-Cheftierarzt.

Die magischen 100.000 Neuninfektionen

Auch hieraus wurde bekanntlich wieder nichts, im Gegenteil: Trotz der Öffnungen wenige Wochen später rauschten die Zahlen bis knapp an die Nachweisgrenze, in den unteren einstelligen Inzidenzbereich, und machten die gerade erst auf Druck der genannten Experten beschlossene Bundesnotbremse zur Makulatur. Die Regierungsberater waren wieder mal blamiert, blieben jedoch gnädig von Kritik verschont – auch dank der wohlwollenden Demenz des deutschen Medienbetriebs und der bemerkenswerten Verdrängungsleistung eines längst panikkonditionierten Untertanenvolkes.

Und kaum regte sich dann Ende Juli, mit seither endlich wieder zweistelligen und ansteigenden Inzidenzen, neue „Hoffnung“ für die Alarmisten, da weissagten sie sogleich die „vierte Welle„. Die zuvor ob des Verschwindens der Bedrohungslage tief betrübten Panikapostel waren wie elektrisiert: Offensichtlich wachgeküsst durch die frohe Botschaft, dass es endlich wieder „aufwärts“ geht,  warnte sogleich Merkels Kanzleramtschef Helge Braun, es sei „möglich„, dass „…binnen rund zwei Monaten die Zahl der täglichen Neuinfektionen auf 100.000 und die Sieben-Tage-Inzidenz auf einen Wert von 850“ steige. Da muss sich das Virus in den nächsten drei Wochen allerdings ranhalten: denn obwohl die stark steigende Zahl an „Impfdurchbrüchen“ hier kräftig mithilft, dürfte die magische Tageszahl 100.000 auch diesmal wieder um mindestens eine Größenordnung verfehlt werden. Konsequenzen für die wissenschaftlichen Experten, die Braun seine Horrorvisionen diesmal soufflierten (wenn er sie nicht erfunden hat), sind natürlich nicht zu befürchten.

Fehlprognosen gibt es in allen Disziplinen. Doch es ist ein Unterschied, ob sich ein Meteorologe um ein paar Grad vertut, ob er einen Kälteeinbruch vorhersagt und stattdessen Dürre einsetzt. Ob ein Architekt eine Tür um drei Millimeter versetzt plant oder um drei Meter. Ob sich ein Volkswirtschaftler bei einer Wachstumsprognose um wenige Promille irrt, oder ob es statt einem Boom zum Crash kommt. Ob ein Kapitän den Zielhafen um einige hundert Meter verfehlt, oder ob er den falschen Kontinent ansteuert. Das alles gilt anscheinend nicht für die Virologie und Epidemiologie.

Irren ist übermenschlich

Denn wann immer sich sich in irgendeinem Fachgebiet, ob der freien Wirtschaft oder im theoretischen Forschungsbetrieb, vermeintliche Kapazitäten derart extrem und fundamental irrten, würde man sie verdientermaßen zum Teufel jagen und fürderhin kein Stück Brot mehr von ihnen nehmen. Dass dies bei Corona so gar nicht der Fall ist, wird meist damit erklärt (so rechtfertigt sich unser Freund Drosten in seinem NDR-Podcast seit jeher!), der Erkenntnisgewinn zu Sars-CoV2 sei stets ein dynamischer Prozess, schließlich sei dies die erste Pandemie unserer Zeit und man lerne ständig hinzu; was gestern gelte, könne morgen schon widerlegt sein. So funktioniere Wissenschaft eben.

Diese Apologie war schon immer keck bis dummdreist, und zwar in doppelter Hinsicht: Erstens funktioniert Wissenschaft so ganz sicher NICHT. Hier forscht man üblicherweise zuerst gründlich aus – und geht erst dann an die Öffentlichkeit, nach mühsamen Verifizierungs- und Falsifizierungsprozessen, statt ständig neue, widersprüchliche Hypothesen und Momentaufnahmen hinauszuposaunen oder diese gar zu politischen Handlungsempfehlungen zu machen. Und zweitens negiert diese arrogant-selbstgerechte Sichtweise, dass in dieser Pandemie andere Forscher zu völlig anderen Schlüssen und Einschätzungen gelangt sind – freilich jedoch ohne den kurzen Draht in die Corona-Hinterzimmerpolitik und ohne, dass ihnen ernsthaftes Gehör zuteil wurde.

Was die Corona-Entscheidungeliten in diesem Land betrifft, so kommt man langsam, aber sicher ins Grübeln. Sind sie wirklich nur so töricht, den falschen Propheten, allen erwiesenen Irrtümern zum Trotz, bis heute zu folgen und ihnen die (vorgeblich wissenschaftliche) Fundierung weitreichendster Grundrechtseinschränkungen zu überlassen? Oder sind die handverlesenen Experten aus Virologie, Modellphysik, Statistik und Epidemiologie, die sich in ÖRR-Talkshows wie Beratergremien der Bundesregierung gleichermaßen die Klinke in die Hand geben, in Wahrheit nur die nützlichen Idioten einer aus ganz anderen Gründen betrieben Panikinszenierung?