„Du hast die Haare schön…“

Multiple kulturelle Aneignung (Symbolbild:Imago)

Dreadlocks, Rastas… So richtig verstanden habe ich diesen Trend nie. Morgens bin ich froh, wenn es mir gelungen ist, meine Haare zu entwirren, ohne mir den halben Schopf beim Bürsten auszureißen. Auch ein wuscheliger Lockenkopf hat einen gewissen Reiz. Aber diese Dreadlocks finde ich gar nicht ansprechend – und dabei ist es mir vollkommen wumpe, ob der Träger aus Oer-Erkenschwick oder Wagabungu am Woroboro-Fluss stammt. Jedoch: Ein jeder möge mit seiner Frisur selig werden – ob er nun als weißer Surfer unbedingt einen Wischmop auf dem Kopf tragen will, oder als eine schwarze Geschäftsfrau, die sich die Haare zum schicken Bob glattfönen lässt. Letztlich ist es Geschmackssache, die eigene und die des Partners, mit dem jemand zusammen lebt. Angela Bassett sah jedenfalls in „Olympus has fallen” auch mit kurzen Haaren gut aus.

Diese neue Masche von der „kulturellen Aneignung“ verstehe ich ohnehin nicht. Wieder einmal stelle ich mir die Frage: Was wollen die eigentlich von uns? „Fridays for Future” sagt einer Sängerin ab, weil sie als Weiße Dreadlocks trägt. Gnädigerweise hätte sie ihren Auftritt absolvieren dürfen, wenn sie sich die „rassistische“ Frisur abgeschoren hätte. Allein die Vorstellung ist gruselig – so verfuhr man mit französischen oder holländischen Frauen, die im Krieg mit deutschen Soldaten angebandelt hatten und öffentlich bloßgestellt werden sollten. Von Sängerin Ronja M. wurde offenbar ein ähnliches „Bekenntnisritual“ abverlangt. Diesem entzog sie sich allerdings vollkommen zurecht. So scheußlich ich diese Frisur finde, ich glaube, ich hätte mir aus Trotz sogar noch die Haare neongrün gefärbt.

(Screenshot:Twitter)

Vor allem bleibt wieder einmal im Dunkeln, wer den Trend ausgerufen hat – wenn er nicht wieder auf vorauseilenden Gehorsam zurückgeführt werden kann. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass irgendein Migrant sich geweigert hätte, auf Carola Racketes Schiffchen gen Europa umzusteigen, nur weil die junge Dame Rasta-Zöpfe trägt. „Oh nein, bevor ich diese kulturelle Aneignung unterstütze, schwimme ich lieber zurück nach Afrika! Schämt euch, ihr dreckeligen Kolonialisten!“ Das wäre einmal ernstgemeinte, konsequenzenbewehrte Empörung!

Im Allgemeinen freut man sich, wenn Migranten die heimische Kultur annehmen. Man muss es nicht übertreiben, sicherlich wird von keinem Einwanderer aus Nahost erwartet, in Deutschland mit bayerischer Lederhose herumzulaufen oder jeden Tag Leberkäs (natürlich vom Schwein) als öffentliches Bekenntnis zu essen. Aber den Erwerb deutscher Sprachkenntnisse, die Erkenntnis von der Gleichberechtigung der Frau und die Einsicht, dass es recht nett wäre, den Lebensunterhalt irgendwann aus eigener Kraft zu bestreiten, würde ich nun wirklich nicht als Übergriffigkeit auf gewachsene deutsche Traditionen ansehen. Im Gegenteil: Ist dies alles gegeben, erfährt die Willkommenskultur einen gewissen Auftrieb.

Nun gut, ich würde auch ein wenig seltsam dreinschauen, wenn es plötzlich Mode würde, mit den Peyes chassidischer Juden herumzulaufen. Allerdings: Solche Moden vergehen auch wieder – man kann sie merkwürdig finden und auch einmal nachfragen: „Warum machst du das?“ Viele Nichtjuden tragen etwa einen Davidstern aus Solidarität mit Israel. So etwas freut einen nicht verbitterten Menschen doch. Es sei auch jedem Afrikaner unbenommen, einen Europäer mit Dreadlocks seltsam zu finden, aber wenn mich nicht alles täuscht, ist die allgemeine Reaktion darauf etwas liebevoller Spott, aber kein hysterischer Ausbruch.

Ideologisch so konsequent wie ein Wackelpudding

Es ist eine Haarmode, die wahrscheinlich nur ein Häuflein Ideologen auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld stört – das sich selbst beweisen will, wie aufgeklärt und antirassistisch es ist. Natürlich mischen bei so etwas auch die üblichen Lobbyisten wieder mit – die sicherlich eine schrecklich plausible Erklärung parat haben, warum ein Kopftuch bei Sabine-Aisha keineswegs kulturelle Aneignung bedeutet, eine Sängerin aber keine Dreadlocks tragen darf. Diese Ideologie zeigt sich so konsequent wie Wackelpudding – jede Laus, die irgendwem über die Leber läuft, kann morgen schon eine politische Kampagne begründen.

Umgekehrt können aber auch die bei Weißen so beklagten angeblichen Privilegien willkürlich auf bestimmte Gruppen übertragen werden: Man darf sich als weibliche Schwimmerin bei Damenwettbewerben beteiligen, auch wenn sich der Badeanzug untenherum verdächtig beult. So kommt man auch in den Genuss der Frauenquote. Wie die inzwischen verteufelte Autorin J.K. Rowling vollkommen zurecht sagt, verschwinden Frauen und sogar das Wort „Frau”, das durch „menstruierende Person” ersetzt wird, trotz heftiger Quotendebatten immer mehr aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Die Reduktion der Frau auf ihre Monatsregel – das hätten sich religiöse Fanatiker nicht besser ausdenken können – ist offenbar eine lässliche Sünde – aber eine Frisur und ein Toast Hawaii lösen Revolten und Boykotte aus. Wenn das vor ein paar Jahren jemand zum Thema eines Films gemacht hätte, wäre dieser gerade in Deutschland als überdreht und albern von der Presse verrissen worden. In Terry Gilliams „Brazil” löst eine zerquetschte Fliege in einer Druckmaschine eine groteske Ereigniskette aus, auch das könnte ich mir in Deutschland mittlerweile gut vorstellen.

Wenn die große Verschwörung zur Umgestaltung der Welt tatsächlich stattfindet – und einige Berühmtheiten machen keinen Hehl daraus, dass sie daran interessiert sind -, dann muss Deutschland von ihnen als ideales Versuchslabor erkannt worden sein. Während in den USA, von denen mancher Trend zu uns schwappt, wenigstens noch einige große Medien existieren, welche diesem Rummel widerstehen, stürzt man sich bei uns mit Begeisterung auf alles, was Teil einer absurden Kampagne werden könnte. Es gibt Studien darüber, wie sich sogenannte „Alltagsmythen“ verbreiten – der tote Hund im Karton, der quer durch die Republik geschickt wird, ist einer davon – man registriert dabei, wie schnell sich solche Geschichten verbreiten. Es wäre doch einmal interessant zu sehen, ob das auch mit ideologisch besetzten Themen funktioniert!

12 Kommentare

    • Ich kann den ihren Kommentar verstehen. Ich füge mal hinzu: einfach mal ein Bild einer aufgeschnittenen Dreadlock googeln, das erklärt die Hygiene dann ganz gut.
      Früher gabs da mal ein Bild …

  1. Ich finde es super, was fff, die für mich für „fuck for free“ stehen, da abziehen:
    Was gibt es Schöneres, als Idioten, die man für selbige hält, dabei zu beobachten, wie sie die Richtigkeit dieser Einschätzung eindrucksvoll beweisen?
    Was gibt es Schöneres, als diese Idioten dabei zu beobachten, wie sie sich selbst zerfetzen?

  2. Dreadlocks finde ich unappetitlich. Wenn ich jemand damit sehe, fängt es an, mich überall zu jucken, weil ich automatisch daran denke, wer da alles darin lebt.

  3. Auch hier beweist sich wie bei Corona… Kein Mensch gehört sich selbst. Alles äußerliche so unbedeutend es auch für die Politik ist, muss politisiert und in eine Façon der Systemnähe geschnitten werden. Auch wenn es in die Flucht treibt, weh tut und oder tötet. Die Systemtreuen werden euch alle verfolgen bis in den Tod. Unmenschlichkeit wird zur Menschlichkeit A Moral zur göttlichen Moral erhoben, Der Mann wird zum Weib, das Weib zum Mann und die Haare werden rasiert bis auf die Knochen nur damit wir den Interessen der Herrschenden gerecht werden. Das was wir heute erleben ist schlimmer als das Mittelalter Es paart sich grenzenlose politische Dummheit mit Intoleranz und Arroganz der Macht. Es paaret sich Sklaverei mit Feudalismus und Imperialismus mit Faschismus und alles unterm Dach des Kapitals. Das muss so gewollt sein. Und da es die Masse hinnimmt wird es auch erfolgreich sein. Viel Glück allen Kämpfern für die Menschheit.

  4. Ich finde das lustig, wenn total verstrahlte und geistige Tiefflieger sich gegenseitig belehren und erziehen. Für den Augenblick werden andere zumindest in Ruhe gelassen.

  5. Was ist eigentlich mit der kulturellen Aneignung der Schwarzen?
    Es gäbe keine schwarze Musik ohne die europäischen Instrumente.
    Klavier, Trompete, Posaune, Saxophon, Gitarre, Bass… alles aus Europa. Und was ist mit Synthesizern, Computern, Bühnentechnik, Verstärker , Lautsprecher… eig. dürfte dann doch kein Schwarzer irgendetwas technisches verwenden, geschweige denn ein Instrument spielen. Auch Ballett, Oper, Theater wäre ihnen zu untersagen. Und Literatur dürften sie streng genommen auch nicht verfassen, nicht einmal die Schrift verwenden. Nicht einmal Brillen dürften sie tragen. Oder Hosen und Anzüge. Wieso gilt das Kulturaneignungsverbot nur für Weisse?

  6. Und ab sofort kocht ihnen die Mama keine Spaghetti mehr. Ist ja kulturelle Aneignung. Statt dessen gibt es jetzt (auf beste germanische Art, ohne Aneignung römisch-kulinarischen Schnickschnacks) morgens, mittags und abends Haferbrei mit ein Beeren zum Süßen. Fisch und Schweinebraten fällt aus, ist ja nicht vegan. Viel Spaß, ihr blöden Gören!

  7. nix neues. immer nur ärger um’s „weibliche“ geschlecht. der stresspegel verhält sich proportional zur „gleichberechtigung“. besonders witzig, dass ursache und wirkung identisch sindund der belzebub meint den teufel austreiben zu können.

    Mine Fru, de Ilsebill,…NATURGESETZ!

  8. Sorry, wer sich erblödet, für die Schulschwänzerinnen gegen Geld aufzutreten, sollte sich darüber bitte nicht wundern.

    Jedes Wort des Mitleids ist hier fehl am Platze.

    Die Dame hätte ja zur Schere greifen können. Soviel Solidarität sollte sie für die Nichtstuer schon aufbringen.

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