Eingeschränkter Jobzugang für Migranten? Eine andere Perspektive

Eingeschränkter Jobzugang für Migranten? Eine andere Perspektive

„Fachkräfte“ aus aller Welt: Eher selten ein Erfolgsmodell (Symbolbild:Imago)

Wieder einmal wird in der deutschen Medienlandschaft eine Studie herumgereicht, Tenor: Zuwanderer seien auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Die entsprechende Untersuchung wurde in der angesehenen Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht und von einem internationalen Forscherteam verfasst. Insgesamt neun westliche Länder wurden untersucht. Das zentrale Ergebnis lautet, dass Zuwanderer etwa 20 Prozent weniger verdienten als Einheimische, dass sich diese Lücke in der nachfolgenden Generation schließe und dass die Lücke vor allem auf „eingeschränkten Zugang“ zu den gutbezahlten Jobs zurückzuführen sei.

Natürlich ist bei einem hochkarätigen Forscherteam davon auszugehen, dass an der reinen Datengrundlage nichts auszusetzen ist. Das ist für seriöse Wissenschaft zwar notwendig, aber eben nicht ausreichend. Neben den reinen Zahlen ist eben auch der Kontext relevant – und dieser fehlt in der vorliegenden Studie völlig. Zwar gibt es Differenzierung, aber eben nicht genug. So wird unterschieden zwischen den Zuwanderern und ihren Nachkommen, außerdem noch nach Herkunftsregionen (Afrika, Naher Osten, Asien, Lateinamerika). Und auch die wirklich relevanten Aussagen der Studie werden nicht einmal im Ansatz bewiesen.

Neue Fragen aufgeworfen

Ein Wert in einer Statistik kann groß oder klein sein. Er ist aber zunächst nur eine Beschreibung und keine Erklärung. Sprich: Man kann nur feststellen, dass ein Wert bei 30 Prozent, 40 Prozent, oder 50 Prozent liegt – aber man weiß eben nicht, warum er genau in dieser Höhe liegt. Die Studie sagt letztlich nur aus, dass Zuwanderer weniger verdienen als Einheimische. Die Ursachen, die sie benennt, werden aber als gegeben vorausgesetzt und nicht weiter erläutert. Die Frage nach dem warum wird aber nur im Ansatz beantwortet und eben diese Antwort wirft neue Fragen auf.

Als Richtwert geben die Wissenschaftler an, dass die Gehaltslücke zu etwa einem Viertel auf die schlechtere Bezahlung im gleichen Job und zu etwa drei Vierteln darauf zurückzuführen sei, dass die Zuwanderer in schlechter bezahlten Jobs landen. Das ist keine revolutionäre Erkenntnis und deckt sich in etwa mit dem Kenntnisstand zum Gender Pay Gap, also der Lücke im Einkommen zwischen Männern und Frauen. Diese beträgt etwa 20 Prozent über alle Berufe hinweg und etwa 5 Prozent, wenn man sie bereinigt, sprich untersucht, ob Frauen im gleichen Job weniger verdienen als Männer.

Fast aussagelose Restlücken

Die Frage, ob Frauen im gleichen Job weniger verdienen als Männer, ist aber trotz der verbleibenden Lücke von 5 Prozent nicht geklärt. Denn wie oft arbeiten beide Geschlechter schon im gleichen Job? Eher selten. Manchmal arbeiten Männer und Frauen nicht nur im gleichen, sondern im selben Job. Also in derselben Firma im selben Büro. Doch das sind Ausnahmefälle. Um sich der Antwort anzunähern versucht man dann, möglichst viele Daten aufzutreiben, um möglichst genaue Aussagen zu treffen. Beispielsweise lässt sich zeigen, dass männliche Ärzte mehr verdienen als weibliche Ärzte. Ist das schon der gleiche Job? Eher nicht. Denn auch die Medizin ist in viele kleine Teilbereiche unterteilt, in denen jeweils unterschiedlich viel gezahlt wird. Wie viel verdient eine Chirurgin, wie viel ein Radiologe, wie viel der Hausarzt um die Ecke?

Auch wenn zwei Banken einen männlichen und einen weiblichen Bewerber haben, lässt sich lange darüber streiten, wer der bessere Kandidat ist. Soll man die bessere Abschlussnote oder die angesehenere Universität stärker gewichten? Vielleicht sind Sprachkenntnisse ausschlaggebend, wenn eine Expansion ins Ausland ansteht. Vielleicht ist der direkte Kontakt zum Kunden wichtiger als die reine Stärke in Mathematik. Die wenigen Prozent also, die in der Lohnlücke zwischen Mann und Frau verbleiben könnten, ebenso eine Diskriminierung sein, aber ebenso gut eine einfache statistische Unschärfe. Nichts genaues weiß man nicht.

Linke Differenzierungsabneigung

Wenn also im Falle der Migranten eine ähnlich große Lücke bleibt, dann darf man diesen Fakt nicht überbewerten. Erst eine deutlich größere Lücke würde Anlass zu kritischen Fragen bieten. Und auch die These vom „eingeschränkten Zugang“ zu den besser bezahlten Jobs bleibt wackelig. Denn diese wird einfach in den Raum gestellt und nur äußerst dürftig belegt. Da ist einmal die Rede von mangelhaften Sprachkenntnissen. Doch je nach Job sind solche Kenntnisse unabdingbar und damit ein objektives Einstellungskriterium. Schwieriger ist da schon eher die Frage nach der Anerkennung von Abschlüssen aus dem Ausland: In einem Dritteweltstaat ist das Niveau an einer Universität logischerweise niedriger, ein akademischer Grad also kaum mit einem hiesigen zu vergleichen. Manchmal hingegen legt die Bürokratie tatsächlich qualifizierten Migranten unnötig Steine in den Weg.

Bei der Generation der Nachkommen fällt die Lücke kleiner aus – denn logischerweise fallen diese genannten Punkte dort nicht mehr ins Gewicht. Gänzlich verschwinden tut sie allerdings auch nicht. Und dass dies an einer generell niedrigeren Qualifikation liegt, wird in der Studie einfach nicht behandelt. Ironischerweise sind es oftmals Linke, die dem rechten Diskurs unterstellen, pauschal von „den“ Migranten zu sprechen, ohne zu differenzieren. Dabei zeigen gerade Studien wie diese, dass es genau umgekehrt ist. Wen darf man mit Blick auf die USA eigentlich als Migranten bezeichnen? Dies würde sowohl auf die weiße als auch auf die schwarze Bevölkerung zutreffen, während die eigentlichen Amerikaner die Natives sind – die allerdings zur Minderheit im eigenen Land geworden sind.

Es ist kompliziert

Bekanntermaßen klafft zwischen Weißen und Schwarzen in den USA eine riesige Lohnlücke von etwa einem Drittel. Dieser Unterschied bleibt aber unsichtbar, wenn man beide Gruppen als die ansässige Bevölkerung betrachtet. Umgekehrt gab es in den vergangenen Jahren aber eine Einwanderung von Nigerianern in die USA, die diesem Befund widerspricht. Denn es wanderte hauptsächlich die intellektuelle Elite des Landes ein. Die meisten dieser Neuankömmlinge haben einen Universitätsabschluss. Und so haben die nigerianischen Einwanderer in den USA sogar ein leicht höheres Durchschnittseinkommen als die weiße Bevölkerung.

Dies allein spricht dagegen, dass der Lohnabstand zwischen Weißen und Schwarzen auf Rassismus zurückzuführen ist. Die Mehrheit der Afroamerikaner stellt eben einen Querschnitt der westafrikanischen Bevölkerung dar, die weitgehend wahllos versklavt wurde, im Gegensatz zur Bestenauslese in der jüngeren Migrationsbewegung. Auch müsste man von Land zu Land unterscheiden, wie genau sich die Migranten zusammensetzen. In den USA gibt es im Vergleich zum nördlichen Nachbarn Kanada einen höheren schwarzen, aber einen niedrigeren asiatischen Bevölkerungsanteil. Üblicherweise verdienen Asiaten mehr Geld als Afrikaner.

Entscheidend ist immer, wer einwandert

Und was ist mit den Migranten aus dem Nahen Osten? Auch hier ist die Lage weit komplizierter als gedacht. Die Iraner, die ab 1979 vor der Herrschaft der Mullahs flohen,on automatisch an Clan-Strukturen, die vor allem in Berlin ihr Unwesen treiben. In den USA hingegen sind Libanesen in aller Regel gut integriert. Das liegt daran, dass verschiedene Segmente der libanesischen Gesellschaft in ihre Gastländer ausgewandert sind. In den USA sind viele Libanesen Christen, die vor der Gewalt im langjährigen Bürgerkrieg flüchten mussten.

In Deutschland wiederum ist ein Integrationsdefizit der Türken offensichtlich, in Großbritannien nicht. Dort stimmten sie beispielsweise mehrheitlich gegen den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Heißt das, dass Großbritannien das Geheimnis der gelungenen Integration entdeckt hat? Keineswegs. Denn die dortigen pakistanischen Parallelgesellschaften zeugen vom Gegenteil. Entscheidend ist: Großbritannien erlebte eine pakistanische Masseneinwanderung, Deutschland hingegen eine türkische Masseneinwanderung. Die zahlenmäßig weniger stark vertretenen Türken in Großbritannien stellen wieder eine Positivauswahl dar.

Riesiger Datenwust

Auch haben verschiedene Länder eine unterschiedliche Einwanderungspraxis. In Deutschland lockt für viele Migranten der Sozialstaat, in Kanada hingegen wird auf die berufliche Qualifikation Wert gelegt. Dies hat auch entsprechende Folgen. Offensichtlich muss man nur Druck machen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Nur stimmt das leider nicht. Es gibt nun mal eher „Macher“ oder „Hartzer“. Und jedes Land zieht eben mit seiner Politik die entsprechende Klientel an. Wer einmal im Land ist, wird sich vermutlich nicht ändern. Doch zu so viel Differenzierung ist “Nature” offenbar nicht imstande.

Und was ist mit der These der Diskriminierung? Die Studienautoren sprechen am Rande an, dass vorherige Studien auf rassistische Benachteiligung hindeuten, führen diesen Punkt aber nicht weiter aus. Zwar dürfte es einen solchen Effekt geben, doch dieser fällt vermutlich eher gering aus. Die schlechtere Qualifikation der Migranten ist der ausschlaggebende Faktor. Auch hier gilt: Es ist nahezu unmöglich, die berufliche Qualifikation in jedem einzelnen Fall angemessen zu bewerten. Über verschiedene Länder, Universitäten, Fachbereiche und so weiter hinweg, stünde man einem riesigen Datenwust gegenüber, der die Unklarheit eher noch vergrößern würde.

Der Schlüssel ist der IQ

Doch es gibt eine Möglichkeit, Licht ins Dunkel zu bringen und die Vielzahl der Möglichkeiten in einer einzigen Variable zusammenzufassen: Die Intelligenz eines Menschen ist der wichtigste Einflussfaktor für seinen Erfolg auf dem Arbeitsmarkt. In den USA beispielsweise stehen Weiße bei durchschnittlich 100 IQ-Punkten, während Schwarze nur bei 85 liegen (Hispanics befinden sich etwa in der Mitte, Asiaten liegen sogar leicht vor den Weißen). Mit dieser Herangehensweise schrumpft der Gehaltsabstand zwischen Weißen und Schwarzen deutlich zusammen. Bildet man Paare, also vergleicht zum Beispiel Weiße und Schwarze die beide jeweils 90, 100 oder 110 IQ-Punkte haben, dann ist bei jeder einzelnen dieser Kombinationen nur noch ein sehr geringer Gehaltsunterschied festzustellen. Bei gleicher Qualifikation hat ein Schwarzer also sehr wohl gute Chancen auf dem Berufsmarkt.

Deutschland tut sich etwas schwer mit der Untersuchung von IQ-Unterschieden, und daher gibt es nur vergleichsweise wenige Studien. Manchmal hingegen packt doch jemand das heiße Eisen an: Eine jüngere Studie unter der Federführung des Psychologen Heiner Rindermann bescheinigte syrischen Flüchtlingen einen IQ von 85 bis 90. Darauf basierend darf man sich keine allzu großen Hoffnungen auf ein neues Wirtschaftswunder machen.

2 Antworten

  1. Ende Juni alleine in Sachen rund 10.000 Lehrstellen nicht besetzt! In einem Land, in dem einstmals der Zweite als erster Verlierer galt, ist das wie auf dem Bild da oben leider die Antwort!

  2. Wie man sich als Politiker äußert wenn einem gewaltigst ins Hirn geschissen wurde: 1. Die Türken haben nach dem Krieg Deutschland wieder aufgebaut. 2. Die Syrer halten Deutschland am Laufen. 3. Wir brauchen noch mehr Ausländer wegen dem Fachkräftemangel – Gut, hier machen jeden Tag Firmen zu und wir schmeißen tausendfach deutsche Fachkräfte raus in die Arbeitslosigkeit, aber das ist etwas anderes. 4. Jetzt ist es erst Mal wichtig das die Leute bis 70 arbeiten – ja, das sagen die gleichen Leute die ab 50 niemanden mehr einstellen wollen, aber das ist etwas anderes.

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