Eigenlob stinkt

Wir sind moralisch untadelig und die Größten! (Symbolbild:Imago)

Es scheint sich hierzulande in letzter Zeit tatsächlich eine spezielle Art von Eigenlob-Kultur etabliert zu haben, vornehmlich den elitären Zirkeln unserer politischen Führung und deren willfährigem Gefolge entstammend. Schlimmer noch; die Umfänge dieser Aktionen könnten sich womöglich immer weiter ausdehnen. Aktuell lobt beispielsweise die resolute SPD-Frontfrau Saskia Esken ihren Parteigenossen Olaf Scholz hinsichtlich seiner Ukraine-Gespräche bei Herrn Putin über den grünen Klee: So sei der ansonsten doch eher farblose Kanzler maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich nun eine Entspannung im Russland/Ukraine Konflikt abzeichne. Was für eine groteske Anmaßung! Desungeachtet schließt Esken ihre Twitter-Eloge mit „Well done, #Olaf Scholz”:

(Screenshot:Twitter)

Dies ist nur eines von unzähligen Beispielen aus jüngster Zeit, in denen sich Protagonisten aus dem linksliberalen Juste Milieu selbst wertschätzen, untereinander Orden und Auszeichnungen verleihen oder ihresgleichen einfach nur eine tadellose Haltung, Anstand und Attitüde in „schweren Zeiten” attestieren. Es ist ein Zurschaustellen der eigenen, hehren Geisteshaltung – wohlgemerkt, ohne sich selbst oder das eigene Handeln je auch nur im Geringsten zu hinterfragen, gemäß der Maxime: Tue irgendetwas, etikettiere es in „gut” um, und melde es der Presse! Eine geradezu fatale Unbedarftheit.

Lob aus berufenem Munde? Fehlanzeige. Stattdessen: Wohlfeile Selbstbeweihräucherungen, oftmals so fernab von jeder Realität und Wahrheit, dass diese Handlungsmuster für Außenstehende zumeist eher befremdlich als angemessen wirken. Wenn zudem noch eine überaus umstrittene Figur wie der ZDF-„Satiriker” Jan Böhmermann einen Medienpreis nach dem anderen abgreift, Dunja Hayali mit sämtlichen nur verfügbaren Trophäen für ihren „Mut”, ihre „Courage” und natürlich einwandfreie Gesinnung bedacht wird – und das nur wenige Jahre, nachdem der ertappte Schwindel-Journalist Claas Relotius, als Mitarbeiter des einstmals ehrenwerten „Spiegel“ die allerhöchste Lobpreisung von der eigenen Zunft erfuhr – beweist dies: Nichts hat sich geändert. An selbstkritischer Reflexion, Demut und Bescheidenheit mangelt es nicht nur Politikern, sondern auch der journalistischen Zunft. Überall hängt man sich selbst Lametta um.

Hier sollten eigentlich alle demokratisch-pluralistischen Alarmglocken läuten. „Ehre, wem Ehre gebührt”: Diese Redewendung wird in Zeiten eindimensionaler, grünlinker Medien- und Politdominanz geradezu ad absurdum geführt. Wohingegen auch die kleinste oppositionelle Einlassung des politischen Gegners – namentlich vor allem der AfD – grundsätzlich mit Hohn, Spott und menschlicher Abwertung aus denselben Kreisen bedacht wird. Selbst dann, wenn deren in der Regel zum Mainstream kontroverse Inhalte in der Sache objektiv berechtigt sind, werden sie niedergebrüllt. Vielmehr gilt: Die linksbunte Moral ist des anderen Gesetz. Wer das nicht glaubt, sollte einmal einer Bundestagssitzung beiwohnen, bei der die AfD am Rednerpult steht.

Es lebe die linke Einheitskultur!

Hier hat sich im Gesamtkontext also einiges verschoben und verzerrt, um es einmal gelinde auszudrücken. Von Selbstreflexion und kritischer Selbstanalyse, die in einer Demokratie eigentlich jedem, der sich in der Öffentlichkeit äußert, gut zu Gesicht stünden, kann heutzutage nicht einmal mehr ansatzweise mehr die Rede sein. Allzu „gut” fühlt es sich wohl an, auf der „richtigen Seite” zu stehen und zudem von einem warmen, medialen Rückenwind politisch getragen zu werden – dabei stets über jeden Zweifel erhaben und aus moralischer Unfehlbarkeit immun gegen jede Art von Kritik.

Vieles spricht dafür, dass solch eine hochtrabende Selbsteinschätzung, welche darüber hinaus zutiefst ideologiefixiert ist, ebenso unangebracht wie gefährlich sein kann. Von solider Bodenhaftung oder gar Demut gegenüber dem Souverän, auch nur von einem veritablen Realitätsbewusstsein sind viele der heutigen „Führungspersönlichkeiten”, die sich tagtäglich in den zahlreichen linken Filter – und Twitterblasen und anderenorts austoben, mittlerweile leider Lichtjahre entfernt.

So ist es aus ihrer Sicht natürlich nicht nur „hochverdient“, sondern auch konsequent, dass wenn sich selbst mit Lobeshymnen überschütten, während sie bei allen Andersdenkenden ihrer Wut, ihrem Zorn (und damit ihrer insgeheim tiefen Frustration) freien Lauf lassen können, besser noch: erst gar keine Gegenmeinung mehr zulassen müssen. Der Vollständigkeit halber wollen wir am Schluss noch einen wahrhaft profunden Kenner der menschlichen Abgründe zu Wort kommen lassen – den großen Charles Dickens, der bereits vor über 150 Jahren zu von Journalisten verbreiteten tendenziösen Wertungen den Aphorismus prägte: „Ich brauche Informationen. Eine Meinung bilde ich mir selbst.

8 Kommentare

  1. Sich selbst loben.

    Das war im nazibraunem faschistischen Dritten Reich so.
    Das war in der rotlackierten faschistischen DDR so.
    Und das ist im jetzigen linksgrünem faschistischen Deutschland so.

    • Ein „linksgrüner“ Faschismus als Handlanger und Erfüllungsgehilfe großkapitalistischer Agenden? Ein bißchen verwirrend, nicht? Enteignungen der 1% finden jedenfalls nicht statt, nur weitere Enteignungen der Bevölkerung.

  2. wenn man nicht mehr gelobt wird, weil man nichts taugt – bleibt immer noch das Eigenlob !
    Aber ich bin sicher, daß sie von Schwab und Gates gelobt werden – nur eben nicht öffentlich !

  3. Was sollen sie auch sonst positives über sich sagen? Erstens tut es kein anderer und zweitens gibt es nichts positives zu sagen.

  4. Ich glaube, sie können auch nichts anderes mehr zulassen als
    nur noch sich selbst. Verstrickt in allen möglichen Betrügereien
    gibt es keine Unvoreingenommenheit mehr. Sie selektieren ständig
    nach dem Grad der Gefährlichkeit, zuviel Wahrheit wäre für sie
    verhängnisvoll. Im Club der Täter adelt man sich gegenseitig,
    verschafft sich so das Gefühl der Überlegenheit. Das ist ihre
    Art zu leben, ein Leben voller Lügen, Reichtum durch Verbrechen
    mit jede Menge Leichen im Keller und davor.

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