Eine Synagoge als Vertreibungs-Disneyland: Ich packe meinen Auschwitz-Koffer und nehme mit…

Eine Synagoge als Vertreibungs-Disneyland: Ich packe meinen Auschwitz-Koffer und nehme mit…

Die von den Gymnasiasten gepackten “Deportationskoffer” in der ehemaligen Fellheimer Synagoge (Foto:Instagram)

Ein sicherer Weg aus einem pathologisch niedrigen Blutdruck ist ein wohl dosierter Konsum des bayerischen Rundfunks. Aber aufgemerkt, wie der Franke sagt, denn bei einer Überdosis drohen Kammerflattern beziehungsweise -flimmern, wahlweise neurologische Ausfälle oder psychotische Erkrankungen. Ein besonderes Schmankerl der Kernverblödung lieferte der Infokanal “BR24” des “Bayerischen Rundfunks” (BR) am vorgestrigen Mittwoch: Dort lief im Stundentakt ein Beitrag über ein Projekt des Künstlers Adi Hoesle. Den kennt zwar kein Schwein, aber er ist immerhin ein Künstler. Unter dem Titel „Sag mir, wo steht unser Mandelbaum“ verbindet die Ausstellung in Fellheim die Geschichte der Shoah mit aktuellen Themen wie Flucht und Vertreibung. Im Mittelpunkt – tote Juden dürfen nun mal nicht fehlen! – steht ein eigens produzierter Film über die Deportation jüdischer Bürger aus Fellheim im Allgäu, der die zeitlose Qual des Heimatverlusts beleuchtet und Besucher dazu einlädt, so das degoutante Ziel, über “vergangene und gegenwärtige Ängste” nachzudenken.

In Zusammenarbeit mit Schülern des Vöhlin-Gymnasiums Memmingen und der Anton-Fugger-Realschule Babenhausen entstanden „Fluchtkoffer“, die metaphorisch darstellen, was junge Menschen heute mitnehmen würden, falls sie fliehen oder deportiert werden müssten. In pennälergerechten, spielerischer Art dürfen 15- und 17-Jährige nachahmen, wie das damals mit der Deportation nach Auschwitz so war. So berichtet ein Schüler, er würde in seinen Fluchtkoffer Stift und Papier mitnehmen, damit er etwas aufschreiben oder etwas zeichnen kann. Frei nach dem Motto: „Ich packe meinen Auschwitz-Koffer und nehme mit“. Diese Ästhetik der Seelenlosen wird Ihnen präsentiert vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Wenn Vergangenheitsbewältigung zur Vergangenheitsvergewaltigung wird

Den Vogel aber schoss letztendlich der BR selbst ab: „Welcher Ort wäre nicht besser für das Thema Vertreibung geeignet als eine Synagoge“, frohlockte die Moderatorin. Und in der Tat: Die Ausstellung des Künstlers Hoesle, den keine Sau kennt, findet in der ehemaligen Synagoge von Fellheim statt. “Ehemalig” deshalb, weil die deutschen Vorfahren das Thema Vertreibung damals nicht spielerisch-künstlerisch, sondern ziemlich praktisch durchzogen: So lebten 1833 dort rund 500 Juden, was 70 Prozent der Ortsbevölkerung entsprach. Ein Jahrhundert später waren sie verschwunden; die letzten Fellachen Juden wurden 1942 nach Theresienstadt verschleppt und ermordet. Für die Moderation scheint es keinen besseren Ort zu geben, ihren morbiden Holocaustphantasien freien Lauf zu lassen, als in einer ehemaligen Synagoge; für sie ist das also der beste Ort zum “Vertreibungs”-Reenactment: Eine jüdische Stätte. Die Tatsache, dass heutiges, lebendiges jüdisches Leben weit mehr zu bieten hat als ständiges Rekurrieren auf die Shoah, scheint für den BR ebenso wie für den Künstler, den keine Sau kennt, keine Option zu sein. Stattdessen lassen sie Schüler darüber sinnieren, was sie denn bei ihrer Deportation so alles in ihrem „Fluchtkoffer“ mitnehmen würden. Die Ausstellung sollte statt „Sag mir, wo steht unser Mandelbaum“ lieber „Sag mir, wo haben wir unser Hirn gelassen“ heißen.

Und so bestätigt der bayerische Rundfunk gemeinsam mit dem Künstler, den so wirklich gar keine Sau kennt, das, was andere längst wissen: Sie versuchen das unmögliche Kunststück, eine positive Zukunft mit einer negativen Vergangenheit zu bauen. Das wird ebenso wenig gelingen, wie die Tatsache, dass der FSV Frankfurt die Champions League gewinnt (wobei letzteres wenigstens wünschenswert wäre). Diese Art von Vergangenheitsbewältigung ist eine Vergangenheits- und Gegenwartsvergewaltigung und bringt keinen einzigen Mehrwert – bis auf den Fakt, dass der BR über einen weiteren unangemessenen Schwachsinn berichten kann, der den Blutdruck des Zuhörers, der noch alle beisammen hat, in luftige Höhen treibt.

4 Kommentare

  1. Je länger Hitler tot ist, desto mutiger und konsequenter wird er bekämpft! Spästens in 50 oder 60 Jahre dürfte auch der letzte Gutmensch im Widerstand gegen Links und den Islam angekommen sein..! Ob die Doku auch den islamischen Antisemitismus umschließt, den wir zuhauf impotieren?? Oder ob mal wieder alles nur Frage der Legitimation ist, wenn man nur den Blickwinkel entsprechend ändert..?

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    1. Zoom-Objektive haben den Vorteil :
      Sie ändern nicht den Standpunkt, wohl aber den Blickwinkel!
      Also damit das Ergebnis, was jeder sehen kann.

  2. Es ist Freitag Abend, der Fasching geht seinem diesjährigen Höhepunkt entgegen, und hier treffen sich tote und untote Entitäten, um sich ihren Blutdruck zu erhöhen. Geniale Geschäftsidee!
    😂😂😂

    Helau! 🥳

  3. Politisch sortierte „Vielfalt“: Hessischer Staatsbeamter fordert Verbot von jüdischem Verein
    Hessens Antisemitismus-Beauftragter Uwe Becker weiß, wie deutsche Demokratie 2026 funktioniert: „Demokratisch“ ist demnach wohl nur, wer stramm auf Staatsräson-Linie ist. Ein jüdischer Verein, der Israels Verbrechen kritisiert, gehört nicht dazu. Öffentlich rief Becker dazu auf, ihn zu verbieten.
    https://rtde.press/meinung/269397-politisch-sortierte-vielfalt-hessischer-staatsbeamter/